23. Februar 2007
Einmal Eintopf, bitte!
Ich lasse mal offen, ob ich dem Bischof Mixa zustimme oder nicht, denn darauf kommt es mir in diesem Beitrag nicht an. Ob unsere Grinseministerin mit ihrer Krippenpolitik richtig liegt oder nicht, ist auch nicht mein Thema. Oder besser: Dazu habe ich an anderer Stelle vielleicht schon genug gesagt.
Was mich beschäftigt, ist der Umgang mit der - zugegeben sehr unsachlichen, aber den Politiker, der sich da als erster Steinewerfer qualifizierte, will ich erstmal sehen - Kritik des Bischofs.
Auf den Inhalt wird da nämlich erstaunlich wenig eingegangen. Die einen, hauptsächlich bestehend aus diversen mir bislang unbekannten CDU-Politikerinnen und der bei solchen Themen unvermeidlichen Frau Ranke-Heinemann, scheint es zu stören, dass sich ein Bischof überhaupt zu solchen Themen äußert (mit dem ebenso süffisanten wie wohlfeilen und strunzdämlichen Verweis auf den Zölibat - als ob Müntefering erstmal selber von Hartz IV leben müsste). Die anderen, wie der mir ebenso bislang unbekannte SPD-Abgeordnete Schmidt (nicht Bergedorf), der sich zudem nicht entblödete, reflexhaft den Rücktritt des Bischofs zu fordern, und etwas namhaftere Unions-Funktionäre, wenden sich lieber scharf gegen Nichtgesagtes.
Auf den ersten Einwand einzugehen, lohnt sich nicht. Und was den zweiten betrifft, wird deutlich, wie sehr hier die Unpolitik regiert. Mixa hat ja nicht, wie CSU-Fraktionschef Herrmann und die ewige CDU-Hoffnung Pflüger gerne suggerieren möchten, Kritik an der individuellen Entscheidung von Frauen geübt, sondern an der staatlichen Entscheidung zur Verwendung knapper Budgetmittel.
Bischof Mixa sieht es nicht als selbstverständlich an, dass es die Aufgabe des Staates sei, das Arbeitsangebot auszuweiten, indem Eltern zur frühstmöglichen Aufnahme von Erwerbsarbeit nach der Geburt ihrer Kinder bewegt werden. Ich kann das ganz und gar nachvollziehen, und damit meine ich nicht einmal meine konservative Sperrminorität, sondern auch den liberalen Mehrheitsbesitz.
Dass Mixa dann selbst eine Staatsaufgabe darin sieht, die Erziehung von Kindern zuhause zu begünstigen, ist aus liberaler Sicht allerdings inkonsequent, so sehr mein konservativer Anteil da Beifall zollen möchte.
Wichtig ist aber: Mixa hat sich an einer Debatte über staatliches Handeln beteiligt. Das ist sein Recht und auch seine Aufgabe in einer Demokratie wie der unseren. Wer solche ihm unliebsamen Stimmen ad hominem abbügeln oder ihre Aussage grob verfälschen muss, setzt sich eher dem Verdacht aus, selbst auf einer nur sehr wackligen Grundlage zu stehen. Die Union hat anscheinend ein echtes Problem.
Verfasst von Rayson um 02:25 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)