Ihr, die ihr da einschaltet, lasset alles Denken fahren

In der Halbzeitpause des Länderspiels Deutschland-Schweiz gab es wieder eine Sternstunde des Journalismus zu besichtigen. Das “heute-journal” berichtete über die Vorgaben der EU zum Kohlendioxid-Vebrauch der Herstellerflotten. Und es war wirklich bewundernswert, wie man in Deutschland den Kakao, durch den man gezogen wird, geradezu gierig zu trinken bereit ist.

Da wird den deutschen Herstellern vorgehalten, sie hätten einen “Trend verpennt”, und zwar den Trend zu energieeffizienten Motoren. Nur um zwei Sätze später zu konzedieren, dass die Motoren ja schon irgendwie effizient seien, nur seien eben die Fahrzeuge immer PS-stärker geworden. Andere europäische Hersteller seien da “viel weiter”, und Toyota sowieso. Die Einwände der Automobilindustrie bezeichneten Experten als “Blödsinn”. Und wie verlogen die Industrie sei, zeige sich daran, dass sie jetzt verspricht, Anstrengungen zu unternehmen, die Vorgaben aus Brüssel einzuhalten.

Ich muss sagen, ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Wochen in einer angeblich seriösen deutschen Magazin- oder Nachrichtensendung einen Beitrag gesehen zu haben, in dem derart eklatant und verdummend Meinungsmache betrieben wurde. Aber es war ja für eine gute Sache…

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26 Kommentare zu “Ihr, die ihr da einschaltet, lasset alles Denken fahren”

  1. 7.02.2007 | 23:07

    Selbst schuld, wenn du sowas wie “Nachrichten” bei einem öffentlich-rechtlichen Sender guckst. ;-)

    Nein, im Ernst: Ich habe mir vor einigen Tagen mal vorgenommen, auch mal verstärkt auf die Berichterstattung zu Themen wie dem Klimaschutz zu achten, bei denen ich normalerweise sofort abschalten würde. Gestern war es dann auf beim Zappen soweit und ich durfte das erleben, über das sich ein anderer Blogger (du?) schonmal aufgeregt hat:

    In der Sendung war ein selbsternannter Fachmann eingeladen. Der hat ernsthaft argumentiert, dass der Klimaschutz eigentlich zwar wichtig, aber gar nicht so dringend wäre. Aber eine Zwangsreduktion der CO2-Ausstöße für die Hersteller sei dennoch eine sehr gute Sache, weil man davon ausgehen müsse, dass die Verbraucher in Zukunft mehr auf den Spritverbrauch achten und die Hersteller im Moment einfach nicht langfristig genug denken würden, um das zu sehen (im Unterschied zur Politik, ha ha).

    Der Ton war ungefähr der, dass die Hersteller eigentlich den Politikern für den sanften Schubser in die richtige Richtung danken müssten, so wie manche Eltern meinen, dass das Kind später auch mal für die Misshandlung den sanften Klaps dankbar ist.

    Was anderes noch: Kannst du mir vielleicht sagen, wie das Plugin heißt, dass ihr hier für die Kommentar-Vorschau und die Tag-Buttons beim Kommentar-Eingeben habt? Ich brauch das unbedingt auch für meinen Blog… ;-)

  2. admin
    7.02.2007 | 23:15

    Bitteschön:

    Tag-Buttons: “Comment Quicktags
    Kommentar-Vorschau: “Live Comment Preview

    (als admin geschrieben, weil ich ja gleichzeitig reinschauen musste…)

  3. 8.02.2007 | 1:20

    Sacred justice moved my engineer,
    I do not live on gasoline,
    I only live on beer.

  4. spruance
    8.02.2007 | 10:02

    Wenn ich das Wort “Experte” höre, zappe ich weiter. Wenn ich es lese, blättere ich um. Wenn ich Qualifizierungen wie “ein Wissenschaftler” oder “die Wissenschaftler” begegne, dito.

  5. spruance
    8.02.2007 | 10:37

    Übrigens, passend dazu, frisch aus der Feder:

  6. spruance
    8.02.2007 | 10:39

    Übrigens, passend dazu, frisch aus der Feder: Theodor Dalrymple
    (Irgendwann lerne ich auch noch HTML…)

  7. 8.02.2007 | 10:51

    @ChrisM:

    “Selbst schuld, wenn du sowas wie “Nachrichten” bei einem öffentlich-rechtlichen Sender guckst.”

    Die Privaten hingegen berichten grundsätzlich objektiv, umfassend und fundiert. Kann man ja im FAZ-Thread auch nachlesen.

    “Ich habe mir vor einigen Tagen mal vorgenommen, auch mal verstärkt auf die Berichterstattung zu Themen wie dem Klimaschutz zu achten, bei denen ich normalerweise sofort abschalten würde.”

    Cool! Yeah! Es lebe die Verlagerung politischer und ökologischer Fragen auf die Ebene des Lebensstils, ganz dem Gesetz der Distinktion folgend! - also im Falle des “normalerweise sofort Abschaltens”.

    “In der Sendung war ein selbsternannter Fachmann eingeladen.”

    Was sind denn nicht-selbst-ernannte Fachmänner?

    “Der Ton war ungefähr der, dass die Hersteller eigentlich den Politikern für den sanften Schubser in die richtige Richtung danken müssten, so wie manche Eltern meinen, dass das Kind später auch mal für die Misshandlung den sanften Klaps dankbar ist.”

    Das ist analog zu der Forderung des VWL-Professors im vorherigen Posting, den Förderalismus zu stärken, damit “Leistungseliten” indirekt Zwang auf Politik ausüben können sollen oder dazu, daß die Hartz IV-Sätze gesenkt gehörten, damit Anreize geschaffen würden, Arbeit aufzunehmen. Oder auch analog zu Plädoyers für “Selbstverantwortung”, die andere ja von selbst angeblich nicht wahrnehmen würden, wenn man sie nicht ständig dazu aufforderte.

    Was man Dir als Libertärem allerdings tatsächlich nicht vorwerfen kann, aber hinweisen kann man ja schon mal drauf.

  8. 8.02.2007 | 11:05

    Die Privaten hingegen berichten grundsätzlich objektiv, umfassend und fundiert.

    Wer Schund anbietet und dafür mein Geld stiehlt statt zu erbitten, muss sich halt etwas mehr Kritik bieten lassen.
    Aber das führt natürlich wieder etwas vom Thema weg.

  9. 8.02.2007 | 11:13

    @Boche:

    Kannst Du die Liturgie (schreibt sich das so? Ist das der richtige Begriff?) nicht wenigstens mal variieren?

  10. 8.02.2007 | 11:21

    @Momo

    Ein Argument wird nicht zum Ritual, weil es bei einem bestimmten Thema richtig und deshalb erwähnenswert bleibt.
    Insofern passt dein Begriff tatsächlich nicht.

    Denn sonst könnte ich deinen Verweis auf den Schund der Privaten ebenfalls als rituelle Handlung klassifizieren. Will ich aber nicht. Ist mir zu öde.

  11. 8.02.2007 | 11:31

    @Boche:

    Komm, formulier’s doch wenigstens mal als Argument und nicht in der Anwendung von Begriffen aus dem Strafrecht auf die Grundlagen desselben!

    Ich versuche einfach mal eins: Der Verweis auf die Privaten ist darin begründet, daß jenseits wissenschaftlicher Fachliteratur und ein paar wenigen Zeitungen, die eh keiner liest, weil alle BILD lesen, ohne die öffentlich-rechtlichen überhaupt nicht mehr informiert würde.

  12. 8.02.2007 | 11:37

    @Momo

    Du kannst das “stehlen” gern durch “zwangsfinanzieren” ersetzen, wenn diese Sprachkosmetik deinem Verständnis des Gemeinten hilft.

    Und was die vermeintlich wertvolle Unterrichtung des deiner Meinung nach wohl ansonsten in selbst gewählter Dummheit verharrenden Volkes durch die Öffentlich-Rechtlichen angeht, zeigt das hier erwähnte Beispiel ja gewisse Mängel.
    Mal abgesehen davon, dass ein rein privater Nachrichtenmarkt sicher auch Qualitätsmedien (die die öffentlich-rechtlichen m.E. nur sehr eingeschränkt sind) hervorbringen würde.
    Weil du und deines(wie auch meines)gleichen dafür bezahlen würden.

  13. 8.02.2007 | 11:40

    Wenn die Existenz der zwangsfinanzierten Sender mit höherer Bildung der Bürger korrelieren würden, wäre das sicher in Vergleichen mit anderen Nationen nachweisbar, die diese paternalistische mediale Zwangsbeglückung nicht kennen.
    Ich bezweifle mal ganz unwissenschaftlich, dass man derartiges herausbekommt.

  14. 8.02.2007 | 11:47

    @Boche:

    “Mal abgesehen davon, dass ein rein privater Nachrichtenmarkt sicher auch Qualitätsmedien (die die öffentlich-rechtlichen m.E. nur sehr eingeschränkt sind) hervorbringen würde.”

    Ist das so? Im fiktionalen Bereich scheint das bei US-Networks hinzuhauen, aber im Bereich Doku/Information? Na gut, Michael Moore ist ja nicht schlecht … im deutschen, öffentlich-rechtlichen wäre der nicht möglich.

    Und wie finanziert sich eigentlich PBS?

  15. 8.02.2007 | 11:55

    @Momo

    Ist das so?

    Würdest du dafür auch freiwillig statt zwangsweise bezahlen?

    Und wie finanziert sich eigentlich PBS?

    Das ist auf deren Website nicht so ganz ersichtlich (vielleicht auch nur, weil meine Englischkenntnisse mager sind). Aber offensichtlich zumindest zum Teil über Spenden.

  16. 8.02.2007 | 12:02

    @Boche:

    “Würdest du dafür auch freiwillig statt zwangsweise bezahlen?”

    Ja, würde ich. Hatten wir ja auch schon mal: Ich hätte auch kein Problem damit, Zugangsmöglichkeiten zu verschlüsseln und nur für jene, die Gebühren zahlen wollen, frei zu geben. Die anderen können ja gerne blöd bleiben oder sich cool finden.

    Das mit PBS kriege ich noch irgendwie raus.

  17. 8.02.2007 | 12:28

    Grob gesagt 46% Staatsknete (18% Bundesmittel, 28% über die Mitgliedsstationen, die sich ihrerseits wohl fast ausschließlich aus öffentlichen Mitteln speisen), 35% Spenden von Privaten (Unternehmen, Stiftungen, die direkt bestimmte Produktionen unterstützen).

  18. 8.02.2007 | 12:39

    @Rayson:

    Merci!

  19. 8.02.2007 | 12:39

    @Momo

    Ja, würde ich.

    Na, siehst du. Am Geld würde es wohl nicht scheitern.

    @Rayson

    Danke für die Info!

  20. 8.02.2007 | 12:47
  21. 8.02.2007 | 12:54

    @Boche & Rayson:

    Das ist auch wirklich eine ganz interessante “Mischkalkulation” bei PBS. Hierzulande ist es seit dem “Marienhof”-Skandal selbst bei Stiftungen schwierig, Stiftungen Produktionen mitfinanzieren zu lassen -Aussage unter Vorbehalt. Es sei denn, es sind gleich die Filmstiftungen der Länder. Was auch mit an dieser Finanzierung einer ARD-Doku durch die “Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft” lag, wenn ich mich recht entsinne.

    Diese ist aber ja im Grunde genommen nur dann skandalös ist, wenn’s nicht zugegeben wird. Parteilichkeit, die sich zugibt, finde ich unproblematisch.

    Umgekehrt greifen sowieso alle auf Materialien z.B. von Greenpeace oder PETA zurück, weil’s die umsonst gibt.

    Worauf ich hinaus will: Diese ganze Non-Profit-Stiftungsarbeit, da kann man, glaube ich, tatsächlich sehr viel von den USA lernen, auch wenn sich schon wieder ständig Leute über den “Dritten Sektor” lustig machen. Um so ärgerlicher, daß nun wieder auf das “Gemeinnützigkeitsrecht” eingedroschen wird, sobald irgendeinem Honk aus irgendeiner Partei irgendeine Aussage nicht in den Kram passt.

    Ist das nicht eigentliche ein Riesenthema für Liberale, diese ganze Stiftungs- und e.V.-Nummer?

  22. 8.02.2007 | 13:03

    Definitiv, da sind wir wahre Fans von. Nur warum das extra zum Thema machen? Dass Freiheit sich auch in sowas äußert, ist doch klar.

    Nur würden wir, was die Steuerbefreiungen angeht, lieber von der anderen Seite herangehen. Eine, die es ermöglicht, solche Gedanken als zweitrangig anzusehen.

  23. 8.02.2007 | 14:11

    “Definitiv, da sind wir wahre Fans von. Nur warum das extra zum Thema machen? Dass Freiheit sich auch in sowas äußert, ist doch klar.”

    Iiiiiiiih ;-)

  24. googlehupf
    8.02.2007 | 20:00

    Wo wir schon so abseits vom Thema sind:
    Neben dem Modell PBS gibts für amerikanische Politikjunkies noch C-SPAN, dass ausschließlich privat finanziert wird - und zwar durch die Kabelnetzbetreiber. Keine Werbung, kein Sponsoring und trotzdem hat der Sender hat den Ruf relativ neutral zu sein (bleibt aber natürlich nicht ganz ohne Beschuss).

    http://en.wikipedia.org/wiki/C-SPAN

  25. 8.02.2007 | 22:25

    Die Privaten hingegen berichten grundsätzlich objektiv, umfassend und fundiert. Kann man ja im FAZ-Thread auch nachlesen.

    Wo habe ich das bitteschön behauptet? An einen öffentlich-rechtlichen Sender als zwangsfinanziertes Propaganda-Fernsehen werden natürlich andere Ansprüche gestellt, an einen Privatsender, der nicht mit meinen Mitteln betrieben wird.

    Cool! Yeah! Es lebe die Verlagerung politischer und ökologischer Fragen auf die Ebene des Lebensstils, ganz dem Gesetz der Distinktion folgend! - also im Falle des “normalerweise sofort Abschaltens”.

    Warum soll ich mir denn noch Diskussionen zu einem Thema anschauen, wenn ich ohnehin schon eine gefestigte Meinung dazu habe? Nicht falsch verstehen: Man sollte immer auch die Gegenseite anhören, aber das geht beim Lesen von wissenschaftlichen Artikeln wesentlich besser als durch das Glotzen von populärwissenschaftlicher Panikmache.
    Das ist analog zu der Forderung des VWL-Professors im vorherigen Posting, den Förderalismus zu stärken, damit “Leistungseliten” indirekt Zwang auf Politik ausüben können sollen oder dazu, daß die Hartz IV-Sätze gesenkt gehörten, damit Anreize geschaffen würden, Arbeit aufzunehmen.

    Was sind denn nicht-selbst-ernannte Fachmänner?

    Das ist für mich jeder Wissenschaftler, der auf einem bestimmten Gebiet eine anerkannte Kapazität darstellt. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass gerade diese Art von Wissenschaftlern kaum im Fernsehen zu sehen sind und die “Wissenschaftler”, die sich selbst im Fernsehen als Experten darstellen, in der Fachwelt kaum bekannt oder anerkannt sind und selten selbst publizieren oder forschen.

    Das ist analog zu der Forderung des VWL-Professors im vorherigen Posting, den Förderalismus zu stärken, damit “Leistungseliten” indirekt Zwang auf Politik ausüben können sollen oder dazu, daß die Hartz IV-Sätze gesenkt gehörten, damit Anreize geschaffen würden, Arbeit aufzunehmen.

    Ja, nur geht es da um Probleme, die die Politik selbst zu verantworten hat oder die sie betreffen. Freie Unternehmen aber zu bevormunden, was besser für sie sei, fällt in eine komplett andere Kategorie: Absolute Dummheit.

    @Rayson: Danke! (für die Pluginnamen, werd sie am WE mal installieren)

  26. 9.02.2007 | 9:00

    @ChrisM:

    Ich gebe ja auch zu, daß ich unter anderem aus Langeweile mal wieder ein bißchen pöbeln wollte, schlechter Mensch, der ich bin, nicht wahr, Klaus, aber:

    “Das ist für mich jeder Wissenschaftler, der auf einem bestimmten Gebiet eine anerkannte Kapazität darstellt. Es ist ja ein offenes Geheimnis, dass gerade diese Art von Wissenschaftlern kaum im Fernsehen zu sehen sind und die “Wissenschaftler”, die sich selbst im Fernsehen als Experten darstellen, in der Fachwelt kaum bekannt oder anerkannt sind und selten selbst publizieren oder forschen.”

    Abgesehen davon, daß man sich schon fragen kann, was denn eine “anerkannte Kapazität” ausmacht, wie solcherlei Anerkennung zustande kommt etc., da bist Du, glaube ich, ein bißchen sehr vertrauensselig - wenn man sich allein schon anguckt, wer so alles VWL lehren darf (und das von mir aus auch weiterhin tun können sollte): Man lädt Wissenschaftler nach den Kriterien Bekannheit und Verständlichkeit in Fernsehsendungen ein. Weil’s sonst gar keine Quote gibt. Die gefährden Wissenschaftler eh, die Quote, aber manchmal will eben auch der naive Positivismus des Publikums bedient sein, indem man ihm ein bißchen Wissenschaft vorgaukelt. Give the people, what they want! Besteht halt Nachfrage! Der Mechanismus ist völlig identisch bei privat wie bei öffentlich-rechtlich.

    Das ist eine markt-analoge Struktur, die einfach nur belegt, daß eben Marktstrukturen genau jenen Populismus hervorbringen, der dann von liberaler Seite so aristokratisch gegeißelt wird …

    Und: Schön, daß Du Zeit und Muße zum Lesen wissenschaftlicher Artikel hast. Student? Und dieses eingestreute “Propaganda” ist doch selber welche … zudem es schon anmaßend ist, öffentlich-rechtlichen Journalisten pauschal Erkenntnisinteresse absprechen zu wollen, es sich selbst aber zuzugestehen. Das gibt’s nämlich neben Popularitätsdoktrinen auch noch, bei Privaten ist das gar nicht möglich, das durchzuhalten, weil’s da gar keine Rolle spielt …

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