Selbsterhöhung

Nabelbeschau ist nicht mein Ding. Aber hey, wir bloggen, und warum sollten wir nicht mal so tun, als sei das von Bedeutung.

Es gibt Blogs, die befassen sich selbstreferenziell den ganzen Tag lang mit Blogs. Das sind die wichtigen. Dann gibt es Blogs, die nur vom Alltag ihres Verfassers bzw. ihrer Verfasserin künden. Ist der Alltag interessant, reicht es auch zum Wichtigsein. Ist er das nicht oder bereits von einem Vorgänger bloggend festgehalten, dürfte die Reichweite überschaubar bleiben. That’s Showbusiness, müsste man hier sagen. Das Schnelle und Originelle ist gefragter als das Tiefgründige und Reflektierende. Und was schnell und originell ist, bekommt man ab einem bestimmten Punkt der Massenmediasierung gesagt und muss sich selbst nicht mehr darum kümmern. So weit so, so trivial.

Der gemeinsame Feind, die “alten Medien”, taugt auch nur als solcher, ist er doch selbst vielleicht mehr im Wandel begriffen als mancher Blogger das für sich akzeptieren könnte. Und die Aufregung über Blogwerbung ist nichts weiter als der Wunsch nach einem Blogger-Zölibat. Es bedarf keiner großen Fantasie, diesem ohne eine mächtige Überwachungsorganisation, wie die römische Kirche heute eine noch ist, eine sehr übersichtliche Zukunft vorherzusagen.

Mir ist das alles kürbisegal. Wer werben will, soll werben. Wer Nabelbeschau großartig findet, soll sie weiter betreiben. Und wer Kirchenregeln aufstellt, soll weiter aufstellen. Was tatsächlich in dem Zoo da draußen passieren wird, weiß kein Mensch. Und es geht auch keinen an.

Und wer den Anlass für diese unreifen Gedanken sucht, findet ihn bei faz.net.

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8 Kommentare zu “Selbsterhöhung”

  1. 18.04.2007 | 1:18

    Schön, was die FAZ da gesagt hat. Auch, wenn mancher “A-Blogger” jetzt vielleicht wütend werden würde (würde er so tief hinabsteigen, uns zu lesen): Vielleicht wird der ganze Hype schon bald in sich zusammenbrechen. Und nach der Erfahrung der New Economy denke ich, dass dann die gelesen werden, die den Hype nie mitgemacht haben, aber trotzdem fleißig weitergearbeitet (oder heute: geschrieben) haben. Das müssen nicht wir sein. Vermutlich sind wir es auch gar nicht. Aber die sind es bestimmt nicht mehr. :)

  2. R.A.
    18.04.2007 | 11:00

    Hmm, interessant.

    Wenn ich der FAZ glauben darf, haben “führende” Blogger also alle ein MacBook, das ist natürlich sehr positiv.

    Ansonsten muß ich feststellen, daß ich keinen der “A-Blogger” kenne. Und wenigstens mal draufschauen sollte ich bei Gelegenheit, damit ich eine ungefähre Vorstellung habe, was außerhalb des liberalen Bloggerdorfs so abgeht.

    Sowohl die A-Blogger wie der FAZ-Autor scheinen aber wenig Ahnung von Werbung zu haben.
    Der ist es völlig egal, ob ein Medium Feindbilder hat oder ob es nur Nabelschau betreibt - entscheidend ist immer nur die Zahl (und Qualität) der Leser.

    Und wenn die FAZ sich in Sicherheit wiegt, weil die aktuellen Schwächen diverser Blogger den “Holzmedien” dauerhaft ihren Marktanteil sichern könnten, ohne daß diese ihre eklatanten Qualitätsmängel abstellen müßten - dann irrt sie wohl-

  3. 18.04.2007 | 11:13

    Mich haben diese sogenannten A-Blogger noch nie interessiert. Manche schreiben zwar ziemlich gut, aber gegen die oft zu findende arrogante Szenenattitüde und die häufig betriebene thematische Selbstbefriedigung bin ich allergisch.

    Aber vielleicht sollten wir auch froh sein, dass die Masse der Leser dort hängenbleibt und wir eine kleine, aber vielleicht feinere Runde an Blog-Autoren und Kommentatoren sind.

  4. R.A.
    18.04.2007 | 11:28

    Gibt es eigentlich irgendwo eine “offizielle Linkliste” der “A-Blogger”?
    Die im Artikel genannten Namen sagen mir nichts.

  5. 18.04.2007 | 11:36

    Ich schätze mal, dass die sich (eben Szene-mäßig) vor allem selbst verlinken. Also würde ich vermuten, dass es reicht, die Blogroll bei diesem Spreeblick-Blog zu lesen und mit der bei Don Alfonso zu vergleichen.

  6. 18.04.2007 | 11:47

    Wie ich feststellen musste, wird man mit einem MacBook noch nicht automatisch zum A-Blogger, aber ich habe es auch noch nicht so lange ;-)

    Aber als Service für Dich und andere Leser: Thomas Knüwer (Handelsblatt); Stefan Niggemeier (schreibt u.a. für BILD-Blog und F.A.S); Mario Sixtus (freier EDV- und Medienjournalist); Jörg Kantel (Schockwellenreiter) und Don Dahlmann (freier Journalist, bloggt auch für die WELT).

  7. 18.04.2007 | 11:50

    Bei diesem Service hier sollten wir längst AAA-Blogger sein…!

  8. R.A.
    18.04.2007 | 13:20

    Herzlichen Dank für die Links.
    Ganz interessante Lektüre dabei, sind ja auch alles Profi-Journalisten, und formulieren daher meist besser als der übliche Hobby-Blogger.
    Knüwers PR-Agentur-Stories gefallen mir besonders.

    Und eben weil es Journalisten sind, scheinen sie sich tatsächlich stärker am Medienbetrieb abzuarbeiten und haben ansonsten halt keine besondere Agenda.

    Scheint für mehr Leser (vermutlich ist Verbreitung das Kriterium für “A-Blogger-Status) attraktiv zu sein als Themenblogs.

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