27. März 2007
CDs und Konzerte
Ich will die Diskussion über Urheberrechte hier nicht wieder aufwärmen.
Stattdessen möchte ich einmal von der Voraussetzung ausgehen, dass kaum ein Kunde bereit ist, ein gigantisches Vertriebssystem für Tonträger zu finanzieren, wenn die technischen Möglichkeiten, die digitale Musik einfach zu kopieren, so fortgeschritten sind wie heute. Entsprechend wird sich auf Dauer auch der relativ hohe Preis für Musikdownloads (der allerdings schon erheblich unter dem liegt, den man für stofflich durch die Gegend gekarrte Musik zahlen muss) kaum halten lassen.
Darum bin ich schon lange der Ansicht, dass die Zeit, als sich mit dem Vertrieb von Musikaufzeichnungen viel Geld verdienen ließ, einfach vorbei ist. Das liegt einerseits an den neuen Vertriebswegen, die zwar erheblich weniger kapitalintensiv sind, aber auch relativ wenig Ertrag versprechen. Andererseits aber auch an der Tatsache, dass professionelle Produktionsmethoden für Studiomusik immer preiswerter geworden sind und somit die Zahl der Künstler, die Musik mit professionellem Anspruch produzieren können, ständig steigt. Der Unterschied zwischen einem Weltstar und einer Nachwuchsband aus Köln-Ehrenfeld ist heutzutage oft nur noch das Marketing.
Was aber nach wie vor selten ist, ist eine gute Live-Performance. Denn da muss nicht nur der Künstler wirklich außergewöhnlich gut sein (anstatt mit beliebiger Vorbereitungszeit im Studio geschönt zu werden), sondern auch die Preise für ordentliches Equipment sowie die vielen anderen Kostenfaktoren, von der Organisation über die Transporte bis hin zu Catering und Sicherheitsdienst, sind nach wie vor hoch. Weshalb sich vermutlich auch in Zukunft gutes Geld mit Konzertauftritten verdienen lassen wird - aber eben wohl nicht mehr mit Platten.
Diese Ansicht teilt auch Gunter Buskies vom kleinen Label “Tapete Records” im Interview mit der Süddeutschen:
Hat das Prinzip „Platte“ ausgedient?
Mein Partner Dirk Darmstaedter hat mal prophezeit, dass es bald dahin kommen wird, dass eine CD-Veröffentlichung nur noch wie eine Setcard für einen Schauspieler ist. Eine Berechtigung zum Touren. Mit dem reinen Tonträgergeschäft können heute weder die Firmen noch die Künstler ein Auskommen haben. Würden die Lieder nur in digitaler Form vorliegen, sparte das Label enorm an Produktionskosten.
Schön zu lesen, dass auch Profis, die sich mit der Szene auskennen, diese Hypothese teilen.
Die ich übrigens nicht ganz allein entwickelt habe, sondern die in ihren Grundzügen einem Cyberpunk-Buch entspringt, das ich vor ca. 20 Jahren gelesen habe - als sich noch kaum jemand einen CD-Brenner leisten konnte und Filesharing noch nicht einmal am Horizont stand. Was wiederum eine Diskussion bestätigt, die ich vor einigen Tagen mit Martin Marheinecke auf dessen Blog hatte: Die Science Fiction erlaubt oft bessere Blicke in die Zukunft als die seriöse Futurologie; und gerade im Bereich des Cyberpunkt hat sich viel bewahrheitet. Auch, wenn manches vielleicht in den Bereich der Self-Fulfilling Prophecy fiel.
Verfasst von Karsten um 15:20 Uhr in der Kategorie Innenpolitik, Wirtschaft (Trackback)