Bevor wir das hier verpassen…

…will auch ich dem besten Außenminister, den Deutschland in meiner Lebenszeit hatte, meine Glückwünsche zum 80. Geburtstag aussprechen.

Happy Birthday, “Genschman”.

Dass “Tokio Hotel” seine Einladung ausgeschlagen hat, macht sie mir übrigens noch unsympathischer. :)

Ähnliche Beiträge


16 Kommentare zu “Bevor wir das hier verpassen…”

  1. R. A.
    21.03.2007 | 22:18

    Ja der gute Genschman - zum 60. durfte ich ihm noch persönlich die Hand schütteln …

    Einer der wirklich ganz Großen der deutschen Politik.

    Und bei so erfolgreichen Politikern gehört wohl auch dazu, daß sie bei aller Popularität in Wahrheit nicht wirklich lieb sind.
    Seine Intrigen waren in der Partei gefürchtet, seine Mitarbeiter soll er manchmal sehr mies behandelt haben.
    Und die von ihm geförderten Proteges waren denn auch meist zwar brillant, aber unangenehm, siehe Verheugen oder Möllemann.

    Witzig ist, daß er vor allem durch die Balkonszene in der Prager Botschaft im öffentlichen Gedächtnis bleiben wird.
    Dabei hat er da eigentlich nur eine Nebenrolle gespielt, Seiters hatte die wesentlichen Verhandlungen geführt, und Genscher hat halt als Ranghöherer die Sache bekannt gegeben.

    Viele andere Erfolge dagegen, die er persönlich durchgekriegt hat, sind weitgehend unbemerkt geblieben und heute vergessen.
    Darunter z. B. viele Sachen im Bereich europäischer Einigung (nun ja, einige hier sehen das wohl eher als Minuspunkte).

    Gerhardt wäre m. E. ein erstklassiger Nachfolger als Außenminister geworden, wenn die Wahl 2002 geklappt hätte (doofer Edi).

    Schon peinlich, daß ausgerechnet zum 80. des Altmeisters der aktuelle Vorsitzende so populistische Dummheiten bringen muß …

  2. 21.03.2007 | 23:37

    “Altmeister”, “populistische Dummheiten” des “aktuellen Vorsitzenden”… vermutlich wohl die Äußerungen zum US-Raketenabwehrschild gemeint. Gegen den US-Alleingang hat sich zuerst aber der Altmeister Genscher ausgesprochen, etwa zeitgleich mit den unzähligen Fachsprechern der FDP-Fraktion und -Partei und erst zum Schluß Westerwelle.

    Zum Rest: Zustimmung. Man kann aber wohl nicht immer nett sein, wenn man 23 Jahre in der Bundesregierung an prominenter Stelle arbeitet.

  3. 21.03.2007 | 23:39

    @Julius:

    Kannst Du mir einen Link geben, damit ich mir von Genscher erklären lassen kann, was an dem Raketenschild so schlimm ist?

  4. 22.03.2007 | 0:15

    Klar. Ist auf der FDP-Seite unter dem Beitrag von Westerwelle zum Thema verlinkt. Bericht über ein Interview, dass Genscher der Super-Illu gab. So von wegen “populistisch”… :)

  5. 22.03.2007 | 0:17

    Nochmal der Versuch den Link zu setzen…

  6. R.A.
    22.03.2007 | 10:33

    @Julius:
    Ich kann in Genschers Interview nichts zur Raketenfrage finden:
    http://www.super-illu.de/leute/superstars_245109.html

  7. 22.03.2007 | 10:50

    @R.A.

    Hinter dem Link vor deinem Kommentar findest du aber Genschers Äußerungen zum Thema.

  8. 22.03.2007 | 11:09

    Zugegebenermaßen äußert sich Genscher halt cleverer als die aktuellen Fachsprecher der FDP für Europapolitik, Abrüstungspolitik, Internationales, Außenpolitik, Verteidigungspolitik, Sicherheitspolitik, etc..

    Eben Genscher-Stil. In der Super-Illu äußert er sich dazu, dass die Raketenabwehr nicht im Alleingang der USA erbracht werden sollte, sondern von der Nato und bei Stationierung in der EU eben von der EU. Im Satz danach spricht er sich generell für eine Abrüstungspolitik gerade von Atomwaffen ein.

    Das kann man dann zusammenlesen wie bei PR-inside oder man geht davon aus, dass er zwei Einzelpunkte liberaler Politik dargestellt hat (Transatlantisches Bündnis UND Abrüstungspolitik), ohne diese miteinander zu verknüpfen.

    Typisches Genscher-Interview.

    Das die weisen Männer bloß immer in Rätseln sprechen müssen…

  9. 22.03.2007 | 11:14

    Aus der F.A.Z. zu Genschers Geburtstag:

    Der Jurist, der die diplomatische Kunst des bedeutungsvollen Nichtssagens zu höchster Perfektion entwickelt hatte…

  10. R.A.
    22.03.2007 | 11:58

    Ups, ich hatte übersehen, daß die vier Buchstaben von “Link” etwas anders gefärbt waren und vermutet, das Linksetzen hätte wieder nicht geklappt …

    Ansonsten ist wirklich etwas schwierig, die eigentliche Richtung von Genschers Aussage herauszubekommen.

    Bejahung allgemeiner Abrüstung ist immer gut, aber man könnte nun auch folgern, die NATO insgesamt solle sich den Plänen von USA/Polen/Tschechei anschließen.

  11. 22.03.2007 | 12:02

    @R.A.

    man könnte nun auch folgern, die NATO insgesamt solle sich den Plänen von USA/Polen/Tschechei anschließen.

    Das wäre auch die Logik, die Ulrich Speck in seinem heutigen Beitrag darstellt. Europa braucht eine Antwort auf die durchaus realistischen Bedrohungen, die einmal durch atomar bewaffnete Staaten im arabischen Raum entstehen könnten. Einer Raketenabwehr sollte man sich eher anschließen als sie abzulehnen.

  12. Friedel B.
    23.03.2007 | 6:25

    Die zumeist positive Eischätzung Genschers kann ich nicht teilen; er ist aus meiner Sicht der am meisten überschätzte Politiker in der Geschichte der Bundesrepublik (wie Kohl der am meisten unterschätzte war). Haben wir schon vergessen, dass er sich im Zusammenhang mit den Prager Ereignissen und den Montagsdemonstrationen entschieden gegen eine Wiedervereinigung ausgesprochen hat? Seine in Raysons Kommentar erwähnte “Kunst”, mit vielen schönen Worten überhaupt nichts zu sagen, hat mich seinerzeit erheblich und immer wieder geärgert.

    Noch eine völlig subjektive Ansicht: Ganz nebenbei hat er meinen persönlichen Lackmus-Test nicht bestanden, der da lautet: “Möchtest du einen solchen Mann als Vorgesetzten haben?”

  13. 23.03.2007 | 9:55

    @Friedel B.:
    Sein Eintreten gegen eine Wiedervereinigung ist etwas, das ich ihm durchaus positiv anrechne. Denn diese wurde ja von dem (Deiner Ansicht nach) am meisten unterschätzten Politiker gegen alle Vernunft und gegen allen Verstand mit der Lüge von den “blühenden Landschaften” durchgepaukt und ist heute mit der wichtigste Grund für die Misere dieses Landes.

    Die von Rayson erwähnte Kunst ist eben die eines Diplomaten und vor allem die eines Politikers im Medienzeitalter.

    Als Vorgesetzten hätte ich “Genschman” aber wohl auch nicht haben wollen, nach allem, was ich von ihm höre.

  14. 23.03.2007 | 13:27

    Das Eintreten gegen die Wiedervereinigung spricht meiner Ansicht nach höchstens für einem Mangel der Fähigkeit politischer Vorausschau.
    Aber vielleicht waren die Tage auch für Politiker des Formats (?) eines Genscher einfach zu revolutionär und verwirrend.

  15. 23.03.2007 | 13:29

    @Boche:
    Hm. Meiner Ansicht nach ist es hochgradig erfreulich, dass die Menschen im Osten der Republik (also auch Du und stefanolix) jetzt nicht mehr unter einer menschenverachtenden Diktatur wie der DDR leben müssen. Aber die Art und Weise, wie die Wiedervereinigung dann durchgeführt wurde - hastig, unvorbereitet, unter Verbreitung von Falschinformationen - die halte ich nach wie vor für falsch.

  16. R.A.
    23.03.2007 | 14:13

    @Karsten:
    Natürlich wurde die Wiedervereinigung hastig und unvorbereitet durchgeführt - ging halt nicht anders.
    Und dabei wurden m. E. nicht mehr Falschinformationen verbreitet als sonst in der Politik üblich.

    Wobei man nur einen kleinen Teil davon wirklich als Lügen einstufen muß (sonst sind mehr üblich) - die meisten Politiker und Experten konnten das volle Ausmaß der DDR-Pleite nicht einschätzen.

Bad Behavior has blocked 631 access attempts in the last 7 days.