25. April 2007
Angekratzte Oberfläche, dumm serviert
Der intellektuelle Ekel, mit dem wir vom B.L.O.G. die “Konfettikanone der Demokratie”, kurz SPON genannt, lesen, dürfte sich herumgesprochen haben.
Weil wir uns aber als eine der wichtigsten Instanzen der Medienkontrolle in Deutschland verstehen und der damit verbundenen Verantwortung gerecht werden möchten, gleichzeitig aber unsere Kräfte schonend einsetzen müssen, teilen wir uns die üble Arbeit des SPON-Lesens.
Heute bin ich dran.
Worum gehts? Um einen Amerikaner.
Das ist schon einmal gut. Denn der durchschnittliche SPON-Leser ist damit gleich auf das Schlimmste gefasst und könnte bestenfalls noch überrascht werden, wenn man ihm erzählte, dass Nobelpreisträger Grass herausgefunden hätte, dass Präsident Bush Bambi vergewaltigt und Flipper gegrillt hätte - an einem einzigen Abend.
Ein Amerikaner also. Wolfowitz heißt er, böse klingender Name. Ist in eine Affäre verwickelt, bei der es offiziell um den Vorwurf der Begünstigung seiner Freundin geht. Inoffiziell gibt es wohl andere Thesen, aber beide - offizielle wie inoffizielle - sollen hier nicht interessieren.
Denn es gibt einen neuen Vorwurf, aufgedeckt (bzw. total investigativ aus dem Ticker des Nachrichtendienstes ab- und ein wenig umgeschrieben) durch die SPONti-Helden aus Hamburg:
“Weltbank wollte Klimawandel totschweigen”
Angesichts dessen, dass uns Popmusik-Beauftragte fast täglich mit Klimawandelgesülze belästigen, ist die erste Reaktion - Entsetzen!
Die Weltbank muss ja mächtig sein, dass sie ein total hippes Thema wie den Klimawandel (an das Cheryl Crow sogar bei der Intimreinigung auf der Toilette denkt) totzuschweigen vermögen konnte. Oder sich das zuzutrauen scheint.
Genaueres Lesen offenbart, dass der SPONti, der für den Titel zuständig ist, mal wieder Abstimmungsprobleme mit dem Schreiber des Textes gehabt haben muss.
Denn Letzterer schreibt etwas anderes, nämlich dass ein Stellvertreter Wolfowitz’ versucht haben soll, den “Klimawandel” in einem Umweltbericht als “Klimarisiko” zu bezeichnen. Er soll die Prognosen der Klimaktologen gar als “eine Theorie” bezeichnet haben, “die nicht bewiesen sei”.
Pardauz! Als ob man das Eintreten eines mit weniger als 100% Wahrscheinlichkeit prognostizierten Ereignisses abwarten müsste, um von einem Beweis sprechen zu können!
Alles schön und gut, die Klimahysterie geht halt ihren Lauf. Und die offensichtlich kaum stichhaltigen Vorwürfe sind kaum der Rede wert, wenn man aus dem SPON-Text auf ihren Gehalt zu schließen versucht.
Aber dass da vielleicht einer der SPON-”Journalisten” mal auf die Idee kommt, dass die Vorwürfe eines Weltbank-Mitarbeiters gegen einen Stellvertreter des unter Beschuss stehenden Wolfowitz unter Umständen und sogar unabhängig von ihrem Inhalt auch aus bestimmten Gründen genau jetzt laut werden - das ist zu viel verlangt, oder?
Fragt da mal jemand nach, welche Interessen der “oberste Wissenschaftler* der Weltbank, Robert Watson” in dieser Affäre vertritt?
Nein. Das kann man vom Hamburger Boulevardblatt nicht verlangen.
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* Was ist eigentlich ein “oberster Wissenschaftler”? Ist das eine offizielle Jobbeschreibung? Oder geht das etwas genauer?
Und warum wird im Text Watson “Wissenschaftler Watson” genannt, während man den Beschuldigten nur mit dem Namen benennt? Soll da etwa etwas suggeriert werden?
Verfasst von Boche um 17:36 Uhr in der Kategorie Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)