Westerwelle schreibt Boche … und zwar: Nichts.

In meiner Erregung über die Auslassungen des FDP-Vorsitzenden zur Frage der Stationierung einer amerikanischen Raketenabwehr in Polen und Tschechien habe ich diesem Herrn eine e-Mail geschickt. In dieser habe ich meine Kritik deutlich formuliert und dabei auch den Hinweis auf die Ausführungen des Ex-Generals Naumann gegeben.

Inzwischen hat mir Dr. Westerwelle geantwortet.
Gespannt auf die Verteidigung seiner Position begann ich zu lesen und - staunte.
Denn nach dem Dank für meine Kritik schrieb er:

Zu der geplanten Stationierung eines Raketenabwehrsystems in Mittel- und Osteuropa haben die Freien Demokraten und ich ganz persönlich eindeutig Stellung bezogen. In der Anlage übersende ich Ihnen eine Auswahl meiner Pressemitteilungen zu diesem Thema. Für den Kurs, den Sie darin erkennen, werden wir Liberale weiter werben.

Dann waren zwei Word-Dokumente angefügt. In dem einen fand sich, auszugsweise, die Rede, die ich kritisiert hatte. Und in dem anderen fand sich dasselbe in anderer Formulierung noch einmal.

Westerwelle wirbt also für eine Position, in dem er sie lediglich wiederholt.
Ich fühle mich jetzt doch ein wenig verschaukelt.

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26 Kommentare zu “Westerwelle schreibt Boche … und zwar: Nichts.”

  1. DDH
    28.03.2007 | 16:13

    Ich verstehe nicht, mit welcher Leidenschaft sich hier BEIDE Seiten des in dieser “Schicksalsfrage” gespaltenen organisierten Liberalismus in Deutschland ereifern…

    Es ist nicht UNSER Schild, wir müssen es nicht bezahlen, wäre ich steuerzahlender Amerikaner, würd ich was dagegen haben, aber das sollen die Jungs mit den Polen und Tschechen selbst ausmachen.

    Mehr gibt es dazu aus liberaler Sicht nicht anzumerken.

  2. 28.03.2007 | 16:15

    Mehr gibt es dazu aus liberaler Sicht nicht anzumerken.

    Oh, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich mir viel Mühe gespart!
    Darf ich zukünftig Entwürfe einreichen, damit du klärst, ob sie aus liberaler Sicht veröffentlichungswürdig sind?

  3. 28.03.2007 | 16:46

    Hoffentlich nimmt Guido wenigstens zur Kenntnis, dass der liberale Nachwuchs die Sache anders sieht als er!

  4. 28.03.2007 | 16:49

    @Martin

    Gehört ihr denn zu dem, was er in seinen Zeilen an mich “wir Liberale” nennt?

    (Zu dem, was DDH unter “wir Liberale” versteht, gehört ihr jedenfalls wohl nicht.)

  5. TSquared
    28.03.2007 | 17:24

    Eine ähnlich aussagekräftige “Antwort” hatte ich damals auf mein Schreiben an Westerwelle bezüglich des Libanonkonflikts erhalten. In der vorliegenden Angelegenheit harre ich indes noch gespannt der Dinge. Obwohl es natürlich schon sehr überraschend wäre, wenn ich irgendeine andere “Antwort” bekäme als die, die Du hier gepostet hast.

    Gar nicht überraschend ist dagegen leider wieder einmal die angemaßte Deutungshoheit einiger OILs ausgerechnet über die Frage, was liberal ist. Sigh.

  6. 28.03.2007 | 18:21

    Wundert mich nicht. Gott sei dank haben sich die JuLis anders positioniert. Hätte er mal besser vorher gefragt, jetzt noch zurücksteuern geht nur unter großem Gesichtsverlust, zumindest bei der Masse.

  7. DDH
    28.03.2007 | 18:21

    @Boche: Sei nicht so empfindlich! :-)

  8. 28.03.2007 | 18:31

    Ich weiß nicht, was hast du erwartet, das Westerwelle in seiner Antwort die Informationen aus den Worddokumenten einfach mal neu formuliert? Oder das er gar von dir überzeugt wird, die eingenommene Position zu ändern? Für mich klingt das nach eine vorprogrammierten Enttäuschung.

  9. DDH
    28.03.2007 | 18:38

    Schön, daß die JuLis Guido ärgern, schade, daß das nicht auf einem ordnungspolitischen Feld geschieht, wo allerdings maßgebliche Teile des Verbandes noch hinter der Mutterpartei herhinken. Die hessischen JuLis laden bspw. Ursula Engelen-Kefer auf ihren LaKo ein, die Bundes-JuLis Heribert Prantl auf ihren BuKo - für wie wahrscheinlich hält die geballte minimalstaatliche Vernunft und Reputierlichkeit, die sich auf minimalstaattlichen Blogs wie diesen hier in ihrer bürgerlichen Betulichkeit durch nichts aus der Ruhe bringen läßt , dagegen eine Einladung an einen auch nur klassisch liberalen Publizisten wie etwa Roger Köppel oder Reinhard K. Sprenger oder Gerd Habermann? Hm?

  10. 28.03.2007 | 19:01

    @Thomas

    Ich an Boches Stelle hätte ebenfalls die leise Hoffnung gehegt, dass Westerwelle (oder der Assi, der seine Post bearbeitet) wenigstens ansatzweise auf das eingeht, was man ihm da schreibt. Es ist jedenfalls lächerlich, einem Kritiker eines Textes als Antwort ausgerechnet den Text noch einmal zuzusenden.

    @DDH

    Das ist kein “minimalstaatliches Blog” - zwei bis drei Autoren mögen das Etikett ertragen müssen, auf den Rest passt es aber ganz und gar nicht. Und was die Einladepolitik von Julis angeht, wäre es vielleicht sinnvoller, diese selbst zu fragen, statt sich von der eigenen Schubladisiererei in die Irre führen zu lassen. Ich kann es übrigens gut verstehen, wenn man mal andere Meinungen hören will als die eigene. Vor allem, wenn man hinterher in der Diskussion zur Sache kommen kann.

  11. 28.03.2007 | 19:44

    Wahrlich bedauerlich.

    Aber ein Ratschlag: schreibt besser direkt die jeweiligen Fachsprecher der Partei und Fraktion an. Sind gerade bei Liberalen leider so einige bei der Außen-, Sicherheits-, Europa-, Internationalen Politik, aber die Abgeordneten sind nicht ganz so stark mit Anfragen belastet wie der Vorsitzende und die persönlichen Referenten und Assistenten sind eher im Thema drin. Der Fraktionsvorsitzende/Parteivorsitzende gibt da meist nur als prominente Person die Haltung der Sprecher nach außen weiter.

    Dennoch etwas unverständlich, wieso die das nicht hinbekommen, solche Anfragen im Büro direkt an die Fachsprecher weiterzuleiten und von dort beantworten zu lassen. Muss ich mal nachforschen.

    Ansonsten: von den Fachsprechern ist in der konkreten Frage leider gerade auch nicht viel mehr zu erwarten. Haben sich alle schon so positioniert. Nicht zuletzt nach Genschers Äußerungen.

  12. DDH
    28.03.2007 | 19:48

    Ich kann es übrigens gut verstehen, wenn man mal andere Meinungen hören will als die eigene.

    Genau da liegt bei den meisten JuLis das Problem: es IST ihre eigene Meinung. Eine klassisch liberale oder libertäre - das wäre mal eine andere Meinung.

    Und das “minimalstaatliche Blog” war eine Unterstellung zu Euren Gunsten. ;-)

  13. 28.03.2007 | 19:50

    Verkollektivierungen sind nie zu jemandens Gunsten, oder? ;-)

  14. DDH
    28.03.2007 | 19:50

    Ich kann es übrigens gut verstehen, wenn man mal andere Meinungen hören will als die eigene.

    Genau da liegt bei den meisten JuLis das Problem: es IST ihre eigene Meinung. Eine klassisch liberale oder libertäre - das wäre mal eine andere Meinung.

    Und das “minimalstaatliche Blog” war eine Unterstellung zu Euren Gunsten. ;-)

  15. DDH
    28.03.2007 | 19:51

    Doch, bei kollektiver Unschuldsvermutung schon. ;-)

  16. 28.03.2007 | 22:50

    @Thomas

    Die Enttäuschung ist nicht allzu groß. Von Politikern habe ich selten ernst zu nehmende Antworten erhalten. Lobenswerte Ausnahme ist bisher Ministerpräsident Wulff. Der konnte mich zwar nicht von seinen Position überzeugen, aber er hat es zumindest versucht.

  17. 28.03.2007 | 23:12

    Bin ich jetzt einer der Minimalstaatler? Wohl eher nicht. :)

  18. 28.03.2007 | 23:15

    Vielleicht bist du der Minimalstatler?

  19. 28.03.2007 | 23:27

    *grins*

    @Karsten

    Nein, du bist unser Vorzeige-Etatist ;-)

  20. 28.03.2007 | 23:48

    *grübelt darüber nach, was ein “Minimalstatler” wohl wäre*

  21. 28.03.2007 | 23:52

    Einer ohne Waldorf an seiner Seite?

  22. 29.03.2007 | 9:35

    Naja, Westerwelles Kalkül ist einfach:

    Aus a - die Amis sind unbeliebt - und b - ich will beliebt sein - ergibt sich c: ich gebe mich Amerika-”kritisch”.

    Das alles hat mit Liberalismus und irgendwelchen Inhalten nichts zu tun.

    Zeit für die jungen liberalen Außenpolitiker, eine (offene) Plattform innerhalb ihrer Partei zu gründen, um für eine genuin liberale Außenpolitik zu werben. Macht Veranstaltungen, Foren, Arbeitskreise und so weiter. Irgendwann kann sich die FDP dagegen gar nicht mehr wehren - sie muss dann eine liberale Außenpolitik vertreten.

    Die Alternative ist Resignation.

  23. R.A.
    29.03.2007 | 11:32

    @Ulrich:
    > Zeit für die jungen
    > liberalen
    > Außenpolitiker, …
    Wieso müssen die jung sein?

    > eine (offene)
    > Plattform innerhalb
    > ihrer Partei zu
    > gründen,
    Das wäre in der Tat eine gute Idee.

    Obwohl es das eigentlich mit der deutschen Sektion der LI schon gibt.

    Bevor man also etwas völlig Neues aufmacht, sollte man lieber überlegen, ob ein verstärktes Engagement dort sinnvoll wäre.
    Damit hätte man nämlich sofort ein gutes Stück mehr Einfluß in der FDP.

  24. DDH
    29.03.2007 | 15:46

    Zeit für die jungen liberalen Außenpolitiker, eine (offene) Plattform innerhalb ihrer Partei zu gründen, um für eine genuin liberale Außenpolitik zu werben.

    Was ist denn eine “genuin liberale Außenpolitik”, lieber Ulrich Speck?

  25. DDH
    30.03.2007 | 21:36

    „Strikter Isolationismus und Neutralität sind die ersten Grundpfeiler einer libertären Außenpolitik.“ Murray N. Rothbard, Eine neue Freiheit, S. 281

  26. 30.03.2007 | 21:39

    “Am siebten Tage sollst Du ruh’n,
    Hast Du nichts wichtiges zu tun.”

    Ich, hier

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