Wie Politik tickt


SPON: “Experten warnen vor Ausnahmen beim Rauchverbot”

(Nicht wundern, es handelt sich wieder nur um die SPON-typische Entkopplung von Text und Überschrift: Bei den “Experten” - ein Begriff, den in Deutschland wohl eine Aura der Unangreifbarkeit umgibt - handelt es sich um Bundestagsabgeordnete)

“Es wäre nicht vermittelbar, wenn in einer Kneipe in Kassel das Rauchen verboten, und im wenige Kilometer entfernten Göttingen wieder erlaubt wäre”, sagte der SPD-Politiker.

“Die Bürger erwarten ein umfassendes Rauchverbot in der Gastronomie”, sagte Florenz der “Welt”. “Wenn sich keine Einigung zum Nichtraucherschutz in Deutschland finden lässt, wird es innerhalb kurzer Zeit eine europäische Regelung geben, die ein Rauchverbot in Gaststätten bedeuten wird.”

SWR: “Sprachlicher Verbraucherschutz: Union gegen Denglisch”

Auch die Unionspolitiker wenden sich gegen “Sprachfundamentalismus”. Der Bürger habe aber ein Recht darauf, zu verstehen, was er liest - vor allem was die Sicherheit angehe, etwa bei Gebrauchsanweisungen. Da kann sich die CDU auch eine Gesetzesinitiative vorstellen.

Man schützt und umhegt den armen Bürger, der allseits von finsteren Mächten attackiert wird. Individuelle Entscheidungsfreiheit? Privatsphäre? Föderalismus? Subsidiarität? Papperlapapp: Hauptsache, die Regelungswut setzt sich universell durch.

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8 Kommentare zu “Wie Politik tickt”

  1. 22.03.2007 | 11:59

    Und diese Arroganz, mit der davon ausgegangen wird, dass man genau weiß, was “der Bürger” will…!

    Gibt es denn keine Politiker mehr, die in dieser Frage wenigstens noch etwas agnostische Bescheidenheit an den Tag zu legen vermögen?

  2. 22.03.2007 | 14:02

    Wenn dem doch wenigstens durch Selbstekel eine natürliche Grenze gesetzt wäre.

  3. 22.03.2007 | 14:20

    Wobei Herr Barroso sich sehr wohltuend äußert.

    Europe’s citizens must be on their guard against political correctness and moralising politicians, says the European Commission President José Manuel Barroso in an interview with The Daily Telegraph.

  4. 22.03.2007 | 16:33

    Föderalismus ade…

    Rayson schreibt heute bei den Bissigen Liberalen zum Thema “Wie Politik tickt”.
    Insbesondere beim ersten angesprochenen Thema (Nichtraucher-”Schutz”) finde ich die Reaktionen der “Experten” sehr interessant und ich f…

  5. chinaski
    22.03.2007 | 16:44

    An dem Ausdruck “Experte” hab ich mich auch gestoßen bie der Lektüre des Artikels. Aus dem Artikel war nicht ersichtlich, in wiefern Herr Binding Experte ist, und vor allem, für was soll er Experte sein? Rauchen, Gastronomie, Föderalsimus, EU-Recht?

    Mein Lieblings-Experte aller Zeiten ist übrigens “Sat1-Experte” Oliver Bierhoff. Also wenn jemand mal irgendwann Fragen bezüglich Sat1 an, einfach an den labernden BWL-Ex-Kicker wenden ;-)

  6. Hardy
    22.03.2007 | 18:19

    Wenn ich einige dieser “Experten” höre, hege ich immer öfter die Vermutung, dass selbigen wohl schon der Koks das Gehirn(sofern jemals eines vorhanden war)total vernebelt hat.

  7. Buenavista
    22.03.2007 | 19:36

    Es wäre auch schrecklich, wenn man in dem einen Café Espresso bekäme und im anderen Filterkaffee.

    Das muss schon einheitlich geregelt werden.

  8. 23.03.2007 | 1:26

    Besonders entzückend finde ich immer wieder diese Argumentation:

    Wenn sich keine Einigung zum Nichtraucherschutz in Deutschland finden lässt, wird es innerhalb kurzer Zeit eine europäische Regelung geben, die ein Rauchverbot in Gaststätten bedeuten wird.

    Kurz: Wenn wir kein Rauchverbot in Gaststätten beschließen, dann geschieht etwas viel Schlimmeres: Ein Rauchverbot in Gaststätten wird beschlossen.

    Dabei könnte das doch eigentlich auch als Begründung dafür dienen, sich mit dem Thema nicht weiter auseinanderzusetzen, wenn das ja so oder so beschlossen wird. Und falls es unseren Bundestagsabgeordneten, nicht nur um die Rentenansprüche geht, dann müßten sie doch eigentlich dankbar sein für jeden Vorwand, sich mal mit was Wichtigem zu beschäftigen. Mit etwas, das sie auch was angeht, beispielsweise.

    (Der vorletze Satz war übrigens ein Konditionalsatz. Niemand sollte glauben, daß ich die Bedingung desselben für wahr halte.)

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