28. Februar 2007
Ein paar wohl bekannte unbequeme Wahrheiten
(Nein, nicht zum Klima … )
Unbekannte haben in Berlin-Charlottenburg eine jüdische
Kindertagesstätte mit antisemitischen Sprüchen und Symbolen beschmiert und einen Rauchkörper in das Gebäude geworfen.
Anlaß genug, sich einige gut bekannte, aber gern verdrängte Wahrheiten ins Gedächtnis zu rufen:
- Die dummen und primitiven Schläger und Schmierer, die so etwas machen, sind die Nachfolger jener Nazi-Schläger, die Schmutzarbeit für die mehrsilbig sprechen könnenden Schreibtischtäter und Arisierungsgewinnler aus besserem Hause machen durften. (Dank an lebemann für die Formulierung.)
- Der Berliner Innensenator hat recht, wenn er mein, dass ausgerechnet eine Kita ausgewählt worden sei, zeuge von einer “besonderen Bösartigkeit der Täter”. Wer Kindergärten angereift, dem geht es um alles, um Ausrottung.
- Er hat Unrecht, wenn er meint, dass jüdische Leben müsse in Berlin weiterhin Normalität bleiben. Ein jüdisches Leben, das nur unter Polizeischutz überhaupt stattfinden kann, ist keine Normalität.
- Wie der Anschlag zeigt, ist sogar dieser Schutz unzureichend: Die Täter nutzten die mangelhafte Bewachungssituation offenbar gezielt aus.
- Offenbar ist, dass die antisemitische Gefährdung von Juden in Berlin überwiegend nicht von Deutschstämmigen, sondern von arabischen Jugendlichen ausgeht. Dieses Ergebnis wird auch durch die Studie belegt, die von der Europäischen Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) in Wien in Auftrag gegeben wurde und deren Veröffentlichung bestimmte Politiker trotz aller Bemühungen nicht verhindern konnten.
- Das heißt nicht, dass der “original deutsche” Antisemtismus ein Randproblem wäre: Anfang November 2006 ging aus einer Studie hervor, dass fast 18 Prozent der Bundesbürger den Einfluss der Juden “auch heute noch für zu groß” halten.
- Es wäre auch fahrlässig, Antisemitismus nur bei Neo-Nazis und islamischen Integristen (meist: “Islamisten” genannt) zu suchen. Es gibt ihn unter Konservativen, Linken, Grünen - und ganz besonders oft unter “Unpolitischen”.
- Philosemitische Schmeicheleien sind keine Garantie für eine vorurteilsfreie Haltung gegenüber Juden. Im Gegenteil!
- Es ist keine Hysterie, wenn die Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sagt: “Antisemitische und rechtsradikale Attacken haben eine Offensichtlichkeit und Aggressivität erreicht, die an die Zeit nach 1933 innern”. Es gib zwar zum Glück nur wenige antisemitische und rechtsextremistische Gewaltäter, diese legen aber erhebliche kriminelle Energie an den Tag.
- Wegsehen und Verharmlosen sind nach wie vor die häufigsten Reaktionen auf solche Taten. Wer von bedauerlichen Einzelfällen spreche, bagetelisiert eine Gefahr für die ganze Gesellschaft.
- Antisemitismus und Rechtsextremismus (die oft, aber nicht immer, zusammen auftreten) sind in einigen Gesellschaftsschichten fest verankert.
- “Der Kampf gegen Rechts” ist gescheitert. Weil unklar ist, gegen wen oder was er sich richtet, weil der “Kampf” sich weitgehend auf inhaltslose Sonntagsreden, Sprechblasen, moralthelogische Appelle und andere rein symbolische Aktionen beschränkt, weil die Totalitarismus-Doktrin (nicht mit den Totalitarismus-Theorien von Popper, Arentd usw. zu verwechseln) mit ihre ständigen Gleichsetzung (nicht Vergleich!) von “Extremismus von rechts und links” nach wie vor den öffentlichen Diskurs bestimmt.
Che2000:Sind wir schon wieder so weit?
NPD-Blog: Berlin: “Permanentes Gefühl der Unsicherheit”
Eine unbequeme Wahrheit in eigener Sache: Die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der sich offen zum “germanischen Heidentum” bekennt, auch Antisemit oder bzw. und Rechtextremist ist, ist überaus hoch. (Siehe: Wie antisemitisch ist Asatru?
Verfasst von MartinM um 13:47 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Innenpolitik, Politik (Trackback)