Kinderbetreuung - wer bezahlt?

Staatlich finanzierte Krippenplätze? Meine Frau (und meine Tochter) würde jubeln, wenn es überhaupt Krippenplätze gäbe.

Ich bevorzuge folgende Lösung:
Für jedes Kind gibt es eine Steuerbefreiung in Höhe der durchschnittlichen kindlichen Lebenshaltungskosten, vielleicht steigend mit dem Alter und bis zum 18. Lebensjahr.

Das würde den Familien viel - selbstverdientes! - Geld verschaffen, mit dem private Krippen- und Kindergartenplätze bezahlbar wären.

Bleibt das Problem der wenig verdienenden Familien, denen eine Steuerfreistellung nicht zwingend genug Geld verschaffte, um zum Beispiel einen Krippen- oder Kindergartenplatz zu finanzieren. Hier, und nur hier, wäre über einen aus Steuergeld finanzierten Fond nachzudenken, aus dem diese Familien Gutscheine für Krippen und Kindergärten erhielten.

PS: Übrigens könnte sich diese Lösung auch gut in eine Privatisierung der Schulbildung fügen.

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15 Kommentare zu “Kinderbetreuung - wer bezahlt?”

  1. 15.03.2007 | 12:40

    Götz Wiedenroth hat es mal wieder auf den Punkt gerbracht.

  2. 15.03.2007 | 13:52

    Merz-Steuerkonzept. Plus negative Einkommensteuer. Ist so ungefähr das, was Du forderst, oder? Gut, und vielleicht noch Bildungsgutscheine. Also voll die neoliberale Programmatik, die Du hier verbreitest. :)

  3. 15.03.2007 | 13:55

    Ob das neoliberal ist, weiß ich nicht. Mir erscheint es schlicht vernünftig.

    Aber ich bin auch weder Bürokrat noch staatsbediensteter Lehrer - da mag meine Sichtweise etwas parteiisch sein… ;-)

  4. Libero
    15.03.2007 | 14:11

    Man muß nicht neoliberal sein, um das zu befürworten. Man unterscheidet sich in dem, was man davon erwartet. Negative Einkommensteuer bringt die Menschen in Arbeit, aber senkt nicht die Kosten für die Steuerzahler. Bildung früh genug und mit einem besseren Konzept würde die Zahl der Menschen verringern, die in Deutschland von ihren Fähigkeiten nicht leben können.

    Da du ja eine Tochter hast und bald die Schule ansteht, ein link zu einem in Leipzig entstandenen pädagogischen Konzeptes.

    Creativity for the Future Worldwide
    http://www.mehlhornschulen.de/main.php

    Bevor du und andere urteilen. Durchlesen, dann die Schulen anschauen, die Kinder beobachten und sich mit den Eltern unterhalten. Es sieht nicht so aus, als wenn eine solche Schule an deinem Wohnort existiert. Ich habe es da einfacher, ich kann zur nächsten Schule laufen.

  5. 15.03.2007 | 14:21

    @Libero

    Danke für den Link! Ich werde mir das gern mal durchlesen.

    Es sieht nicht so aus, als wenn eine solche Schule an deinem Wohnort existiert.

    Du verwirrst mich - kennen wir uns bzw. kennst du meinen Wohnort?

  6. R.A.
    15.03.2007 | 14:36

    @Libero:
    Tja, ganz nett, kann mich aber nicht begeistern.

    So einer Präsentation gebe ich üblicherweise 10 Minuten, dann will ich wenigstens wissen, worum es eigentlich geht und ob ich mich weiter vertiefen soll.

    Ist schon mal schlecht, wenn auf einer Homepage zwar die Gründer und diverse (eher wenig überzeugende) Erfolgsmeldungen vorgestellt werden, aber keine Erklärung zu finden ist, was eigentlich das grundsätzlich Neue dieses Schulmodells ist.

    Den weiteren Links folgend geht es wohl um etwas mehr Kunst und Musik, das reißt ja nun nicht vom Hocker.

    Offensichtlich wird dort weniger Wert auf die Fähigkeit gelegt, etwas auf den Punkt zu bringen und verständlich darzustellen.

    Das ist aber etwas, was ich von der Schule für meine Kinder sehr zentral erwarte.

  7. Libero
    15.03.2007 | 15:14

    Begabungsentwicklung durch Kreativitätsförderung in Kindergarten und Schule
    http://www.forum-bildung.de/bib/material/mehlhorn.pdf

    Den weiteren Links folgend geht es wohl um etwas mehr Kunst und Musik, das reißt ja nun nicht vom Hocker.

    Freitags trafen sich im Hause Planck Amateurmusiker. Ein gewisser Max Planck, dann ein Erwin Planck und ein Herr Albert Einstein. Man spielte Klaviertrio. Hin und wieder mußte Einstein Joseph Joachim den Geigenpart überlassen. Der war Profi. Ihm sind viele Violinkonzerte gewidmet, unter anderem das Doppelkonzert von Johannes Brahms. Besonders beliebt waren die Chorabende. Die Tenorrollen übernahm meistens Otto Hahn. Max Planck hatte in seinen Studienzeiten ein Studentenchor geleitet, Bühnenwerke inszeniert und komponiert. Er hätte auch als Musiker eine große Karriere gemacht.
    um etwas mehr Kunst und Musik, das reißt ja nun nicht vom Hocker. Herausragende Wissenschaftler sind signifikant häufiger musisch aktiv als der Durchschnitt der Bevölkerung. Vielleicht sagt dir der Name Hans Günther Sohl etwas. Der bullige CEO von Thyssen war ein feinfühliger Komponist von Klavierliedern und ein recht guter Pianist. Die Textvorlagen stammen zum Teil auch von ihm.

    Ich sehe sehr wohl einen engen Zusammenhang zwischen der musischen Aktivität und der beruflichen Kreativität, ob nun als Wissenschaftler, Ingenieur oder Unternehmer.

  8. R.A.
    15.03.2007 | 16:36

    @Libero:
    Ich gebe Dir völlig recht, daß musikalische Bildung etwas Schönes ist und viele bedeutende Leute auch Musik gemacht haben.

    Daraus kann man aber nicht schließen, daß man per Klavierunterricht den nächsten Einstein bekommen könnte …

    Auf jeden Fall ist musische Bildung nichts Neues oder Besonderes, jedes gute Gymnasium sollte das anbieten.

  9. Libero
    15.03.2007 | 17:59

    R.A.

    Die Mehlhorns möchten nicht, daß die Mehlhornschulen zu schnell wachsen, weil sie garantieren wollen, daß alle Lehrer die notwendige Ausbildung besitzen. Deshalb auch die äußerlich nicht unbedingt anziehende website.

    Man bekommt sicherlich nicht per Knopfdruck den nächsten Einstein bzw die nächste Curie. Aber jemand anderes. Musisches und Wissenschaftliches/Technisches/Ökonomisches ist kein Nebeneinander, sondern ein Kreatives Ineinander. Ein technisch kreativer Mensch ist immer ein Glühender, der die Technik regelrecht sinnlich erlebt.

  10. Chinaski
    15.03.2007 | 20:45

    Endlich habe ich mal wieder Zeit und WLAN, um einen Kommentar abzugeben.

    Die erste Frage die sich mir stellt ist die, wieso der Staat eigentlich Krippenplätze anbieten sollte. Wie man der Diskussion anmerkt, will er das ja nicht in erster Linie tun, um den lieben Kleinen einen schönen Platz zum Spielen zu verschaffen. Hauptziel ist es, die Anreize fürs Kinderkriegen zu erhöhen, und dies muss geschehn, damit diverse soziale Systeme finanziert werden können.
    Nach meiner Ansicht ist es nicht die Aufgabe des Staates, die Demographie den sozialen Sicherungssystemen anzupassen, sondern umgekehrt. Es geht den Staat in keinster Weise etwas an, ob und wieviel Kinder ich in die Welt setzen will, sämtliche Aktionen um ein gewisses Verhalten zu fördern oder zu bestrafen erachte ich für falsch.

    Und wenn man dem Staat diese Verantwortung zuspricht, dann wären IMHO Steuerfreibeträgt in Abhängigkeit der Lebenshaltungskosten oder einfaches Kindergeld ein ineffektives Mittel:

    Wie der Sonntagsökonom der FAZ einmal so schön schrieb, sind Kinder nüchtern betrachtet inferiore Güter, das heisst ihr “Konsum” lässt mit steigendem Einkommen nach (Den Nutzen, dass Kinder ein steter Quell der Freude sind, lassen wir im Folgenden einmal ausser Betracht). Der Grund dafür ist, dass Kinder mit stiegendem Einkommen auch (über-)proportionale Opportunitätskosten verursachen. Wenn man in einer gewissen Einkommensebene mehrere Jahre beruflich weg vom Fenster ist, dann hat man nicht nur entgangenes Einkommen auf der Minusseite zu verbuchen, sondern auch entgangene Beförderungen, Stillstand in der Weiterbildung, etc..
    Das wäre nur durch ein vom bisherigen Einkommen abhängiges Kindergeld zu kompensieren. Oder durch Kinderkrippen-Gutscheine, die Eltern mit höherem Einkommen einen größeren Nutzen bringen.

    Was mich jetzt zu einem Punkt bringt, den ich nicht verstehe: Wieso gibt es so wenige Krippenplätze? Sind die Regularien dafür so hoch? Was für eine Zulassung benötigt man, um eine Kinderkrippe zu betreiben? Ich denke, dass es genug Eltern gibt, die ihr Kind in eine Kinderkrippe geben würden, wenn die Kosten dafür geringer wären als das zusätzliche Einkommen, dass sie erzielen könnten. Wie hoch die non-pekuniären Kosten eingeschätzt werden, die eine gesellschaftliche Missachtung so genannter Rabeneltern angeblich mit sich bringt, welche Ihre Goofen in die Kinderkrippe zur Betreuung geben, kann ich jetzt nicht abschätzen.

    Falls ich ein paar Argumente aus vorherigen Threads wiederholt ahben sollte, bitte ich mir das nachzusehen, kam wie gesagt länger nicht mehr zum lesen.

    Viele Grüße aus dem Land, wo Wasser billiger als Benzin ist und Döner teurer als Zigaretten sind (Luxembourg;-))

    Chinaski

  11. 16.03.2007 | 8:57

    @Chinaski

    Was mich jetzt zu einem Punkt bringt, den ich nicht verstehe: Wieso gibt es so wenige Krippenplätze? Sind die Regularien dafür so hoch? Was für eine Zulassung benötigt man, um eine Kinderkrippe zu betreiben?

    Das habe ich mich auch schon gefragt. Wir würden für eine gute Kinderkrippe, die unsere Tochter zu den Zeiten nimmt, zu denen meine Frau arbeiten könnte, sicher ein paar Euro bezahlen.
    Aber entweder wir sind die einzigen oder der Staat hat die bürokratischen Hürden für den Betrieb einer Krippe tatsächlich mal wieder so hoch angesetzt, dass der Bedarf keine Deckung findet.

  12. R.A.
    16.03.2007 | 11:11

    Wir hatten so eine private Kinderkrippe, die hat damals (1995-2000) etwa 500 Mark pro Kind und Monat gekostet (ganztags incl. Verpflegung).

    Das war eine Frau mit einigen Praktikantinnen, die hat das in ihrem Privathaus gemacht, mit einigen speziell umgebauten Räumen und dem Garten als Freifläche.

    Wir haben bewußt nie nachgefragt, ob das eigentlich komplett legal ist - die staatliche Vorschriften für Kindergärten sind teilweise absurd komplex und teuer, insbesondere die baulichen Minima.

    Auf jeden Fall war diese Krippe für uns gerade noch so tragbar, ein vergleichbares staatliches Angebot hätte 1000-1300 DM an Kosten verursacht (von denen die Eltern etwa 100-200 tragen, je nach Gemeinde), war aber nicht verfügbar (nur für soziale Härtefälle).

    Da nun aber diese Kinderbetreuungskosten nicht steuerlich absetzbar sind, war das Nettogehalt meiner Frau nicht ausreichend, um das zu zahlen.

    Alle staatlichen Abzockereien zusammengerechnet hat sie etwa 100 DM pro Monat Miese gemacht, um arbeiten zu dürfen.

    Die Folge: Nach einem halben Jahr haben wir das Experiment abgebrochen und seitdem ist sie “Nur-Hausfrau”.
    Und der gierige Staat kriegt nun gar nichts.

  13. 16.03.2007 | 11:18

    500 Mark für Ganztagsbetreuung inkl. Verpflegung - das wären 250 EUR. Das würden wir gern bezahlen.
    Ohne jetzt ungebührlich neugierig zu sein: Das hat deine Frau im Verdienst nicht reinbekommen?

  14. R.A.
    16.03.2007 | 13:34

    @Boche:
    Das ist jetzt 10 Jahre her, kumuliert 30% Inflation kommen da bestimmt drauf.

    Und eine “Ganztags”-Betreuung reicht Essenspausen und Fahrtzeiten abgerechnet auch nur, um selber halbtags zu arbeiten.

    Und dann haben wir zwei Kinder und das ging zu Steuerklasse V - jetzt müßte die Rechnung klarer sein.

    Wobei ich halt die Hauptfrechheit fand, daß wie die nötige Betreuung nicht einmal absetzen konnten - dann wäre ja wenigstens noch ein kleines Plus rausgekommen.

  15. 17.03.2007 | 1:33

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