Faszination Fußball

Zettel hat sich ein paar kluge Gedanken gemacht (Tautologie? Pleonasmus?), warum Fußball die Rolle bei uns spielt, die er spielt. Ich glaube, er sieht das zu feuilletonistisch.

Der wahre Grund für die Popularität des Fußballs liegt in der Physik, genauer: in der Schwerkraft (oder meinetwegen Raumkrümmung, aber wir brauchen für den Spatz, der hier zu erlegen ist, keine Kanone). Ein halbwegs runder Gegenstand liegt auf dem Boden. Wo sollte er sonst liegen? Vor den Füßen des nächsten Menschen, der sich in seine Nähe bewegt. Welcher Körperteil sollte näher sein? Wenn nur ein Hauch von homo ludens in diesem Menschen steckt, dann nimmt er das Angebot an: Entweder kickt er den Gegenstand ein paar Meter weg, oder er berührt ihn mehrmals hintereinander sanft, um ihn zu bewegen. Und schon haben wir die wesentlichen Dinge zusammen, die sich zwischen einem Spieler und einem Fußball abspielen: Schuss und Dribbling.

Die Regeln kommen intuitiv dazu: Wenn es in dem Spiel darum geht, den Ball mit den Füßen zu berühren, ist klar, dass man ihn nicht in die Hand nimmt. Und wenn es darum geht, wer das am geschicktesten anstellt, dann darf Gewalt das Ergebnis dieses Wettbewerbs nicht verfälschen. Allerdings: Wenn zwei Menschen mit ihren Füßen denselben Ball zu ihrem Spielobjekt machen wollen, dann kommen sie sich unweigerlich nahe. Ein gewisses körperliches Element lässt sich also nicht vermeiden. Kompliziertere Sachen wie Abseits oder Rückpassregel kommen erst später, wenn die Leidenschaft konkrete Formen angenommen hat. Für die natürliche Form des Kickens, bei der sich junge Menschen irgendwo auf einem halbwegs ebenen Platz mit einem irgendwie kugelförmigen Gegenstand zusammenfinden, sind sie überflüssig.

Deswegen ist Fußball ein internationaler Sport. Weil es um ganz natürliches Verhalten spielfreudiger Menschen geht, die sich mit einem Ball konfrontiert sehen, den das Gesetz der Schwerkraft ständig auf den Boden zieht, wo nun einmal die Füße den selbstverständlichen Erstkontakt herstellen. Niemand bückt sich gerne. Liberale schon gar nicht ;-)
Und wenn sich mehrere Menschen zusammenfinden, die sich spielerisch um einen Ball streiten, dann dürfte die Bildung von Mannschaften dem menschlichen Sinn nach Kooperation so sehr entsprechen wie die Schaffung von Toren dem zielbewussten Streben bzw. dem Wunsch, dem Charakter des Spiels als zivilisierte Form des bei Männern evolutorisch geforderten Kräftemessens gerecht zu werden. Es passt einfach alles.

Den Rest, also z.B. die Faszination von Mannschaftssport, verbunden mit der Herausstellung von Individuen, findet man bei vielen anderen Sportarten, die ebenfalls populär sind, auch. Und auch vieles von dem, was Zettel da so anführt, würde ich ohne weiteres auf andere Mannschaftssportarten übertragen. Das sind Gemeinsamkeiten, keine Unterschiede.

Der Zauber des Fußballs ist seine Natürlichkeit.

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1 Kommentar zu “Faszination Fußball”

  1. 3.02.2007 | 2:42

    Lieber Rayson,

    deine Just-so Story gefällt mir sehr. :)

    Nur sehe ich sie eher als Ergänzung zu dem an, was ich geschrieben habe, denn als Alternative.

    Denn du beschreibst den Reiz des Spielens und ich den des Zuguckens. (Geht bei mir gar nicht anders, weil ich zwar ein Freund des Sports bin - aber nur, solange man mir nicht zumutet, ihn auszuüben ;-))

    Zweitens: Du entwickelst eine sozusagen evolutionäre Theorie, eben eine Just-so Story. Und ich habe es mehr funktionalistisch, oder sagen wir motivationsanalytisch- spekulativ versucht.

    Daß vieles von dem, was ich da spekuliert habe, mehr oder weniger (oft weniger) auch auf andere Mannschaftssportarten zutrifft, räume ich gern ein. Aber alles zusammen, vermute ich, nur auf den Fußball.

    Herzlich, Zettel

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