Verbrechensbekämpfung “Hamburger Schule”

Hamburg gilt traditionell als Hochburg liberaler und toleranter Einstellungen. Für die Hamburger Innenpolitik gilt das seit einigen Jahren nicht mehr. Treibende Kraft bei diesem Abbau der Bürgerrechte ist Innensenator Udo Nagel, und sein besonderes “Steckenpferd” ist das Jugendstrafrecht, auf diesem Gebiet ergreift er auch bundespolitische Initiative.
hpd-online hat sich in einem Artikel mit diesem Problem beschäftigt - und damit, was Jochen Goerdeler, als Geschäftsführer der Deutschen Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen (DVJJ) ein ausgewiesener Fachmann, vom der “knallharten” Linie Nagels hält: Warnschussarrest” und „Killerspiel”-Verbot.

Nun sind deutsche Innenminister, egal welcher politischen Richtung, für ihren gesetzgeberischen Aktionismus und ihr gespanntes Verhältnis zu Bürger- und Menschenrechten bekannt.
Udo Nagel
ist dennoch ein Sonderfall: er ist “von Haus aus” Polizist und war bis 2002 Kriminaldirektor in München. Er galt als fähiger, aber “knallharter” Fachmann für Kriminalitätsbekämpfung.
2002 wurde er vom damaligen Hamburger Innensenator, dem Rechtspopulisten Ronald B. Schill, zum Hamburger Polizeipräsidenten ernannt. Das erfolgreichte Wahlkampfthema des ehemaligen Amtsrichters Schilld war die (angeblich dramatisch gestiegene) Kriminalität - so war es nicht erstaunlich, dass Schill “Deutschlands erfolgreichten Verbrechensbekämpfer” engagierte.
Anmerkung: tatsächlich kann von einem Anstieg der Kriminalität innerhalb der letzten Jahre keine Rede sein - im Gegenteil. Aber selbst bei Politikern, die keine Scharfmacher im Sinne Schills sind, stimmen Fakten und politisches Bewußtsein sehr oft nicht überein.
Als Polizeipräsident erwies Nagel sich als kompetenter Fachmann (der durchaus nicht mit Kritik an seinem “Gönner” Schill zurückhielt), aber auch als “harter Hund” - Typus ehrfahrerener, argwöhnischer Kripo-Mann, Verbrecherjäger aus Berufung, manchmal übereifrig.

Nachdem Schill als Innensenator vor allem durch Skandale auf sich aufmerksam machte und schließlich sogar versuchte, den Ersten Bürgermeister zu erpressen, kam es zu Neuwahlen. Nagel würde Innensenator.
Auch wennn Nagel ein besseres Verständnis vom Rechtsstaat hat als sein äußerst autorität denkender Vorgänger - er ist ein Hardliner und denkt bei seinen Gesetzesinitiativen ganz als Polizist. Hauptziele: hohe Aufklärungsquote, Prävention durch Abschreckung.

Nagel steht allerdings mit seine “harten Linie” nicht allein. Auch unter Hamburger Strafrichtern gibt eine “Null-Toleranz-plus Schule”, für die die Sicherheit vor anderen Rechtsgütern Priorität genießt - zu der übrigens auch “Richter Gnadenlos” Schill gehörte. Hamburger Gerichte machten nicht von ungefähr durch knallharte Urteile, u. A. im Medienstrafrecht, von sich reden.
Der Hamburger Landgerichtspräsident Kai-Volker Öhlrich machte vor etwas zwei Jahren mit dem Vorschlag von sich reden, in besonders auffälligen Stadtteilen Sperrbezirke einzurichten, in denen das Tragen von Messern generell verboten sein solle. Wer sich nicht daran halte, könne nach dem Hamburgischen Gesetz zum Schutz der öffentlichen Sicherheit und Ordnung (SOG) präventiv kurz in Haft genommen werden.
Ganz auf der harten “Hamburger Linie” liegt der Hamburger Polizeipräsident Werner Jantosch, der Anfang Januar 2007, zwecks Bekämpfung der zunehmenden Gewaltkriminalität unter Jugendlichen das Landeskriminalamt beauftragt, die Ursachen zu erforschen und daraus Ansätze für polizeiliche Maßnahmen zu entwickeln. Nach Einschätzung der Innenbehörde handele es sich dabei um ein bundesweites Phänomen. Aus diesem Grund hat Innensenator Nagel Vertreter aller Landesinnenministerien und des Bundesinnenministeriums für den 22. bis 24. Januar nach Hamburg eingeladen.
Die dreitägigen Fachkonferenz “Handeln gegen Jugendgewalt” erbrachte dann auch die zu erwartenden Ergebnisse. Die Jugendgewalt soll mit Staatsgewalt bekämpft werden. Einige der Vorschläge:

  • Veränderung des Haftrechtes, um die Inhaftnahme jugendlicher Gewalttäter zu erleichtern
  • regelhafte Anwendung des allgemeinen Strafrechts auch für Heranwachsende (18- bis 20-jährige Gewalttäter).
  • Einführung eines „Warnschussarrestes”, d.h., eine mehrtägige bis 4-wöchige Haft für jugendliche Gewalttäter.
  • Einführung eines Waffentrageverbotes für bestimmte Gebiete.
  • Verbot von so genannten Killerspielen als Signal, dass die Gesellschaft virtuelles Töten nicht toleriert.
  • erleichterte Möglichkeit für Familiengerichte, Weisungen für Eltern und Kinder erlassen zu können.
  • erleichterte Möglichkeit der Unterbringung und des Sorgerechts-Entzuges.
  • Antragsrecht des Jugendamtes für erzieherische Maßnahmen beim Familiengericht auch ohne vorherigen Sorgerechtsentzug.

Innensenator Udo Nagel ist mit den Ergebnissen der Fachkonferenz sehr zufrieden. Er wird diese Maßnahmen auf der nächsten Innenministerkonferenz in Berlin vorstellen.

Zu fragen wäre, wieso ausgerechnet das “liberale Hamburg” Vorreiter dieser harten, Bürgerrechte einschränkenden, Linie ist. Eine Frage, die auch mit Blick auf das “liberale” Großbritannien interessant ist, dass sich unter der Regierung Blair zum Vorreiter des Überwachungsstaats entwickelte.

Ohne Frage ist die harte Hamburger Linie zum Teil “Erbe” des Rechtpopulisten Schill. Wobei zu fragen wäre, wieso Schill seinerzeit mit seinen platten Parolen gut 18 Prozent der Wähler gewinnen konnten, weshalb seine rechtstaatswidrigen Eskapaden so lange geduldet wurden und weshalb der CDU-Regierung die harte Linie nach Schill nicht zurücknahm und sogar die Hamburger SPD auf einen “harten” Kurs einschwenkt.

In den 80er Jahren gab es gerade im Jugendstrafrecht (und gerade in Hamburg) einige publikumswirksame Skandale, vor allem um “Crash-Kids”, die der “Sozialpädagogisierung des Jugendstrafrechts” angelastet wurden. Die Folge war ein Rückschlag zur Abschreckungs-Padägogik.
Die “gefühlte Kriminalität” ist in einer Millionenstadt wie Hamburg besonders hoch. Hinzu kommt, dass Hamburg wie alle Hafenstädte besonders viele Delikte im Zusammenhang mit Schmuggel und Wirtschaftskriminaliät hat, die beim reinen Zahlenvergleich Hamburg schlechter aussehen lassen, als z. B. München.
Hamburg hat ferner die Besonderheit, dass einer der wichtigsten Touristenattraktion der der Stadt, die Reeperbahn-Gegend in St.Pauli Süd, zugleich ein traditioneller Schwerpunkt der Kriminaltät ist. Aktionistische “Sicherheitsmaßnahmen”, wie flächendeckende Kameraüberwachung scheinen einen Ausweg aus diesem im Grunde unlösbaren Dilemma zu geben.
Eine weitere “Hamburger Spezialität” ist die “Hamburger Zelle” der Al Quaida, die an den Anschlägen vom 11. September 2001 beteiligt war. Hamburg hatte in der Folge den Ruf, eine “Terroristenhochburg” zu sein, es gab Vorwürfe, vor allem aus den USA und aus Bayern, die Hamburger Sicherheitsbehörden wären fahrlässig nachlässig gewesen.

Bedeutsam für diese und andere “Hamburger Sonderwege” ist, dass in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen Kommunalpolitik und Landespolitik eine Einheit bilden. In der Folge schlagen lokale Skandale und Befindlichkeiten sofort auf die “große Politik” durch.

Aber der entscheidende Grund für die “harte Linie” liegt meines Erachtens woanders: Traditionelle legitimierte sich der Staat in Deutschland als “Wohltäter”. In Zeiten, in denen der Staat den Bürgern (anscheinend oder tatsächlich) keine ausreichende Sozial-, Renten- und Gesundheitsversorgung mehr anbieten kann (oder will), versagt diese Legitimierung. Hamburg ist, als wirtschaftlich gesunde Region, zwar kein “sozialer Problemschwerpunkt”, kämpft aber mit eine strukturell bedingten hohen “Sockelarbeitslosigkeit”. Diese Arbeitslosigkeit wird meistens dem Staat - konkret: der Wirtschaftpolititk des Hamburger Senats - angelastet: “Wieso gibt es so viele Arbeitslose trotz blühender Wirtschaft?” Die auseinanderklaffende Einkommensschere zwischen enormen Reichtum und unübersehbarem Elend ist in Hamburg sichbarer als in anderen Regionen, “Glitzerhamburg” mit seinem beeindruckenden Luxus und “Gammelhamburg” grenzen unmittelbar aneinander, die Kontraste knallen - das “gefühlte Elend” und die “gefühlte Gefahr” (für die gut verdienenden Hamburger, durch befürchtete “Armutskriminalität”) übersteigt die wirklich vorhandenen Mißstände.
Hamburg ist anderseits wie andere Großstädte hoch verschuldet. Es herrscht öffentlicher Sparzwang (trotz der Vorliebe Ole von Beusts für kostspielige “Leuchtturmprojekte”). Eine weitere Folge: relativ hohe kommunale Steuern und Abgaben.
Um die hohen Ausgaben für die eigene Unterhaltung zu rechtfertigen, propagiert die politische Führung, in Hamburg und anderswo, den Sicherheitsstaat und die Einschränkung von Freiheitsrechten. Sie legitimierr sich als Schutz der Bürger vor Bedrohungen - weil andere Legitimationen längst unglaubwürdig geworden sind.

Das allgemeine Gefühl der Angst, dass durch Strafrechtsverschärfungen und überzogene und praktisch undurchsetzbare Sicherheitsmaßnahmen eher noch angeheitzt wird, kommt autoritär gesonnenen Politikern sehr gelegen: Denn wer Anst hat, muckt nicht auf.

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27 Kommentare zu “Verbrechensbekämpfung “Hamburger Schule””

  1. FAB.
    30.01.2007 | 9:26

    Bis auf das (in diesen Tagen anscheinend unvermeidbare) dämliche Stichwort “Killerspiele” und den mir eher unheimlichen Vorschlag, ausgerechnet dem Jugendamt mehr Machtbefugnisse beim Eingriff in Familien zu geben, halte ich die oben aufgezählten Maßnahmen für richtig und dringend geboten.
    Mit der genannten Einschränkung sehe ich darin auch weder eine besonders “harte Linie” noch Kollisionen mit irgendwelchen “Bürgerrechten”.
    Der oben verlinkte 3sat-Beitrag ist verdächtig. Er erweckt den Eindruck, als ob die Kriminalitätsbelastung allgemein zurückgegangen sei, nennt konkrete Zahlen aber nur für einzelne Deliktsarten wie Banküberfall und Mord, die erstens ohnehin eher selten sind und statistisch nicht ins Gewicht fallen, andererseits auch immer schon besondere Verfolgungsintensität nach sich zogen, sodaß hohe Aufklärungszahlen in diesen Bereichen nicht verwundern.
    Was aber ist mit der alltäglichen Gewaltkriminalität auf öffentlichen Straßen und Plätzen? Der Wahrscheinlichkeit, daß man selbst auf nächtlicher Straße oder das Kind auf dem Schulweg von gewalttätigen Asozialen angefallen wird? Das ist es doch, was die - angeblich zu unrecht - “gefühlte Kriminalität” bestimmt, nicht, wie oft man in der Zeitung von einem Bankraub liest.

  2. 30.01.2007 | 9:59

    @FAB:
    Tut mir leid, die alltägliche Gewaltkriminalität ist auch leicht zurückgegangen, jedenfalls aber nicht angestiegen (je nachdem, über welche Region Deutschlands wir reden). Allerdings lebt natürlich jeder subjektiv gesehen in einer viel unsichereren Zeit als früher, besonders wenn er Kinder hat.

    Und das besonders Traurige ist, dass sich kaum ein reziproker Zusammenhang zwischen steigender Härte der Sanktionen im Strafrecht und der Verbrechensdichte herstellen lässt. Mit zunehmender Härte (vor allem mit zunehmender Bereitschaft zur Inhaftierung) sinkt zwar die Zahl der Einmaltäter, geht aber gleichzeitig die Zahl der Mehrfachtäter nach oben. Das liegt vor allem daran, dass “gewöhnliche Jugendliche” immer mehr Angst vor dem Gesetz haben, jemand, der schon ein- oder zweimal mit kleinen Delikten aufgefallen ist, sich bereits als ein völlig aus der Gesellschaft ausgeschlossener Krimineller empfindet und dementsprechend handelt.

    Wobei ich im Endeffekt gar kein Gegner von früheren und eindeutigeren Reaktionen der Justiz auf jugendliche Gewaltdelinquenz bin. Nur die Position, mit Härte allein ließe sich etwas erreichen, teile ich nicht.

  3. 30.01.2007 | 10:10

    Das hat in Hamburg ja eine lange Geschichte. Ich denke da an die E-Schichten der Bereitschaftspolizei, die in den 1980ern schon mal Jugendliche und junge Erwachsene verprügelten, weil sie rein optisch ins Feindbild passten, also wie Punks aussahen oder einfach wein wenig zu bunt waren. Die nämlichen Beamten dürften heute nicht mehr im Straßendienst sein, ob aber der von ihnen herangezogene Nachwuchs so sehr viel anders ist, bleibt abzuwarten. Wenn die von oben losgelassen werden, gute Nacht.

  4. R.A.
    30.01.2007 | 11:04

    Ich sehe das eher wie FAB: Die Hamburger Maßnahmen sind in einigen Punkten merkwürdig, aber insgesamt gerechtfertigt sind.

    Ob die offiziellen Statistiken nun Anstieg oder Absenkung behaupten ist recht nebensächlich, Fakt ist, daß in einigen Bereichen ein deutlich zu hohes Kriminalitätsniveau vorhanden ist, und wir eine größere Anzahl von Jugendlichen haben, die de facto verwahrlost aufwachsen und schon in sehr jungen Jahren hochkriminell sind.

    Wobei es natürlich nicht so ist, daß man das alleine mit dem Strafrecht lösen könnte.
    Nur: Ansonsten gibt es ja fast keine Initiativen oder Möglichkeiten mehr, das Problem anzugehen.

    Die Jugendämter verwalten nur noch hinterher, und die Schulen sind weitgehend hilflos, weil man ihnen im Zuge der 68er-Ideen ALLE Sanktionsmöglichkeiten genommen hat, um auf Problemfälle einzuwirken.

    Ich habe in meiner Zeit als Jugendgerichtsschöffe erschreckende Fälle erlebt von Tätern, die schon mit 12, 13 Jahren völlig ins Asoziale abgeglitten waren und sich über jeden Regelungsversuch kaputt lachten, weil sie genau wußten, daß ihnen wegen Strafunmündigkeit nichts passieren kann.

    Und wenn die dann verknackt werden dürfen, hat sich schon so ein Register angesammelt, daß sie beim geringsten Anlaß über längere Zeit in den Knast kommen - und dort dann endgültig abrutschen.

    So etwas wie “Messerverbotszone” oder “Warnschutzarrest” scheint mir da sehr sinnvoll zu sein.
    Und noch besser wäre es, wenn Schulen und Sozialbehörden das mit positiven Maßnahmen flankieren würden: Zuckerbrot UND Peitsche ist halt gleichermaßen nötig.

  5. 30.01.2007 | 11:31

    @R.A.:

    Und wenn die dann verknackt werden dürfen, hat sich schon so ein Register angesammelt, daß sie beim geringsten Anlaß über längere Zeit in den Knast kommen - und dort dann endgültig abrutschen.

    Und noch besser wäre es, wenn Schulen und Sozialbehörden das mit positiven Maßnahmen flankieren würden: Zuckerbrot UND Peitsche ist halt gleichermaßen nötig.

    Dann siehst Du es ja eigentlich eher wie ich. :)

    Übrigens geht es nicht um die “offiziellen” Statistiken, denn die haben oft eine erschreckend geringe Aussagekraft. Ich beziehe mich eher auf Studien von kriminologischen Forschungsinstituen, die eben etwas mehr tun als nur die polizeiliche Kriminalstatistik abzubilden.

  6. Llarian
    30.01.2007 | 12:01

    Ich denke auch, dass FAB es sehr gut getroffen hat. Die Freiheitseinschränkung in einer bestimmten Gegend ein Messer zu tragen erscheint mir durchaus undramatisch. Ebenso halte ich es für eine pädagogisch bekannte Tatsache, dass Sanktionen nur etwas bewirken können, wenn sie konsequent und zeitnah ausgeführt werden. Man darf sich nicht wundern, dass es bereits fertige 14-jährige Kriminelle gibt, wenn denen Jahre vorher nie eine Konsequenz geblüht hat.
    Der Nano-Beitrag erscheint mir wenig hilfreich, zumal die tatsächliche Kriminalitätstatistik für Hamburg durchaus online zur Verfügung steht. Wenn man der Hamburger Politik seit Roland Schill tatsächlich eine harte Hand unterstellt, dann muss man sagen, haben diese Leute Recht, denn seitdem ist tatsächlich ein Rückgang zu beobachten. Ich halte nur von solchen Statistiken wenig. Mir ist bei meinem Auto in den letzten 8 Jahren dreimal die Scheibe eingeschlagen worden. Eine davon hat dann auch tatsächlich ihren Weg in eine Statistik gefunden, die anderen habe ich so bezahlt, weil es ohnehin sinnlos ist, deswegen zur Polizei zu dackeln. Auch die Jugendlichen und Kinder, die auf dem Schulweg mal “eben abgezogen” werden tauchen in keiner Statistik auf. Etliche Vergewaltigungen (im Polizeideutsch Taten gegen die sexuelle Selbstbestimmung) werden nie angezeigt, vor allem wenn Opfer und Täter sich kennen. Überall da wo Angst des Opfers involviert ist, besteht eine Neigung keine Anzeige zu erstatten aus Angst vor weiteren Taten. Vielleicht habe ich ja in meiner Jugend in einer Insel der Glückseeligkeit gelebt, aber auf den von mir besuchten Schulen wurden keine Jacken, Walkmen oder Turnschuhe “abgezogen”. Ist das, weil das heute wohl verbreitet ist, auch nur eine “gefühlte” Erhöhung der Kriminalität ?

  7. R.A.
    30.01.2007 | 12:07

    @Karsten:
    > Dann siehst Du es
    > ja eigentlich eher
    > wie ich.
    Ich habe Dir ja auch gar nicht widersprochen ;-)

    > Ich beziehe mich
    > eher auf Studien
    > von kriminologischen
    > Forschungsinstituen
    Die kenne ich nicht, und so richtig interessant finde ich die auch
    nicht.

    Weil es mir weniger auf die Veränderungen ankommt, als auf die unhaltbaren Zustände in manchen Stadtteilen und Schulen.

    Eine Gesellschaft ohne Kriminalität wird es nie geben, aber daß die Politik (bis auf die Strafrechtsreaktion) seit langer Zeit einfach wegschaut, wie (vor allem ausländische) Kinder systematisch in die Kriminalität abrutschen, das macht mich wütend.

  8. 30.01.2007 | 12:09

    @Llarian:

    Insel der Glückseligkeit, nehme ich an. Vermutlich die richtige Schulform in der richtigen Gegend. Denn ich darf doch mal bezweifeln, dass Deine Penne eine Hauptschule in Berlin-Neukölln oder Köln-Chorweiler war, oder?

    Das Anzeigeverhalten hat sich übrigens hin zu deutlich mehr Bereitschaft entwickelt, eine Straftat auch anzuzeigen, was für gewöhnlich zu einem Anstieg der Kriminalstatistiken führt. Und wo ich Dir recht geben muss: Die reine PKS ohne weitere Daten und Interpretation hat eben nur geringe Aussagekraft.

  9. R.A.
    30.01.2007 | 12:10

    @Llarian:
    > Überall da wo Angst
    > des Opfers involviert
    > ist, besteht eine
    > Neigung keine Anzeige
    > zu erstatten aus Angst
    > vor weiteren Taten.
    Exakt.
    Und das bedeutet: Genau wenn sich ein kriminelles Milieu erst einmal verfestigt hat, nimmt die offizielle Kriminalität deutlich ab.

    > aber auf den von mir
    > besuchten Schulen
    > wurden keine Jacken,
    > Walkmen oder
    > Turnschuhe
    > “abgezogen”.
    An den meisten Schulen ist das heute immer noch so.
    Um so schlimmer ballen sich die Probleme dann an den übrigen.

  10. 30.01.2007 | 12:15

    @R.A.:

    > Studien
    > von kriminologischen
    > Forschungsinstituen
    Die kenne ich nicht, und so richtig interessant finde ich die auch nicht.

    Sind sie aber durchaus. Denn beim KFN und anderen Forschungseinrichtungen dieser Art geht es auch und sehr stark um die Ursachen von Kriminalität und die empirische Untersuchung von Strategien gegen diese.

    Eine Gesellschaft ohne Kriminalität wird es nie geben, aber daß die Politik (bis auf die Strafrechtsreaktion) seit langer Zeit einfach wegschaut, wie (vor allem ausländische) Kinder systematisch in die Kriminalität abrutschen, das macht mich wütend.

    Mich auch. Ebenso wütend macht es mich allerdings, wenn Leute wie dieser eidbrüchige Richter in Hamburg oder der Exgeneral in Potsdam bei den Menschen den Eindruck erwecken, mit einer entsprechend härteren Gangart der Polizei und der Gerichte könnte man alles regeln. Na gut, aber ich bin auch sauer, wenn führende Vertreter der Wissenschaft, die ich erlerne, von einer perfekten Welt träumen und versuchen, die Leute glauben zu machen, man könne das Strafrecht ganz abschaffen und positive Veränderungen nur über Verständnis erreichen.

    Es sind eben Zuckerbrot UND Peitsche, die heutzutage fehlen und vielfach durch Gleichgültigkeit und sinnlose Aufgeregtheit ersetzt wurden.

  11. 30.01.2007 | 14:55

    Gegen Zuckerbrot und Peitsche im pädagogischen Sinne oder Messerverbotszonen hätte ich gar nichts einzuwenden, ich erinnerte mich mehr daran, wie Repression in Hamburg in der Vergangenheit schon ausgesehen hatte.

  12. FAB.
    30.01.2007 | 15:10

    Alle folgenden Zahlen sind der Kriminalstatistik des BKA, Zeitreihen 1987-2005 entnommen
    Daraus ergibt sich: Speziell bei Bankraub und Mord gibt es eine deutliche Zunahme Anfang/Mitte der 90er Jahre (nach der Grenzöffnung Ost). Von dem Maximum Mitte der 90er sind wir langsam wieder herunter gekommen, sodaß der Zehnjahresvergleich 1995-2005 tatsächlich die bei 3sat behaupteten beeindruckenden Rückgänge ergibt - für diese spektakulären Delikte. Ähnliches gilt für Wohnungseinbruch, man erinnere sich an die von der Presse so genannten “Rumänenbanden” in den 90ern.

    Ganz anders sieht es aus bei Delikten, die weniger von durchreisenden Profikriminellen begangen werden, sondern aus der Dauerbevölkerung, insbesondere Raub und Körperverletzung. Die Absolutzahl der erfaßten Fälle ist in ihrer Aussagekraft eingeschränkt durch die Veränderung des bezogenen Gebiets beim DDR-Beitritt, daher ist auch die Häufigkeitsziffer (Fälle pro 100.000 Einwohner) angegeben:
    (2200) Einfache Körperverletzung von 63.000 auf 147.000 erfaßte Fälle, Häufigkeitsziffer von 104 auf 178.
    (2220) Gefährliche Körperverletzung, Fallzahl von 200.000 auf 517.000, Häufigkeitsziffer von 327 auf 627.
    (2100) Raub allgemein, Fallzahl von 28.000 auf 55.000, Häufigkeitsziffer von 46 auf 66.
    (2170) Straßenraub, Fallzahl von 8.000 auf 23.000, Häufigkeitsziffer von 13 auf 28.

    Bei der Körperverletzung (2200, 2220) sind die Absolutzahl und die Häufigkeitszahl auch in den letzten Jahren deutlich gestiegen, von Rückgang keine Spur.

    Folgerung: der 3sat-Beitrag stützt sich auf eine, sagen wir mal, sehr selektive Wahrnehmung der offiziellen Statistik. Wie´s halt grade paßt, um die gewünschten Thesen zu belegen.

  13. FAB.
    30.01.2007 | 15:29

    Tsk, in der Hektik die Zahlen vertauscht, bitte im vorigen Kommentar die Zahlen von 2200 zu 2220 und umgekehrt.

  14. 30.01.2007 | 15:32

    @FAB:
    Seriöse Kriminologen verlassen sich nicht allein auf die “Häufigkeitsziffer”, noch korrekter als “Tatverdächtigenbelastungsziffer” zu bezeichnen. Ich empfehle dazu die entsprechenden Anmerkungen von Christian Pfeiffer vom kriminologischen Forschungszentrum Niedersachsen sowie der Arbeit über Jugendkriminalität von Klaus Boers, Christian Walburg und Jost Reinecke aus der Monatszeitschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform. Auch beim Max-Planck-Institut für deutsches und internationales Strafrecht kann man nachlesen, warum es schlicht unseriös ist, die TVBZ als Grundlage von Analysen der Kriminalitätsentwicklung zu nehmen.

    Will man hingegen ernsthafte Aussagen machen, sollte man sich schon mit den Fragen von Hellfeld und Dunkelfeld beschäftigen und zumindest die Faktoren Neukriminalisierung und Anzeigewahrscheinlichkeit sowie die Frage der statistischen Beeinflussung durch verstärkte Polizeitätigkeit (gäbe es keine Polizei, dann gäbe es auch keine Kriminalität, jedenfalls statistisch gesehen) in die Überlegungen mit einbeziehen.

    …und wenn man das getan hat, dann kommt man zu einer bemerkenswerten Erhöhung der tatsächlichen Gewaltkriminalität in den 90er Jahren und zu einer leichten Senkung derselben in den letzten 10 Jahren. Alles übrigens immer mit der zusätzlichen Erkenntnis, dass sich die Taten immer deutlicher auf immer weniger Täter mit immer früherer und stärkerer krimineller “Karriere” konzentrieren.

    Was übrigens, wie R.A. und ich ja vorhin schon angemerkt haben, die wirklich bedrohliche Beobachtung ist, die einer Beantwortung harrt. Alles in allem ist Jugenddelinquenz nämlich etwas völlig normales und für diesen Altersbereich zu erwartendes - kriminelle Karrieren aber stellen ein gesellschaftliches Problem dar.

  15. Llarian
    30.01.2007 | 15:51

    kriminelle Karrieren aber stellen ein gesellschaftliches Problem dar.

    Das bestreitet eigentlich niemand. Die Frage ist wie man kriminellen Karrieren begegnet. Die autoritäre Linie ist der Auffassung das frühzeitige negative Sanktionen am meisten bewirken. Früher Jugendarrest, Warnschüsse, Sorgerechtsentzug. Die weniger autoritäre will versucht dann eher das Zuckerbrot. Welcher Meinung man auch selber ist, es ist offenkundig das das heutige Gemurkse versagt. Wie R.A. weiter oben schreibt, wenn Problemkinder erst mit 14 strafmündig werden und vorher nie eine Konsequenz gesehen haben, dann ist das Kind schon lange in den Brunnen gefallen. Dann isses eigentlich auch egal, was man noch tut, der Zug ist ohnehin abgefahren.
    Wenn man sich gegen die autoritäre Linie ausspricht, muss man zumindest Alternativen bieten.

  16. R.A.
    30.01.2007 | 16:37

    @Llarian:
    > Die autoritäre Linie
    > ist der Auffassung
    > das frühzeitige
    > negative Sanktionen
    > am meisten bewirken.
    Das ist derzeit auch richtig.

    Das Fehlen JEGLICHER Sanktionsmöglichkeit ist das Hauptproblem - ob Lehrer oder Polizisten, Sozialarbeiter oder Richter, die haben alle nichts im Arsenal außer mahnenden Worten.

    Bevor man die nicht wieder ein paar Streben ins Gebälk eingezogen hat, kann man alle weiteren Ideen ziemlich vergessen.

    Falsch wäre es, gleich danach mit dem Denken aufzuhören, wie es bei vielen Hardlinern zu vermuten ist.

    > Dann isses eigentlich
    > auch egal, was man
    > noch tut, der Zug
    > ist ohnehin
    > abgefahren.
    Es wird sehr schwer, aber selbst dann ist noch einiges möglich.

    Ich habe das einmal erlebt. Ein minderjährigen Intensivtäter, Riesenlatte an Vergehen, der Schrecken seiner Mitschüler.
    Der hat sich während der Gerichtsverhandlung nur amüsiert, irgendwelche Vorhaltungen gingen ihm sonstwo vorbei, er war das gewöhnt.

    Dann hat er einen Fehler gemacht - den nächsten Verhandlungstermin verpaßt.
    Und da hat der Richter die Chance genutzt (ist wohl nicht üblich), und ihn polizeilich vorführen lassen, und zwar schon mit Festsetzung am Vortag.

    Das war keine Strafhaft, sondern nur eine Nacht in der Zelle im Präsidium - durchaus ein Erlebnis für einen Jugendlichen, aber noch keine Gefahr, verdorben zu werden.

    Der war in der Verhandlung wie ausgewechselt. Und auch danach noch - ich habe seinen Sozialarbeiter einige Zeit später getroffen.
    Nicht daß das ein Engelchen wurde, aber er hat sich deutlich mehr zusammengerissen.

  17. 30.01.2007 | 17:37

    Ich schließe mich R.A. vollkommen an.

  18. 30.01.2007 | 20:29

    Ich sehe das ähnlich wie che: aus eigener Erfahrung kenne ich die “Härte” bestimmter (immer wieder derselben) Hamburger Polizisten in den 80er Jahren. Die “E-Schicht” war dabei nur die Spitze des Eisbergs. Allerdings: damels hatten die “Prügelbullen” nicht allzu viel politische Unterstützung, “BILD-Hamburg” war zwar oft (nicht immer!) auf deren Seite, der Polizeiführung stellte sich hinter ihre Beamten, aber auf der politischen Ebene war das damals eher peinlich.
    Mit der Ära Schill änderte sich das: hartes Vorgehen war gefragt - inkonsequenterweise ohne zusätzliche Mittel frü das Personal bei der Polizei. Mit Folgen: Frust bei den einfachen Beamten. Die ihn dann (im Sinne von “Richter Gnandenlos”?) oft bei den Verdächtigen abluden.

    Nagel halte ich für einen fähigen “Oberpolizisten”. Aber er sitzt auf einem politischen Posten, bei dem die Betriebsblindheit des Kriminalitätsfachmann zu politisch fragwürdigen Entscheidungen führt. Er ist z. B. einer der entschiedensten “Abschieber” von Flüchtlingen - obwohl das mit der Sicherheitsthematik herzlich wenig zu tun hat.

    “Zero Tolerance” halte ich, gerade im Jugendstrafrecht, nicht für falsch. Der Tenor muß aber sein: rechtzeitige Strafe und nicht harte “Abschreckungsstrafe”.

    Maßnahmen wie die Messerverbotszone (eher: Waffenfreie Zone) sind schön und gut. Nur: wie setzt man so etwas in der polizeilichen Praxis durch? Zumal das Willkür Tür und Tor öffnet. Schon mal erlebt, was kreative Polizisten im Vorfeld einer Demo so alles für “waffenähnliche Gegenstände” halten können? Bei einer “waffenfreien Zone” befürchte ich Ähnliches: paßt meine Nase dem kontrollierenden Beamten nicht, findet er höchstwarscheinlich an mir eine “Waffe”. Ich trage z. B.oft ein Taschenmesser bei mir - manchmal ganz praktisch. Als “Waffe” zwar eher unbrauchbar - aber: im Demovorfeld schon mal beschlagnahmt worden. Wie Sturmfeuerzeuge (”Zippos”)(Taschenflammenwerfer? Mini-Molotows?), Kugelschreiber aus Metall, Enteisungsspray. (Alles authentische Beispiele).

    Zur Kriminalstatistik: Klar, die Nano-Sendung manipuliert. Aber in eine gerade fürs Fernsehen eher ungewöhnliche Richtung: meist wird mit großzügiger Statistik-Interpretation das Gegenteil (”dramatisch angestiegene Kriminalität”) suggeriert.

    Gefühlte Kriminalität: dabei gibt es, “dank” sensations heischender medialer Aufbereitung und Politikern, die damit Wahlkampf machen, groteske Verzerrungen.
    Mal ein besonders markantes Beispiel:
    Wie viele Kinder werden pro Jahr in Deutschland von Sexualstraftätern ermordet? Die Antwort ist zwei. Zwei zuviel, sicherlich. Und in diesem Fall ist das Dunkelfeld sehr klein, da ein Mord nur sehr selten unbemerkt bleibt, und bei Kindesmord immer auch in Richtung “Sexualstrafta” ermittelt wird.
    Wenn ich aber so mit einigen Eltern in der Nachbarschaft spreche, haben die den Eindruck, dass tausende Kindermörder frei rumlaufen und sich an jeder Straßenecke ihre Opfer suchen könnten.

  19. googlehupf
    30.01.2007 | 23:12

    Nur mal eine Wissensfrage, kenn’ mich da überhaupt nicht aus:
    Wie verbreitet ist eigentlich “Sozialarbeit” bei Jugendkriminalität (geht das unter der Strafmündigkeit?) und was wird da gemacht?

    Erscheint mir (vorausgesetzt es handelt sich dabei nicht um eine reine Farce) sinnvoller als gemeinsame “Aufbewahrung” - da habe ich nämlich immer das Gefühl dass sich das Milieu da eher verfestigt.

  20. admin
    30.01.2007 | 23:41

    OT, aber nur slightly: Wo in der Justiz gespart und wo ausgebaut wird, ist für mich ein interessantes Bild unseres Staates.

    http://www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID6354350_REF2,00.html
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/archiv/16.09.2006/2780359.asp

  21. 31.01.2007 | 0:55

    @MartinM:
    Es ist leider wahr - irgendwie scheint die Angst vor Kriminalität immer mehr anzusteigen, je mehr die Kriminalität selber rückläufig ist. Dafür habe ich aber nun keine schlaue Erklärung…

    @googlehupf:
    Bei Kindern, die noch nicht strafmündig sind, werden für gewöhnlich Protokolle gemacht. Und sonst? Naja… eigentlich nix. Das Problem hier ist leider, dass Sozialarbeit vorher wirken muss. Wenn ich erstmal einen Intensivtäter vor mir habe, der mit 12 Jahren schon so ziemlich alles auf dem Kerbholz hat, was man in dem Alter so haben kann, dann sind sozialarbeiterische Tätigkeiten weitgehend nutzlos geworden. Dann hilft fast nichts mehr… außer eventuell die interessanten Strategien, die R.A. vorhin angesprochen hat.
    Sozialarbeit wirkt - das ist heute innerhalb der entsprechenden Wissenschaft weitgehend Konsens - kaum, wenn sie eine spezielle Strategie sein soll, die sich mit dem devianten Individuum beschäftigen soll. Frühzeitige Integration möglichst vieler Kinder und Jugendlicher, da kann die Soziale Arbeit Hilfe leisten. Bei der Abwendung schon akut gewordener Probleme kaum noch, oder jedenfalls nicht allein.

    @Rayson (der mal wieder admin ist, viel Spam wieder heute):
    Bei der Abteilung 47 wird ja nicht gespart, sondern beibehalten - man versucht dort nur, sich auf die wesentlichen Fälle zu konzentrieren, um wenigstens dort etwas erreichen zu können.
    Und Hartz IV (wie heißt das denn nun in Zukunft?) ist nun einmal eine so dämliche Reform, dass es massenhafte Klagen provoziert.
    Gut, vielleicht hast Du trotzdem recht. Aber das gebe ich um diese Zeit bestimmt nicht zu… ;)

  22. 31.01.2007 | 1:01

    Oh, und:

    @googlehupf:

    Erscheint mir (vorausgesetzt es handelt sich dabei nicht um eine reine Farce) sinnvoller als gemeinsame “Aufbewahrung” - da habe ich nämlich immer das Gefühl dass sich das Milieu da eher verfestigt.

    Genau das ist mein unangenehmes Gefühl, vor allem, wenn ich über die “Russengangs” höre, die sich offenbar gerade hinter Gittern organisieren.
    Frühzeitige juristische Reaktion darf eben nicht auf reines gemeinsames Wegsperren hinauslaufen. Aber da sieht unser Jugendstrafrecht ja genug Optionen vor. Sie werden nur so selten genutzt - und greifen eben zu spät.

  23. R.A.
    31.01.2007 | 11:22

    @MartinM:
    > Der Tenor muß aber
    > sein: rechtzeitige
    > Strafe und nicht harte
    > “Abschreckungsstrafe”.
    Völlige Zustimmung.

    Da ich so vehement für Sanktionen plädiert habe, eine Klarstellung: Es geht mir dabei um früh, schnell und angemessen.

    Härte dagegen bringt wenig, kann oft kontraproduktiv sein.

  24. 31.01.2007 | 11:44

    @Karsten

    Wenn das Verändern des Standards, um nicht mehr Personal zu benötigen, keine Form des Sparens ist, was dann?

  25. 31.01.2007 | 19:29

    Witzig, es wird immer von “Zuckerbrot” gesprochen, dem allerdings dann auch gleich wieder die Wirkmöglichkeit abgesprochen (zumindest ohne flankierende “Peitsche”, obwohl doch, wie ein Befürworter von “Peitschenmaßnahmen” so schön richtig sagte:

    “Nur: Ansonsten gibt es ja fast keine Initiativen oder Möglichkeiten mehr, das Problem anzugehen.”

    Eben.

    Ob’s vielleicht daran liegt, dass “gefühlt” nicht mal die “harte Linie” mehr was nützt, so dass sie nochmal noch härter und noch härter gemacht wird?

    Wenns nicht klappt dann mehr desselben? Hört sich für mich eher nach psychotischem Muster an als nach Lösungsorintierung… ;-)

  26. 31.01.2007 | 23:58

    @Rayson:

    Touché. :)

  27. 31.01.2007 | 23:59

    @Sven:

    Dass keine zusätzliche Härte, sondern vielmehr eine frühe Orientierung weg von Gleichgültigkeit und Ignorieren hier Konsens ist, ist Dir aber schon aufgefallen, oder?

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