Bayrou? Fillias!

Zettels Wasserstandsmeldungen zu den französischen Präsidentschaftswahlen haben in mir kurzzeitig die Hoffnung geweckt, bei Francois Bayrou könne es sich um eine liberale Alternative zu den beiden Etatisten Royal und Sarkozy handeln. Die NZZ hat mich in ihrer Ausgabe vom letzten Freitag aber eines besseren belehrt: Bayrou ist auch ein Etatist, allerdings einer, der sein Heil in der europäischen Bürokratie sucht statt in gallischer Präsidentenmacht. Politisch ist er sonst von einem deutschen Mainstream-Sozi kaum zu unterscheiden.

Dank des A’Teams kenne ich jetzt aber die wahre Alternative: Edouard Fillias. Mal sehen, wie groß das liberale Potenzial jenseits des Rheins ist.

Ähnliche Beiträge


12 Kommentare zu “Bayrou? Fillias!”

  1. 13.03.2007 | 1:26

    Sehr sympatisch, der Junge. Und auch, was man da so über seine Partei und deren politische Vorstellungen liest.

    Und davon abgesehen: Mit “Wirtschafts- und Bürgerrechtsliberalen” habe ich jetzt wieder zwei neue Begriffe, mit denen ich Dich ärgern kann. Neue Schubladen, jippie!

    Aber auch eine interessante Diskussion da beim A’Team, mit ralph und jo@chim, nicht wahr?

  2. 13.03.2007 | 2:59

    Lieber Rayson,

    ich habe selten in der NZZ so einen schwachen Artikel gelesen wie diesen.

    Ich wurde schon von anderer Seite per Mail darauf aufmerksam gemacht, und da habe ich mich schon gebührend über diesen Artikel geärgert, so daß ich jetzt wieder ganz ruhig bin ;-).

    Bayrou ist in keine Schublade zu packen; das macht ja seine Stärke aus.

    Er ist ein konservativer Christ und einer, der sich für das säkulare Schulsystem einsetzt. Ein Marktwirtschaftler, der allerdings weiß, was und was nicht man den Franzosen zumuten kann. Ein Intellektueller und Pferdezüchter.

    Er ist, lieber Rayson, vor allem einer, der keine der Grandes Écoles durchlaufen hat. Der also nicht zum Establishment gehört, in dem sich die Linken und die Rechten treffen und verständigen.

    Sie sind ja alte Bekannte aus der ENA, aus der École Normale Supérieure, ob sie nun links sind oder rechts. Das sind Nunancen - sie denken gleichermaßen etatistisch. Sie verachten gleichermaßen den Bürger, und sie sie sind Nationalisten, die einen wie die anderen.

    Bayrou ist kein Nationalist. Also wirft man ihm vor, er biedere sich in Brüssel an.

    Bayrou weigert sich, in den Kategorien von links und rechts zu denken. Also wirft man ihm vor, er wolle eine Große Koalition des Stillstands.

    Gewiß ist er kein lupenreiner Liberaler. Er ist ein liberaler und konservativer Christdemokrat. Sagen wir, auf der Linie von Gerd Bucerius. ;-)

    Herzlich, Zettel

  3. 13.03.2007 | 7:54

    Ich kann sie wirklich nimmmer hören, jene unselige Gegenüberstellung zwischen “Wirtschafts- und Bürgerrechtsliberalen” … arrrghh.
    Ein Thread zum Thema übrigens auch hier

  4. 13.03.2007 | 10:15

    @Achim:
    Ich wollte euch doch nur ärgern… Aber der Begriff “Bürgerrechtsliberal” war mir neu. Da kannte ich bisher nur “Linksliberal” und “Sozialliberal”, um ähnliches auszudrücken. :)

  5. R.A.
    13.03.2007 | 10:28

    Fillias scheint mir wirklich eine interessante Alternative zu sein.
    Und dennoch würde ich als Franzose Bayrou wählen - nur er hätte eine Chance, in die Stichwahl zu kommen.
    Und er mag zwar kein Ideal-Liberaler sein (gibt es die überhaupt ;-), aber er ist bestimmt deutlich besser als die völlig unseriöse Royal oder der autoritäre Sarkozy.

  6. 13.03.2007 | 10:51

    @Zettel

    Man merkt, wie sehr deine Beschreibung Bayrous von Wohlwollen getragen ist. Es ließe sich aber, ausgehend von denselben Beobachtungen, auch anders werten, eben so, wie es die NZZ getan hat. Dann käme das Bild eines unsicheren Kantonisten dabei heraus, der viel Nebulöses verbreitet, aber keine klare Position außer der hat, immer schön in der Mitte zu bleiben. Taktisch vielleicht so eine Art französischer Genscher.

  7. 13.03.2007 | 10:58

    Vielleicht sollte man Bayrou als Aufbrecher der verkrusteten französischen Politik erhoffen?
    Der Liberale schafft bestenfalls einen Achtungserfolg. Der nicht viel wert ist, wenn sich Links und Rechts weiter die Bälle hin- und herwerfen.
    Ein Bayrou könnte aber vielleicht bewirken, dass die politische Landschaft und der Wettbewerb dort reichhaltiger werden.
    Was die Chancen eines Liberalen langfristig ja erhöhen könnte.

  8. AHS
    13.03.2007 | 12:56

    @ jo@chim
    Wirtschafts- und Bürgerrechtsliberale muss man nicht gegenüberstellen. Es geht um Realitäten und um Mehrheiten. Erfolgreiche (nach dem Maßstab von Mehrheiten bei Wahlen) wirtschaftsliberale Politiker sind in den allermeisten Fällen auch bürgerlich, christlich und/oder konservativ: Ronald Reagan, Friedrich Merz etc.
    Bayrou als Überraschungskandidat in Frankreich oder Gingrich in den USA würden ebenfalls in dieses Schema passen.

  9. 13.03.2007 | 19:56

    Das mit Nayrou hätte ich Dir gleich sagen können. Da ich von AL auch die Infos bekomme, wie es intern abläuft, muss ich aber die Freude dämpfen: die notwendigen 500 parrainges scheint er nicht zu bekommen. Falls es doch noch klappen sollte, wie ich hoffe, ist die Frage ob er mehr als 1% bekommt: in dem Umfragen ist er nicht mal meßbar bis dato!

  10. 13.03.2007 | 19:58

    Bayrou natürlich, uppss. der denkt alles ab von Christdemokrat bis sozial-liberal: bedenkliche Mischung für meinen Geschmack. Weil Ségo bis dato schwach ist schwenken viele Linke auf ihn um mit der Hoffnung, er könne Sarko schlagen.

  11. AHS
    13.03.2007 | 21:21

    Welche Kritik ruft Sarkozy eigentlich bei den Liberalen hervor? Für das politische System in Frankreich ist er doch geradezu revolutionär: Sohn einer Jüdin und eines ungarischen Einwanderers, Atlantiker, islamkritisch…

  12. 14.03.2007 | 11:21

    “Liberal” wäre noch nett. Ich meine, nur noch zur Abrundung der Eigenschaft, Sohn zu sein.

Bad Behavior has blocked 1589 access attempts in the last 7 days.