30. Januar 2007
Wilde Verschwendung, fair gehandelt
Wie bei jedem Hobby, so gibt es auch beim Karneval, den ich vor einem Jahr für mich entdeckt habe, Seiten, die mir besser, und andere, die mir weniger gut gefallen. Ich bin eher ein großer Freund des Sitzungskarnevals, wo Amateure und Profis gleichermaßen auf der Bühne erscheinen und sich Mühe geben, andere zu unterhalten. Wenn ein Dreigestirn mit großem Hallo bei einem Altenclub empfangen wird, wo sie gemeinsam mit den alten Menschen zu deren großer Freude Karnevalslieder aus ihrer Kindheit singen, rührt mich das ebenso, wie wenn bei der Sitzung des Integrationsvereins “Hand in Hand” hier in Pulheim Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam kostümiert einen Sonntagnachmittag lang fröhlich feiern.
Weniger anfangen kann ich persönlich mit dem Straßenkarneval. Vor allem mit den Karnevalsumzügen habe ich so meine Probleme - zu kalt ist es, zu viele Menschen sind für meinen Geschmack zu dicht gedrängt. Vor allem aber, wenn ich nach dem Zug sehe, wie die Straßenreinigung etliche Tonnen “Kamelle” von der Straße fegt, die einfach achtlos auf dem Boden liegen geblieben sind, finde ich das sehr schade. Bücken tut sich heute eh kaum noch einer nach Bonbons, weil das Wurfmaterial immer teurer und reichhaltiger geworden ist. Diese fröhliche Verschwendung ist zwar auch Brauchtum, aber etwas unwohl fühle ich mich dabei dennoch - nur habe ich mich damit abgefunden, dass sie nun einmal stattfindet.
Was mich heute aber amüsiert hat, sind andere, die ebenfalls solche moralischen Bedenken haben. Allerdings geht es der Kampagne “Jecke Fairsuchung” nicht etwa darum, die Verschwendung (wie auch immer) zu minimieren, vielleicht weniger Wurfmaterial zu verwenden - nein, das wild herumgeworfene, zertrampelte und aufgekehrte Wurfmaterial soll einfach nur aus “fairem Handel” kommen. Irgendwie paradox, oder nicht?
Verfasst von Karsten um 11:02 Uhr in der Kategorie Allgemein (Trackback)