Alles Gute kommt von oben

Ein Kommentar im Online-Angebot der FTD illustriert sehr schön die Art und Weise, wie bei uns über die Kohlendioxid-Grenzwerte diskutiert wird, die uns die EU auferlegen will. Da werden die Bosse der deutschen Automobilhersteller dafür gescholten, dass sie Kundenwünschen nachgeben, während der “HyHy”, der Hybrid-Hype, zwar in Politik und Medien um sich greift, als Nachfrage aber nicht sichtbar wird. Das haben wir schon thematisiert. Aus eigener Erfahrung als potenzieller Neuwagenkäufer kann ich jetzt auch nur bestätigen: Die Fahrzeuge, die mich interessieren, überschreiten die ominösen 140 g/km zum Teil recht deutlich, und dabei handelt es sich keinesfalls um “tonnenschwere PS-Protze”, wie uns der Kommentator suggerieren will, sondern nur um gewöhnliche Autos der “Golf-Klasse” (zugegebenermaßen aber nicht mit den kleinsten Motoren).

Absurd wird es aber, wenn der FTD-Kommentator uns eine Vorgabe der EU-Kommission als “Ausdruck eines Wertewandels in der Gesellschaft”, der sich “seit Jahrzehnten” vollziehe, verkaufen will. Wer sich daran nicht anpasse, habe es in einer Marktwirtschaft “nicht verdient, im Geschäft zu bleiben.” Die Kommission als Avantgarde der umweltbewegten Massen - auf eine solche Idee muss man erst einmal kommen.

Aber der gute Mann ist sowieso ein Hellseher. Er weiß genau, dass die Umweltauflagen keine Arbeitsplätze kosten werden. Wie auch? Was haben denn der Verlust von Wettbewerbsvorteilen und ein massiver Anreiz, außerhalb Europas zu produzieren, mit Arbeitsplätzen zu tun? Sollten doch welche wegfallen, wäre das natürlich wieder nur ein Beweis der Unfähigkeit des Managements.

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5 Kommentare zu “Alles Gute kommt von oben”

  1. spruance
    6.03.2007 | 14:09

    Langsam glaube ich, daß die FTD auf richtig rotem Papier gedruckt werden sollte!
    Wer denkt, daß sich Käufer nach dem Regierungswillen, oder noch schöner, nach dem Willen ungewählter Komissionen, zu richten hat, der denkt rein sozialistisch!

  2. 6.03.2007 | 14:23

    Wer denkt, daß sich Käufer nach dem Regierungswillen, oder noch schöner, nach dem Willen ungewählter Komissionen, zu richten hat, der denkt rein sozialistisch!

    Nicht “zu richten hat”. Der FTD-Schreiber glaubt, dass zwischen Bürgern auf der einen und Komissionen und Regierungen auf der anderen Seite kein Unterschied in Meinung und Bestreben besteht.
    Es ist also kein Sozialismus sondern ein etwas naiver Demokratismus, der sich dort offenbart.

  3. Spruance
    6.03.2007 | 18:57

    “Wer sich dem nicht anpasst, hätte es in einer Marktwirtschaft auch nicht verdient, im Geschäft zu bleiben.” Klar, damit sind ein erster Linie die Autokonzerne gemeint.
    Bloß impliziert das “hätte” eben, daß sie sehr wohl im Geschäft bleiben könnten. Deshalb müssen sie gezwungen werden, das zu tun, wozu sie ihre Käufer nicht zwingen wollen.
    Da ist doch auch kein naiver Demokratismus zu sehen, allenfalls naiver Dirigismus!

  4. 6.03.2007 | 21:33

    Schon richtig. Nur geht der FTD-Schreiber anscheinend davon aus, dass erzwungen werden soll, was sowieso passieren würde.

  5. 7.03.2007 | 12:52

    Das ist in Deutschland aber so üblich. Kürzlich präsentierte ja auch Jörg Schönenborn im Fernsehen Umfrageergebnisse, denen zufolge inzwischen viele Deutsche selbst etwas zum Klimaschutz beitragen wollen. Und deutete das umgehend als ‘klares Zeichen für die Politik’.

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