Friedlich und nur zur Selbstverteidigung

Ja, diese radikalen linken Demonstranten sind schon eine freundliche und zurückhaltende Truppe. Sie veranstalten selbst ausschließlich gelegentliche friedliche Demonstrationen, und zu Gewalttaten kommt es nur dort, wo sie sich gegen die von Nazis angezettelten Demonstrationen wehren. So jedenfalls versuchen es mir immer wieder Mitblogger zu erklären, die sich selbst als radikale oder extreme Linke bezeichnen und mit der Antifa solidarisieren.

Das fällt mir aber immer schwerer zu glauben, vor allem, wenn ich Berichte wie diesen über die Krawalle am Rande des Frankfurter Opernballs lese.

Bereits in den vergangenen beiden Jahren war es nach dem Protestzug zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen linksgerichteten Demonstranten und der Polizei gekommen. “Dieses Mal war es aber nicht so schlimm wie im vergangenen Jahr”, bilanzierte der Sprecher der Frankfurter Polizei, Karlheinz Wagner.

Also, dass die radikale Linke in diesem Land ausschließlich friedlich demonstriere, das kann ich nun ebensowenig glauben, wie die Behauptung, dass die Antifaschisten bei den Nazi-Gegendemos “nur zur Selbstverteidigung” jeden Weg suchen, um an den Polizeikräften vorbei gewalttätige Konflikte mit den Neonazis auszutragen. Vielleicht gilt das für die besonneneren Linksradikalen, zu denen ich gerne bereit bin, unsere Bloggerkollegen zu rechnen. Aber eins wird für mich immer offensichtlicher: Auch in der Linken gibt es wieder mehr und mehr Radikalinskis, denen der Abscheu gegen diesen “Schweinestaat” (so hieß das doch mal, oder?) als Vorwand dient, um ihre gewalttätige Ader gegen Polizisten und Unbeteiligte auszuleben.

Also, ich hoffe, man wird es mir mehrheitlich nicht verdenken, wenn ich damit fortfahre, nicht nur eine rechtsextreme Bedrohung unseres Staates und unserer Gesellschaft zu sehen, sondern auch eine linksextreme. Wenn Straßenschlachten dieser Art bald wieder zum Alltag gehören, dann gute Nacht… :(

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32 Kommentare zu “Friedlich und nur zur Selbstverteidigung”

  1. 25.02.2007 | 22:37

    Du hast vollkommen recht. Ich wage sogar zu behaupten, dass die linke Szene derzeit noch wesentlich gewaltbereiter als die rechte ist, womit ich natürlich dennoch nichts herunterspielen möchte. Auffällig ist aber doch, dass jeden Tag über rechtsradikale Gewalt in den Medien berichtet wird, aber so gut wie nie über Linksextremisten, obwohl man doch gerade hier einen schönen Anschluss zur aktuellen RAF-Debatte hätte finden können.

    Das Schlimmste aber steht uns ohnehin noch bevor: In Form der “friedlichen Demonstrationen” gegen den G8-Gipfel. Die Demonstranten sind nicht nur äußerst gewaltbereit und mit ihrem beschränkten Geist in ihrer Ideologie gefangen, nein, sie haben auch die Zustimmung einer breiten Öffentlichkeit. Mal ehrlich, auch wenn wahrscheinlich wenige Leute selbst dort demonstrieren würden, finden doch die meisten, dass die Ziele der “Globalisierungsgegner” (statt Extremist) irgendwo eben doch ganz gut sind und dass sie ja eigentlich für eine gute Sache kämpfen und der Staat es vielleicht nicht so eng sehen sollte.

  2. 25.02.2007 | 22:42

    Bevor die (mögliche) dicke Diskussion hier losgeht:
    1. Die polizeilich registrierte Gewalt mit rechtsextremem Hintergrund übersteigt die Gewalt mit linksextremem Hintergrund immer noch deutlich
    2. Im Zweifelsfall sind meine Sympathien schon eher bei Kommunisten als bei Neonazis - wenn sie aber direkt auf die Vertreter eines (relativ) liberalen (relativ) Rechtsstaates treffen, verschieben sich meine Sympathien zu diesen.

  3. 25.02.2007 | 23:00

    Hallo Karsten,

    Also, ich hoffe, man wird es mir mehrheitlich nicht verdenken, wenn ich damit fortfahre, nicht nur eine rechtsextreme Bedrohung unseres Staates und unserer Gesellschaft zu sehen, sondern auch eine linksextreme.

    Solange du damit nicht versuchst, wie leider so viele das tun, die gesamte Linke zu diskreditieren, oder mit Alarmismus ob ein paar K-Gruppen die ernsthaften Probleme zu verschleiern, hast du da meine volle Unterst�tzung.

    Sch�nen Gru�, Steve

  4. 25.02.2007 | 23:07

    Ja, aber das Problem ist doch folgendes: Die Gefahr durch die (Neo-)Nazis ist viel geringer als die Gefahr der aggressiven Linken.

    Von den Nazis wird jeden Tag in der Presse berichtet und sie werden von den Öffentlichkeit mit Abscheu betrachtet. Ich darf als Beispiel mal auf den Fall Ermyas M. verweisen, wo die Täter richtig medial ausgeschlachtet und vorgeführt wurden. Von einer rechten Demonstration geht also nur die Gefahr aus, die die Täter unmittelbar anrichten. Die ist natürlich nicht gering und ich will auch nicht sagen, dass nicht dutzende Personen im Jahr an rechter Gewalt sterben, aber: Das war’s dann auch schon.

    Bei den “Linken” ist die Situation viel schwieriger. Sie richten genauso direkte Schäden an, wobei weniger (nicht keine) Leute sterben, dafür brennen die Autos von bösen Kapitalisten und die Hauswand wird mit Farbbeuteln beworfen. Der direkte Schaden ist hier ebenso nicht so schlimm und wie du richtig sagst, wahrscheinlich sogar niedriger als der der rechten Spinner. Dafür gibt es aber die indirekten Folgen durch die öffentliche Sympathie (siehe meinen ersten Post) und die sind schlimm. Im Unterschied zu den Rechten sind die Linken nämlich massiv auf dem Vormarsch und stoßen dabei kaum auf Gegenwehr.

    Wenn ich mich entscheiden müsste, ob ich bei einer “faschistischen” rechten oder einer antifa-schistischen Demo mitlaufe, würde mir die Entscheidung sehr, sehr schwer fallen.

  5. 25.02.2007 | 23:31

    Ich finde auch, die Hooligans in Leipzig waren viel vernünftiger als diese Linken …

  6. der gute don
    25.02.2007 | 23:38

    linke oder rechte Fachisten - Wo ist der Unterschied?

  7. 25.02.2007 | 23:56

    Als libertärer Alt-Autonomer (die stets in der Minderheit gegenüber den Rot-Faschisten waren ;-)) jenseits der 30 kann ich dazu einiges sagen. Gewisse Pseudo-”Links” Blogger sehen mich ja als Renegaten und Ex-Linken. ;-) Manche Paläoökologen + autoritärer Anhang bezeichnen mich ja als “Rechten”. Sind aber altbekannte und billige Manöver.

    Ich habe mich stets darum bemüht, nie als Erster Gewalt anzuwenden, aber ich habe auch meist nicht gezögert, mich zu verteidigen. Egal ob die Angreifer Uniform getragen haben oder nicht. Ein solches Beispiel für spontane Selbstverteidigung war der 1. Mai 2001, als die Pozilei ein Straßenfest auf dem Mariannenplatz angriff und dabei auch mal ohne Warnung auf eine vollbesetze Kinderhüpfburg mit dem Wasserwerfer drauf hielt.

    Gewaltsame Aktionen gegen Nazi-Demos halte ich für zwecklos und sie sind auch meist sehr kontraproduktiv. Die Antifa ist seit geraumer Zeit der Spielplatz für Alt-Stalinisten und deren Adepten (ML,sog. Anti-Ra etc.). Durch angeblichen Antifaschismus versuchen diese Leute Partner im “bürgerlichen Lager” zu finden.

    Ich und meine Freunde haben uns lieber um den Schutz von “Asylbewerberheimen” gekümmert und uns da manche kalte Nacht um die Ohren geschlagen. Weil eben die Pozilei das nicht interessierte, ob so ein Heim angegriffen und angesteckt wird.

    Ich habe viele Demos erlebt, wo die Aggression von der Pozilei ausging, aber auch noch mehr, wo die Gewalt von den “Demonstranten” ausging. Besonders unangenehm waren jene Leute, die aus der 35. Reihe Steine geworfen haben und nur die Hinterköpfe der eigenen Leute trafen. Wobei ich mir sehr gut vorstellen kann, daß die Pseudo-”Links”-Blogger genauso solche Leute waren. Diese Gestalten waren auch immer die ersten Penner, die weggelaufen sind. Feigherzige Leutchen eben. Davon kommen sie auch beim bloggen nicht los.

    Solche gewalttätigen Aktionen haben eigentlich keinen Sinn, denn sie verändern nichts. Im Gegenteil. Sie machen die Lage oft schlimmer. Diese Aktionen dienen nur der eigenen Selbstbestätigung. Danach kann man sich als cooler Revoluzzer fühlen.

    Als allzu große Gefahr sehe ich diese Leute nicht. Sie treten halt sehr oft, sehr laut auf und versuchen zu suggerieren, daß keine kleine und verblendete Minderheit sind.

  8. 26.02.2007 | 7:36

    Telegehirn, ich bin geneigt, Dir voll und ganz zuzustimmen. Was nicht immer der Fall sein dürfte …

    Die “Krawallniks”, die Du da so treffend beschreibst (Steinwurf aus der 35. Reihe) - sind er Ärgernis, mehr aber zum Glück auch nicht. Nach meinen letzten Demo-Erlebnissen sind viele der gewaltätigen Demonstranten schlicht Radale-Kids (durchaus auch im theoretisch erwachsenen Alter), die fehlendes politisches Bewußtsein durch einen hohen Testosteronspiegel ersetzen.

    Gewaltsame Aktionen gegen Nazi-Demos sind auch schon deshalb kontraproduktiv, weil Gewaltanwendung so ziemlich das einzige Gebiet sind, auf dem die Faschos “stark” sind.

    ChrisM, ich hoffe, Du meinst das ironisch. Nur so viel: davon, dass im Unterschied zu den Rechten die Linken massiv auf dem Vormarsch wären, habe ich nämlich nichts mitbekommen.

  9. 26.02.2007 | 9:08

    davon, dass im Unterschied zu den Rechten die Linken massiv auf dem Vormarsch wären, habe ich nämlich nichts mitbekommen.

    Ich denke, dass es zumindest ideologisch stimmt. Der linke Tenor (”Globalisierung ist furchtbar”; “Die Konzerne werden immer reicher, während sie massenhaft die Leute auf die Straße setzen” und diverser Verzicht auf bürgerliche Freiheiten) scheint mir doch fast mehrheitsfähig zu sein.
    Dass steinewerfende Idioten diese Mehrheit nicht gewinnen können, liegt vielleicht nur an ihrer geistigen Beschränktheit, keine cleverere Taktik wählen zu können.

  10. R.A.
    26.02.2007 | 10:43

    @Karsten:
    > Die polizeilich
    > registrierte Gewalt
    > mit rechtsextremem
    > Hintergrund
    > übersteigt
    > die Gewalt mit
    > linksextremem
    > Hintergrund immer
    > noch deutlich
    Betonung auf: “polizeilich registriert”.

    Und damit löst sich dieses Argument in Luft auf.

    Gewalttaten wie die in Frankfurt werden eben nicht unter “Linksradikalismus” registriert - sonst wäre das eine sehr fette Spalte in der Statistik.

  11. Llarian
    26.02.2007 | 14:21

    1. Die polizeilich registrierte Gewalt mit rechtsextremem Hintergrund übersteigt die Gewalt mit linksextremem Hintergrund immer noch deutlich

    Wie R.A. schreibt, “polizeilich registiert”. Glaube ich ohne zu fragen. Und dazu stelle ich mal folgende Frage: Stellen wir uns vor, jemand machte eine Kneipe auf und benenne diese nach einem Massenmörder, er male Portraits von diesem an die Wand und schreibe diesen in großen Lettern auf seine Karte. Und er nenne diese Kneipe “Göring”. Würde er polizeilich registriert ? Der Laden zugemacht ? Ja, natürlich. Würde das auch passieren, wenn er seine Kneipe “Che” nennen würde ? Nun, ich kenne eine solche Kneipe und sie läuft wohl ziemlich gut.
    Stellen wir eine zweite Frage: Ein besoffener Nazi gerate an zwei Antifas und die verpassen ihm ein ordentliches Pfund. Würde das als linksradikale Straftat gezählt ? Oder als Prügelei ? Und wie war das bei der Prügelei in Potsdam wo dann gleich der Bundesanwalt zur Stelle war ?
    Ehrlich gesagt weiss ich nicht, ob linke oder rechte Gewalt überwiegt. Eins weiss ich dagegen sicher: Der Staat ist was die Beurteilung dieser Frage angeht ganz eindeutig auf einem Auge blind und auf dem anderen versucht er das dann auszugleichen. Es ist immer die Rede von brauner Gefahr, man macht sich die in die Hose weil die NPD es in einen Landtag schafft, während die SED in mehreren Landesregierungen sitzt und vermutlich innerhalb der nächsten 10 Jahre gar Bundesminister stellen wird.
    Die wahrgenommene Gefahr wird über Jahre weiterhin der Rechtsextremismus sein. Ziemlich unabhängig davon, ob er es ist oder nicht.

  12. 26.02.2007 | 14:40

    Nur am Rande, Llarian:
    Es gibt doch noch einen Unterschied zwischen PDS und NPD, sowohl was das Auftreten, als auch, was die Zielsetzungen angeht. Und was die Kontakte zu gewalttätigen Gruppierungen angeht, ebenfalls. So etwas wie die Kameradschaften der Rechten gibt es in der Art auf der Linken (noch?) nicht.

  13. R.A.
    26.02.2007 | 14:47

    @Karsten:
    > Es gibt doch noch
    > einen Unterschied
    > zwischen PDS und NPD
    Da gibt es natürlich eine Reihe Unterschiede.
    Auch im Verhältnis zu Gewalt: Die PDS setzt mehr auf die organisierte staatliche Gewalt von “Sicherheitsorganen”, die NPD mehr auf Prolo-Schläger.

    Insgesamt ist der Hauptunterschied, daß die Gefahr durch die PDS eindeutig größer ist und ernster genommen werden sollte.

  14. 26.02.2007 | 14:56

    Die PDS ist näher an der staatlichen Macht. Damit mag die Gefahr tatsächlich größer sein.
    Die NPD ist aber auch nur ein weiterer Vertreter der national-sozialistischen Ideologie mit geringfügig anderem Auftreten und entsprechend geringfügig anderer Klientel.
    Schon die Weimarer Republik wurde von beiden Seiten aufgerollt.

  15. Llarian
    26.02.2007 | 15:06

    Die Zielsetzung der SED ist die Überwindung des Systems. Wo bitte unterscheidet sich das von der NPD, wenn man mal das Vorzeichen des danach gewünschten Systems weglässt ? Das Auftreten der NPD ist prolliger, keine Frage, aber für mich macht das keinen so erheblichen Unterschied. Und auch was den Kontakt zu gewalttätigen Gruppen angeht, so muss mir die Distanzierung der SED von Antifa und Konsorten irgendwie entgangen sein. Und die Haltung der SED zu richtig Radikalen wie der RAF ist nun auch historisch bekannt.
    Ich neige dazu, dass wie Boche zu sehen, die Nähe des SED zur staatlichen Macht ist ein ganz gewaltiges Problem, schlimmer aber noch scheint mir die öffentliche Wahrnehmung von Linksextremismus zu sein, der irgendwie zwar als fehlgeleitet, aber doch idealistisch dargestellt wird. Mir sind beide Seiten kotzunsympathisch, aber wenn ich unter realen Wettbedingungen einen Tip darüber abgeben müsste, von welcher Seite eher eine ganz reale Gefahr für die BRD als solche ausgeht, dann würde ich auch die SED setzen. Nicht zuletzt deshalb, weil die anderen Gefahr ständig öffentlich propagiert wird.

  16. R.A.
    26.02.2007 | 15:18

    @Llarian:
    > Und die Haltung der
    > SED zu richtig
    > Radikalen wie der
    > RAF ist nun auch
    > historisch bekannt.
    Nicht nur historisch.

    Ganz aktuell heute erfährt man, daß Terrorist Klar sich via PDSler Fink an seine kommunistischen Gesinnungsfreunde wendet - man ist sich einig.
    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,468676,00.html

  17. 26.02.2007 | 16:17

    @MartinM: Tut mir Leid, aber ich meine das nicht ironisch, sondern durch und durch ernst. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die rechte Gewalt nennenswert zunimmt, ich denke eher, es handelt sich um die altbekannte Wahrnehmungsstörung. Wenn du so herumfragst, denken ja auch 90%, dass gerade die Gewaltstraftaten in den letzten Jahren zunehmen sind, dabei zeigen die Statistiken eine klare Abnahme. Die rechte Szene dürfte, was die Mitgliederzahl bzw. die Anhänger angeht, in den letzten Jahren so ziemlich konstant geblieben sein.

    Für die Linken trifft zu, was Boche und ich oben schon geschrieben habe: Die wenigsten werden in der Demonstration als Steinewerfer mitmachen, aber die ideologische Verwandtschaft und die Verharmlosung der linken Gewalt ist weitverbreitet.

  18. 26.02.2007 | 16:19

    @ChrisM:
    Also, eine “klare Abnahme” der Gewaltstraftaten kann man heute ebensowenig konstatieren wie in den Jahren zuvor eine “klare Zunahme”. Es handelt sich mehr um Schwankungen in der üblichen Schwankungsbreite.

  19. 26.02.2007 | 16:25

    Ist es überhaupt hilfreich, Gewalt in “linke” und “rechte” zu unterteilen? Dann könnten wir ja den Hooliganismus auch gleich nach Fußballklubs differenzieren…

  20. 26.02.2007 | 17:24

    Hallo ChrisM,

    Im Unterschied zu den Rechten sind die Linken nämlich massiv auf dem Vormarsch und stoßen dabei kaum auf Gegenwehr.

    Politisch Aktive haben ja oft Scheuklappen auf und sehen nur die Erfolge der Gegenseite. Ist ja zu einem gewissen Grade auch verständlich. Aber lass mich nur kurz mal berichten, wie es bei uns an den Hochschulen NRW in den letzten Jahren abging: Langzeitstudiengebühren (der größte Nonsens), Studiensteuern, Einsetzen von “Externen” in alle wichtigen Gremien, aufoktroyierte Vervielfachung der Klausurenlast ohne Sinn und Verstand, repressivste Ordnungen vorne und hinten.

    Die Erfolge linker Hochschulpolitik bestehen heute in der Verhinderung. Verhinderung ist kein Vormarsch. Was du siehst, ist ein Anwachsen linker Gesinnungen im Angesicht kläglichen Scheiterns konservativer Politik, aber das heißt eben auch, dass Konservative an der Macht sein müssen. Das treibt Menschen nun mal zu den Extremen beider Coleur, aber ein masiver Vormarsch der Linken sieht ganz anders aus. So mit politischen Erfolgen und so.

    Schönen Gruß, Steve

  21. 26.02.2007 | 17:54

    @Steve:
    Die Rechten, die uns hier Sorgen machen, sind aber keine Konservativen… genau, wie ich davon ausgehe, dass Du als politisch aktiver Linker nicht gerade den Stalinismus oder sonstige extrem linke Projekte verfolgst.

    @Rayson:
    Wollen wir lieber von nationalsozialistichen und kommunistischen Gewalttätern sprechen? Das lässt zumindest die politische Richtungslehre außen vor…

  22. 26.02.2007 | 19:51

    @ MartinM:

    Telegehirn, ich bin geneigt, Dir voll und ganz zuzustimmen. Was nicht immer der Fall sein dürfte …

    Es gibt halt doch manchmal Gemeinsamkeiten, trotz aller Differenzen.

    Die “Krawallniks”, die Du da so treffend beschreibst (Steinwurf aus der 35. Reihe) - sind er Ärgernis, mehr aber zum Glück auch nicht. Nach meinen letzten Demo-Erlebnissen sind viele der gewaltätigen Demonstranten schlicht Radale-Kids (durchaus auch im theoretisch erwachsenen Alter), die fehlendes politisches Bewußtsein durch einen hohen Testosteronspiegel ersetzen.

    Bei solchen Demos und gerade auch beim 1.Mai findet man immer wieder Leute, die einfach nur Krawall machen und Dampf ablassen wollen. Auf solche Leute bauen bestimmte Kreise ja bei solchen Aktionen. Da werden ohne Sinn und Verstand z.B. Autos zerkloppt. 2001 war ein sehr alter Merci das Opfer und wenn die “jugendlichen” Deppen dann fragt, welchen Sinn das haben soll, dann kommt meist ein Grunzen zurück.

    Gewaltsame Aktionen gegen Nazi-Demos sind auch schon deshalb kontraproduktiv, weil Gewaltanwendung so ziemlich das einzige Gebiet sind, auf dem die Faschos “stark” sind.

    Damit bestätigt man die Nazis ja oft in ihrer Weltsicht und sie können sich mal wieder als Opfer fühlen. Mit solchen Aktionen wird nicht einer aus der Naziszene herausgelöst. Keine Frage: manchmal wäre ich auch gerne eine Bombe auf einer Nazidemo…

    @ Karsten:

    Es gibt doch noch einen Unterschied zwischen PDS und NPD, sowohl was das Auftreten, als auch, was die Zielsetzungen angeht.

    Jein. Denken wir doch mal an Lafo und seinen Fremdarbeiter Ausspruch. Die PDS sucht den Kontakt zu Gruppen wie Hamas und Hisbollah und Lafo wäre ja gerne in den Iran gefahren. Dazu noch die Hetze gegen die “Globalisierung”. Da gibt es schon eine sehr große Schnittmenge, gerade im Osten. Im Westen wird die SED oft von alten Kadern aus moskaufreundlichen Gruppen dominiert. Besonders in Norddeutschland. Die NPD versucht ja gezielt in dem selben Revier zu wildern wie die SED.

    Und was die Kontakte zu gewalttätigen Gruppierungen angeht, ebenfalls. So etwas wie die Kameradschaften der Rechten gibt es in der Art auf der Linken (noch?) nicht.

    Hmmm. Eher nein. Die SED in Kreuzberg hat sich am letzten 1. Mai als Hilfspozilei profiliert. Die SED sucht nicht unbedingt die Nähe zu “linken Kameradschaften”. Aber einige linke Kameraden, wie Freke Over, haben die SED als Sprungbrett ins Parlament benutzt

    Letztendlich stehen beide, NPD und SED, für einen starken doitschen Staat.

  23. Kalle
    26.02.2007 | 21:25

    Deutlich mehr rechte als linke Straftaten? Irre viele Nazis? Das sagt der Verfassungsschutz:
    ————-
    Verfassungsschutzbericht 2005:
    http://www.bmi.bund.de/Internet/Content/Common/Anlagen/Broschueren/2006/Verfassungsschutzbericht__2005__de,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Verfassungsschutzbericht_2005_de.pdf
    ————-
    Taten (einschließlich Versuche, Seiten 24 und 34)
    Delikt rechtsextrem linksextrem

    Tötungsdelikt 2 1
    Körperverletzung 816 391
    Brandstiftung 14 29
    Sprengstoffanschlag 3 0
    Landfriedensbruch 39 298
    Gefährlicher Eingriff in den Bahn-/Straßen-/Luftverkehr 9 53
    Raub 23 13
    Erpressung 6 1
    Widerstand gegen die Staatsgewalt 46 110
    Sachbeschädigung 445 713
    Nötigung/Bedrohung 90 42
    Propagandastaftat (per Definition nur rechtsextreme) 10881 0
    Störung der Totenruhe 30 0
    sonstige Straftaten (bei rechtsextemen hauptsächlich Volksverhetzung) 2957 654
    ————-
    Extremisten (Seiten 51, 144, 201, 244)

    Rechtsextreme 39000 (davon einige Tausend gewaltbereit)
    Linksextreme 41400 (ohne 61500 Mitglieder der Linkspartei)
    Islamisten 32100
    andere extremistische Ausländer (radikale Nationalisten, PKK,…) 50640

  24. 26.02.2007 | 22:52

    @Kalle:
    Hm. Man sollte jedes Jahr in den VSchutz-Bericht schauen, habe ich so den Eindruck. Die Zahlen, die ich im Kopf hatte, waren von 2003 - und da sah das Verhältnis noch anders aus.

  25. 27.02.2007 | 9:11

    Extrem Rechte und Linke wollen ein anderes System, das ist richtig. Nur wollen die Linken am Ende des Weges eine Gesellschaft ohne Staat (da widerspreche ich Telegehirn) und die Rechten eine Gesellschaft mit einem sehr starken Staat. Daher ist das nicht dasselbe.

    Allerdings werden beide Seiten dazu neigen, auf dem Weg zur Erfüllung der guten Sache, die Bevölkerung durch die Hölle zu schicken.

  26. 27.02.2007 | 10:25

    Zum Thema SED-Linspartei siehe Zettels Anmerkungen hier .
    Anlass ist die Grußbotschaft des ehrenwerten Herrn Klar an eine illustre Versammlung von Mördern, Diktatorenknechten und Mitgliedern einer Berliner Regierungspartei.

  27. Llarian
    27.02.2007 | 10:51

    Ein wenig Offtopic, aber da es nun einmal schon da steht:

    Aber lass mich nur kurz mal berichten, wie es bei uns an den Hochschulen NRW in den letzten Jahren abging: Langzeitstudiengebühren (der größte Nonsens), Studiensteuern, Einsetzen von “Externen” in alle wichtigen Gremien, aufoktroyierte Vervielfachung der Klausurenlast ohne Sinn und Verstand, repressivste Ordnungen vorne und hinten.

    Die Erfolge linker Hochschulpolitik bestehen heute in der Verhinderung.

    Dann lass mich mal berichten, wie es mal aus anderer Sicht bei uns an einer Hochschule in NRW zuging: Langzeitstudiengebühren haben uns Leute in die Seminare gespült, die wir seit Jahren nicht gesehen haben. Und die tatsächlich plötzlich fertig werden wollen. Studiensteuern haben den Effekt gehabt, dass Studenten plötzlich anfangen die Uni als Dienstleister zu betrachten und tatsächlich sinnvolle Forderungen zu stellen, die sich mit Lehre statt mit Weltrevolution beschäftigen. Externe in Gremien sind dazu geneigt althergebrachte Strukturen zu hinterfragen und umzuwerfen. In fünf Jahren hat sich in meiner Hochschule mehr verändert als in den 20 Jahren davor.
    Die “Erfolge” der linken Hochschulgruppen besteht in keiner Verhinderung, ihr Erfolg beschränkt sich auf nutzloses (und glücklicherweise erfolgloses) Blockieren ohne Sinn und Verstand, denn verhindert haben sie nichts. Praktisch alle wichtigen Veränderungen, von Studienreformen, Gremienarbeit, Verteilungsschlüsseln, Berufungen bis zum Einführen von Master/Bachelor laufen an diesen Gruppen vollkommen vorbei. Sie finden unabhängig davon statt, werden von engagierten Studenten und den Fachschaften mitgetragen. Nach meinem Dafürhalten ist den linken Hochschulgruppen und den von ihnen besetzten Asten in den letzten Jahren nur eins gelungen: Den meisten Studenten ist klar geworden, dass ihre (!) Interessen von diesen nicht vertreten werden und das sie ihr Fortkommen vor allem einem anvertrauen: Sich selbst. Das ist in der Tat ein, wenn auch nicht angestrebter, Erfolg.
    Auf die Sprüche die linken Asten würden irgendetwas vertreten ausser sich selbst, fallen allenfalls Schüler und Erstsemester herein.

  28. R.A.
    27.02.2007 | 12:19

    @Marc:
    > Nur wollen die
    > Linken am Ende des
    > Weges eine
    > Gesellschaft ohne
    > Staat
    Irgendwo am Ende dann im Paradies - ja.
    Aber auf dem Weg dahin (d.h. für die nächsten Generationen) setzen sie grundsätzlich auf viel Staat, da sehe ich keinen Unterschied zu den Rechten.

  29. der gute don
    27.02.2007 | 20:28

    Nur wollen die Linken am Ende des Weges eine Gesellschaft ohne Staat (da widerspreche ich Telegehirn) und die Rechten eine Gesellschaft mit einem sehr starken Staat. Daher ist das nicht dasselbe.

    Dem muss ich entschieden widersprechen, beide wollen einen starken, alle Menschen kontrollierenden und vereinnahmenden Staat.

    Politisch sehe ich nur wenige Unterschiede zwischen dem NSDAP und dem SED Regime. Und es ist in der Tat eine Schande, daß die SED Nachfolgepartei von der SPD hoffähig gemacht wurde.

    Heute im Büro fragte jemand wie nochmal die DDR Jugendorganisation hieß, jemand sagte HJ und ich musste spontan lachen. Obwohl so unrecht hatte er ja vielleicht nicht?

  30. 28.02.2007 | 9:20

    @der gute don: So wie ich es verstanden hatte sah die SED sich auf dem Weg zum Kommunismus und zur freinen Gesellschaft. Deswegen ja auch das Konstrukt “real existierender Sozialismus” als Zwischenstation auf dem Weg dahin.

    Aber wie ich ja sagte: Auf dem Weg zum Ziel wird die Bevölkerung durch die Hölle geschickt und das als notwendig verkauft.

  31. 28.02.2007 | 9:32

    So weit ich mich erinnere, war der Staat der Nazis im Endziel auch eher etwas “Organisches”, bei dem die Gewalt überflüssig würde, weil er den Volkswillen direkt ausdrückte.
    Insofern könnte der Unterschied zwischen den roten und schwarzen Sozialisten auch bei der Betrachtung der ideologischen Zielvorstellung marginal werden. Sofern man diese Betrachtungen überhaupt für sinnvoll erachtet.

  32. R.A.
    2.03.2007 | 16:54

    Wo wohl diese Gewalttaten in der Statistik einsortiert werden?

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,469461,00.html

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