17. April 2007
Tschulljung
Egal, wie man zu den Ereignissen selbst steht, aber dieses ständige Fordern nach Entschuldigungen nervt.
Dänemark soll sich für die Pressefreiheit entschuldigen, Oettinger für eine Rede, Beck für die Kritik von Oettingers Rede, der Papst für alles Mögliche, Deutschland für den Völkermord an den Hereros, aber auch für einen durchgeknallten Offiziersanwärter usw.
Nichts gegen Entschuldigungen an sich. Wenn jemand das Bedürfnis verspürt, sich für etwas, das er bereut, bei jemandem zu “entschuldigen” (obwohl man des selbst ja eigentlich nicht kann), den er mit seiner Handlung getroffen hat, dann ist das ein menschlicher, aller Ehren werter Akt. Aber Forderungen nach Entschuldigungen? Eine erzwungene Entschuldigung ist keine, sondern eher eine angeordnete Demütigung. Man macht das als Erziehungsberechtigter bei stockigen Kindern: “Nun sag ‘Entschuldigung’ zum Onkel!” Vollends absurd wird es, wenn diese Entschuldigungen rein symbolisch von persönlich Unbeteiligten eingefordert werden. Das geschieht mittlerweile so inflationär, dass der echte, persönliche Ausdruck des Bedauerns ebenfalls entwertet zu werden droht.
Ich schlage vor, dass Staaten und Politiker Websites einrichten, wo diejenigen, die solche Entschuldigungen fordern, nur noch Name und Grund einzugeben brauchen und sich dann ein entsprechendes Entschuldigungsdokument herunterladen können, gerne auch mehrsprachig. Das wäre ein unbürokratischer Akt, der uns manche künstliche Aufgeregtheit ersparte.
Es gibt da eine Anekdote (aus dem Gedächtnis erzählt und daher vielleicht fehlerhaft wiedergegeben):
Der bekannte Autor A. (oder Schauspieler oder Musiker) hatte einmal einen stadtbekannten Kritiker, nennen wir ihn K., mit deftigen Beleidigungen überschüttet. Die Sache kam vor Gericht, und A. wurde verurteilt, sich bei K. persönlich zu entschuldigen. Als der Tag gekommen war, lud K. alle Freunde und Bekannten sowie die gesamte Presse zu sich nach Hause, in freudiger Erwartung seines Triumphes.
Tatsächlich näherte A. sich K.s Haus und klingelte. K. machte auf und strahlte über beide Backen, doch dann entspann sich folgender Dialog:
A.:”Wohnt hier vielleicht Herr Maier?”
K.: “Nein.”
A.:”Oh, dann entschuldigen Sie bitte vielmals!”
Sprach’s, und zog mit einem Lächeln auf den Lippen von dannen, einen verdutzten K. zurücklassend.
Verfasst von Rayson um 13:58 Uhr in der Kategorie Politik, Rochus (Trackback)