5. Februar 2007
Umweltpolitik, Abgase und Nebel
Komplexe Themen eignen sich für Ideologen besonders gut. Das ist beim Thema Volkswirtschaft nicht anders als beim Klimawandel.
Wenn man sich anschaut, wie zur Zeit über die Grenzwerte für den durchschnittlichen Kohlendioxid-Ausstoß von Fahrzeugflotten eines Herstellers diskutiert wird, kann man sich nur an den Kopf greifen. Auch heute in der “tagesschau” wurde kräftig schwarz-weiß gemalt: auf der einen Seite die Umweltschützer, die einen solchen Grenzwert befürworten (und gleich noch einmal, wie bei eigentlich fast jeder Gelegenheit, für ein allgemeines Tempolimit plädieren), auf der anderen Seite die Industrie-Lobby, die mit dem Verlust von Arbeitsplätzen droht.
Schauen wir es uns etwas genauer an. Ist ein niedrigerer Flottendurchschnittsverbrauch (bzw. Kohlendioxidausstoß) der deutschen Automobilindustrie gleichbedeutend mit einer Verringerung der Umweltbelastung? Vielleicht. Immerhin ließe sich dieses Ziel auch durch eine geschickte Fusionspolitik erreichen. Porsche könnte z.B. diesen Wert deutlich senken, wenn es Volkswagen übernehmen würde.
Als sinnvolle Konsequenz der internationalen Arbeitsteilung und der hierzulande hohen Löhne hat sich die inländische Fertigung auf höherklassige Fahrzeuge spezialisiert. Die enstprechenden Modelle sind internationale Verkaufsschlager. Wir können davon ausgehen, dass die deutsche Automobilindustrie ihre Absatzerfolge weder durch subtile Gehirnwäsche noch durch die Anwendung unmittelbaren Zwanges erzielt. Anscheinend bedient sie mit ihrem Angebot Kundenbedürfnisse.
In anderen Ländern tut man sich historisch eher schwer mit der Oberklasse, bringt aber immer wieder pfiffige Kleinwagen heraus, die dann auch in Deutschland gerne gekauft werden. Die Umweltbelastung Deutschlands hängt also nicht davon ab, wie die Flotten deutscher Hersteller gestaltet sind. Sie hängt davon ab, was die Kunden, also die Autofahrer, nachfragen und wie sie ihre Fahrzeuge nutzen.
Schlägt die Kommission hier also auf den Sack Hersteller und meint den Esel Verbraucher? Wenn man es sehr gutwillig auslegt. Mich würde allerdings nicht wundern, wenn der EU-Ansatz besonders große Freunde in Frankreich und Italien hätte und damit auch ganz andere als hehre Umweltziele verfolgt werden sollten. Und natürlich geht es da auch um Arbeitsplätze.
Wenn es wirklich nur um die Verringerung des Verbrauchs oder des Kohlendioxid-Ausstoßes ginge, gäbe es andere, direkt an das Ziel anknüpfende und daher bessere Wege. Die Verengung der DIskussion auf den Flottendurchschnittsverbrauch sollte uns daher sehr skeptisch stimmen - eine Verkürzung der Problematik im Comic-Stil, wie von den “seriösen” Nachrichten der ARD betrieben, ist nichts weiter als eine Verdummung des Zuschauers.
Verfasst von Rayson um 21:58 Uhr in der Kategorie International, Politik, Umweltpolitik, Wirtschaft (Trackback)