6. Mai 2007
Drakonische Strafen für kapitalistische Sklavenhalter!
In einer sehr interessanten Diskussion hier bei B.L.O.G. wirbt der Jungsozialist Albrecht für seine Idee von einem demokratischen Sozialismus. Er schreibt über den sklavenhaltenden Kapitalismus mit einer Verve, als ob es kein morgen mehr gäbe. Ich stelle mir gerade lebhaft vor, wie Albrecht und seine Freunde die schmerbäuchigen Kapitalistenpuppen mit den schwarzen Zylindern und den dicken Zigarren hervorholen und sich in einer Voodoo-Zeremonie vorstellen, was man mit diesen Puppen tun sollte:
Erst geköpft, dann gehangen,
Dann gespießt auf heiße Stangen;
Dann verbrannt,
dann gebunden,
Und getaucht;
zuletzt geschunden.
singt das Kommunikationstalent Osmin in der »Entführung aus dem Serail«. Und sein ebenso talentierter Kollege Monostatos aus der »Zauberflöte« fügt hinzu:
Ha, hab ich euch noch erwischt!
Nur herbei mit Stahl und Eisen;
Wart, man wird euch Mores weisen, Mores weisen!
Osmin weiß als alter Verschwörungstheoretiker auch ganz genau, dass sich der Gegner feige und hinterhältig maskiert:
Doch mich trügt kein solch Gesicht!
Eure Tücken, eure Ränke,
Eure Finten, eure Schwänke,
Sind mir ganz bekannt,
Sind mir ganz bekannt.Mich zu hintergehen,
Müßt ihr früh aufstehen,
Ich hab auch Verstand!
Ich hab auch Verstand!
In der Tat maskiert sich der gemeine Kapitalist heute auch als angestellter direkter Anteilseigner, als arbeitender Besitzer von Fondsanteilen oder als pensionierter Amerikaner. Wahrscheinlich denken Albrecht und seine Junggenossen, dass man damit Schluss machen sollte: nur der Staat darf in der idealen sozialistischen Gesellschaft zuteilen, was der Einzelne verbrauchen darf. Am besten mit Lebensmittelkarten, dann regelt sich endlich auch die Frage, wer zu viel oder zu wenig isst.
In den beiden Opern geht es ja unter anderem auch darum, dass Osmin und Monostatos jeweils eine Frau in ihre Gewalt bringen möchten. Osmins Verstand reicht bekanntlich nicht so weit, dass er um Zustimmung werben würde: nein, er will sie erzwingen. Und mit dem Monostatos geht’s in der Zauberflöte auch nicht viel anders.
Albrecht — wenn Du das lesen solltest: Wäre nicht darüber nachzudenken, ob die Gleichmachung aller Menschen — ebenso wie die versuchte Versklavung der beiden Frauen in Mozarts Opern — einfach nur durch Zwang und Gewalt umgesetzt werden kann? Wirb um Gleichgesinnte und schließe Dich mit ihnen probeweise zu einer gleichgemachten Gemeinschaft zusammen. Ich möchte mit Dir heute schon wetten, dass es nicht funktionieren wird. Aber Du solltest die Erfahrung selbst einmal gemacht haben …
Verfasst von stefanolix um 11:53 Uhr in der Kategorie Humor und Satire, Kultur (Trackback)