6. März 2007
Alles Gute kommt von oben
Ein Kommentar im Online-Angebot der FTD illustriert sehr schön die Art und Weise, wie bei uns über die Kohlendioxid-Grenzwerte diskutiert wird, die uns die EU auferlegen will. Da werden die Bosse der deutschen Automobilhersteller dafür gescholten, dass sie Kundenwünschen nachgeben, während der “HyHy”, der Hybrid-Hype, zwar in Politik und Medien um sich greift, als Nachfrage aber nicht sichtbar wird. Das haben wir schon thematisiert. Aus eigener Erfahrung als potenzieller Neuwagenkäufer kann ich jetzt auch nur bestätigen: Die Fahrzeuge, die mich interessieren, überschreiten die ominösen 140 g/km zum Teil recht deutlich, und dabei handelt es sich keinesfalls um “tonnenschwere PS-Protze”, wie uns der Kommentator suggerieren will, sondern nur um gewöhnliche Autos der “Golf-Klasse” (zugegebenermaßen aber nicht mit den kleinsten Motoren).
Absurd wird es aber, wenn der FTD-Kommentator uns eine Vorgabe der EU-Kommission als “Ausdruck eines Wertewandels in der Gesellschaft”, der sich “seit Jahrzehnten” vollziehe, verkaufen will. Wer sich daran nicht anpasse, habe es in einer Marktwirtschaft “nicht verdient, im Geschäft zu bleiben.” Die Kommission als Avantgarde der umweltbewegten Massen - auf eine solche Idee muss man erst einmal kommen.
Aber der gute Mann ist sowieso ein Hellseher. Er weiß genau, dass die Umweltauflagen keine Arbeitsplätze kosten werden. Wie auch? Was haben denn der Verlust von Wettbewerbsvorteilen und ein massiver Anreiz, außerhalb Europas zu produzieren, mit Arbeitsplätzen zu tun? Sollten doch welche wegfallen, wäre das natürlich wieder nur ein Beweis der Unfähigkeit des Managements.
Verfasst von Rayson um 13:21 Uhr in der Kategorie Politik, Presse / SPON- und taz-Blog, Umweltpolitik, Wirtschaft (Trackback)