Was Vista mit Schrott zu tun hat…

Ich stehe wohl nicht im Verdacht, ein unkritischer Bejubler der Produkte und Geschäftspraktiken eines gewissen Weichwaren-Anbieters aus Redmond, Washington, USA zu sein. Aber man kann es auch übertreiben. Aus heise.de:

Greenpeace: Vista könnte eine Flut an Computerschrott erzeugen

Die Argumentation geht ungefähr so: Die meisten PCs, die derzeit in Verwendung sind, erfüllen nicht die Hardware-Anforderungen von Vista. In den USA scheitern ungefähr die Hälfte, in ärmeren Ländern weit mehr. Dadurch entstünde ein Druck, diese PCs gegen neue auszutauschen, was zu neuen Bergen von giftigem Computerschrott in Müllhalden in Asien und Afrika führen würde.

Einerseits ist es natürlich eine gute Nachricht, dass der Herr von Greenpeace, der uns mit dieser Schreckensnachricht beglückt, den Wohlstand in den armen Ländern für inzwischen so weit verbreitet hält, dass man dort wegen durchsichtiger Fenster und einer neuen Spiele-API sämtliche Alt-PCs austauschen und die alten wegwerfen wird. Andererseits wäre es wohl ein Fehler, von der Ausstattung des eigenen, durch Spendengelder finanzierten Büros auf die in Wirtschaftsunternehmen zu schließen. Nach allem, was ich selbst so erlebt habe und was man jetzt auch wieder hört, werden Unternehmen sowieso erst auf das neue Windows umsteigen, wenn Neuanschaffungen auf dem Programm stehen. In viele Büros dürfte noch nicht einmal XP Einzug gehalten haben. Und was die ärmeren Länder betrifft: Da habe ich in Unternehmen schon die abenteuerlichsten Ausstattungen gesehen. Auf die Idee, einen PC wegzuwerfen, der unter XP noch lief, würde dort aber ganz, ganz sicher keiner kommen…

Mir scheint, hier hat einer versucht, zwei Dinge miteinander zu verknüpfen, die bei seiner Spenderklientel als Reizwort taugen. Besonders wir Deutsche nehmen ja jede Angstmeldung gerne entgegen.

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15 Kommentare zu “Was Vista mit Schrott zu tun hat…”

  1. 6.02.2007 | 0:23

    Da weiß man im ersten Augenblick nicht, was man für dämlicher halten soll: Microsofts Werbung für Windows Vista oder die vollkommen sinnfrei zusammengeschriebene PR-Meldung von Greenpeace.

  2. 6.02.2007 | 0:31

    Ich habe zu diesem Thema noch eine schöne Meldung der britischen Grünen gefunden. Manchen Leuten ist wirklich kein Spruch zu peinlich:

    “Künftige Archäologen werden eine ‘Vista-Upgrade-Schicht’ identifizieren können, wenn sie unsere Mülldeponien durchforsten”, wetterte die Grünen-Sprecherin Siân Berry.

  3. R.A.
    6.02.2007 | 12:01

    Ihr habt schon recht - weder in Entwicklungsländern noch in Firmen wird so sinnlos Schrott produziert.

    Wohl dagegen in Privathaushalten - eine ganze Menge Leute werden ihren völlig ausreichenden und funktionsfähigen PC wegschmeißen (bzw. in die Ecke stellen und in einigen Jahren wegschmeißen), weil sie unbedingt dem neuesten Trend nachlaufen wollen.

  4. googlehupf
    6.02.2007 | 12:25

    “eine ganze Menge Leute werden ihren völlig ausreichenden und funktionsfähigen PC wegschmeißen”

    Wieviele Leute können sich das überhaupt leisten, frage ich mich.

    Ich glaube die Mehrheit wird ihr Upgrade auf Vista zeitgleich mit dem nächsten heimischen Upgrade-Zyklus vollziehen. Der Rest kommt über die neu verkauften Rechner rein.

  5. 6.02.2007 | 12:33

    Aber auch hier gilt die “Broken Window Fallacy”: Wenn ich keinen neuen Computer kaufe, dann vielleicht 10 Paar neue Schuhe, die bei der Profuktion in China die Umwelt stressen und beim Transport nach D das Klima belasten.

    Genauso sieht es ja auch mit dem Porschefahrer aus. Er könnte ja stattdessen Hobbyfarmer werden. Gott behüte.

  6. 6.02.2007 | 12:38

    Die 10 Paar Schuhe wirst du dann allerdings nicht M$ in die selbigen schieben können…

  7. Hardy
    6.02.2007 | 13:53

    Wenn man bedenkt wieviele Unternehmen noch mit 2000 arbeiten, und demgegenüber die Greenpeace Meldung stellt, kann man nur mit dem Kopf schütteln. Typische Greenpeace. Aber die Sprecherin der britischen Grünen scheint auch nicht mehr ganz klar zu sehen.

  8. 6.02.2007 | 14:03

    Faktisch ist es ja wohl eher so, dass beim Verhältnis Rechner-Betriebssystem eher die Software der Hardware folgt. Wer kauft sich schon einen neuen Rechner, weil er unbedingt Windows Vista haben will? Eben: Fast niemand.

    Hingegen steigen die Leute auf Windows Vista um, weil sie sich einen neuen Rechner zulegen - sei es, weil der alte defekt ist, oder weil er den Aufgaben nicht mehr gewachsen ist, die man an ihn stellt.

    Die einzigen Leute, die ich kenne, die ihre Hardware von irgendwelchen auf Packungen aufgedruckten Systemanforderungen abhängig machen, sind Hardcore-Gamer.

  9. R.A.
    6.02.2007 | 16:52

    @googlehupf:
    > Ich glaube die Mehrheit
    > wird ihr Upgrade auf
    > Vista zeitgleich mit dem
    > nächsten heimischen
    > Upgrade-Zyklus vollziehen.
    Die Frage ist halt, wie sehr dieser Zyklus beschleunigt wird, weil viele Leute es nicht ertragen, wenn ihr BS nicht “aktuell” ist.

    Ein fünf Jahre alter Rechner ist immer noch problemlos in der Lage, ziemliche jede Anforderung des normalen Users (außer Hardcore-Gamer) wunderbar abzudecken.
    Und trotzdem gilt “fünf Jahre alt” bei vielen Leuten schon als “zu alt” und dann machen sie einen “Upgrade-Zyklus”, d.h. sie legen den alten PC still und kaufen sich einen komplett neuen.

  10. 6.02.2007 | 17:57

    Wenn ich mich richtig erinnere, gab es ähnliche Meldungen auch damals, als Windows XP eingeführt wurde. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass auf einmal überall gebrauchte Rechner billig abgegeben worden wären.

    Erklärung: zur Zeit der XP-Einführung habe ich bei einer gemeinnützigen Stiftung gearbeitet, die unter anderem ausrangierte, von Privatunternehmen gespendete PCs fitmachte und z. B. an Arbeitslosentreffs, Jugendzentren, Altersheime, Selbsthilfegruppen usw. als Internet-Surfmaschinen vermittelte. (Mit der richtigen Software reicht nämlich sogar ein alter Pentium 1-Rechner locker fürs Internet aus - sogar heute noch. Nein, die richtige Software kommt nicht aus Redmond.)

    Wäre damals massenweise umgerüstet worden - wir hätten uns gefreut.

    Und meine immerhin auch schon vier Jahre alte Kiste würde locker für Vista ausreichen - wenn ich es denn unbedingt haben wollen täte.

  11. 6.02.2007 | 21:31

    Wenn der Staat mit seiner Festplattenschnüffelei ernst macht, braucht man sowieso zwei PCs: Einen, leeren für das Internet und den anderen für den Rest. Eine gute Chance, den befürchteten Müll zu vermeiden…

  12. googlehupf
    6.02.2007 | 21:37

    @R.A.
    “Ein fünf Jahre alter Rechner ist immer noch problemlos in der Lage, ziemliche jede Anforderung des normalen Users (außer Hardcore-Gamer) wunderbar abzudecken.”

    Dem würde ich teilweise widersprechen. Der normale User wird zunehmend auch die Bilder von seiner Megapixel-Kamera und die Videos seines DV-Camcorders bearbeiten. Und das wird mit einem fünf Jahre altem Rechner zur Quälerei bzw. dann Verbreitung von HD vorausgesetzt schlicht unmöglich.

    Aber für eine Textverarbeitung/Tabellenkalkulation/E-mail und ähnliches reicht ein älterer Rechner wirklich allemal aus.

  13. 6.02.2007 | 22:08

    @googlehupf:

    Stimmt u. U. schon - aber: wenn jemand einen leistungsfähigeren Rechner für sein Video-Hobby braucht, dann kauf er sich die neue Kiste dann, wenn er mit der alten nicht mehr zufrieden ist - und nicht, wenn Winzigweich ein neues OS auf den Markt bringt. (Beim Hardcore-Gamer ist da u. U. anders, weil manche Games eng auf die jeweilige Plattform zugeschnitten sind. Video- und Fotobearbeitungssoftware gibt es aber (meistens) plattformübergreifend bzw. in auf unterschiedliche Plattformen zugeschnittenen Versionen. (Wenn es nicht gerade die von MS ist.)

  14. 7.02.2007 | 6:52

    Wartet es nur ab: wenn ich solche Meldungen lese, dann könnte sich ja vielleicht aus anderen Ländern eine Alternativbewegung zum allgegenwärtigen “Vista” entwickeln.

  15. 14.02.2007 | 0:11

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