Dreimal zahlen für Gestank, Lärm und Dreck

Gerade wird die Wiese neben unserem Grundstück in einen Maisacker umgewandelt. Eine Wiese, auf der seit Jahren hin und wieder mal Pferde gegrast haben, die ansonsten das Reich von Hasen, Vögeln und Rehen und natürlich schön anzusehen war.

Gestern wurde gespritzt, um das Grün wegzubekommen. Und bald schon werden sie mit ihren dreckigen, lauten Traktoren tonnenweise ihre Gülle draufkippen.

Als Landbewohner lernt man die Agrarsubventionen ganz besonders hassen. Bezahlt man doch dafür, dass die Landschaft um einen herum zerstört wird. (Egal übrigens, ob von Bio- oder konventionellen Bauern, letztere brauchen vermutlich eher noch weniger Fläche.)

PS: Natürlich ist dies eine rein subjektive Darstellung und ich weiß, dass das täglich Brot irgendwo produziert werden muss. Als Egoist überlege ich aber langsam, ob ich vielleicht doch Ware bevorzugen sollte, die nicht aus meiner unmittelbaren Nähe kommt. Und die ich nicht dreifach bezahle: Einmal mit Steuergeld, einmal mit zerstörter Landschaft um mich herum und einmal mit dem - ach, oh Jammer! So niedrigen! - Preis im Supermarkt.

Ähnliche Beiträge


18 Kommentare zu “Dreimal zahlen für Gestank, Lärm und Dreck”

  1. fp
    18.04.2007 | 11:16

    Denk positiv: Wenn es eine Bioanbaufläche wird und der Mais nicht gespritzt wird, dann kannst du im Sommer wenigstens ein paar frische Maiskolben auf den Grill legen. Lecker!

  2. 18.04.2007 | 11:26

    @fp

    Na ja, erstens habe ich schon ein Maisfeld auf der anderen Straßenseite. Und zweitens bauen die ja meistens nur den Futtermais an, der nicht schmeckt.

    Und drittens ist es für einen Liberalen, der das Recht auf Eigentum verteidigt, natürlich vollkommen ausgeschlossen, dass er einen Diebstahl begeht.
    Wobei - mir fällt ein, dass ich es ja als Steuerrückzahlung deklarieren könnte … ;-)

  3. Feynman
    18.04.2007 | 12:43

    Ein paar Maiskolben, Diebstahl? Zum Diebstahl braucht es immer noch einen Bestohlenen, soll heißen was der Bauer nicht weiß, macht ihn nicht heiß.
    Ich mach das jedes jahr, allerdings nicht nur ein paar Kolben, sondern mindestens 100kg (Futter für Hasen), allerdings erst nach dem Ernten der Felder, da bleibt nämlich einiges liegen, und mit der Erlaubnis des Besitzers.

  4. 18.04.2007 | 12:53

    Das ist ja dann kein Diebstahl.

  5. R.A.
    18.04.2007 | 13:24

    > Zum Diebstahl braucht
    > es immer noch einen
    > Bestohlenen
    Und das ist NICHT davon abhängig, ob der Bestohlene den Diebstahl bemerkt …

  6. 18.04.2007 | 14:00

    Niedriger Preis im Supermarkt? Bekanntlich zahlen wir wegen unserer tollen Agrarpolitik Lebensmittelpreise, die in den meisten Fällen über dem Weltmarktpreis liegen.

  7. 18.04.2007 | 14:03

    @SteffenH

    Ich wollte nur die Jammerei der Bauern konterkarieren.

  8. 18.04.2007 | 17:08

    Besonders pervers ist es allerdings, wenn die EU dafür bezahlt, dass _nichts_ angebaut wird.

  9. 18.04.2007 | 17:12

    @Daniel

    Nicht perverser als das Zahlen für den Anbau, finde ich.
    Es offenbart höchstens ein klein wenig mehr die Absurdität des Subventionstheaters.

  10. Amanda
    18.04.2007 | 21:52

    @SteffenH:Trotzdem geben wir Deutschen im Gegensatz zu anderen Europäern noch immer den kleinsten Teil unseres Einkommens für Lebensmittel aus.
    @Boche:Zur “Jammerei” der Bauern
    Der jetzige von den Molkereien gezahlte Milchpreis bringt die MILCHbauern an den Rand des Ruins,häufig werden gerade einmal die Erzeugungskosten gedeckt.Und das alles nur,weil alles schön billig sein muss.
    Und warum eine Bio Fläche mehr Platz braucht:Der Ausschuss an Unbrauchbarem ist höher.Warum?Weil keine giftigen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen,die Grundwasser und Gesundheit ruinieren.Als Nachbar einer solchen Fläche dürfte wenigstens das Zweitere von Interesse sein.

  11. 18.04.2007 | 22:06

    @Amanda

    Der jetzige von den Molkereien gezahlte Milchpreis bringt die MILCHbauern an den Rand des Ruins,häufig werden gerade einmal die Erzeugungskosten gedeckt.Und das alles nur,weil alles schön billig sein muss.

    Das klingt jetzt sicher hart und ganz böse neoliberal: Niemand wird gezwungen, Milchbauer zu sein. Ich kann mich doch nicht hinstellen, etwas produzieren, was den Leuten offenbar nicht viel wert ist und dann klagen, dass es so ist. Während die Leute mich mit ihren Steuern zusätzlich unterstützen müssen.

    Und warum eine Bio Fläche mehr Platz braucht:Der Ausschuss an Unbrauchbarem ist höher.Warum?Weil keine giftigen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen,…

    Wäre zu definieren, was “giftig” bedeutet. Denn Spritzmittel sind ja durchaus erlaubt, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.
    Außerdem wird eben trotzdem mehr Fläche verbraucht, mehr Landschaft zerstört. Auf sanfte Weise aber Ackerwüste ist Ackerwüste.

  12. 18.04.2007 | 22:07

    @Amanda

    Trotzdem geben wir Deutschen im Gegensatz zu anderen Europäern noch immer den kleinsten Teil unseres Einkommens für Lebensmittel aus.

    Was viel mehr mit der Höhe des Einkommens selbst und innerhalb der Gruppe der Staaten mit hohen Einkommen der speziellen deutschen Einzelhandelslandschaft zu tun hat, die sich trotz oder vielleicht wegen oligopolistischer Züge in einem so knallharten Wettbewerb sieht, dass auch ein Walmart da nur den Schwanz einziehen konnte.

    Der jetzige von den Molkereien gezahlte Milchpreis bringt die MILCHbauern an den Rand des Ruins,häufig werden gerade einmal die Erzeugungskosten gedeckt.Und das alles nur,weil alles schön billig sein muss.

    Das gilt für alle Produkte dieser Welt. Preise sind keine Einkommensbeschaffungsmaßnahmen, sondern Entgelte für realisierten Bedarf. Wer nicht verschwenden will, muss ertragen, dass weniger produktive Anbieter keine große Zukunft in ihrem aktuellen Markt haben.

    Und warum eine Bio Fläche mehr Platz braucht:Der Ausschuss an Unbrauchbarem ist höher.Warum?Weil keine giftigen Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden dürfen,die Grundwasser und Gesundheit ruinieren.Als Nachbar einer solchen Fläche dürfte wenigstens das Zweitere von Interesse sein.

    Kommt jetzt drauf an, welcher Effekt durchschlägt. Als Boche gegenüber grundsätzlich positiv eingestellter Mensch werfe ich dennoch zur Versachlichung mal das Wort “Coase-Theorem” in die Runde…

  13. 18.04.2007 | 22:09

    @Boche

    Wir sollten unsere Onlinezeiten besser abstimmen ;-) Ich bemühe mich ja schon, die fremden Blogs zu meiden, auf denen du schon diskutierst…

  14. 18.04.2007 | 22:21

    @Rayson

    Aber so erklären wir ein und denselben Sachverhalt doch jedes Mal in verschieden Worten. Ein Service, der uns eigentlich langsam mal zu A-Bloggern machen sollte, oder?

    PS: Danke für den Hinweis auf das Coase-Theorem! Ich habe das natürlich gleich gewikit und mal wieder etwas dazugelernt. Ich musste nur die ersten Absätze mit all den Allokationen, Transaktionen und Externalitäten wegscrollen, um dann bei den Beispielen verstehen zu können, was ihr Ökonomen eigentlich meint. ;-)

  15. 18.04.2007 | 22:30

    @Boche

    Irgendeinen Grund, der ein als Studium verkleidetes Klarstellen von Selbstverständlichkeiten rechtfertigen könnte, muss es schon geben ;-)

  16. 19.04.2007 | 8:55

    [...] Der Kollege Boche von den BLOGs hat Probleme mit einem neuen Maisacker in seiner Nachbarschaft. Mein Tipp an junge, dynamische und mobile Menschen: Einfach umziehen, zum Beispiel nach Pennsylvania, dort gibt es Ecken, da braucht der Ökomais weniger Fläche als der Konventionelle: [...]

  17. 19.04.2007 | 12:20

    @ Boche:

    Zum Coase-Theorem kann ich nur D.D.Friedmans “The World acording to Coase” empfehlen.

    @ Amanda:

    Das Handicap lässt sich die Biobranche gut bezahlen. Der Kunde ist nun einmal König. ;-)

  18. 19.04.2007 | 12:21

    @ rayson:

    Schön gesagt, schonungslos offen, aber du hast irgendwie recht…

Bad Behavior has blocked 1584 access attempts in the last 7 days.