5. Februar 2007
Zum Mindestlohn
Zur allgemeinen Kritik meiner Parteifreunde und Blogkollegen am Mindestlohn muss ich doch einmal ein paar ketzerische Gedanken loswerden, denn sie machen es sich da doch etwas einfach.
Die Logik, mit der dieser abgelehnt wird, ist folgende:
Wenn ein Mindestlohn kommt, dann werden einfach alle Jobs wegfallen, die bisher schlechter bezahlt werden als das Niveau dieses Mindestlohnes. Weil sie dann nicht mehr rentabel sind.
Mal ehrlich, Freunde, das ist doch Quatsch - oder?
Nehmen wir mal einen Mindestlohn von 7,50€ an. In der Branche, in der ich zwischenzeitlich zu meinem Studium hinzuverdient habe - nämlich der der privaten Sicherheit - sind Stundenlöhne zwischen 3,50€ und 6€ üblich. Also alle weit unter dem imaginierten Mindestlohn.
Einfaches Ergebnis nach der oben angegebenen Logik: Fortan wird es keine Nachtwächter mehr in Museen geben, alle Spiele der Fußball-Bundesliga finden ohne Ordner statt - und es wird auch niemanden mehr geben, der des Nachts durch die Gegend fährt, um auf Firmengeländen nach dem Rechten zu sehen.
Um zu erkennen, dass diese Logik irgendwie hakt, muss man kein Sozialist sein, sondern lediglich Realist. Denn natürlich werden die Museen weiterhin Nachtwächter beschäftigen, natürlich werden die Vereine der Bundesliga auch weiterhin Ordner beschäftigen, und natürlich wird niemand sein Firmengelände organisierten Banden überlassen, die das Kupfer aus den Lagerräumen wegschleppen und nach China verkaufen.
Aber das Schlaraffenland werden die Mindestlöhne natürlich auch nicht erschaffen - die Preise, die die Unternehmer für die Dienstleistungen ihrer (nun mindestlohnbezahlten) Mitarbeiter verlangen, werden steigen. Die Eintrittskarten für Museen und Fußballspiele werden teurer, aber auch die Materialrechnung des Elektrikers, der die Kupferkabel ja irgendwo kaufen muss. Also haben wir eine Art von Inflation, da dieser Effekt ja nicht nur in der Sicherheitsbranche gilt (ich hoffe, die Wirtschaftsweisen von B.L.O.G. stimmen mir da zu).
Und wer merkt das am deutlichsten? Natürlich der Facharbeiter, dessen Stundenlohn von 17,50€ nun nur noch die Kaufkraft von (sagen wir jetzt einfach mal) 14,50€ vor dem Mindestlohn haben wird. Das sollte man ihm sagen, und er sollte darüber nachdenken, ob er bereit ist (zusammen mit denjenigen, die reicher sind als er, also auch den Unternehmern) auf einen Teil seines Wohlstandes zu verzichten, damit die wirklich schlecht bezahlten Leute ein ordentliches Auskommen durch Arbeit erwirtschaften können. Vielleicht will er das nicht, und stemmt sich deswegen gegen den Mindestlohn. Aber das Argument mit den vernichteten Arbeitsplätzen ist eine Nebelgranate, die niemanden voran bringt und die Diskussion nur ins Unsachliche führt.
Und bevor jetzt jemand die Stundenlöhne in Rumänien oder China ins Spiel bringt: Die Bereiche der Wirtschaft, in denen die so genannten “Hungerlöhne” von 3 bis 5 Euro gezahlt werden, sind vor allem die Dienstleistungsbranchen, die nichts, aber auch gar nichts mit internationalem Handel zu tun haben. Die Billigproduktion haben wir schon lange an diese Länder verloren, da lässt sich für uns nichts mehr retten - und wir sollten es m. A. auch gar nicht versuchen.
P.S.: Um übrigens leidende Unternehmer zu retten, hätte man in Zeiten der Vollbeschäftigung auch mal über Maximallöhne sprechen können… diese hätten den kleinen Unternehmern dabei geholfen, sich auch gegen die überlegenen Finanzmöglichkeiten von Großunternehmen die Arbeitskraft fähiger Mitarbeiter zu sichern. Nur mal so als absurder Nebengedanke. ![]()
Verfasst von Karsten um 01:39 Uhr in der Kategorie Politik, Wirtschaft, Wirtschaftspolitik (Trackback)