6. März 2007
Was ist ein Klimaskeptiker?
Ist ein Klimaskeptiker einer, der bezweifelt, dass es so etwas wie ein Klima gibt? Oder der es misstrauisch beäugt? Nein, es ist einfach nur ein hirnrissiges Wort, das gleich mehrere Gruppen treffen soll:
- Leute, die bezweifeln, dass ein Klimawandel stattfindet
- Leute, die zwar an einen Klimawandel glauben, aber nicht an einen nennenswerten menschlichen Anteil daran
- Leute, die sowohl an einen Klimawandel als auch an einen erheblichen menschlichen Anteil daran glauben, aber Wirksamkeit und Sinn der Maßnahmen bezweifeln, ihn aufzuhalten
Es ist in Diskussionen eine gern benutzte Variante, Verfechtern der dritten Position mit Argumenten gegen die erste Position zu begegnen. Um so praktischer, wenn ein Begriff dann gleich so daneben ist, dass seine weitere unsinnige Ausdehnung auch nicht mehr schaden kann.
Dass es einen Klimawandel gibt, ist wohl mittlerweile nicht nur so gut wie bewiesen, sondern auch sichtbar. Wie hoch der menschengemachte Anteil daran ist, weiß ich nicht und harre daher gespannt der Erklärung bei S&W. Da es in der aktuellen Debatte aber um politisches Handeln geht, muss ich das auch nicht wissen, wenn ich davon überzeugt bin, dass selbst unter dieser Annahme die propagierten Maßnahmen höchst fragwürdig sind. Jedenfalls unter rationalen Gesichtspunkten, wie sie z.B. vom Copenhagen Consensus formuliert werden. Das quasi-religiöse Bedürfnis nach Reue, Buße und Ablass wäre unter anderen Gesichtspunkten zu diskutieren.
Es sind allerdings Artikel wie dieser, die einen dazu veranlassen könnten, auch die Diagnose in Frage zu stellen, wenn etwa behauptet wird, die Toten des Sommers 2003 und von “Katrina” seien bereits Folgen des Klimawandels. Da hat sich wohl jemand zu sehr die Aufgabe zu Herzen genommen, die Massen aufzurütteln. Aber zurück zur Frage, ob die jetzt als sakrosankt erklärten Maßnahmen überhaupt sinnvoll sind. Dazu lasse man sich diese schöne Argumentation auf der Zunge zergehen:
Um eine Chance von mindestens 50:50 zu haben, die Zwei-Grad-Celsius-Linie noch zu halten, sind große Anstrengungen nötig. Die globalen Treibhausgasemissionen müssten in den nächsten zehn Jahren ihren Sattelpunkt erreichen und dann bis 2050 halbiert werden. Ansonsten wird es durchschnittlich drei oder sogar vier Grad wärmer.
Wenn wir uns vor Augen halten, wie komplex alleine die Simulationen einer bereits eingeleiteten Entwicklung bei real existierenden Parametern ist, wie sehr dürfen wir dann einer Aussage trauen, die uns verspricht, bei einer Halbierung der globalen Emissionen sei der Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen? Allzu sehr offensichtlich nicht, denn schon der Autor spricht von einer Wahrscheinlichkeit von “mindestens 50:50″. Rot oder Schwarz? Impair oder Pair? Manque oder Passe? Die Welt soll diese (erst recht bei Wachstum!) gewaltige Anstrengung unternehmen, nur um an den Roulettetisch treten zu dürfen? Was, wenn zwar die Halbierung auf Kosten des weltweiten Wohlstands gelingt, aber die schlimmen Folgen trotzdem eintreten? Sollte man das Geld da lieber nicht gleich besser für deren systematische Abmilderung ausgeben?
Und selbst wenn die Emissionsreduktion die einzig sinnvolle Maßnahme wäre: Wenn man ausgerechnet da anfängt, wo es am wenigsten bringt, nämlich bei europäischen Kraftfahrzeugen, dann sollten wir vielleicht doch besser die spirituelle Diskussion gleich aufnehmen.
Verfasst von Rayson um 16:35 Uhr in der Kategorie Politik, Umweltpolitik (Trackback)