Toller Erfolg

Das Stück “Freie Wahlen”, aufgeführt von den UN-Bühnen in Kinshasa, war ein voller Erfolg. Sowohl die beiden Hauptdarsteller als Lokalmatadore als auch die zahlreichen internationalen Stars und Nebendarsteller konnten die internationale Kritik vollauf begeistern. Zu schade, dass solche Aufführungen nur einen kurzen Theaterabend lang andauern und danach oft schnell wieder in Vergessenheit geraten.

Von entscheidender Bedeutung für die Wahrnehmung des Stückes war hingegen, dass das Publikum sich nur selten für das interessiert, was hinter den Kulissen geschieht - und ebensowenig für die Geschehnisse, die sich nach dem Fall des Vorhanges ereignen.

Auf jeden Fall wird ein Erfolg wie dieser der Schauspieldirektion sicher ein gutes Argument sein, wenn beim nächsten Mal über staatliche Zuschüsse für die UN-Bühnen in aller Welt verhandelt wird. Hoffen wir also, dass sich auch in Zukunft, in Zeiten von Fernsehen und Internet, gutes Theater durchsetzt!

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8 Kommentare zu “Toller Erfolg”

  1. 23.03.2007 | 13:30

    Hätte man das Desaster vorher mit Sicherheit kennen können? War der Versuch wirklich von Anfang an so aussichtslos?

  2. 23.03.2007 | 13:33

    @Boche:
    Eine ernsthafte Mission, durchgeführt mit einer angemessenen Truppenzahl und unter der Voraussetzung, dass bei den Beteiligten ein echtes Interesse an einer friedlichen Einigung gewesen wäre - die wäre nicht aussichtslos gewesen.

    Aber eine Truppe zu entsenden, die die Belegschaft eines Theaters kaum übersteigt, mit dem einzigen Ziel, einem der beiden Kontrahenten eine neue Legitimation für seine Gewaltausübung zu geben, das war ein absehbares Desaster.

  3. 23.03.2007 | 13:37

    War die Verlogenheit des Herrn Kabila denn tatsächlich vorher bekannt?
    Ich erinnere mich recht positiver Portraits seiner Person in den Medien.

  4. 23.03.2007 | 13:42

    Man kann die Verlogenheit nicht einseitig auf Herrn Kabila beziehen. Herr Bemba ist keinen Deut besser (ganz zu schweigen von ihren jeweiligen Anhängern). Eine Friedenstruppe bringt nur dort etwas, wo bereits ein Waffenstillstand in Kraft ist und respektiert wird, da, wo bereits Kompromisse gefunden worden sind (und nicht durch eine Wahl die eine oder andere Position durchgesetzt werden soll).

    Für alle anderen Fälle - Entmachtung der Warlords, Entwaffnung der Milizen - bräuchte man schon eine Armee. Und auch das ist mehr als schwierig, wie die Koalition der Willigen im Irak (und leider auch immer mehr in Afghanistan) spüren muss.

  5. 23.03.2007 | 13:53

    Man kann die Verlogenheit nicht einseitig auf Herrn Kabila beziehen.

    Der eine von dir verlinkte FAZ-Artikel erweckte diesen Eindruck, zumindest in Betreff auf den aktuellen Nachwahl-Konflikt.

    Aber ansonsten hast du sicher Recht, dass die Mission von vornherein vielleicht nicht viel Erfolgsaussicht hatte.

  6. 23.03.2007 | 14:02

    @Boche:
    Der FAZ-Artikel argumentiert in der Tat eher gegen Kabila, es handelt sich dabei aber um den Konflikt während der Wahl, also zwischen erstem Wahlgang und Stichwahl. Und diesem Angriff der Präsidentengarde waren ja teils auch von Bembas Anhängern provozierte Kämpfe in Kinshasa vorausgegangen, die die Diplomaten dazu bewogen hatten, Bembas Haus aufzusuchen, um mäßigend auf ihn einzuwirken.

    Nach der Wahl erkannte Bemba das Wahlergebnis zwar offiziell an, rüstete aber sofort seine Privatarmee wieder auf und nutzte seine Position als Senator, um unbehelligt Vorbereitungen für einen erneuten bewaffneten Konflikt treffen zu können. Die Kämpfe in den letzten Tagen zeigen, dass er seine Leute nicht wirklich entwaffnet und nach Hause geschickt hat.

    Warum sollte er auch, nutzt doch Kabila seine Position als gewählter Präsident nicht zur Versöhnung mit seinen vorherigen Gegnern, sondern nur als Szepter der Macht, das ihn zur Durchsetzung seiner vorherigen Absichten berechtigt. Und warum sollte Kabila das auch anders machen, solange sich Bemba mit einer beachtlichen Privatarmee bereit hält?

    “Einfach mal wählen” war im Kongo nicht die Lösung, weil noch unbearbeitete Konflikte - zwischen Stadt- und Landbevölkerung, verschiedenen Stämmen und Warlords - vorliegen, die man bei der Wahl nicht angehen wollte (oder konnte).

  7. R.A.
    23.03.2007 | 14:10

    Ich teile Karstens Einschätzung.

    Vor allem aber bin ich (wieder einmal) erschüttert über die deutschen Medien.

    OK, einige haben berichtet (sonst wären ja diese Links nicht möglich gewesen), aber in der breiten Berichterstattung sind diese Ereignisse völlig untergegangen (mir sind sie auch neu, und ich versuche wirklich, mich sehr umfassend außenpolitisch zu informieren).

    Spätestens im August 2006 war eigentlich klar, daß die Sache ein Flop ist.
    Stattdessen wurde die Mission unter allgemeinem Beifall fortgesetzt, für erfolgreich abgeschlossen erklärt und in der Öffentlichkeit nicht weiter diskutiert.

  8. 23.03.2007 | 15:10

    [...] Kurze Werbeeinlage: Eine treffende Beschreibung der Sinnlosigkeit internationaler “Friedens”missionen (diesmal am Beispiel Kongos) findet sich bei den Kollegen von BLOG. [...]

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