Geschlechtergetrennter Unterricht in NRW?

Die CDU-Fraktion in NRW denkt nach einem Bericht auf koeln.de darüber nach zu geschlechtergetrennten Unterricht zurückzukehren.
Dort heisst es:

Die CDU-Landtagsfraktion will den gemeinsamen Unterricht von Jungen und Mädchen an den nordrhein-westfälischen Schulen auf den Prüfstand stellen. Es gebe unter den Abgeordneten den Wunsch, über getrennten Unterricht beispielsweise bei naturwissenschaftlichen Fächern nachzudenken, sagte Fraktionschef Helmut Stahl am Freitag in Düsseldorf bei einem Ausblick auf die Themen des neuen Jahres. [...]

Auftakt der Debatte über dem gemeinsamen Unterricht, die so genannte Koedukation, soll ein Werkstattgespräch der Fraktion im ersten Halbjahr sein, zu dem auch Experten eingeladen werden. Er selbst würde eine Trennung nach Geschlechtern befürworten, wenn feststehe, dass dies beiden Seiten nütze, betonte Stahl. Ziel müsse sein, Jungen und Mädchen gerecht zu werden und am besten zu fördern.

Sarkastisch könnte man meinen nach der Wiedereinführung von Kopfnoten und nachdem sich die Schulministerin Sommer auf dem Landeskongress der Jungen Liberalen äußerst(!) positiv über den Disziplin-Guru Bueb geäußert hat, wäre dies nur der logische nächste Schritt. Bis zum Ende der Legislaturperiode sind wir dann bei der “Bräuteschule” für alle 16jährigen Mädchen angelangt.

Als am Anfang der Legislaturperiode die Regierung versprochen hat in NRW das modernste Schulsystem Deutschlands zu schaffen, da habe ich mir etwas anderes darunter vorgestellt. Ich dache da eher an:

  1. Mehr Autonomie der Schulen, am besten inkl. einer eingeschränkten inhaltichen Autonomie, damit die Schulen auch Schwerpunkte herausbilden können. Weg von der zentralen Steuerung über möglichst detailierte Verordnungen und Vorschriften. Heute wird zentral genau vorgeschrieben welche Bücher zu lesen sind und in welcher Woche eine Klassenfahrt stattfindet. Weg mit der Annahme alle Schulen wären gleich oder sollten möglichst gleich sein.
  2. Schulinspektionen, bei denen konstruktiv an den Schulen diskutiert wird und Erfahrungen ausgetauscht werden und nicht Schulinspektionen bei denen wie Frau Sommer sagt, “die schlechten Lehrer an der Schule isoliert werden” (entsprechenden Zeitungartikel leider nicht wiedergefunden).

Ja, diese Punkte aus den Wahlkampfheften wurden auch angegangen, aber entweder halbherzig wie die Schulautonomie oder mit einem ins Gegenteil verkehrten Ziel wie die Schulinspektionen.

Ähnliche Beiträge


27 Kommentare zu “Geschlechtergetrennter Unterricht in NRW?”

  1. 31.01.2007 | 11:59

    Schnell mal was zu Bueb nachgeworfen: Auch ein ehemaliger Schüler von ihm äußert sich so negativ über ihn nicht, meint aber, er sähe nicht alles. Lesenswerter Beitrag aus der F.A.Z.

  2. R.A.
    31.01.2007 | 13:22

    Das mit der Geschlechtertrennung wird ja schon länger von diversen Pädagogen diskutiert.

    Interessanterweise fast nur unter dem Aspekt, Mädchen zu fördern bzw. ihre vermutete Benachteiligung bei Mathe/Naturwissenschaften
    abzubauen.

    Obwohl inzwischen nachweislich Jungen deutlich mehr Förderungsbedarf haben, gibt es aber keine Vorstöße, beim sprachlichen Bereich zu trennen - da haben die Mädchen klar die Nase vorn.

    Insgesamt halte ich das alles für fragwürdig.
    Die Begabungsunterschiede zwischen einzelnen Schülern sind viel größer als die statistischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern - damit muß Schule umgehen können, weil ein Einzelunterricht zugeschnitten auf jeden Schüler nicht möglich ist.

  3. AM
    31.01.2007 | 15:13

    Mal wieder ein schönes Beispiel, wie man mit großem Getöse einen Schritt nach rechts und dann mit ebenso großem Getöse denselben wieder nach links machen und dabei so tun kann, all ginge es kraftvoll nach vorn.

  4. 31.01.2007 | 15:17

    Liberale Schulpolitik sollte sich selbstverständlich nicht mit solchem Unsinn beschäftigen.
    Anzustreben wäre doch eher die Privatisierung des Bildungsangebotes und nicht das staatliche Hineinreden in die Schulform vor Ort.
    Mit der historisch ererbten Trennung in Haupt-, Realschule und Gymnasium haben wir meiner Ansicht nach schon einen ausreichend fragwürdigen Versuch, durch Segregation erwünschte Ergebnisse zu erlangen.

  5. 31.01.2007 | 15:29

    @Boche

    Nicht gleich alles auf einmal… Schulgutscheine und weitgehende Autonomie auch der staatlichen Schulen wären schon mal ein guter Anfang. Dann werden wir ja sehen, ob sich die sozialistische Einheitsschule im Wettbewerb durchsetzt ;-)

  6. CD
    31.01.2007 | 15:36

    Mal abgesehen von der eher formalen Frage, wer die Entscheidung zu treffen hat, halte ich Geschlechtertrennung für Teenager auf jeden Fall für sinnvoll. Da muß man gar nicht groß didaktisch argumentieren. Es entstehen in dieser Phase einfach zu viele Spannungen zwischen den Geschlechtern. Zu Beginn der Pubertät wollen Mädchen und Jungs gar nichts miteinander zu tun haben. Natürlicherweise meiden sie einander in dieser Zeit, und es ist sehr unklug, sie aus ideologischen Gründen zusammenzuzwingen.

    Ein paar Jahre später dann erwacht die sexuelle Neugier mit all ihren emotionalen Wirrungen, die noch kaum kontrolliert werden können, so daß die nahe Präsenz des anderen Geschlechts zu ständigen Ablenkungen führt. Auch in dieser Phase sollte man aus Rücksichtnahme trennen.

  7. R.A.
    31.01.2007 | 15:55

    In der Tat: Sinnvoll wären weitestgehende Autonomie der Schulen und Privatisierung.

    Wobei ich allerdings ziemlich sicher bin, daß die dann entstehenden Differenzierungen deutlich stärker sein werden als bei der heutigen, von Boche beklagten “Segregation”.

  8. AM
    31.01.2007 | 16:46

    Ich bin für kostenlose staatliche Schulen bis zum Abitur. Diese Schulen sollten allerdings wieder sehr leistungsorientiert werden, denn nur so dienen sie Kindern “aus bildunsgfernen Schichten” als Sprungbrett für einen Aufstieg. Nur so geben sie ihnen die Chance, wirtschaftlich besser gestellten Kindern Konkurrenz zu machen und ihnen später die Butter vom geerbten Brot zu nehmen. Also raus mit leistungsfeindlichen Bildungsbürgern aus dem Schuldienst! Wenn jemand seine Kinder auf Privatschulen schicken will, sollte ihn natürlich niemand daran hindern. Da bin ich ganz liberal. Das eingesparte Geld kann dann ja für andere verwendet werden, die es in den meisten Fällen mehr brauchen.

  9. 31.01.2007 | 17:00

    Ohje…wenn ich sowas lese. Manche Volksvertreter sind sich auch für nichts mehr zu dumm um bei Christiansen sitzen zu dürfen oder? Dabei ist doch noch gar nicht Sommerlochzeit.

  10. R.A.
    31.01.2007 | 17:06

    @AM:
    Es könnte natürlich ein Satire-Versuch sein - trotzdem bleibt der Sinn Deines Beitrags ziemlich im Dunkeln.

  11. 31.01.2007 | 17:31

    @R.A.

    Wobei ich allerdings ziemlich sicher bin, daß die dann entstehenden Differenzierungen deutlich stärker sein werden als bei der heutigen, von Boche beklagten “Segregation”.

    Es wären andere, nämlich marktbestimmte Differenzierungen. Ein feiner Unterschied.

  12. R.A.
    1.02.2007 | 12:09

    @Boche:
    Bei aller Liebe zum Markt: Mich interessiert in erster Linie, ob eine Maßnahme ( hier eine Differenzierung) sinnvoll und gerecht ist - nicht ob sie vom Markt oder vom Staat verursacht wird.

    Da Kinder verschieden sind, halte ich die jeweils organisatorisch und finanziell höchstmögliche Differenzierung für gut.
    Daher ist m. E. auch das klassische Dreiteilungs-System besser als eine Einheitsschule, eine noch weitergehende Differenzierung wäre natürlich noch besser.

  13. 1.02.2007 | 12:31

    @R.A.

    Bei aller Liebe zu deinem scharfen Verstand interessiert mich in erster Linie, dass die Betroffenen die Entscheidung darüber haben, was aus ihrer Sicht sinnvoll ist.

    Es ist interessant, dass du staatlichen Zwang dann zu verteidigen scheinst, wenn er in eine Richtung geht, die deinen Vorstellungen entspricht.

  14. R.A.
    1.02.2007 | 15:31

    @Boche:
    Du hast völlig recht - die Entscheidungsfreiheit ist entscheidend.

    Deswegen ziehe ich wie Du die Marktvariante vor.

    Aber wenn es nur Staatsvarianten gibt, dann ist mir die mit drei Optionen zur Entscheidung lieber als die mit nur einer ohne Entscheidungsfreiheit.

  15. 1.02.2007 | 15:37

    Die Entscheidungsfreiheit ist mit drei Staatsvarianten nicht größer als mit einer Staatsvariante. Weil die eine Staatsvariante alle drei Optionen auch enthielte.

    Wie gesagt: Dir ist der staatliche Zwang nur sympathischer, wenn er dich zu dem zwingt, was du sowieso willst. ;-)

  16. R.A.
    1.02.2007 | 16:47

    @Boche:
    > Weil die eine
    > Staatsvariante alle
    > drei Optionen auch
    > enthielte.
    Das kann so sein.
    Ich bin kein grundsätzlicher Gegner von Gesamtschulen. In diversen Ländern gibt es gute Beispiele dafür, wie mit Binnendifferenzierung und anderen Maßnahmen hohe Qualität und individuelle Förderung verbunden werden können - da würde ich auch problemlos meine Kinder hinschicken.

    In Deutschland dagegen (und darüber reden wir als Alternative zur “Selektion” des dreigliedrigen Systems) überwiegen Gesamtschulen in Form von SPD/GEW-dominierten Dummschulen, in denen Staatszwang und ideologische Borniertheit kombiniert werden.
    Da wäre ich lieber umgezogen, als meinen Kindern das anzutun.

  17. 1.02.2007 | 16:56

    Da wäre ich lieber umgezogen, als meinen Kindern das anzutun.

    Das wiederum kann ich verstehen.

    Da sieht man mal wieder, was für Unsinn entsteht, wenn Leistungen nicht nach Bedürfnissen sondern nach Ideologie (auch die von staatswegen dreigliedrige Schule fällt allerdings darunter) bereitgestellt werden.

  18. 1.02.2007 | 17:39

    Ich würde das dreigliedrige Schulsystem nicht mit “Ideologie” zusammenbringen. Wie alle dauerhaften Institutionen ist das gewachsen.

    Der Witz ist, dass das angebliche “Versagen” des dreigliedrigen Systems vor allem da stattfindet, wo man es längst durch die Transformation der Gymnasien zu faktischen Einheitsschulen ausgehölt hat. Im Süden der Republik, wo man die Sache noch etwas mehr so sieht, wie sie mal gedacht war, gibt es auch die besseren Pisa-Ergebnisse. Und ich behaupte mal, dass den Stoff, den sie hier in der “Werkrealschule” in Mathe lernen, ein niedersächsicher Gesamtschüler mit Mathe 2 im Abi nicht drauf hat… Es sein denn natürlich, die nds. Gesamtschulen hätten sich im Vergleich zu meinen Studiumstagen signifikant verbessert…

  19. AM
    1.02.2007 | 21:31

    In Finnland gibt es auch staatliche Gesamtschulen. Deren Schüler sind bei PISA immer ganz vorne mit dabei. Ich vermute deshalb mal, dass die Frage “Gesamtschulen oder nicht” mit den Leistungen grundsätzlich wenig zu tun hat. Es ist einfach dumm gelaufen, dass in Deutschland Gesamtschulen und Leistungsvergessenheit zusammengekommen sind. Hier hat man ja sogar in Baden-Württemberg Anfang der 80er Jahre fast alle Formeln aus dem Mittelstufen-Lehrbuch Physik herausgenommen.

  20. 1.02.2007 | 21:33

    @Rayson

    Was meinst du denn mit “Transformation der Gymnasien”?

  21. 1.02.2007 | 22:13

    @Boche

    “… zu faktischen Einheitsschulen.”

  22. 1.02.2007 | 22:14

    @AM

    Physik kann ich nicht beurteilen. Mathe ziemlich gut.

  23. 1.02.2007 | 22:19

    Du meinst, dass praktisch jeder zum Gymnasium zugelassen wird?

  24. 1.02.2007 | 22:27

    Mais oui.

  25. R.A.
    2.02.2007 | 11:01

    @AM:
    > Es ist einfach dumm
    > gelaufen, dass in
    > Deutschland
    > Gesamtschulen und
    > Leistungsvergessenheit
    > zusammengekommen sind.
    Völlig richtig.
    Es waren halt genau die Leistungsgegner, die die Gesamtschulen eingeführt und damit diskreditiert haben.

    Und umgekehrt sind leider bei der nötigen Verteidigung von Leistung auch einige Sachen konserviert worden, die es nicht so verdient haben - z. B. die starre Stundengliederung.

    Und leider lebt dieser Konflikt neu auf.
    Bei der Landtagswahl in Hessen fordert die linke Spinnerin Ypsilante wieder die Primitiv-Schule, und in Abwehr dieser Gefahr muß man als Liberaler de facto auch einige der weniger guten Änderungen mitverteidigen, die die Konservativen derzeit installieren.

  26. 2.02.2007 | 11:43

    R.A. du hast vollkommen Recht.
    Das wichtige Wort ist “diskreditiert”. Gesamtschulen müssen nicht leistungsfeindlich sein. Ich glaube, um ehrlich zu sein, für die Leistungsfähigkeit eines Schulsystems ist die Art der Gliederung weitgehend unerheblich. (Was auch bedeuten würde, dass das dreigliedrige System nicht schlecht sein muss) Aber in NRW wird von Gesamtschule/Einheitschule/Integrierte Sekundarstufe I immer noch von Schulen ohne jede Binnendifferenzierung gesprochen.

    Ich könnte mir auch gut eine Gesamtschule mit vielen inneren Leistungsstufen vorstellen. Das Ergebnis wäre wesentlich homogenere Klassen als es heute der Fall ist.

    Was meinst du mit “starre Stundengliederung”? Die Zuordnung wieviele Wochenstunden pro Jahr/pro Schulabschnitt in einem Fach gelehrt werden sollen?

  27. R.A.
    2.02.2007 | 13:00

    @dirkmeister:
    > Ich glaube, um
    > ehrlich zu sein,
    > für die
    > Leistungsfähigkeit
    > eines Schulsystems
    > ist die Art der
    > Gliederung
    > weitgehend
    > unerheblich.
    Völlig richtig.
    Die äußere Bezeichnung einer Schule ist nebensächlich - wichtig ist nur, was drinnen abgeht.

    Einer Ypsilanti mit GEW-Genossen würde ich auch mißtrauen, wenn sie plötzlich die Einführung eines Elite-Gymnasiums fordern würde.

    Und daß die Einführung der inneren Differenzierung per Kurssystem ein großer Fortschritt für die (gymnasialen) Oberstufen war, ist wohl unbestritten - das ginge auch schon vorher und würde äußere Differenzierung überflüssig machen.

    > Was meinst du
    > mit “starre
    > Stundengliederung”?
    Der übliche Zeittakt, eine Stunde dies, eine Stunde das - die Themen in 45-Minuten-Blöcke gepreßt und interdisziplinäres Lernen als große Ausnahme.

Bad Behavior has blocked 1190 access attempts in the last 7 days.