Über Mannschaftssportarten

Bei Einstellungen gilt es als Weg zur Prüfung, ob der Proband denn auch teamfähig sei, als bewährtes Mittel, nach Aktivitäten im Bereich der Mannschaftssportarten zu fragen.

Nun, ich bin dann ganz sicher nicht teamfähig. Und das ist gut so. Eine Erkrankung in meiner Kindheit machte mich für alle Sportarten untauglich, in denen vor allem Ausdauerleistungen gefragt sind. Unglücklicherweise fallen die meisten Mannschaftssportarten unter diese Kategorie. Volleyball vielleicht nicht, aber das wurde auf dem Dorf, wo ich groß wurde, schlicht nicht praktiziert. Aber ich besitze die Gabe des Ballgefühls, und so zog es mich zunächst zum Tisch-, dann zum richtigen Tennis. Golf könnte ich wahrscheinlich auch ganz manierlich, wenn ich bereit wäre, das viele Geld dafür auszugeben. Und einen Sinn darin erkennen könnte.

Was ist also mit dem Davis Cup und dem merkwürdgen Phänomen “Doppel”? Nun, auch stinknormale Tennisspieler kennen das Gefühl, als Mannschaft anzutreten, und zwar in den sog. “Medenspielen”. wo Kleinkleckersdorf gegen Hintertupfingen spielt. Irgendwie als Mannschaft, aber jeder für sich - wie echt kann das sein? Es ist schon faszinierend, wie sehr ein Mannschaftsgeist anspornen kann, auch wenn die Personen, die ihn tragen, nicht direkt ins Geschehen eingreifen können. Das bestätigen nicht nur Hobbyspieler wie ich, sondern auch Profis wie Alexander Waske. Und Doppel - ja, das ist eine Geschichte für sich (siehe hierzu auch instruktiv das Waske-Interview). Ein Doppel hat was von einer Ehe. Es sind zwar weniger Spieler in der Mannschaft, die Beziehung ist dafür aber um so enger. Selbst kleine Verwerfungen führen zu erheblichen Nachteilen. Es kommt viel mehr darauf an, wer zusammenspielt - welche Ranglistenplätze die Doppelspieler im Einzel haben, ist irrelevant. Zur Einordnung: Das deutsche Doppel, das heute seinen belgischen Kontrapart bezwang, rangiert in der Summe über 1000 Weltranglistenplätze, während die Belgier noch unter 200 liegen. Loblied der Zweierbeziehung? Auch, aber gerade, wenn man die Funktion des für Sportarten relativ ungewöhnlichen Mixed als Ehekiller betrachtet, sehr zwiespältig.

Ist Tennis also eine Mannschaftssportart? Gute Frage. Aus meiner Sicht ist es das, sogar eine sehr gute, denn die Beiträge des einzelnen Spielers zum Gesamtergebnis werden sehr deutlich. Auch dann, wenn er von der Gemeinschaft beflügelt wird, bleibt es sein Beitrag. Bis auf die Unwägbarkeit Doppel - was da zwischen den vier Spielern passiert, ist bis heute so komplex, dass ich allen Modellen misstraue, die mehr als vier individuelle Entscheider aufführen…

Ähnliche Beiträge


7 Kommentare zu “Über Mannschaftssportarten”

  1. 7.04.2007 | 20:35

    Dieser eher lächerliche Versuch Teamfähigkeit zu ergründen ist mir ganz aktuell auch in einem Vorstellungsgespräch untergekommen. Natürlich wurde nur nach Sport gefragt, man wollte es mir ja nicht so einfach machen. Auf der anderen Seite macht mich so etwas i.d.R. eher misstrauisch. Im besten Fall stecken Leute dahinter, die dem Teamarbeitstrend hinterher laufen, in schlechteren Fällen versteht man dann aber unter Teamarbeit perfektes und unhinterfragtes Zuarbeiten zum Chef. Oder man hat kaum Chancen in ein bestehendes Team aufgenommen zu werden, auch wenn man den Job bekommt.

  2. 8.04.2007 | 7:07

    Bei der aktuellen Art und Weise wie Firmen versuchen, die am besten passenden potenziellen Inhaber für einen Arbeitsplatz zu finden, wären solche Fragen ja noch harmlos.

    Aber ich denke, dass mit solchen Fragen dann eher einer gefunden wird, der a) in sich selbst verliebt ist (und sport macht, um “schön” zu sein), b) ein Alphatierchen ist.

  3. 8.04.2007 | 21:39

    Könnte man Deine Arbeit bei Blog nicht als Mannschaftssportart ansehen? Ich meine aufregen kann man sich über den ein oder anderen Kommentar ja schon ganz gut, also der Puls kann manchmal schon steigen. :-)

  4. 8.04.2007 | 21:40

    Apropos: Ich habe angefangen meinen eigenen Blog zu schreiben. Endlich.

  5. 9.04.2007 | 7:58

    Ich bin ja sportlich nicht ganz unbelastet und so muss ich auch einige Bemerkungen zum Artikel und zu den Kommentaren loswerden:

    – Ich vermute, dass Rayson auch wegen der Leistungen seiner Hertha über die Komplexität der Mannschaftssportarten philosophiert? ;-)

    – Ich kenne natürlich auch Leute, die aus Selbstverliebtheit Sport treiben. Für die meisten geht es aber in der heutigen Zeit schlicht um die Aufrechterhaltung der eigenen Leistungsfähigkeit.

    – Was würde ein Personalchef denken, wenn der Bewerber ihm sagt, dass er sich in einer Laufgruppe auf einen Marathon vorbereitet? Er kann dem Bewerber eine gute Ausdauer und Zielstrebigkeit zugutehalten; er kann ihm aber auch Egoismus und eine zu starke Fixierung auf den Sport unterstellen. Was sagt uns das? Fragen nach dem Sport sind zweischneidig.

    – die Arbeit bei B.L.O.G. ist sehr individualistisch organisiert. Es gibt keinen Trainer, keinen Übungsleiter und kein Mannschaftstrikot. Auch gegen einen Mannschaftssponsor haben wir uns bisher erfolgreich gewehrt ;-)

  6. 9.04.2007 | 10:28

    “Leistungen seiner Hertha”

    Leistungen? Was für Leistungen? Sooooon Hals!!!

  7. 9.04.2007 | 14:43

    So wie ich es mal verstanden habe besteht bei der Teambildung die Kunst darin die “Macher”, die “Aberer”, die “Sollter” und die “Nachdenklichen” zusammenzubringen.

    „Teamfähig“ ist somit eine Floskel die nichts, aber auch gar nichts aussagt. (Ok, es gibt Leute die können mit keinem, aber das sind wohl die Ausnahmen.) Jeder ist teamfähig, es kommt nur darauf an, ob seine Rolle im Team frei ist. Erfolgreiche Gruppen sind nicht homo-, sondern heterogen. Eine Gruppe aus lauter Grüblern wird den Arsch nicht hochbekommen, eine Gruppe aus lauter Machern verzettelt sich im Aktionismus und reflektiert nicht ihr Handeln.

    Daher braucht das Alphatierchen auch immer die von ihm eigentlich verachtenen Unterlinge, die gerne nichts anderes machen als auf Anweisung zu handeln, weil einer auch die Arbeit machen muss. Wären die wie er, käme wegen lauter Rangkämpfe gar nichts bei raus.

Bad Behavior has blocked 923 access attempts in the last 7 days.