Kritisches

Als Anhänger des Bedingungslosen Grundeinkommens bzw. Liberalen Bürgergeldes, habe ich mich wohl schon mehrfach zu erkennen gegeben. Allerdings entgehen mir auch kritische Artikel zu diesem Thema nicht; dass es große Risiken und Unwägbarkeiten gibt, darüber muss man sich schon im Klaren sein.

Einen dieser kritischen Artikel habe ich dank Curious Creatures in der ZEIT gefunden. Lesenswert und Informativ, besonders in den Hinweisen auf kleinere Reformen als das Bürgergeld, die ähnliche Gedankengänge verfolgen, aber auf bestimmte Zielgruppen zugeschnitten sind. Mir persönlich gefallen diese Reformen erst recht nicht, da sie jedes Mal Neid- und Verteilungsdiskussionen auslösen und den Politikern vor allem dazu dienen könnten, ihre Klientel zu beschenken.

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13 Kommentare zu “Kritisches”

  1. R.A.
    23.04.2007 | 10:38

    Manche Erkenntnis ist erstaunlich trivial - und muß trotzdem erst “wissenschaftlich” belegt werden, damit sie auch geglaubt wird.

    In der Tat, es gibt Leute, die arbeiten gehen, weil sie dafür Geld kriegen. Und die würden nicht mehr arbeiten, wenn sie das Geld auch ohne Arbeit kriegen.
    Diese Leute dürften deutlich die Mehrheit stellen.

    Ich frage mich schon, in welchen Parallel-Universen die Grundeinkommens-Fans eigentlich leben, daß sie solchen Leuten noch nie begegnet sind.

    Man kann für Grundeinkommen sein, wenn man nicht mehr an Vollbeschäftigung glaubt und dann die “überflüssigen” Menschen mit Geld ruhig stellen will.
    Aber man sollte wirklich nicht glauben, diese Leute würden dann die freie Zeit für “gesellschaftlich nützliches” Engagement aufbringen - das ist, mit Verlaub, naiv.

  2. 23.04.2007 | 10:45

    In Deinem letzten Absatz beschreibst Du - wenn auch nicht mit den Worten, die ich wählen würde - den wichtigsten Grund, warum ich für das Grundeinkommen bin: Ich glaube angesichts der zunehmenden Automatisierung (und der Knappheit anderer Ressourcen als Arbeit) kaum noch daran, dass es auf Dauer möglich sein wird, alle Menschen ins Erwerbsleben zu integrieren.

  3. 23.04.2007 | 11:51

    @Karsten

    Dann warten wir doch mit der Diskussion solcher Modelle besser, bis die Beschäftigung nicht mehr wächst…

  4. R.A.
    23.04.2007 | 12:33

    @Karsten:
    Ich sehe überall so viel, was gemacht werden müßte (und zwar durch Menschen, nicht durch Maschinen) - da wäre Vollbeschäftigung kein Problem. Arbeitslosigkeit ist m. E. eine Folge struktureller Defizite, verursacht durch politische Fehler.

    WENN es denn so wäre, daß Vollbeschäftigung wirklich unmöglich wäre - dann würde ich auch einen ganz anderen Schluß ziehen. DANN wäre die Gewerkschafts-Idee von der Arbeitsumverteilung sinnvoll. Lieber alle etwas weniger arbeiten, als daß ein Teil sehr viel arbeitet, davon heftig Steuern abdrückt, und ein anderer Teil dann per BGE entsorgt wird.

    Aber wie schon gesagt - Deine Argumentation kann ich nachvollziehen.

    Nicht nachvollziehbar dagegen ist die Hoffnung vieler BGE-Fans, der per BGE freigestellte Teil der Bevölkerung würde dann auf einmal alle möglichen künstlerischen oder sozialen Betätigungen nachgehen.
    Das wird nur für eine gebildete Minderheit der Fall sein.

    Die zitierte Studie widerlegt diese Erwartung, eigentlich würde dafür aber auch normale Lebenserfahrung ausreichen.

  5. 23.04.2007 | 13:33

    Ein BGE hätte noch einen weiteren, bitteren Aspekt: Wie sollten wir uns dann verhalten, was Einwanderung angeht? Sollen wir Le Pen spielen und uns quasi einmauern - oder, überspitzt gesagt, der halben Weltbevölkerung BGE zahlen?

    Schließlich gibt es mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht nur in D Leute, die nur des Geldes wegen arbeiten. Ein BGE bietendes Land wäre somit fast automatisch _extrem_ attraktiv als Einwanderungsland.

    Und mit “Sozialmissbrauch” hätte das überhaupt nichts zu tun: es ist nur menschlich dahin zu gehen, wo es was zu holen gibt.

    Ich würde auch gerne manchmal nur halbtags arbeiten, oder auch mal 3 Monate aussetzen, nur ist es finanziell (und natürlich auch vertraglich) einfach nicht drin.

  6. 23.04.2007 | 13:40

    @micha42

    Das Problem der Einwanderung in ein Sozialsystem hängt aber nicht von der Existenz eines Grundeinkommens ab. Auch die bestehenden sozialen Leistungen bieten Missbrauchsmöglichkeiten und Argumentationsgrundlage für die Le Pens dieser Welt. Oder sehe ich das falsch?

  7. 23.04.2007 | 13:55

    @Boche: Das siehst du völlig richtig. Und nein, ich habe keine Lösung für das bereits bestehende Problem, weil ich weder für totalen/weitgehenden Abbau von Sozialleistungen noch für die Frontex viel übrig hab.

    Aber ein BGE würde meiner Meinung nach das Problem nicht nur ein wenig verschärfen, sondern regelrecht explodieren lassen.

  8. 23.04.2007 | 13:57

    Mit Letzterem könntest du natürlich Recht haben.

  9. 23.04.2007 | 14:21

    Bin über den Zeit-Artikel auf das hier gestoßen:
    http://php.diezuender.de/gallery/gallery.php?gid=110&nr=0

    Da sagen ein paar Leute (alles eher Nicht-Repräsentative: Künstler und/oder überdurchschnittlich Qualifizierte), wie sie selbst sich verhalten würden bei einem BGE. Die meisten sagen dabei mehr oder weniger “Ich würde weiterarbeiten - ABER”. Diese Abers sind nicht uninteressant. Vor allem wenn man darüber nachdenkt, ob sie allgemein anwendbar wären, also auch von “Durchschnittsbürgern” und gering Qualifizierten.

  10. der_gute_don
    23.04.2007 | 14:45

    Ich sehe überall so viel, was gemacht werden müßte (und zwar durch Menschen, nicht durch Maschinen) - da wäre Vollbeschäftigung kein Problem. Arbeitslosigkeit ist m. E. eine Folge struktureller Defizite, verursacht durch politische Fehler.

    in diesem Punkt stimme ich mit RA 100% überein.

  11. R.A.
    23.04.2007 | 14:51

    Diese Leute sind in der Tat nicht repräsentativ.

    Aber so stellen sich viele BGE-Fans das vor: Menschen könnten sich unbeschwert von materiellen Zwängen künstlerlisch entfalten.

    Mal abgesehen davon, daß das nur wenige betrifft - man muß sich auch ehrlich klar machen, warum diese Leute so gerne BGE hätte: Weil ihre Kulturproduktion in der Regel nicht so attraktiv ist, daß andere Leute dafür mal ‘nen Euro locker machen würden.

    Es ist sehr die Frage, ob die Welt nun ein besserer Ort wäre, wenn es noch mehr ungelesene Lyrik, mehr schwach besuchte Kulturevents oder mehr CDs gäbe, die nur von den Freunden und Verwandten gehört werden.

    Die deutliche Mehrheit der “Nicht-Künstler” würde wohl eher dem Modell nahekommen, was einer dieser Galerie mit “im Gras liegen und nachdenken” beschreibt.

    Wobei das dann häufig vom Rasen ins Haus verlegt werden wird, mit der Glotze statt dem Nachdenken und Alkohol als Denkhilfe.

    Aber man wird wenige finden, die so etwas ehrlich zugeben und sich dann auf einer BGE-Seite zitieren lassen.

  12. R.A.
    23.04.2007 | 14:53

    @micha42:
    > Wie sollten wir uns
    > dann verhalten, was
    > Einwanderung angeht?
    Wie bisher auch, das sehe ich wie Boche.

    Das Hauptproblem würde dann ohnehin im Gegenteil die noch massiv steigende Auswanderung sein - derer, die den Spaß zahlen sollen.

  13. 23.04.2007 | 21:18

    [...] Ein immerhin möglicher Ausweg aus der machmal tödlichen Misere unseres “Sozialstaates” könnte das bedingungslose Grundeinkommen für alle Bürger sein - für das es mehrere Modelle gibt, von der bei den (Vorsicht, Hassreflex!) Neoliberalen bevorzugten “negativen Einkommenssteuer” bis zu “Bürgergeld”-Konzepten mit deutlich sozialistischem Einschlag. Spätestens seit der thüringische Ministerpräsident Althaus eines dieser Konzepte aufgriff, werden Überlegungen in diese Richtung auch in der “politischen Klasse” nicht mehr als Sozial-Science-Fiction abgetan, sondern sind ein “Thema” geworden. Leider sind sie damit auch in den unergründlichen Sümpfen der Parteipolitik bzw. in der “Unpolitik” angekommen. (Hinweis: Eine Diskussion über das Grundeinkommen gibt es hier auf diesem Blog Kritisches) [...]

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