Bundesregierung: Gammelfleisch nicht zu billig verkaufen!

Die Bundesregierung sorgt dafür, dass die Lebensmittelpreise steigen. Der Grund (wie ich ihn zumindest verstanden habe): Gammelfleisch wurde bisher zu billig verkauft, kleine Läden konnten da nicht mithalten.

Wenn dem Armen hinterher noch weniger in der Tasche bleibt, ist aber dann natürlich der Kapitalismus schuld.

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PS: Übrigens wäre das ein gutes Thema, bei dem sich Liberale als eigentliche Interessensvertreter der Wenigverdiener profilieren könnten.

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22 Kommentare zu “Bundesregierung: Gammelfleisch nicht zu billig verkaufen!”

  1. 26.04.2007 | 14:47

    Prima, dann kann ich also als zum Himmel stinkend kostenbewusste Großgammelfleischerei mein äh… Fleisch mit noch mehr Gewinn verscherbeln, weil billig ja sonst zu sehr auffällt.

  2. 26.04.2007 | 16:00

    Übrigens wäre das auch ein gutes Thema, bei dem man über den Umfang der Fleischproduktion und des Fleischkonsums nachdenken könnte …

    Ich habe »Umfang« betont, weil ich weder mir selbst noch jemandem anders den leckeren Genuss von Fisch, Geflügel oder Rindfleisch wegnehmen möchte. Ich frage mich aber nicht erst seit der diesjährigen Fastenzeit, ob uns nicht etwas Selbstbeschränkung gut täte [ich habe da längst meine Entscheidung getroffen, aber das spielt für den Rest des Kommentars keine Rolle].

    Das Gammelfleisch ist doch letzten Endes die Folge einer Massenproduktion, deren Produkte überhaupt nicht mehr respektiert und in großen Mengen weggeworfen werden. Das Gammelfleisch ist auch die Folge der Entfremdung vieler Menschen von der Zubereitung des Essens und vom Genuss.

  3. 26.04.2007 | 16:07

    @stefanolix

    Du hast nicht ganz Unrecht.
    Allerdings ging es mir eher um die politische Dimension des Themas.

    Das mit der Freiheit, die der Staat uns zu lassen hat, verantwortungsbewusst umgegangen werden sollte - sicher.

  4. 26.04.2007 | 16:22

    Die Freiheit wird ja leider auch nicht geschätzt, sonst hätten wir doch sicher schon heftige Demonstrationen gegen deren Einschränkung erlebt … Und man sollte die politische Dimension nicht unterschätzen: das hat ja auch wichtige Auswirkungen auf Ökonomie und Ökologie (letzteren Begriff meine ich nicht im Sinne des SPD-Pop-Kaspers).

  5. 26.04.2007 | 16:33

    Dass die Freiheit offensichtlich nicht sehr geschätzt wird, ist sicher ein Problem. Aber dafür gibt es ja uns, die dies immer wieder in Erinnerung rufen. ;-)

    Dass Entscheidungen der Verbraucher große Auswirkungen haben können ist ja unbestritten.
    Aber warum “politische”? Wenn weniger Fleisch gegessen wird, hat das wirtschaftliche und ökologische Wirkungen, politische doch nur, wenn irgendein Pop-Beauftragter oder Bauern-Lobbyist wieder meint, da hineinregulieren zu müssen.

  6. R.A.
    26.04.2007 | 16:38

    @stefanolix:
    > Das Gammelfleisch ist
    > doch letzten Endes
    > die Folge einer
    > Massenproduktion …
    Das sehe ich überhaupt nicht.

    Gammelfleisch ist in erster Linie Folge von Unfähigkeit.
    Das normale Gewinnstreben sorgt üblicherweise dafür, daß Fleisch möglichst schnell an den Kunden kommt.

    Es ist einfach dumm, teuer eingekaufte Ware in einem teuren Kühlhaus viel zu lange zu lagern. Und es ist kriminell, sie dann noch zu verkaufen.

    Unfähige Geschäftsleute, die den Folgen ihres Versagens nur noch mit kriminellen Aktionen entkommen können, die gibt es auch in anderen Branchen und die gab es auch früher.

    Ich möchte sogar behaupten, die moderne Massenfleischproduktion hat das Risiko von “Gammelfleisch” deutlich gesenkt, weil eine stetige hohe Nachfrage da ist.

  7. der gute don
    26.04.2007 | 16:48

    Essen ist in vielen Gastronomiebetrieben eigentlich mehr Serviceleistung bzw. Kundenbindung mit wenig Rendite.
    Der Biergarten, der also Kunden mit günstigen Essen ziehen möchte um das über den Bierumsatz wieder reinzuholen hat ausgedient. Na danke Berlin!

  8. 26.04.2007 | 17:27

    @R.A.: Man könnte allerdings auch auf die Idee kommen, dass durch die Massenproduktion ein stetig hohes »Überangebot« entsteht.

    Damit wir uns nicht falsch verstehen: die neue Regelung, die Boche oben verlinkt hat, finde ich auch überflüssig. Denn sie wird natürlich wie fast jede Regelung dieser Koalition zu mehr Bürokratie führen. Sie wird den Aufwand bei Händlern, Gastwirten und Großhändlern erhöhen.

    Aber bei meinen eingangs geäußerten Gedanken zu einer gewissen Selbstbeschränkung beim Fleischkonsum bleibe ich trotzdem.

  9. 26.04.2007 | 17:37

    @stefanolix

    “Überangebot” gemessen woran? An der Nachfrage doch wohl kaum - ein “stetig hohes” wäre dann nur denkbar durch kollektive Verblödung der Anbieter. Oder eben dem EU-Agrarregime, was aber per se nichts mit Massenproduktion zu tun hat, denn die gäbe es auch ohne EU.

    Und was die Selbstbeschränkung angeht: Da kriege ich die gedankliche Verbindung zum Gammelfleisch einfach nicht hin…

  10. 26.04.2007 | 17:38

    P.S.: Wer meint, wir Deutschen äßen zu viel Fleisch, sollte mal ein paar Wochen in Argentinien verbringen. Da verdrücken die Steaks zum Frühstück…

  11. 26.04.2007 | 17:51

    @stefanolix:

    Hast Du “Grüne Woche”? ;)

  12. 26.04.2007 | 18:46

    Nein, ich habe keine Grüne Woche ;-)

    Im dünnbesiedelten Argentinien werden die Rinderherden AFAIK in der Pampa gehalten und das ist wohl relativ art- und umweltgerecht. Das Fleisch hat eine gute Qualität (soweit ich es gekostet habe). Im dichtbesiedelten Deutschland gibt es riesige umweltbelastende Schweinemastanlagen zur Erzeugung von Billigfleisch, das nicht gerade durch gute Qualität auffällt. So sehe ich einen gewissen Unterschied zwischen dem billigen Schnitzel vom Discounter und dem argentinischen Steak.

    Der Bezug zum Gammelfleisch? Es hätte nie eine Chance gehabt, wenn die Leute sich bewusster ernähren und das Motto “Geiz-ist-Geil” nicht ins Extrem treiben würden. Und auch wer bisher meint, auf das billige Fleisch angewiesen zu sein, könnte sich nach der Entscheidung für eine geringere Quantität eine bessere Qualität leisten. Damit würde Billig- und Gammelware langsam aus dem Markt gedrängt.

  13. Filio
    26.04.2007 | 19:13

    Ich kann ebenfalls nicht so recht erkennen, dass Gammelfleisch die Folge von Massenproduktion und Billigmentalität ist. Wie schon von R.A. angemerkt, ist es für einen Händler nicht sehr klug, das eben eingekaufte Fleisch zunächst vergammeln zu lassen und erst dann unter die Leute zu bringen. Märkte und Gewinnstreben sorgen tendenziell dafür, dass solcher Unsinn unterbleibt (indem nur soviel gekauft wird, wie auch realistischerweise abgesetzt werden kann).

    Allerdings gibt es auch Fälle, in denen es für den einzelnen Händler höchst rational ist, schlechtes Fleisch auf den Markt zu bringen. Ich beziehe mich etwa auf die stets entstehenden Schlachtabfälle. Außerdem wird es auch in der bestorganisiertesten Fleischproduktion manchmal nicht abgesetztes Fleisch geben. Beides müsste eigentlich teuer entsorgt werden, wenn man es nicht doch verkauft.

    Gammelfleischskandale sind aus meiner Sicht in erster Linie ein Regulierungsproblem. Wenn die Kontrollen wirklich adäquat und dicht genug wären und die Sanktionen abschreckend sind, dann wird der Anreiz für Gammelfleischverkäufer sehr gering. Das ist auch der Grund, warum die geplante Änderung des Wettbewerbsrechtes das Problem Gammelfleisch nicht beseitigen wird.

  14. 26.04.2007 | 20:25

    @Filio: Ich weiß nicht, wie oft Du einkaufen gehst. Da meine Frau und ich sehr engagiert berufstätig sind, müssen wir unseren Bedarf sehr gut planen und gehen beide im Wechsel einkaufen. Wir kaufen wenige Produkte beim Discounter, einige in einem etwas besseren Supermarkt, sehr gern auch auf dem guten Wochenmarkt oder in der Karstadt-Feinkost.

    Wenn ich beim Discounter z.B. Mineralwasser, Küchenpapier und Müllbeutel kaufe, werfe ich oft auch mal einen Blick in die Fleischtruhen. Und glaub’ mir, es gefällt mir nicht, was ich da sehe. Es kann auch in vielen Fällen nicht mehr verkauft werden (das merkt man gerade vor dem endgültigen Ladenschluss am Wochenende).

    Es muss — nach meiner Beobachtung — am Samstagabend sehr viel Fleisch geben, das sein »Verfallsdatum« erreicht hat. Ein Gammelfleisch-Skandal beginnt nun nach meinem Verständnis dort, wo dieses Fleisch eben nicht weggeworfen, sondern noch irgendwie verarbeitet oder verkauft wird. Und das kommt aufgrund der seltenen Kontrollen eben auch nur selten ans Licht.

    Aber ich habe heute in einem Gespräch mit einem Ingenieur von einem Versorgungsunternehmen gehört, dass man Biogasanlagen angeblich auch mit Schlachtabfällen, nicht verkauftem Fleisch und alter Wurst »füttern« kann. Prima. Wenn das stimmt, dann haben wir eine tolle Prozesskette: von der Massentierhaltung über den Massenschlachthof und die Massenproduktion in den Massenbillighandel — und alles was dort nicht verkauft wird, geht eben in die Biogas-Anlage.

    Nur, dafür müssten wir nicht massenweise Tiere töten. Ich will definitiv bei einer gemischten Ernährung mit Anteilen an Fleisch und Fisch bleiben. Ich finde argentinische Steaks, frischen Fisch und gutes französisches Geflügel wunderbar. Aber ich denke, diese Lebensmittel, die von Tieren stammen, sind dann auch mit einem gewissen Respekt zu betrachten.

  15. 26.04.2007 | 20:36

    @stefanolix

    Ich verstehe den Bezug zwischen dem Preis für Fleisch und dem Verkauf trotz abgelaufenem Verfallsdatum immer noch nicht.

    Hier wie dort ist jeder Händler gut beraten, Fleisch nur soweit einzukaufen, dass es innerhalb der Mindesthaltbarkeit wieder verkauft werden kann. Hier wie dort entsteht durch überschüssige Menge ein Verlust. Ein Verlust, der übrigens mit steigendem Preis höher wird, so dass, wenn hochwertiges Fleisch übrig bleibt, der Anreiz zum illegalen Weiterverkauf eher höher sein müsste.

  16. 26.04.2007 | 21:10

    Das wird eh’ alles dramatisiert. “Gammel” macht so einige Lebenmittel erst richtig lecker …

  17. Filio
    26.04.2007 | 21:29

    @stefanolix:
    Meine Ausführungen sollen nicht als prinzipielle Verteidigung der Massentierhaltung gelesen werden. Da möchte ich nicht missverstanden werden: Ich bin sehr überzeugt davon, dass wenn man Tiere für den Fleischkonsum tötet, man sie vorher vollkommen artgerecht halten muss und die daraus entstehenden Lebensmittel auch mit Respekt betrachten sollte. Im Übrigen kaufe ich nur sehr selten Fleisch.

    Mein eigentlicher Punkt war die direkte Verbindung zwischen Gammelfleisch und der Massentierhaltung bzw. Billigmentalität.
    Sehr billiges und unter für die Tiere schlechten Bedingungen hergestelltes Fleisch ist sicherlich deutlich minderwertiger als Qualitätsfleisch. Es ist aber dennoch im frischen Zustand kein Gammelfleisch.
    Dies wird es erst, wie Du ja auch schreibst, wenn das Verfallsdatum überschritten ist. Gleiches gilt aber auch für Qualitätsfleisch. Beides kann zu Gammelfleisch werden, wenn der jeweilige Händler seinen Einkauf falsch kalkuliert und auf der Ware sitzenbleibt. Und in beiden Fällen will er dann wahrscheinlich keine Verluste machen und etikettiert um, damit es doch noch verkauft werden kann. Ein anderer Punkt sind zu entsorgende Fleischabfälle - die verarbeitet man doch lieber zu verkaufsfähigen Produkten weiter. Dies wird ebenfalls für “Systeme” gelten, in denen nur Qualitätsfleisch konsumiert wird. Fleischabfälle fallen überall an.
    Ich sehe also den Unterschied nicht so ganz.

    In beiden “Systemen” kann das Gammelfleischrisiko wohl nur durch zusätzliche/optimierte Kontrollen und evtl. höhere Strafen verringert werden. Dies ist aber natürlich deutlich teurer als die geplante und m.E. wirkungslose Gesetzesänderung.

    @Marc:
    Tatsächlich… “Frisches Fleisch ist (…) ist nun mal minderwertig.”

  18. 27.04.2007 | 7:44

    Mir hat vor ein paar Jahren ein schottischer Bekannter erzählt, dass man in Schottland die erlegten Fasane angeblich eingegraben hätte und nach ein paar Tagen (oder waren es Wochen?) wieder ausgegraben hätte, weil bis dahin die Würmer das ungenießbare Fleisch abgefressen hätten.

    Ich habe das bis heute nicht geglaubt, weil es ja schlichtweg widerlich wäre.
    Dann bin ich allerdings heute dem Link von Marc gefolgt und da stand dann etwas davon, dass die Indianer wohl ganze Büffel vergraben hätten, um das Fleisch zart zu machen. Vielleicht war ja doch etwas an der Geschichte drann?

  19. der_gute_don
    27.04.2007 | 7:50

    warum graved Lachs wohl so heißt wie er heißt …?

  20. 27.04.2007 | 8:31

    Bitte nicht. Oh bitte, bitte nicht. Lass das nicht wahr sein.

  21. 27.04.2007 | 9:16

    Ich hab gehört, dass in Grönland kleine Vögel zu Tausenden gerupft und deren Kadaver in leere Robbenfelle gestopft werden. Die derart prall gefüllten Säcke werden dann fest verschlossen und den Sommer über aufgehängt. Im Winter hat man dann einen nahrhaften, eiweißreichen Brei, der mit Genuss verspeist wird.

  22. R.A.
    27.04.2007 | 10:29

    Wenn stefanolix weniger Fleisch essen will, ist das natürlich eine völlig legitime persönliche Entscheidung.
    Genau wie die Entscheidung, welches Fleisch man essen möchte.

    Ich persönlich bin bereit, mehr Geld zu bezahlen, wenn ich auch einen qualitativen Unterschied feststellen (d.h. hier vor allem: schmecken) kann.
    Für eine Bio-Aufkleber alleine gebe ich keinen Cent aus.

    Wir reden hier aber nicht über Geschmacksfragen, sondern über gesetzliche Schikanen.
    Und die sollen “Gammelfleisch” verhindern.

    Nun ist das “Gammelfleisch” im Sinne jahrelang im Kühlhaus vergessenen Großpackungen eine verglichen mit dem Gesamtumsatz völlig vernachlässigbare Ausnahme. Und wird von der Maßnahme überhaupt nicht erfasst werden.

    Zweitens haben wir die Frage von abgepackter Ware, die vielleicht noch nach Fristablauf im Supermarkt liegt.
    Das dürfte häufiger vorkommen - ist aber kein echtes Problem.
    Auch ohne auf Marcs Gammel-Beispiele einzugehen: Die modernen Fristsetzungen bei Lebensmitteln sind extrem vorsichtig bemessen, eine geringfügige Überschreitung ist nur ein marginales Problem (und unsere Vorfahren haben in Zeiten vor der Massenproduktion noch ganz andere Sachen gegessen).

    Vor allem aber: Für diese Frage ist die neue Maßnahme völlig kontraproduktiv.
    Denn hier hilft es, die Ware kurz vor Fristablauf mit deutlichem Rabatt zu verkaufen - dann wird selbst das marginale Problem vermieden.
    Und genau diese Maßnahme wird nun gesetzlich verboten.

    Dümmer kann Politik eigentlich nicht laufen.

    Und allgemein zu beiden “Gammel”-Problemen: Die lassen sich nur über normale Kontrollen, nie über Preispolitik lösen.
    Großer Umsatz und niedrige Preise sorgen dafür, daß solche Probleme seltener vorkommen - und kriminelles Handeln nicht so lukrativ ist.

    Wenn nun alle den Fleichkonsum deutlich reduzieren würden, mag das andere Vorteile haben.
    Aber es würde das “Gammel”-Problem deutlich verschärfen!
    Dann würden häufiger wegen des niedrigen Absatzes Reste bleiben, und die zu “recyceln” wäre deutlich attraktiver.

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