Det kapier ick nich

Gebürtiger Berliner, der ick nu ma bin (ich habe noch nie berlinert, aber meiner Mutter immer aufmerksam zugehört ;-)), trauere ich um den Flughafen Tempelhof. Als die Mauer noch stand und bevor FJS den berühmt-berüchtigten Kredit einfädelte, war der Luftweg der einzige, auf dem der “Transitreisende” von West(-Deutschland) nach Ost(-Deutschland) keine Schikanen zu befürchten hatte. Und so schickten mich meine Eltern mit der BEA(!) von Hannover nach Berlin zu meinen Großeltern (deren männlichem Teil dieser Blog eine gewisse Hertha-Lastigkeit zu verdanken hat…). Und immer landete ich in Tempelhof, was vom Hinterhof Bergmannstraße, wo dann mein zwischenzeitliches Zuhause sein sollte, nur den legendären Katzensprung entfernt war.

Also klar, dass ich mindestens eine Träne verdrücke. Aber ich wundere mich auch.

Mit dem Urteil wurde die Position der Landesregierung und der Flughafengesellschaft bestätigt, die den defizitären Standort Tempelhof aufgeben und später nur noch den neuen BBI betreiben wollen. Der neue Bau soll nicht durch den Weiterbetrieb in Tempelhof gefährdet werden.

Wenn mir nicht bald jemand erklärt, warum sich BBI vor einem defizitären Flughafen fürchten muss, komme ich noch zu dem Schluss, dass da ein Monopol zu schützen war…

Ähnliche Beiträge


14 Kommentare zu “Det kapier ick nich”

  1. FG
    12.02.2007 | 20:03

    Erstens wird BBI voraussichtlich selber bis zum Sankt-Nimmerleinstag ein defizitärer Flughafen sein - wie übrigens die große Mehrzahl der deutschen Flughäfen, die weniger nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten (aus-)gebaut werden sondern (bestenfalls) nach regionalpolitischen.

    Und zweitens würde Tempelhof dem BBI Konkurrenz im eignen Hause machen, da beide Flughäfen dem selben Eigentümer gehören würden. Und dauch ein Wirtschaftsunternehmen würde bei Überkapazitäten und zwei defizitären Standorten sehr wahrscheinlich den unwirtschaftlicheren kleineren schließen.

  2. 12.02.2007 | 20:21

    tempelhof ist schick. ich kann nicht verstehen warum man ihn nicht zum beispiel als promi-und erinnerungsflugahfen nutzt.

  3. 12.02.2007 | 22:45

    Auch ein “Promi- und Erinnerungsflughafen” (Museumsfulghafen?) müßte alle Einrichtungen eines modernen Flughafen, von der Radaranlage über das ILS bis zur Abfertigungslogistik bereit halten - allein die Instandhaltung der Landebahnen dürfte ganz schön ins Geld gehen. Nein, das ist leider wirtschaftlich nicht zu machen. Man könnte allenfalls den Flughafen zum reinen Flugplatz für Kleinflugzeuge herunterstufen - was allerdings mitten in einer Großstadt auch nicht problemlos ist. Wirtschaftlich betreiben ließe sich vielleicht auch noch ein “Heliport”, nur für Hubschrauber.
    Das Problem in Tempelhof war ja seit der Einführung der großen Jets dass die Landebahn wegen der innerstädtischen Lage nicht ausreichend verlängert werden konnte. (Deshalb der ja der Ausbau von Tegel.)

    Wie auch immer: die Tage Tempelhofs als Verkehrsflughafen sind vorbei. Das gewaltige Flughafengebäude wird ohnehin zum großen Teil bereits anders genutzt - ich denke, dass wenigsten es erhalten bleibt.

  4. 12.02.2007 | 23:09

    Nachtrag: ich habe mal in der “Wikipedia” nachgeschlagen: Berlin-Tempelhof steht im Passagieraufkommen unter den deutschen Flughäfen sowieso nur noch auf Platz 21 (mit 0,63 Mio. Passagieren pro Jahr) - hinter “Weltflughäfen” wie Münster/Osnabrück, Paderborn, Lübeck oder Friedrichshafen, aber noch deutlich vor den Subventionsruinen in Erfurt und Rostock.
    Überhaupt eine aufschlußreiche Liste - demnach ist dieser enge, überlastete, veraltete Chaos-Airport London-Heathrow der dem Passagieraufkommen nach drittgrößte der Welt … und der deutsche Flughafen mit der theoretisch dritthöchsten Kapazität - nämlich Köln/Bonn - liegt in der Praxis in Deutschland auf Platz 7. Fazit: Flughafenbau und -Betrieb und Marktgerechtigkeit sind zwei verschiedene Dinge.

  5. 12.02.2007 | 23:15

    warum man ihn nicht zum beispiel als promi-und erinnerungsflugahfen nutzt.

    Mir wäre es egal, zu was man ihn nutzt. Nur, dass man jede Nutzung als Flughafen verbietet, erscheint mir seltsam.

    die Tage Tempelhofs als Verkehrsflughafen sind vorbei

    Kann sein. Aber wenn sich jemand findet, der auf das Gegenteil wettet? Stichwort Entdeckungsverfahren.

  6. 13.02.2007 | 9:25

    @rayson:

    Schade, dass du weggezogen bist. Man hätte sich in der Nachbarschaft mal auf ein Bier treffen können.

  7. Boris
    13.02.2007 | 11:00

    das mit den kosten tempelhofs ist so eine sache - immerhin bieten sich ja investoren an, die das tragen wollen. die mehrheit der berliner will tempelhof behalten. auch die mehrheit aller parteianhänger (bis auf die der pds). der senat vertritt die auffassung, der weiterbetrieb sei eine rechtliche gefährdung des flughafens bbi. rechtsgutachten, die eine andere meinung vertreten, werden nicht qualifiziert kritisiert. zu den chancen, die sich mit den willigen investoren verbinden, nehmen auch alle möglichen institutionen - überwiegend positiv - stellung, auch hier bedeckt sich der senat mit schweigen. seltsam ist das schon…

  8. Hardy
    13.02.2007 | 14:44

    Stimmt! Die Investoren haben auch ein vernünftiges Konzept vorgelegt und würden sämtliche Kosten tragen. Allerdings hat unser rot-roter Senat etwas dagegen. Genauso wie er auch die Mauerkreuze nicht wollte. Warum wohl? Jeder möge sich dazu seine Gedanken machen was wohl dahintersteckt.

  9. R.A.
    13.02.2007 | 15:45

    Schwierige Frage für Liberale …

    M. E. ist in Mitteleuropa kein echter “Markt” für Flughäfen möglich, d.h. es kann nicht einfach jeder Interessent einen aufmachen, auf daß sich dann der bessere durchsetze.

    Durch diese Beschränktheit sind Flughäfen lokale Monopole, die der Staat regulieren muß.

    Umgekehrt ist der Staat verpflichtet, in einer Region wie Berlin ausreichend Infrastruktur bereitzustellen.

    Und wenn nun
    a) Tempelhof nicht in der Lage ist, den Bedarf Berlins abzudecken,
    b) ein neuer Flughafen also nötig ist, aber
    c) das Gesamtflugaufkommen nicht reicht, um zwei Flughäfen rentabel zu betreiben -

    dann ist es m. E. völlig richtig, nur noch den Flughafen zu betreiben, der die Versorgung sicherstellen kann, und den zuzumachen, der dem Hauptflughafen die Rentabilität kaputt machen würde.

  10. 13.02.2007 | 16:21

    @steffenh

    Als ich wegzog, wusste ich noch gar nicht, was ein Bier ist ;-) Der Rest bestand dann eben aus ein paar Wochen Besuch, wenn meine Eltern die Nase voll von mir hatten…

  11. Boris
    13.02.2007 | 16:45

    tempelhof hätte als sonderflughafen für den privatverkehr einen besonderen charme: vorstände könnten einfliegen und in 10 minuten ins büro kommen. sage mir keiner, solche faktoren würden bei der standortwahl keine rolle spielen (bei der auswahl von schönefeld für den großflughafen wurde auch nicht rational entschieden, der standort schnitt schlecht ab in diversen gutachten). einen flughafen mit einer vergleichbaren innenstadtlage weist m.e. keine andere metropole auf. es wäre aber eine völlig neue politik des senats, sich um ansiedlungen zu kümmern, insofern hätte es schon überrascht, wenn wowereit sich auch nur ein wenig auf die tempelhof-diskussion eingelassen hätte.

    die amerikanischen investoren sollten ihm versprechen, zur wiedereröffnung eine schöne party zu schmeißen, bei der er mit drei oscar-preisträgern, zwölf top-models und allen seinen lieblingsmalern an einem tisch sitzt - dann klappt’s auch mit der investition. aber wer kennt schon in den usa solche lokal-spezialitäten…

  12. R.A.
    13.02.2007 | 16:55

    @Boris:
    > einen flughafen mit
    > einer vergleichbaren
    > innenstadtlage weist
    > m.e. keine andere
    > metropole auf.
    London-City …

    Aber in London gibt es halt nicht das Problem, daß die übrigen Flughäfen deswegen Auslastungsprobleme bekämen …

  13. 13.02.2007 | 19:16

    R.A.: Wie wahr (mit Grauen an Heathrow denkend)!

    Übrigens: es sieht, anders als ich gedacht hatte, tatsächlich so aus, als ob der reine Flugbetrieb in Tempelhof einigermaßen rentabel wäre. Was wohl Probleme macht, ist die Riesen-Immobilie. Mekrwürdig, dass man auf einen Deckungsbetrag von vorneherein verzichtet (wobei der Flugbetrieb einer “anderweitigen Nutzung” kaum im Wege steht, die Gebäude sind auf über 6 Mio. Fluggäste im Jahr ausgelegt, es kommen gerade mal 1/10 - und praktisch keine Luftfracht.

  14. Hardy
    14.02.2007 | 16:15

    Das keine Luftfracht kommt hat u.U. auch mit dem Nachtflugverbot zu tun. Allerdings gilt selbiges auch für Schönefeld, ganz im Gegensatz zum damaligen Alternativflughafen. Übrigens bedauern andere Länder ihre innerstädtischen Flughäfen geschlossen und “plattgemacht” zu haben

Bad Behavior has blocked 1588 access attempts in the last 7 days.