Lektion

Wir müssen dem Aufsichtsrat von Siemens dankbar sein. Und zwar für einige Klarstellungen.

Die erste betrifft die Managerentgelte. Derselbe Mann, den man kürzlich wegen der angeblichen Konkurrenz um Topmanager nur noch mit einer 30%igen Entgelterhöhung glaubte halten zu können, ist von heute auf morgen plötzlich ersetzbar geworden.

Die zweite betrifft die Managerauswahl. Die angebliche internationale Konkurrenz findet nicht statt, es geht nur um persönliche Favoriten. Kleinfeld war von Pierers “Ziehsohn” und nach dessen Abgang plötzlich kein guter Manager mehr. Jetzt haben andere das Sagen. Vielleicht fragt irgendwann mal jemand den Schweizer Gastarbeiter bei der Deutschen Bank, was er unter Konkurrenz versteht, wenn er gleichzeitig meint, den besten Kandidaten bereits vor Abgang des Amtsinhabers gekannt zu haben.

Und die dritte die angebliche “Shareholder Value”-Ideologie: Die gab es vielleicht bei der Deutschen Börse. Oder jetzt bei ABN Amro. Nicht überall ist ihr Sinn abzusprechen. Aber was da bei Siemens passiert, das ist “Deutschland AG” reloaded. Inklusive Gewerkschaftsbeteiligung. Die Interessen der Aktionäre waren den Akteuren kürbisegal. Ich wünsche den Herren Cromme und Ackermann mit vollem Herzen einen Christopher Hohn an den Hals.

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10 Kommentare zu “Lektion”

  1. 25.04.2007 | 23:34

    Dazu freue ich mich schon auf den wohl neuen Aufsichtsrats-Vorsitzenden Herr Cromme. Aufsichtsrat-Vorsitz bei Thyssen-Krupp und nun Siemens, einfaches Aufsichtsrat-Mitglied bei BNP Paribas (große Bank, für alle nicht frankophilen), Allianz AG, Lufthansa, E.ON, E.ON Ruhrgas, Hochtief.

    Die Deutschland AG ist tot, lang lebe die Deutschland AG.

    Mal davon abgesehen frage ich mich immer, wie man es schafft bei 6-7 Weltkonzernen eine gewissenhafte Kontrolle durchzuführen, wenn man bei zwei davon auch noch der Hauptkontrolleur sein möchte.

  2. 26.04.2007 | 0:39

    Es wäre absolut falsch, Kleinfeld zum jetzigen Zeitpunkt abzulösen. Eine solche Entscheidung des Aufsichtsrats wäre absoluter Wahnsinn

    Wie wichtig kann ein Mann, selbst in einer entscheidenden Position, sein, um die Definition “absoluter Wahnsinn” bei seiner Entlassung zu rechtfertigen?

    (aus dem FAZ-Beitrag)

    Danke, Rayson. Da kam ich mir doch manchmal schon bekloppt vor, wenn ich angemerkt habe, dass Manager nicht so wichtig sein können, wie es die Herrschaften, die ebenfalls in dem System drin sind, gerne machen.

    Mal ehrlich: Die sind vermutlich hundertmal so wichtig wie ein Typ am Produktionsband, auch fünfmal so wichtig wie ein Mensch im mittleren Management… aber tausendmal so wichtig? Das hat doch eher mit Freundschaften und einem “Buddy-System” zu tun wie mit freiem Markt…

    Ich muss zugeben: Ich habe Herrn Kleinfeld nie gemocht. Aber dass ich ihn für überbezahlt hielt, hat nicht mit seiner Persönlichkeit zu tun (den Herrn von Pierer fand ich ja sogar sympathisch…), sondern vielmehr mit der Bezahlung seiner Berufsgenossen.

    Ich bin übrigens gerade sauer, weil ich ein Gespräch mit Leuten hatte, die nach 40 Jahren Arbeit nur eine Grundsicherung vor sich haben. Da bin ich manchmal emotional. Wenn mir andere Leute morgen einige kluge Anmerkungen voraus haben, bitte ich das zu verzeihen…. :)

  3. 26.04.2007 | 6:41

    Und wieder stellt sich heraus, was in der deutschen Wirtschaft das Wichtigste Kriterium zur Besetzung von Posten ist - vom Sachbearbeiter bis zum Vorstandsvorsitzenden: Vitamin B.

    Ist nichts mit Fähigkeiten, das braucht man nicht unbedingt.

  4. apex
    26.04.2007 | 7:32

    Man beachte aber auch, daß der Linde-CEO, den man ursprünglich haben wollte, abgesagt hat, weil er nur die Hälfte verdienen würde.

    Linde: 42.000 Mitarbeiter, ~10Mrd Umsatz
    Siemens: 480.000 Mitarbeiter, ~90 Mrd Umsatz

    Und was Managergehälter angeht - die Leute am Fließband waren meistens vorher da und sind es nachher auch noch. Und sicher kriegen viele Manager mehr, als sie verdienen. Aber es gibt auch die, die wirklich den Wert schaffen, der diese Gehälter rechtfertigt. Wenn ein Unternehmen nach einem Managementwechsel mehrere hundert Millionen Euro im Jahr mehr verdient, dann sind ein paar Millionen oder auch ein paar dutzend Millionen für den Vorstand durchaus zu rechtfertigen. Oder recherchier mal z.B. “Gordon Bethune” - hat so ein Mann das Geld verdient?

    apex

  5. 26.04.2007 | 10:21

    [...] Angestiftet von den Bissigen Liberalen. [...]

  6. R.A.
    26.04.2007 | 11:53

    Volle Zustimmung zu Raysons Beitrag.

    Da kann Cromme noch so sehr mit seinem Kodex rumfuchteln - er hat die Kontrolldefizite bei deutschen AGs ein weiteres Mal aufgezeigt bzw. dazu beigetragen.

  7. 26.04.2007 | 12:46

    @apex

    Es ging mir nicht darum, einen Streit um die Höhe von Managergehältern vom Zaun zu brechen. Jeder Manager verdient das, was der Anteilseigner ihm zahlt - ein Problem wird es erst, wenn sich zwischen Anteilseigner und Manager eine dritte Institution schiebt, deren Interessenlage eine ganz andere ist.

    Sicher soll ein Manager, wenn er erfolgreich ist, durch Prämien belohnt werden können. Aber nicht nur er. Wenn Bayern München die CL erreicht und dadurch wieder 30 Mio einnimmt, kriegt nicht nur Hitzfeld was davon, sondern auch die Spieler. Wahrscheinlich sogar mehr als der Trainer. Und wahrscheinlich auch nicht zu Unrecht.

    Diese dumme “Konkurrenz”-These will ich aber bei deutschen Managern nicht mehr hören.

  8. 26.04.2007 | 12:55

    Gleich noch mal ein aktueller Nachtrag zu den Manager-Gehältern.

    Dass Eigentümer Manager für Durchschnittsgewinne oder gar Verluste fürstlich belohnen, erscheint mir unwahrscheinlich. Da regiert alles Mögliche, aber kein Shareholder Value.

  9. R.A.
    26.04.2007 | 13:06

    Das Problem ist, daß Polit-Bürokraten wie Trichet das Thema von der falschen Seite angehen.

    Ob irgendeine Entlohnung vom breiten Publikum “verstanden” wird, ist eigentlich egal.

    Und wenn Eigentümer wirklich meinen, ein CEO hätte auch bei Verlusten fette Prämien verdient - völlig ihre Sache.

    Es geht hier letztlich NICHT um Verteilungsfragen, sondern um ganz klassische Veruntreuung: Die per Gesetz zuständigen Treuhänder/Kontrolleure schieben das Eigentum der Aktionäre irgendwelchen Kumpels zu.

  10. 26.04.2007 | 13:10

    Und wenn Eigentümer wirklich meinen, ein CEO hätte auch bei Verlusten fette Prämien verdient - völlig ihre Sache.

    Ja. Aber ein solches Verhalten wird wohl die Ausnahme sein. Eher deutet es darauf hin, dass die Handelnden eben nicht im Interesse der Eigentümer entscheiden.

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