Erfreuliche Enttäuschung: “Teenager außer Kontrolle”

Da nervt mich RTL wochenlang mit Trailern für seine neue Show “Teenager außer Kontrolle“, die bei mir (und anderen Zuschauern) den Eindruck erwecken sollen, die pädagogisch äußerst zweifelhafte Idee paramilitärischer “Boot-Camps” für Jugendliche habe nun auch in Deutschland Einzug gehalten. In mehreren Gesprächen mit anderen regte ich mich über den blödsinnigen Gedanken auf, man könnte schwer erziehbare und schlecht erzogene Jugendliche durch “Schleifen” und das Zerstören ihrer Persönlichkeit resozialisieren.

Und dann das: Zufällig zappe ich gestern in die fragliche Sendung hinein (obwohl ich mir vorgenommen hatte, sie zu boykottieren). Und was sehe ich dann da? Zackige Ausbilder der Bundeswehr, die Vierzehnjährige mit viel Geschrei und Liegestützen zu “erziehen” versuchen? Scharfer Drill auf der Hindernisstrecke mit bellenden Hunden und Stacheldraht? Nein, ganz und gar nicht. Die “Turnabout Ranch”, die RTL präsentiert, folgt einem Konzept, das schon seit etlichen Jahren in der Pädagogik anerkannt ist: Der Erlebnispädagogik, die oft wegen ihrer hohen Kosten angegriffen wird, obwohl sie schon seit langem gute Resultate bei sozialisationsgestörten Jugendlichen erreicht.

“Hier lernen die Jugendlichen Disziplin auf die harte Tour” - so oder so ähnlich plärrte mir die RTL-Trailer entgegen. So ein Unsinn: denn die Campleiterin Annegret Noble setzt nicht etwa auf die “Harte Tour”, sondern, ganz im Einklang mit dem Stand der Erziehungswissenschaften, auf intensive Gespräche und eine angemessene Verknüpfung von Regeln, Kontrolle und Konsequenzen, wie sie auch in jedem deutschen Jugendclub oder Kinderheim angewandt wird.

Aus der Sendung hätte eine sehr gute Darstellung der Maßnahmen der deutschen Jugendhilfe werden können, wenn RTL sich entschlossen hätte, ernsthafte Dokumentation zu betreiben. Etwa darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um eine außergewöhnliche, neu entwickelte Strategie handelt, sondern eben um ein seit langem existierendes und bewährtes Konzept. Oder durch die Erläuterung der pädagoischen Konzepte, die man auch für Laien gut verständlich machen kann. Vielleicht auch durch den Hinweis auf die herausgehobene Bedeutung der Therapiegespräche, ohne die die disziplinarischen Maßnahmen von den Jugendlichen lediglich als an sie herangetragene Gewalt und auf sie ausgeübtes Dominanzverhalten angesehen würden. Und nicht zuletzt durch den Hinweis darauf, dass nicht jeder Jugendliche mit unerwünschtem Verhalten auf diese Art von Therapie anspringen wird, sondern dass die spezielle Therapieform auch nur für bestimmte Jugendliche ausgewählt wird.
So aber wird die Sendung mehr Missverständnisse auslösen, als sie aufheben wird. Ich kann die Kommentare schon hören: “Wusste ich es doch, mit Strenge und Disziplin kriegt man die Chaoten schon wieder gerade gebogen!”, “Da sieht man, wie erfolgreich man ist, wenn man das Gelaber der ganzen Pädagogen einfach mal vergisst!” oder “Endlich mal ein neuer, einfacher Versuch, statt dem teuren Quatsch, den unsere Jugendämter jetzt machen!”.

Schade, eine große Chance verpasst.

Dazu auch RP-Online.

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32 Kommentare zu “Erfreuliche Enttäuschung: “Teenager außer Kontrolle””

  1. 10.03.2007 | 17:32

    Um mal meinen Senf dazuzugeben: M.E. Jugendliche brauchen in der Regel Vorbilder. Das können (Selbstdisziplin-) Fanatiker sein, autoritäre Lehrer, oder aber uniformierte, mit Macht ausgestatte, wichtigtuende Schreihälse. Das entscheidende ist, dass sie Ideale haben und nach denen leben, mit denen sich der Jugendliche identifizieren kann. In der Gesellschaft findet man solche Leute immer weniger (Nostalgie, obwohl ich noch gar nicht so alt bin). Jemand der Ecken hat und abweicht wird direkt eingeebnet. (Es gibt so wenige von denen, dass man schon auf Dieter Bohlen zurückgreifen muss.)

    Kurz: Militärischer Drill kann da funktionieren , bei Kuschelpädagogik bin ich skeptisch.

  2. 10.03.2007 | 17:43

    Dirk:

    Vorbilder (in der Angewandten Sozialwissenschaft als “Rollenvorbilder” bezeichnet) werden Kinder immer haben. Die können eben so oder so sein, auf jeden Fall wird der Typus des Vorbildes sich auf die spätere Entwicklung des Kindes auswirken.

    Und Jugendliche werden immer gegen diese Rollenvorbilder rebellieren und versuchen, einen eigenen Weg zu finden, sich zu emanzipieren. In dieser Phase benötigen sie aber auch eines: Nämlich eine Gesellschaft (und einige wenige, in ihrer Gegenwart befindliche Repräsentanten derselben), die diese Rebellion und Emanzipation begleiten und in den richtigen Grenzen zu halten.

    Aus der Kombination der ursprünglichen Rollenvorbilder und der Grenzen sowie den Techniken, die verwendet werden, um letztere einzuhalten, ergibt sich dann ein gewisser Rahmen, innerhalb dessen sich der erwachsene Mensch in seiner Persönlichkeit und seinem Verhalten ansiedeln wird.

    Militärischer Drill ist hervorragend geeignet, um eine autoritäre Persönlichkeit hervorzubringen, was meiner Ansicht nach vor allem durch besonders schwache, aber auch durch besonders dominante Rollenvorbilder in der Kindheit begünstigt werden kann. Und dieser Charaktertypus kann funktionieren, ist m. E. aber nicht wünschenswert - und sollte das in einer liberalen Gesellschaft auch nicht sein.

    Übrigens - Wortblasenalarm: Was ist “Kuschelpädagogik”, außer einem autoritären Kampfbegriff? Dieser Ausdruck ist mir viel zu undifferenziert und undefiniert, um darüber zu diskutieren.

  3. 10.03.2007 | 21:19

    Der Wortblasenalarm gibt es auch immer bei Begriffen wie Rebellion und Emanzipation. Das sind linke Kampfbegriffe, oder nicht?

  4. 10.03.2007 | 21:52

    Und Jugendliche werden immer gegen diese Rollenvorbilder rebellieren und versuchen,

    Das glaube ich nicht. Man rebelliert gegen Autoritäten, aber man äfft Rollenvorbildern nach. Man wäre schon gerne so ehrgeizig, wie Schwarzenegger, so cool wie de Niro, usw…. Nur um Extrembeispiele zu nennen. Aber auch Verwandte, Bekannte, Mitschüler usw. sind in Teilaspekten Vorbilder, die man in Teilen gerne kopiert. M.E. gibt es jedoch zu wenig Vorbilder, bzw. eine zu enge Bandbreite. Kaum einer, der nicht die übliche political correctness absondert. Um ein Beispiel zu nennen: Welche der folgenden Menschen sind Persönlichkeiten, indem Sinne, dass sie individuell sind und eine Haltung besitzen? Schill, Haider, Bütighofer, Roth.

    Aha! Die ersten beiden mag ich nicht, weil sie inkompatibel mit meinem Selbstverständnis sind. Dazu brauche ich aber erstmal eines. Die letzten beiden dagegen kann man von vorneherein nicht ernst nehmen.

    Und dieser Charaktertypus kann funktionieren, ist m. E. aber nicht wünschenswert - und sollte das in einer liberalen Gesellschaft auch nicht sein.

    Ob das wünschenswert ist oder nicht, ist eine andere Frage (Als Liberaler bin ich tolerant gegenüber einer autoritären Gesellschaft (im Unterschied zu einem solchen Staat)).

    Was ist “Kuschelpädagogik”,

    Kuschelpädagogik ist die Autorität, gegen die ich gerade rebelliere. (-: Wenn ich es definieren müsste, würde ich es so tun: Eine Pädagogik, die auf der Weltanschauung beruht, dass das Individuum keine Verantwort trägt, sondern lediglich Produkt der Gesellschaft ist und folglich keine Strafen kennt, alles durchgehen lässt und keine Leistung einfordert. Wenn meine Behauptung (Das Hauptdefizit ist das Fehlen von Vorbildern) richtig ist, dann wird man mit einer solchen Erziehung nie und nimmer Erfolg haben. Im Gegenteil. Solche Pädagogen haben nur individuelle Verantowrtungslosigkeit, also Schwäche, im Angebot, während ein autoritärer Lehrer Stärken wie Selbstdisziplin und - Kontrolle anbietet. Ohne zu behaupten, dass das zweite nun besser ist, im Gegensatz zu ersterem wird es in meinen Augen funktionieren.

  5. 11.03.2007 | 1:31

    > Eine Pädagogik, die auf der Weltanschauung beruht, dass das Individuum keine Verantwort trägt, sondern lediglich Produkt der Gesellschaft ist und folglich keine Strafen kennt, alles durchgehen lässt und keine Leistung einfordert.

    ein seltsamer schluss

    wenn jemand ein produkt der gesellschaft ist, sollte diese doch auf ihre produktionsbedingungen achten, sofern man diesem jemand irgendeine bedeutung zuordnet
    und wenn man meint man (wer?) sollte den produkten die etwas krumm geworden sind mit eine paar wahllosen bearbeitungen mit der spizhacke manieren beibringen, dann soll das resultat doch wahrscheinlich sein das das produkt danach ‘manieren’ (also eine erwartete leistung) hat

    wenn ein mensch nicht das produkt einer gesellschaft, biologie und letztendlich physik ist, sondern sein handeln von ‘gott’, ‘außerirdischen’, ’seelen’ oder aus reiner willkür erzeugt wird, währe es ziemlich nutzlos ihn für nichterbrachte leistungen zu strafen, oder überhaupt leistung zu verlangen

    > Die letzten beiden dagegen kann man von vorneherein nicht ernst nehmen.

    richtig, denn _alle_ politiker sind hirngespinste
    allerdings können manche halluzinationen die uns ein pr-berater projeziert enorm folgenreich sein
    so folgenreich das sie sogar mit phantomen aus dem sagenumwobenen ‘ausland’ wie george w. bush oder wladimir putin kommunizieren

    sorry btw, roberta wilson hat mich mal wieder voll in ihrem bann, und meine sadistische gelüste an dieser ineffizienten sprache sind noch immer aktiv
    (und morgen lerne ich satzzeichen)

  6. 11.03.2007 | 10:58

    @Klaus:
    Der Unterschied ist, dass die beiden von mir verwendeten Begriffe in dieser Form aus Pädagogik und Entwicklungspsychologie stammen, der der “Kuschelpädagogik” hingegen von Stammtisch.

    @Dirk:
    Oh, da habe ich unzulässig verkürzt. Natürlich umfasst die emanzipatorische Entwicklung der Jugendzeit oft auch die Entscheidung für neue Rollenvorbilder, die aber in den seltensten Fällen so vollständig sein werden wie die in der Kindheit. Das kann man sehr schön an Deinen Beispielen wie Schwarzenegger und de Niro sehen - diese werden niemals Rollenvorbilder sein, sondern immer nur Fragmente derselben. Aber gerade dieses fragmentarische der neuen Rollenvorbilder charakterisiert auch die Jugendzeit; der Jugendliche entscheidet sich (idealerweise) dafür, welche Fragmente er von welchem Vorbild übernehmen will und generiert damit eine eigenständige, von den Eltern und frühen Modellen unabhängige Persönlichkeit.

    Ob unsere Gesellschaft besser wäre, wenn es mehr Schills und Haiders als Rollenvorbilder gäbe, lasse ich mal dahingestellt. Ebenso die Frage, ob eine autoritäre Gesellschaft für einen Liberalen nicht ebenso abzulehnen ist, wie ein autoritärer Staat.

    Die von Dir dargestellte Pädagogik:

    Eine Pädagogik, die auf der Weltanschauung beruht, dass das Individuum keine Verantwort trägt, sondern lediglich Produkt der Gesellschaft ist und folglich keine Strafen kennt, alles durchgehen lässt und keine Leistung einfordert.

    existiert eigentlich schon lange nicht mehr als nennenswerte Strömung und war auch in den Zeiten, als sie en vogue war, nicht mehr als eine kleine Außenseitermeinung.
    Auch, wenn aus Sicht mancher sicher alles, was nicht extrem autoritäre Erziehung ist, so beschrieben werden könnte.

  7. 11.03.2007 | 11:46

    Nunja, “Stammtisch” ist ja auch nur ein Kampfbegriff, wir haben also immer noch keinen Boden unter den Füßen :-)
    Und Dirk musst du entschuldigen, er las nur ein Buch, dass vor ein paar Wochen hier empfohlen wurde. Dort wird der Ist-Zustand (der Erziehung und der ganzen Gesellschaft) extrem verzerrt um dann fröhlich von Freiheit und Verantwortung zu fabulieren.

  8. 11.03.2007 | 11:49

    @marti

    Ein Mensch ist kein Produkt von irgendetwas. Diese Aussage wird noch einmal sehr wichtig werden, wenn wir uns die Fortschritte der Gentechnik anschauen.

  9. 11.03.2007 | 11:59

    @Klaus:
    Ich werde das Gefühl nicht los, dass Du Dirk und mich auf den Arm nehmen willst…

    @Dirk:
    Aber ganz davon abgesehen, geht unsere Diskussion am Thema vorbei. Dir wird beim Lesen meines Beitrages sicher aufgefallen sein, dass ich mich zwar darüber gefreut habe, dass die Erziehung auf der Ranch keine “Young Marines”-Kopie ist - nicht aber darüber, dass dort keinerlei Disziplin herrsche oder dass keine Regeln und Konsequenzen (meinetwegen auch “Strafen”, wenn Dir das Wort besser gefällt) existieren würden. Im Gegenteil, diese sind in der Tat sehr wichtig und auch Bestandteil jeglicher Erziehung, die nach der herrschenden Meinung in der Pädagogik geschieht.

    Im Übrigen vertrittst Du ja auch selbst eine andere Variante der Theorie, dass der Mensch das Resultat (nicht “Produkt”, okay, Rayson) seiner Umwelt ist - nämlich indem Du eine Umwelt, die kaum Regeln und Konsequenzen kennt, einen bestimmten Typus Mensch (nämlich einen verantwortungslosen Hedonisten) hervorbringen wird. Oder?

  10. 11.03.2007 | 12:04

    @Karsten

    “Resultat” wäre mir auch noch zu deterministisch. Ein Mensch wird durch zig Dinge beeinflusst, die man grob in Vererbung und Umwelt einteilen kann, ohne beides tatsächlich immer scharf trennen zu können. So kann man eben nicht sagen, dass Umwelt X einen Menschen Y “hervorbringen wird”. Sondern höchstens, dass die Wahrscheinlichkeit dafür ansteigen dürfte.

  11. 11.03.2007 | 12:08

    @Rayson:
    Oh, da sind wir einer Meinung. Ich bin manchmal etwas zu sorglos mit Worten. Was hältst Du von “stark begünstigen”?

  12. 11.03.2007 | 12:10

    @Karsten

    Auf “begünstigen” lasse ich mich sofort ein, und über das “stark” will ich mich nicht streiten ;-)

  13. 11.03.2007 | 12:15

    @Rayson:
    Ja, diese “Nature vs. Nurture”-Frage… eine uralte Diskussion. Hast Du Dich mal mit Zwillingsforschung beschäftigt? Nicht die von Mengele, sondern die ethisch vertretbare und zielführende? Nach den Ergebnissen, die ich so gesehen habe, überwiegen die Umwelteinflüsse die genetischen Einflüsse bei der Persönlichkeitsbildung doch erheblich. Man kann nicht sagen, dass die Genetik keinen Einfluss auf die Persönlichkeit hat, aber sie wird im Allgemeinen doch eher überschätzt.

  14. 11.03.2007 | 12:35

    @Karsten

    Nach dem, was ich über Zwillingsforschung gelesen habe, ist das genaue Gegenteil wahr ;-)
    Übrigens erzählen mir Mütter, die mehrere Kinder haben, Vergleichbares.

  15. Jacopp
    11.03.2007 | 13:10

    Back to the roots:

    Ausgangspunkt war doch eigentlich ein Bericht über die mangelhafte journalistische Sorgfalt von RTL und der Aussage kann ich nur zustimmen und zwar quer durch die ganze Medienlandschaft: Ernsthafter, kritischer, gut recherchierter Journalismus findet immer seltener statt. Stattdessen oberflächliche Effekthascherei, die vergessen lässt, welch wertvolles Gut die Pressefreiheit in einer Demokratie (eigentlich) ist. Bei dem Wettlauf um Einschaltquoten ist der Journalismus zur Hure der Werbeindustrie geworden.

  16. 11.03.2007 | 14:55

    @ Karsten: Auf den Arm nehmen? Würde ich niemals nie …

    Die Debatte Nurture/Nature krankt immer noch daran, dass wir zu wenig wissen. Ich vermute, dass wir erst gerade damit anfangen die Dinge aufzuklären und uns von den ideologischen Verblendungen des 20. Jahrhunderts zu lösen. Abgesehen davon was alles aufgrund unseres Unwissens nicht steuerbar ist, stellt sich doch die Frage ob wir alles was möglich ist auch steuern sollten. Wenn wir annehmen, dass die Umwelthypothese zutreffender ist, wäre die totale Kontrolle der Umweltbedingungen wirklich besser als z.B. ein Art Menschenzucht aufgrund genetischer Profile? Selbst wenn am Ende der Debatte es einen Konsens gibt, leiten sich daraus irgendwelche Ansprüche ab?

  17. Jacopp
    11.03.2007 | 16:49

    Junge, junge!

    “totale Kontrolle der Umweltbedingungen … oder … Menschenzucht augrund genetischer Profile” - und das in einem “liberalen”BLOG. Wisst Ihr eigentlich, wie weit Ihr Euch damit von liberalem Gedankengut verabschiedet habt? Big Brother lässt grüßen!

  18. 11.03.2007 | 17:15

    @Jacopp

    Es mag dir entgangen sein, aber wir legen geradezu Wert darauf, dass unsere Kommentatoren nicht unsere Meinung vertreten, sondern ihre eigene.

  19. 11.03.2007 | 17:17

    Mal abgesehen davon, dass du hier einfach Begriffe aus ihrem Zusammenhang reißt.

  20. 11.03.2007 | 17:44

    Habe ich mich wirklich so unglücklich ausgedrückt? Natürlich sind beide Extreme (”Gattaca”-Szenario vs. Vorstellungen ala PDS) nicht mit liberalem Gedankengut vereinbar sofern sie vom Staat diktiert werden.

  21. Jacopp
    11.03.2007 | 18:03

    diese Einschränkung ist wirklich interessant. Wann sind sie denn mit liberalem Gedankengut zu vereinbaren, wenn nicht durch einen demokratisch legitimierten Staat?

  22. Jacopp
    11.03.2007 | 18:06

    vielleicht sollte ich noch dazu sagen, dass mein Beitrag nicht böse gemeint war. Natürlich kommt man manchmal auf solche Gedankenspielereien, aber trotzdem ;-)

  23. 12.03.2007 | 12:18

    @Klaus

    Ich habe Herrn Bueb nicht gelesen und halte mich im übrigen für selbständig genug, eigene Meinungen zu vertreten, als die, die durch aktuelle Bücher gerade en vogue sind. Ich hoffe, dies ist bei Ihnen nicht anders.

    @Karsten,

    Sorry, dass iche erst heute antworte, aber gestern hatt ich mal wieder heftige PC-Probleme.

    Natürlich umfasst die emanzipatorische Entwicklung der Jugendzeit oft auch die Entscheidung für neue Rollenvorbilder, die aber in den seltensten Fällen so vollständig sein werden wie die in der Kindheit.

    Das glaube ich sofort.

    Die von Dir dargestellte Pädagogik existiert eigentlich schon lange nicht mehr

    Vielleicht habe ich da ein Wahrnehmungsproblem (allerdings nicht ganz so schlimm, wie Herr Wickert) und sehe etwas einseitig. Ich erinnere mich aber sehr gut daran, in der Schule ständig gehört zu haben, mit Fleiss, Disziplin, Ehrgeiz und all den weiteren Sekundärtugenden liesse sich auch ein KZ betreiben. Es wäre m.E. schon viel geholfen, wenn Lehrer nicht mehr diesen Schwachsinn erzählen.


    Aber ganz davon abgesehen, geht unsere Diskussion am Thema vorbei.

    Das kann sein. (-:, Meine Behauptung jedenfalls war und ist, dass milotärischer Drill bei einigen Jugendlichen funktionieren wird, auch wenn er anderen Schaden anrichten kann.

    Im Übrigen vertrittst Du ja auch selbst eine andere Variante der Theorie, dass der Mensch das Resultat (nicht “Produkt”, okay, Rayson) seiner Umwelt ist Ein wenig Selbstbezüglichkeit ist nicht widersprüchlich. (-: Aber das behauote ich nicht. Natürlich haben externe Umstände einen Einfluss auf die Persönlichkeitsbildung. Etwa, indem das Umfeld ein Angebot an Persönlichkeiten bereitsstellt, das es dem Jugendlichen erleichtert, seine eigene zu entwickeln. Ob er das macht, ob er sich anders enstcheidet, ist seine Sache und liegt in seiner Verantwortung. Aber das Vorhandensein von potenziellen Vorbildern erleichtert einiges.

  24. 12.03.2007 | 20:30

    @ Dirk: Es war das Buch von Notker Wolf gemeint

  25. 12.03.2007 | 20:36

    Klaus hat das schon richtig erkannt: Wenn wir bestimmte Aussagen eines Buches für interessant halten und das auch mitteilen, dann setzen wir natürlich voraus, dass der geneigte Leser dieses Werkes die Meinungen des Autors voll und ganz übernimmt. Aißer Klaus - der ist der einzige, bei dem das wohl nicht wirkt.

  26. 12.03.2007 | 21:09

    @ Rayson
    Gegen christliche Indoktrination bin ich wirklich immun ;-)

    Aber ihr könnt gerne die Passagen des Buches aufzählen die ihr fragwürdig findet - mal abgesehen von Generalisierungen bzgl. Afrikaner. Seinen eingeschränkten Freiheitsbegriff kann man nur dann gut finden wenn man ihm sein völlig überzeichnetes Bild abkauft, das er von der Freiheit nach den 68ern zeichnet. Dabei war Freiheit *auch* immer die Freiheit von etwas. Die USA wären nicht das was sie sind, wenn es nicht Menschen gegeben hätte die frei von etwas sein wollten. Aber dieser extreme Individualimus ist natürlich Linken als auch Klerikern ein Dorn im Auge.

  27. 12.03.2007 | 21:26

    @Klaus

    Dich scheint das Buch ja richtiggehend aufgewühlt zu haben. Ich muss gestehen, dass mir ein vergleichbarer emotionaler Zugang fehlt. Ein Standpunkt kann interessant sein und befruchtend wirken, ohne dass man ihn sich komplett zu eigen macht.

    Freiheit würde ich übrigens auch nicht mit “extremem Individualismus” verwechseln wollen. Der kann dabei vereinzelt herauskommen, taugt aber nicht zum allgemeinen Handlungsmaßstab. Für mich gehört die Verantwortung zur Freiheit dazu - gerade weil ich sie nicht an einen übermächtigen Staat delegieren will.

  28. 13.03.2007 | 1:00

    Statt dem Paar Emotion/emotionslos würde das Paar Kritik/kritiklos besser passen.

  29. 13.03.2007 | 10:22

    Im Gegenteil.

  30. R.A.
    13.03.2007 | 10:30

    @Jacopp:
    > Ernsthafter,
    > kritischer, gut
    > recherchierter
    > Journalismus findet
    > immer seltener statt.
    Er findet sehr selten statt, das ist richtig.

    Aber “immer seltener” klingt so, als wäre das Fernsehen früher kritischer oder besser in der Recherche gewesen.
    Da bin ich doch sehr skeptisch.

  31. Frieby1968
    21.03.2007 | 23:34

    Tja, nur leider praktizieren die entscheidungsunwilligen deutschen Jugendämter diese einfache Praktik nicht, weil sie sich lieber auf den Beamtenstatus berufen und die Hände in den Schoß legen,bis Jemand anderes deren Arbeit macht, denn sonst bräuchten wir diese ausländischen Projekte nicht.Und wenn dann etwas passiert,sprechen sie sich gegenseitig frei von Anschuldigungen. Oder warum gibt es so viele tote Babys in den letzten Jahren???Gängige Praxis, weil Behörden versagen, Tag für Tag!

    Eine fast zu Tode geprügelte, von Jugendlichen überfallene Deutsche, die es satt hat, ständig deutsche Ausreden zu hören, warum es nicht klappt in Deutschland mit der Gesetzgebung. Dafür aber ständig alle anderen Modelle angegriffen werden….KOTZ!!!

  32. 21.03.2007 | 23:49

    @Frieby:
    Welche einfache Praxis meinst Du? Etwas aus meinem Beitrag, oder etwas aus den Kommentaren? Das würde mir helfen, auf Deinen Beitrag einzugehen.

    Was die Jugendämter angeht: Die sind einerseits durch den ideologischen Konflikt der Pädagogik der 60er Jahre gefesselt, zweitens fast ausschließlich mit Verwaltungsleuten bestückt, die zwar rechnen, aber nicht mir Erziehung umgehen können, und zuletzt auch noch finanziell und personell unterversorgt.

    Falls es Dir übrigens um meinen Artikel gegangen sein sollte: Ich habe kein Modell angegriffen, sondern eines gelobt. Eines der Mitte, das weder in Schleiferphantasien noch in “Kuschelpädagogik” basiert ist.

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