7. April 2007
Über Mannschaftssportarten
Bei Einstellungen gilt es als Weg zur Prüfung, ob der Proband denn auch teamfähig sei, als bewährtes Mittel, nach Aktivitäten im Bereich der Mannschaftssportarten zu fragen.
Nun, ich bin dann ganz sicher nicht teamfähig. Und das ist gut so. Eine Erkrankung in meiner Kindheit machte mich für alle Sportarten untauglich, in denen vor allem Ausdauerleistungen gefragt sind. Unglücklicherweise fallen die meisten Mannschaftssportarten unter diese Kategorie. Volleyball vielleicht nicht, aber das wurde auf dem Dorf, wo ich groß wurde, schlicht nicht praktiziert. Aber ich besitze die Gabe des Ballgefühls, und so zog es mich zunächst zum Tisch-, dann zum richtigen Tennis. Golf könnte ich wahrscheinlich auch ganz manierlich, wenn ich bereit wäre, das viele Geld dafür auszugeben. Und einen Sinn darin erkennen könnte.
Was ist also mit dem Davis Cup und dem merkwürdgen Phänomen “Doppel”? Nun, auch stinknormale Tennisspieler kennen das Gefühl, als Mannschaft anzutreten, und zwar in den sog. “Medenspielen”. wo Kleinkleckersdorf gegen Hintertupfingen spielt. Irgendwie als Mannschaft, aber jeder für sich - wie echt kann das sein? Es ist schon faszinierend, wie sehr ein Mannschaftsgeist anspornen kann, auch wenn die Personen, die ihn tragen, nicht direkt ins Geschehen eingreifen können. Das bestätigen nicht nur Hobbyspieler wie ich, sondern auch Profis wie Alexander Waske. Und Doppel - ja, das ist eine Geschichte für sich (siehe hierzu auch instruktiv das Waske-Interview). Ein Doppel hat was von einer Ehe. Es sind zwar weniger Spieler in der Mannschaft, die Beziehung ist dafür aber um so enger. Selbst kleine Verwerfungen führen zu erheblichen Nachteilen. Es kommt viel mehr darauf an, wer zusammenspielt - welche Ranglistenplätze die Doppelspieler im Einzel haben, ist irrelevant. Zur Einordnung: Das deutsche Doppel, das heute seinen belgischen Kontrapart bezwang, rangiert in der Summe über 1000 Weltranglistenplätze, während die Belgier noch unter 200 liegen. Loblied der Zweierbeziehung? Auch, aber gerade, wenn man die Funktion des für Sportarten relativ ungewöhnlichen Mixed als Ehekiller betrachtet, sehr zwiespältig.
Ist Tennis also eine Mannschaftssportart? Gute Frage. Aus meiner Sicht ist es das, sogar eine sehr gute, denn die Beiträge des einzelnen Spielers zum Gesamtergebnis werden sehr deutlich. Auch dann, wenn er von der Gemeinschaft beflügelt wird, bleibt es sein Beitrag. Bis auf die Unwägbarkeit Doppel - was da zwischen den vier Spielern passiert, ist bis heute so komplex, dass ich allen Modellen misstraue, die mehr als vier individuelle Entscheider aufführen…
Verfasst von Rayson um 19:00 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, Steckenpferde der Autoren (Trackback)