Nachdenken über die F.A.Z.

Ich weiß nicht. Ist es eine Altersfrage?

Seitdem man mich mit einem kostenlosen Studi-Abo angefixt hat, bin ich Abonnent der F.A.Z.. Dass der Hauptteil konservativ und der Wirtschaftsteil sehr liberal ist, daran habe ich mich gewöhnt. Auch daran, dass das Feuilleton Marxisten beherbergt.

Aber mittlerweile reicht’s mir. Ich kann weder diesen Georg Paul Hefty ertragen, der ständig die obsoleten Geister eines Heiner Geißer oder Norbert Blüm beschwört (mein jüngster Aufreger und Anlass für diesen Eintrag hier), noch stecke ich es einfach weg, wenn mir ein Feuilletonist, dessen Namen ich wohl zu Recht vergessen habe, den Ungarn-Aufstand 1956 als faschistische Konterrevolution verkaufen will.

Weiß einer da draußen eine Alternative? Die “Welt” kommt für mich nicht in Frage, in jüngster Zeit schon gar nicht. Eine Zeitung mit einem Prantl kommt mir auch nicht ins Haus. Was bleibt? NZZ? Handelsblatt?

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26 Kommentare zu “Nachdenken über die F.A.Z.”

  1. 6.02.2007 | 19:39

    Ich suche auch eine vernünftige Zeitung. Mal schauen was für Vorschläge kommen. Sonst bleibts bei Bild ;-)

  2. 6.02.2007 | 19:52

    Ich bevorzuge die NZZ. Es steht leider nicht allzu viel über Deutschland drin, also bräuchte man noch ein deutsches Beiboot. Da bin ich allerdings ratlos. Fast nur Schrott.

  3. 6.02.2007 | 20:07

    Bin auch noch FAZ-Kunde. Verdammte Loyalität, nach 15 Jahren also Abonnent kündigt man nicht so einfach mir nichts, dir nichts.

    Als Alternative würde ich auch die NZZ empfehlen, die eine strikt liberale Ausrichtung hat (man darf sogar nur NZZ-Aktionär werden, wenn man Mitglied der schweizerischen FDP ist!) und meistens recht ausführlich berichtet. Handelsblatt ist auch nicht schlecht, aber für meinen Geschmack zu dünn, zu kurze Artikel, oft zu oberflächlich. Ist allerdings Montags Pflichtlektüre, da die VWL-Seite dann wirklich gut gemacht ist, wesentlich besser als die etwas behäbige “Ordnung der Wirtschaft” in der FAZ.

  4. 6.02.2007 | 20:40

    @statler

    15? Du Kiste, da packe ich locker 10 Jahre drauf ;-)

    Wie ist denn - horrible dictu - der Sportteil der NZZ? Dessen Nichtexistenz beim Handelsblatt ist mir wohl bewusst… Der war aber immer ein gewichtiges Argument pro F.A.Z., das ich schändlicherweise vergaß zu erwähnen…

  5. FG
    6.02.2007 | 20:42

    Mein Vorschlag: Egal welche Zeitung, eigenen Kopf behalten und einschalten. Eine Zeitung in der ich immer nur das lese was ich ohnehin selber denke bringt mich nicht viel weiter. Andere Gedanken helfen mitunter, an den eigenen zu arbeiten, und selbst grober Unfug ist mitunter dazu geeignet, die eigene Sichtweise in den Arbeitsspeicher zu laden und ggf. um so überzeugter wieder abzulegen. Also: die FAZ ist sicher nicht das verkehrteste was man lesen kann.

  6. FG
    6.02.2007 | 20:44

    Länger nicht mehr ins HB gekuckt? Da gibt es inzwischen sogar eine tägliche Sportseite, montags sogar deren zwei. Wobei da die FAZ definitiv besser ist.

  7. 6.02.2007 | 20:52

    @FG

    Dass wir beim Lesen einer Zeitung unseren eigenen Kopf nicht ausschalten, sollte unter uns Pfarrerstöchtern selbstverständlich sein. Mein Missvergnügen mit der F.A.Z. beruht ja eben darauf, dass die dadurch verursachten Konflikte zu unerträglich werden.

    Danke aber für den Hinweis auf den Sportteil des Handelsblatts.

  8. DDH
    6.02.2007 | 20:52

    Na, wird die Luft langsam dünn? Es gibt kein richtiges Leben im falschen. Und es gibt auch keine richtige Zeitung in der falschen Republik!

  9. 6.02.2007 | 20:57

    Ok, einen Savonarola habe ich jetzt auch noch…

  10. DDH
    6.02.2007 | 21:01

    @Statler: Die linksfreisinnige NZZ “strikt liberal”? Auch dort führen die Nicht-Etatisten doch längst ein Rückzugsgefecht, v.a. im Innenpolitik-Teil (und Gerhard Schwarz leidet nicht weniger als hierzulande Karen Horn)! Oder sie fliehen gleich zur Weltwoche, deren Lektüre ich Euch immerhin guten Gewissens empfehlen kann - zumindest so lange, wie die Schweiz noch nicht von der EU gleichgeschaltet worden ist und auch dort die Meinungsfreiheit Geschichte sein wird. Alles nur eine Frage der Zeit (mit dem Antirassismus-Paragraphen wurde immerhin schon der Grundstein zum Totalitarismus gelegt).

  11. 6.02.2007 | 21:06

    Ich bin ja schweizer oder Weltbürger und habe auch verschiedene Zeitungen durchgetestet. Zuerst der Schweizerisch Tagesanzeiger, welcher jetzt aber zu einem Boulevard-Blatt verkommen ist. Dann kam des Öfteren die Zeit, welche mir aber auch wieder verleidet ist (obschon sie hin und wieder wirklich guten Inhalt liefert). Die Welt kenne ich zuwenig und die FAZ gibt es in der Schweiz nicht überall. Die NZZ ist für mich schon eine bevorzugte informationsquelle und sonst lese ich die ebenfalls schweizerische WOZ (einmal wöchentlich)und links.

  12. DDH
    6.02.2007 | 21:09

    Rayson: Das Zitat stammt von Theodor W. Adorno, nicht vom florentinischen Bußprediger! Aber da Du Dich ja so wohlfeil über die liberal-libertären Puristen mokierst, beantworte mir doch mal eine Frage: Ist bei Dir überhaupt ein Punkt vorstellbar, an dem Du sagen würdest, “ok, jetzt haben sie aber wirklich auch bei mir den Rubicon überschritten, ich, Rayson, bin ja wirklich ein Gemütsmensch, aber nun ist das Maß des Erträglichen voll, es reicht, ich ziehe die Reißleine!”? Bis zu welchem Punkt darf sich dieser Staat in Deinen Augen dem Gegenpol der Freiheit annähern, ohne daß Du ihm die Loyalität aufkündigst? Oder kann es diesen Punkt nicht für Dich geben, weil wir ja eine Demokratie sind und schon alles nicht so heiß gegessen wird, wie es gekocht wird???

  13. 6.02.2007 | 21:21

    Lieber DDH,

    zunächst mal danke für dein mangelndes Vertrauen in meine Bildung. Aber das populärste Zitat von Adorno kriege sogar ich noch auf die Reihe, was mich allerdings nicht davon abhält, den Furor der Zitierenden richtig einzuordnen.

    Was das Verhältnis zum Staat angeht, vertrete ich die Auffassung, dass weniger mehr ist. Mit dieser Relativität gebe ich mich zufrieden, weil sie meiner Meinung nach als Handlungsanweisung für die Spanne, in der ich noch auf Erden weile, nicht nur völlig ausreichend, sondern auch wirklich praktikabel ist. Dass mir andere triumphierend ihre (wenigstens zum gegebenen Zeitpunkt, aber der ist nun mal unserer) unrealistischen Maximalforderungen um die Ohren hauen wollen, ist für mich als ergebnisorientierten Menschen schlicht irrelevant.

    Alles klar?

  14. 6.02.2007 | 21:41

    Ich schaue mir mal das Handelsblatt an. Den Wirtschaftsteil lese ich sowieso am liebsten und Sport brauche ich nicht.

  15. DDH
    6.02.2007 | 21:46

    Lieber Rayson,

    daß weniger mehr ist, ist zweifelsohne richtig, aber empirisch bleibt es halt dummerweise nie beim weniger. Die Schweiz von früher war weniger Staat als die von heute, Jeffersons Amerika war weniger Staat als das der Verbrecher Lincoln, Wilson, F.D.R. und G.W.B.

    Die viel spannendere Frage lautet doch: ab wann ist ein “viel” ein “entschieden zu viel”? Ab welchem Punkt sind die Kosten eines Arrangements auch und gerade im Hinblick auf die begrenzte Lebensspanne des Individuums höher zu bewerten als die des entschiedenen Verweigerns. Die Frage macht natürlich nur bei Wertgebundenheit des jeweiligen Subjektes Sinn, ansonsten wäre sie witzlos.

    Die Lebensspanne ist kurz. Zu kurz, um sich mit Zuständen zu arrangieren, die selbst MINIMALFORDERUNGEN nicht gerecht werden.

  16. 6.02.2007 | 21:50

    “Entschiedenes Verweigern” - das klingt so schön heroisch.

  17. 6.02.2007 | 22:10

    Christian Science Monitor :-).

    Ich finde es übrijens ma wieda tüpisch Blogger, dass hier jeda einfach drauf losplappert, anstatt ma zu fragen, was Du überhaupt von einer Zeitung erwartest, mal abjesehn vom Sportteil, jetze.

    Also, DIE Zeitung gibt es wohl ohnedies nicht (okay, fünf Euro ins Phrasenschwein). Ansonsten NZZ, würde ich sagen.

  18. 6.02.2007 | 22:14

    @Rayson: Der Sportteil in der NZZ ist eher rudimentär. In der internationalen Ausgabe gibt es natürlich auch Bundesliga-Berichterstattung, aber bei weitem nicht so ausführlich, wie in der FAZ. Also vielleicht NZZ und kicker im Doppelabo? Wäre eine Lösung.

    @DDH: Na, keine Sorge, daß die Schweiz der EU beitritt, werden wir nicht erleben. Die machen das sehr geschickt mit ihren Bilateralen, suchen sich die Rosinen heraus, warum sollten sie also noch beitreten? Der status quo gerade jetzt nach dem Schengen-Beitritt ist doch perfekt.

  19. 6.02.2007 | 22:22

    “Dass der Hauptteil konservativ und der Wirtschaftsteil sehr liberal ist, daran habe ich mich gewöhnt.”

    Und das ist er seit Jahrzehnten. Mir erzählte mal jemand, dass sie damals irgendwann in den 70ern das FAZ-Abo mit der Begründung kündigten, weil der Politikteil eben nicht so liberal wie der Wirtschaftsteil ist.
    :-)

    Wo wohnst Du denn? Wenn natürlich die FAZ auch den Lokalteil abdeckte dann bleibt ja nur die FR :-D

  20. 6.02.2007 | 22:33

    Lieber DDH,

    ich kann mich auf den Kopf stellen, aber eine Welt ohne Staat, selbst wenn ich sie anstreben würde, werde ich nie erleben. Wenn du das anders siehst, bitte, Naherwartungen sind ein übliches religiöses Phänomen.

    Mir reicht, eine Richtung zu haben, in der zu wirken ist. Und ich bin mir sicher, dass die Realität zu meinen Lebzeiten meinem bescheidenen Ideal nie entsprechen wird. Du hast du nur die Wahl, dir die Kugel zu geben oder eben dich auf die Suche nach dem zweit-, dritt- oder viertbestem zu begeben. Politische Einstellungen, die dafür kein Konzept haben, wären mir zutiefst suspekt.

  21. 6.02.2007 | 22:36

    @statler

    Habe ich auch schon dran gedacht. Nur deckt der Kicker nicht alle meine sportlichen Vorlieben ab ;-)

    @Marc

    Die FR käme auch dann nicht in Frage, wenn sie der einzige Anbieter eines Lokalteils wäre. Aber das kannst du dir ja denken ;-)

    Eine Alternative wäre wohl wirklich, die BNN zu abonnieren und dazu das Handelsblatt oder die NZZ.

  22. 7.02.2007 | 6:33

    Ach, die FAZ - die wurde kaputtgespart und ist nun dermaßen austauschbar geworden (um den Mainstream zu bedienen), das sich das Lesen wirklich nicht mehr lohnt.
    Schade, dass ich das schreiben muß … (war eine schöne Zeit dort)

    Die NZZ und die Weltwoche aus der Schweiz sind Alternativen, in der BRD fällt mir allerdings auch nichts ein, da die Welt wieder in Richtung Konservatismus abdriftet

  23. FG
    7.02.2007 | 10:27

    Und es gibt auch keine richtige Zeitung in der falschen Republik!

    Diesen Satz finde ich ja besonders bemerkenswert. Ich dachte bisher, dass die FAZ und die SZ und das Handelsblatt weitestgehend staatsunabhängige Printmedien wären, die sich auf dem Markt der Zeitungen behaupten. Und es ist jedem unbenommen eine Zeitung nach eigener politischer und weltsichtiger facon ins Leben zu rufen und sich dem Wettbewerb zu stellen, in der man seine Vorstellungen des kommenden staatenlosen Paradieses ausbreitet.
    Wo ist bitte der Zusammenhang zwischen “falscher Republik” und “falscher Zeitung”?
    Und was vielleicht noch interessanter ist: Kann man das auch umkehren? Wird es in der “richtigen” Republik (wobei das ja dann wohl keine Republik ist, aber egal) automatisch dann richtige Zeitungen geben? Werden die Menschen dann automatisch von den heute nach marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten erfolgreichen Zeitungen abwenden und sich den “richtigen” zuwenden?

  24. R.A.
    7.02.2007 | 11:01

    Die FAZ konnte ich noch nie besonders leiden.
    Ich beurteile eine Zeitung im wesentlichen nach dem politischen Teil, und da war sie nicht nur konservativ (das könnte ich noch gut ab), sondern dumpf und langweilig.
    Da hätte ich mir bei Nennung des Themas jeden Kommentar selber schreiben können, so vorhersehbar waren Standpunkt und Phrasen.

    Das Spiegelbild dazu ist die FR von links - auch die sind die Stellungnahmen langweiligst berechenbar.

    20 Jahre hatte ich die SZ im Abo, zu Zeiten von Rhiel-Heyse hatte die oft gute Artikel.
    Seitdem dieser tot ist, und der unsägliche Stammtisch-Proll Prantl das Sagen hat, ist die SZ ein Schmierblatt geworden.

    Wenn man interessanten Sachen lesen will, kommen eigentlich nur noch taz und Welt in Frage.
    Für unsereinen also letztlich nur die Welt.
    Die ist nicht liberal (es gibt kein einziges liberales Medium in Deutschland), aber die einzige Zeitung, die immer wieder mal liberale Standpunkte bringt.
    Und auch die übrigen Standpunkte sind in der Regel wenigstens intelligent und vernünftig dargestellt.

  25. Ulrich Speck
    7.02.2007 | 20:14

    Heute gerade mal wieder die FAZ gekauft. Politik 4 Minuten (mega-gähn), Feuilleton 2 Minuten (Kopfschütteln), Wirtschaft 12 Minuten (ein paar Infos mitgenommen).

    Das Problem der FAZ - dass sie ein eigener Kosmos geworden ist, der sich für wichtiger hält als die Welt da draußen. Keine Neugier, kaum Urteilskraft, nur eine pseudo-staatsmännische Haltung.

    Die Nummer eins für die Generation Rentner.

    Süddeutsche - provinziell und entschieden deutsch-national.

    Welt - war mal spannend, mit kosmopolitischen Ansätzen, hat sich aber auf der Suche nach einer vermeintlichen deutschen Bürgerlichkeit wieder in Richtung Spießertum begeben … Die neue Website unterscheidet sich kaum von Spiegel online.

    FTD - zu sehr auf Wirtschaft orientert, für den gemeinen Leser. Und sie schafft es leider nicht so richtig, einen Gegenpol zum ermüdendenden Mainstream zu bilden, was dringend nötig wäre. Hat aber ein paar gute Leute und Ansätze.

    Tagesspiegel - leider zu dünn. Aber gute Meinungsseite…

    FR - nicht mehr national konkurrenzfähig …

    taz - extrem unterschiedlich. Ärger und Beifall.

    Insgesamt: In Deutschland ist meinungsmäßig im Grunde alles im Bereich New York Times, minus Thomas Friedman (zu wirtschaftsliberal für hier …)

    Es gibt einige gute Autoren, Kommentatoren und Journalisten, in allen Zeitungen. Nur keine gute Zeitung.

    Wenn deutschssprachige Tageszeitung, dann NZZ. Knapp und präzise, Weltberichterstattung, mit eigenwilliger Meinung.

    International ist Washington Post das Beste, gefolgt von der Financial Times. Und am Wochenende der Economist (unschlagbare Zahl an lesenswerten Artikeln).

  26. 14.03.2007 | 21:14

    [...] Meine Unzufriedenheit mit der F.A.Z. hat mich zu Probeabos des Handelsblatts und der Neuen Zürcher Zeitung geführt. Die Süddeutsche kenne ich schon aus meiner Münchner Zeit, und die Welt hatte mein Vater lange abonniert. Hier das Ergebnis: [...]

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