Windows als Zwangsgast

Ich kenne mindestens einen politisch eigentlich nahe stehenden Blogger, für den ich sicher ein Nerd bin, der aus völlig irrationalen Gründen etwas gegen Windows hat.

So irrational sind die Gründe aber nicht. Erstens bevorzuge ich komischerweise ein Betriebssystem, das dem Nutzer möglichst große Freiheiten gewährt. Zweitens mag ich es, wenn ich für die Software, die ich mir mal über längere Zeit anschauen will, keine “Gebühren” zu entrichten habe (ich pflege allerdings auch den Autoren freier Software Entgelte im gewünschten Ausmaß zukommen zu lassen, wenn ich deren Produkt dauerhaft nutze). Drittens bin ich gerne von Firmen oder Personen unabhängig. Und viertens mache ich gerne das vor, was ich mir von anderen wünsche.

Dennoch wäre ein Verzicht auf Windows ökonomischer Selbstmord. Mein Excel- und Access-Wissen hat mir schon viel Geld eingebracht. Ohne geht es deshalb nicht - auch wenn ich OpenOffice so weit nutze, wie es mir effizient erscheint. Für mich liegt der Schlüssel daher in der Virtualisierung. Windows als Gastsystem in einer freien Umgebung, das ist für mich optimal. Leider hat M$ mit Vista die Lizenzbedingungen in diesem entscheidenden Punkt geändert (ein weiteres Argument für freie Software). Mal sehen, welche Konsequenzen ich daraus ziehe. Aber auf der ersten primären Partition meiner Festplatte wird wohl kein M$-Betriebssystem mehr landen.

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20 Kommentare zu “Windows als Zwangsgast”

  1. 12.02.2007 | 23:01

    Als Blogger mit einem anderen präferierten Betriebssystem: Ich kann dies vollkommen nachvollziehen.

    Mit der Virtualisierungsbedingung in den Lizenzen haben tatsächlich viele Anwender Probleme. Der Hintergrund ist ganz klar: Damit sollen Firmen und professionelle Anwender damit zu Ultimate überredet (z.B. anstatt der Business-Lizenz) werden. Für Heimanwender ist dies eher nicht das Thema.

    Eine Alternative sind immer noch Dual-Boot-Lösungen. Nicht so komfortabel wie eine Virtuallisierung, aber es ist auch ausreichend für die Windows-Partition z.B. für den beruflichen Einsatz oder für spezielle Software. Dies ist auch weiterhin mit “normalen” Windows-Lizenzen möglich.

  2. 12.02.2007 | 23:07

    Ist ja extrem witzig, dass, was uns betrifft, der Fachmann auf das (zu wesentlichen Teilen) kommerzielle und der Laie auf das freie System abfährt - aber andererseits auch schön, um Vorurteile zu widerlegen ;-)

    Dual-Boot hatte ich vorher in Betrieb und als sehr lästig empfunden. Aber natürlich, angesichts der Lizenzpolitik von M$ muss man das neu bewerten.

  3. googlehupf
    12.02.2007 | 23:52

    Ja ist klar, was Microsoft da versucht. Aber Dual-Boot ist tatsächlich etwas nervig.

    Wenn man auf den MS-Support verzichten kann fährt man mit einer SB Version von Windows Ultimate zu 175€ gar nicht mal so viel teurer als ehemals mit XP.

    Wenn man es denn braucht.

  4. 13.02.2007 | 8:23

    @Rayson: Aber Microsoft Office wird doch wahrscheinlich auch noch eine ganze Weile auf WinXP laufen, so kannst Du auch weiter mit Excel und Access Geld verdienen. Welchen Vorteil hätte denn der Einsatz von Windows Vista?

  5. 13.02.2007 | 8:29

    PS: Einige Kommentatoren weisen unter dem verknüpften Artikel auch darauf hin, dass die in der EULA aufgeführten Bedingungen in Deutschland möglicherweise überhaupt nicht gelten und dass die Nutzung auch nicht technisch verhindert wird.

    PPS: Ich bin froh, dass ich als EDV-Freiberufler den allergrößten Teil meiner Arbeit mit Linux erledigen kann. 2007 kommt auf jeden Fall noch ein kleiner Mac dazu, aber mit Sicherheit kein Windows Vista.

  6. 13.02.2007 | 8:58

    Die Kommentare zur Wirksamkeit habe ich auch gelesen.
    Aber ich bin nicht überzeugt davon, dass dies auch so stimmt. Mit Verlaub: Die Kommentatoren haben auf mich nicht den Eindruck gemacht juristisch sattelfest zu sein.

  7. 13.02.2007 | 9:22

    Danke für die persönliche Erwähnung, bilde ich mir jetzt mal so ein. Mit der o.g. Einstellung kann ich auch sehr gut leben leben, denn diesmal soll ja nicht “Papa Staat” wieder irgendeine fiese Machenschaft richten, deren Tragweite er nicht durchschaut und die von Leuten angezettelt wurde, die selbst gern die Position des Monopolisten hätten. Als “Light-User” der mit Word und Excel sein Geld verdient und sonst nur im Internet surft hab ich einfach mit Windows noch nie größere Probleme gehabt, so dass mir die Klagen etwas fremd waren. Der Rest ging mir eben gen meinen liberalen Strich und den ökonomischen Sachverstand. Wen es interessiert, ich bin inzwischen gegen jegliche intellektuellen Eigentumsrechte, die der besitzer nicht selbst zu schützen vermag. Levine/Boldrin’s “Against Intellectual Monopoly” nimmt bestimmt noch den letzten Zweifler mit.

  8. 13.02.2007 | 9:22

    Komisch, ich wollte jede neue Windows-Version immer unbedingt haben. Jetzt, mit Vista, ist das zum ersten Mal nicht so. Ich habe überhaupt kein Bedürfnis, mir das neue Betriebssystem zu holen. Woran das wohl liegt…?

    @googlehupf:
    MS-Support? Fand ich immer genauso witzig wie die Windows-Hilfe (oder gar die Fehlerbehebung, bei der man am Ende immer bei “Kontaktieren sie ihren Administrator oder Händler” landet).

  9. 13.02.2007 | 10:46

    Ich hab vor kurzem irgendwo gelesen das die Entscheidung zwischen Windows und Linux beinahe schon glaubensähnliche Züge angenommen hat, mit dem Effekt das jeweils andere Betriebssystem dann auch kreuzzugsartig zu bekämpfen oder verleumden zu wollen. Es ist glaube ich eher ein bekannter Reflex von mir mich dann auf die Seite, rein argumentativ, zu stellen, auf den am meisten eingeprügelt wird. Und so sonderbar das auch klingen mag, das ist nun mal Microsoft (nicht das es ihnen wirklich etwas ausmachen würde).

    Das beste wäre es wohl wirklich die Vorteile aus beiden Welten zu nutzen. Ich bin da lange Zeit den umgekehrten Weg gegangen und hatte auf einem XP-Rechner in einer virtuellen Maschine Linux laufen. Hauptsächlich um zu wissen wogegen ich mich entschieden habe. Aber irgendwie dachte ich mir dann auch, dass ist nichts halbes und nichts ganzes und lebe lieber ganz mit Windows als Betriebssystem.

  10. 13.02.2007 | 11:42

    Die Lizenzbestimmungen für Microsoft-Produkte lassen sich hier abrufen: http://www.microsoft.com/about/legal/useterms/default.aspx

    Bei Vista ist die Nutzung bei Virtualisierungssoftware explizi ausgeschlossen bei MICROSOFT WINDOWS VISTA HOME BASIC und VISTA HOME PREMIUM; bei der Ultimate-Version steht folgendes:

    You may use the software installed on the
    licensed device within a virtual (or otherwise emulated) hardware system on the licensed device. If you do so, you may not play or access content or use applications protected by any Microsoft digital,
    information or enterprise rights management technology or other Microsoft rights management services or use BitLocker. We advise against playing or accessing content or using applications protected by other digital, information or enterprise rights management technology or other rights
    management services or using full volume disk drive encryption.

  11. 13.02.2007 | 13:37

    Ich hoffe zunächst, dass man in meinen Beiträgen nichts Kreuzzugsartiges erkennt und ich möchte auch gleich noch betonen, dass es außer Windows und Linux noch mehr Betriebssysteme gibt ;-)

    Anwender können dazu ziemliche »Flamewars« führen, aber das stiehlt eigentlich nur Zeit und bringt niemanden weiter. Andererseits muss man sich auch die PR-Kampagnen und die Lobby-Methoden der Hersteller ansehen. Und da wäre es mal interessant, ob nun die Linux- oder Windows-Seite mit faireren Mitteln arbeitet ;-)

  12. 13.02.2007 | 14:41

    Kürzlich hatte ich (mal wieder) ein heftiges Problem mit Windows. Am Ende habe ich es (zum 10. Mal innerhalb von ca. 2 Jahren) neu installiert. Das war unter Zuhilfenahme von Knoppix schön zu machen. So kam ich nämlich noch an die Daten, die ich ansonsten hätte abschreiben müssen.

    Aus beruflichen Gründen bleibe ich aber bei Windows. Ich arbeite sehr viel mit (und für) Excel und Access. Da fallen mir geeignete Alternativen leider nicht ein.

    Spätestens, wenn ich “unabhängig” sein werde, also nach meinem Renteneintritt, werde ich auf ein Apple-System umsteigen. Linux-Systeme sind mir persönlich eigentlich immer noch zu kompliziert. Aber natürlich kann ich schon gut verstehen, dass die Lizenzpolitik von M$ viele Leute zusätzlich ins “gegnerische” Lager treibt. Abgesehen davon, dass ich kein Politikum daraus machen würde, ob man für oder gegen ein Betriebssystem ist. Schließlich ist auch das quasi nur ein Werkzeug.

  13. R.A.
    13.02.2007 | 15:24

    > Bei Vista ist die
    > Nutzung bei
    > Virtualisierungssoftware
    > explizit
    > ausgeschlossen
    Meine Güte, was muß Billy eine Angst haben, daß die Leute Windows nur noch als Zweitsystem nutzen um dann ganz abzuwandern …

    Es fragt sich aber schon, wie MS so bizarre Einschränkungen praktisch durchsetzen will.
    Schließlich ist die SW ordentlich gekauft.

    Nächstens schreiben die noch in die Word-Lizenz: Mit dieserm Programm dürfen keine positiven Kommentare zu Apple oder Linux geschrieben werden.

  14. 13.02.2007 | 16:25

    @stefanolix

    Noch komme ich ohne Vista aus. Mal sehen, wie lange das so bleibt.

  15. R.A.
    13.02.2007 | 16:59

    @Rayson:
    > Mal sehen, wie lange
    > das so bleibt.
    Auf meinem Firmenrechner (letzten Herbst neu gekauft) wurde Windows 2000 installiert.
    Allgemeine EDV-Richtlinie bei uns, und wir sind immerhin eine DAX-Firma.

    Sie werden wohl irgendwann mal auf XP gehen (oder doch auf Linux?) - aber Vista sehe ich noch lange nicht.

    (Und privat kommt mir sowieso nur Mac OS auf die Platte)

  16. 13.02.2007 | 17:16

    >Auf meinem Firmenrechner (letzten
    >Herbst neu gekauft) wurde Windows
    >2000 installiert.
    >Allgemeine EDV-Richtlinie bei uns,
    >und wir sind immerhin eine DAX-Firma.
    –> Ich wußte schon immer, dass diese Firma irgedwo hinter dem Mond residiert :grin:

  17. R.A.
    13.02.2007 | 17:42

    @VolkerD:
    Solange die mich bezahlen und trotzdem noch Rekordgewinne einfahren können, scheint die technische Ausstattung nicht so schlecht zu sein ;-)

  18. 13.02.2007 | 17:43

    @R.A.: Oder »Mit diesem Programm dürfen keine negativen Kommentare zu Microsoft-Produkten geschrieben werden« ;-)

  19. 13.02.2007 | 18:02

    @R.A.
    Manche Firmen (und deren Angestellte) verdienen Geld und andere bekommen es einfach … ;)

    … (als kleiner Selbständiger bekomme ich selbstverständlich nur, was ich verdiene; im Gegensatz zu Angestellten :) )

  20. Llarian
    14.02.2007 | 20:19

    Sorry, vielleicht bin ich ja zu blöde für Juristenformulierungen, aber ich erkenne aus dem Virtualisierungsverbot rein das Verbot INNERHALB einer realen Umgebung die selbe Lizenz noch einmal virtuell laufen zu lassen, was faktisch ja auch die Doppelnutzung einer Lizenz wäre. Wenn ich das richtig verstehe, wüsste ich nicht, was daran nicht nachzuvollziehen wäre. Auch das Argument gegen Linux zieht dann nicht, denn es wäre nicht verboten eine rein virtuelle Lizenz zu betreiben, solange diese nicht auf einer anderen Hardware installiert ist.
    Ich sehe zwar ausser DirectX 10 (als passionierter Spieler kommt man da ohnehin irgendwann nicht mehr dran vorbei) auch keinen so rechten Grund mir Vista zuzulegen, sehe aber dadurch auch keinen so rechten Nachteil zum jetzigen Status quo.

Bad Behavior has blocked 1593 access attempts in the last 7 days.