Wilde Verschwendung, fair gehandelt

Wie bei jedem Hobby, so gibt es auch beim Karneval, den ich vor einem Jahr für mich entdeckt habe, Seiten, die mir besser, und andere, die mir weniger gut gefallen. Ich bin eher ein großer Freund des Sitzungskarnevals, wo Amateure und Profis gleichermaßen auf der Bühne erscheinen und sich Mühe geben, andere zu unterhalten. Wenn ein Dreigestirn mit großem Hallo bei einem Altenclub empfangen wird, wo sie gemeinsam mit den alten Menschen zu deren großer Freude Karnevalslieder aus ihrer Kindheit singen, rührt mich das ebenso, wie wenn bei der Sitzung des Integrationsvereins “Hand in Hand” hier in Pulheim Behinderte und Nichtbehinderte gemeinsam kostümiert einen Sonntagnachmittag lang fröhlich feiern.

Weniger anfangen kann ich persönlich mit dem Straßenkarneval. Vor allem mit den Karnevalsumzügen habe ich so meine Probleme - zu kalt ist es, zu viele Menschen sind für meinen Geschmack zu dicht gedrängt. Vor allem aber, wenn ich nach dem Zug sehe, wie die Straßenreinigung etliche Tonnen “Kamelle” von der Straße fegt, die einfach achtlos auf dem Boden liegen geblieben sind, finde ich das sehr schade. Bücken tut sich heute eh kaum noch einer nach Bonbons, weil das Wurfmaterial immer teurer und reichhaltiger geworden ist. Diese fröhliche Verschwendung ist zwar auch Brauchtum, aber etwas unwohl fühle ich mich dabei dennoch - nur habe ich mich damit abgefunden, dass sie nun einmal stattfindet.

Was mich heute aber amüsiert hat, sind andere, die ebenfalls solche moralischen Bedenken haben. Allerdings geht es der Kampagne “Jecke Fairsuchung” nicht etwa darum, die Verschwendung (wie auch immer) zu minimieren, vielleicht weniger Wurfmaterial zu verwenden - nein, das wild herumgeworfene, zertrampelte und aufgekehrte Wurfmaterial soll einfach nur aus “fairem Handel” kommen. Irgendwie paradox, oder nicht?

Ähnliche Beiträge


17 Kommentare zu “Wilde Verschwendung, fair gehandelt”

  1. Chinaski
    30.01.2007 | 14:01

    Dann empfehle ich einmal den Besuch eines Straßenumzugs bei einer schwäbisch-alemannischen Fasnet, z.B. bei einem der unzähligen Narrentreffen im Süddeutschen Raum;-)

  2. 30.01.2007 | 14:03

    Lass mich raten - ihr werft nicht? :)

  3. einer, der's wissen will
    30.01.2007 | 15:26

    Nein, die schmeissen.

  4. Chinaski
    30.01.2007 | 18:13

    Net nur des, man kann das vielleicht mit katholischem vs. protestantischem Gottesdienst vergleichen. Man kriegt zwar nir hinterhergeschmissen, aber dafür is die ganze Zeit was los, es knallt, raucht und stinkt und wenn man nicht aufpasst, steht man am Pranger, wird entführt oder sonstiges, und die Musik ist auch besser!

  5. 30.01.2007 | 18:14

    Also, das mit der Musik bezweifle ich ja jetzt sehr, aber ich bin doch neugierig geworden… für irgendwann im nächsten Jahr steht so ein Fasnet-Umzug auf dem Plan. :)

  6. Chinaski
    30.01.2007 | 20:59

    Zweifelst du an, dass sie bei einem Katholen-Gotesdienst besser ist oder bei der Fasnet? ;-)

    Dann auf jeden Fall einmal viel Spass bei uns im wilden Süden, hier ist ein kleiner Vorgeschmack.

    Das Lied selbst ist, *hust*, naja, Geschmackssache, hab auf die schnelle nix Besseres gefunden , aber du bekommst eine Idee vom Stil, wobei sowas auch in einem Zelt oder während des Umzugs stattfindet.

    http://www.youtube.com/watch?v=5k5wGwAnFtI

  7. T. Albert
    31.01.2007 | 7:06

    ha, protestantischer Arbeitsmoralist!

  8. 31.01.2007 | 23:48

    @T. Albert:
    Wer, ich?

  9. T. Albert
    1.02.2007 | 0:20

    Karsten, ja, nich?

  10. 1.02.2007 | 0:22

    @T.Albert:

    Nee, eigentlich überhaupt nicht. Welcher Teil meines Beitrags macht Dich denn da auf meine neu entdeckte Geisteshaltung aufmerksam?

  11. T. Albert
    1.02.2007 | 0:31

    “Bücken tut sich heute eh kaum noch einer nach Bonbons,…“

  12. T. Albert
    1.02.2007 | 0:33

    …aber der steckt natürlich in uns allen irgendwo.

  13. 1.02.2007 | 0:33

    weil das Wurfmaterial immer teurer und reichhaltiger geworden ist.

    Mein Gedanke ist der, dass man in einer Überflussgesellschaft, die sich deutlich offenbart, mit fairem Handel eher seltsam auftritt. Und ich würde mich auch nicht nach Bonbons bücken, wenn ich teure Schokolade gereicht bekomme.

    Übrigens darf man Tafeln Schokolade nicht mehr werfen - Verletzungsgefahr…

  14. T. Albert
    1.02.2007 | 0:42

    Du hat schon recht. Dass Schokoladentafeln nicht mehr geworfen werden dürfen, passt aber auch: wer ohne sich bücken zu wollen gerne teure Schoggi umsonst bekommen will, sollte es wenigstens am Kopfe spüren können dürfen, als passive Arbeitsleistung gewissermassen. Ich wusste gar nicht, dass der deutsche Karneval so humorlos geworden ist, naja, ich bin zu lange weg.

  15. 1.02.2007 | 0:45

    Du führst mich jetzt vor, oder?

    Ich stehe eben immer noch unter dem Einfluss der Kehrmaschinen, die nach dem letzten Rosenmontagszug Tonne von Süßwaren einfach auf den Müll gekehrt haben. Das hat mich wirklich geschockt. Liegt vielleicht an meiner rezessiven sozialistischen Ader - ich denke da an hungernde Kinder. Zumindest ein Bisschen.

    Übrigens ist nicht der Karneval humorlos geworden. Wir schmeißen natürlich auch die Schokolade. Aber wenn was passiert, sind die Gerichtsurteile eindeutig. :(

  16. T. Albert
    1.02.2007 | 0:56

    Ich stehe eben immer noch unter dem Einfluss der Kehrmaschinen, die nach dem letzten Rosenmontagszug Tonne von Süßwaren einfach auf den Müll gekehrt haben. Das hat mich wirklich geschockt.

    - ja, den Schock verstehe ich. Ging mir auch schon so, ich hab`s auch nicht verstanden. Um ehrlich zu sein hab`ich nie begriffen, ob das auch zum karnevalesken Humor gehören soll, oder nichtintendierte Handlungsfolge ist. Haben wir nicht die Kamellen manchmal wieder zurückgeworfen, wenn ich mich recht erinnere?

  17. 1.02.2007 | 12:54

    Also, ich habe jedenfalls noch nie irgendwelche Kamelle zurückgeworfen.

    Ich gehe allerdings von der nichtintendierten Handlungsfolge aus, denn die Karnevalisten sind selber enttäuscht, wenn teures Wurfmaterial nicht gesammelt wird…

Bad Behavior has blocked 749 access attempts in the last 7 days.