Abschieben!

Wir werden alle sterben: die Klimakatastrophe, die Feinstaubbelastung und der viel zu späte Atomausstieg lassen es immer wahrscheinlicher werden. Aber vorher müssen wir noch miterleben, dass die Sauregurkenzeit in diesem Jahr schon vor Ostern beginnt. Anders ist es nicht erklärbar, dass SPON am Samstag mit einer Meldung über die SPD-Landtagshinterbänklerin Isolde Saalmann aufmachte: Genossin Saalmann möchte Adolf Hitler postum die deutsche Staatsangehörigkeit aberkennen. Nein, gestern war nicht der erste April …

Was für vernünftige Leute wie ein schlechter Stammtischwitz klingt, ist SPON einen ganzen Beitrag wert. Frau Saalmann kann sich offenbar nicht damit abfinden, dass Adolf Hitler ausgerechnet in ihrer Heimatstadt Braunschweig »eingebürgert« wurde. Dazu stellen sich sehr interessante Fragen: Sachsen soll während der Nazizeit einen besonders widerwärtigen Gauleiter gehabt haben — könnte man den vielleicht auch im Nachhinein aus den Akten radieren? Können wir Adolf Hitler in Zukunft wieder den Österreichern anlasten? Und wohin werden die Österreicher ihn dann abschieben?

Dem Vernehmen nach befasst sich nun der Gesetzgebungs- und Beratungsdienst des Niedersächsischen Landtags mit diesem Vorschlag. Vielleicht sollten sie auch noch den psychologischen Beratungsdienst hinzuziehen …

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10 Kommentare zu “Abschieben!”

  1. Jacopp
    11.03.2007 | 12:54

    Ein tolles Beispiel für “hätt’ ich doch bloß nichts gesagt!” Jetzt hat sie jeden daran erinnert, wo der “größte Feldherr aller Zeiten” seine deutsche Staatsbürgerschaft her hat. Man kann manchmal mehr erreichen, wenn man die Klappe hält!

  2. Llarian
    11.03.2007 | 13:29

    Da gibts ein schönes Bonmot von Broder. Es geht sinngemäss so: Der Widerstand gegen Adolf Hitler nimmt in Deutschland seit seinem Tod doch deutlich zu.

  3. 11.03.2007 | 21:16

    Tote auszubürgern ist wirklich der Gipfel der Feigheit.

  4. 11.03.2007 | 21:37

    Ich hatte meinen kurzen Beitrag schon am Samstag geschrieben und dann bis Sonntag gewartet: ehrlich gesagt hielt ich den Artikel zuerst für einen ver(w)irrten Aprilscherz.

  5. 12.03.2007 | 12:34

    Das ist so geil. Ich habe sofort daran gedacht, dass Ausbürgerungen vom GG verboten sind und stellete mir die Christiansen-Sendung vor: “Gelten Grundrechte auch für Tote? Und gelten sie auch für Hitler? Was meinen Sie dazu Herr Fliege?”

    Und dann der Spruch “Mir brauchen Sie nicht zu gratulieren, aber Deustchland!”. Was für eine Witzfigur.

  6. 12.03.2007 | 20:19

    Frau Saalmann sollte auch bedenken, dass irgendein Land Politiker den dann staatenlosen Hitler einbürgern oder ihm Asyl gewähren könnten.

    Der niedersächsische Innenminister setzt mit seiner Reaktion aber der Dämlichkeit die Krone auf. Es könne “bei den jüdischen Gemeinden in Deutschland oder im Ausland falsch ankommen” soll er laut WELT ONLINE (nennen wir sie fürderhin WON, wenn sie sich schon als Konkurrenz zum SPON-Boulevard platzieren zu müssen meinen?) gesagt haben. Als ob es keine besseren Gründe gäbe, die SPD-Posse milde belächelnd ignorieren zu können…

  7. 12.03.2007 | 23:01

    Frau Saalmann sollte auch bedenken, dass irgendein Land Politiker den dann staatenlosen Hitler einbürgern oder ihm Asyl gewähren könnten.

    Der Iran vielleicht? ;-)

  8. R.A.
    13.03.2007 | 10:32

    > Es könne “bei
    > den jüdischen
    > Gemeinden in
    > Deutschland oder
    > im Ausland
    > falsch
    > ankommen”
    Am Stammtisch wird es jetzt wieder heißen, daß nur die Juden und ihr weltweiter Einfluß daran schuld sind, daß wir den Adolf behalten müssen …

  9. 13.03.2007 | 10:48

    @R.A.

    Eben.
    Ich frage mich, ob der niedersächsische Innenminister solche Stammtischansichten wissentlich bedient, ob er sie indirekt gar teilt oder ob sich da mal wieder ein Journalist zurecht gebogen hat, was in seinem Kopf als Abbild schon krumm vorlag.

  10. 13.03.2007 | 11:46

    Der niedersächsische Innenminister fühlte sich vermutlich verpflichtet, einer demokratisch gewählten Abgeordneten zu antworten. So sollte es ja in einer parlamentarischen Demokratie auch sein. Wer kann denn ahnen, dass Abgeordnete solche Ideen haben?

    Die Antwort empfinde ich insgesamt als sehr unglücklich und ihren Selbstoffenbarungsanteil muss man fast schon als bedenklich einstufen.

    Ich kann mich immer noch nicht an den Gedanken gewöhnen, dass das keine Falschmeldungen sind …

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