Deutsches Staatsdefizit: Ein Überschriftenvergleich und ein Wutschnauben

Bei SpOn hat eine Überschrift meinen Blutdruck kurzzeitig in die Höhe schnellen lassen - und zwar ausnahmsweise nicht, weil sie inhaltlich falsch ist, sondern wegen ebendieses Inhalts:

Neuverschuldung sinkt auf 0,6 Prozent

Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: So ein Konjunktur-Hoch gab es seit Jahren nicht mehr, und es wird auch höchstens ein, zwei Jahre anhalten. Und selbst jetzt schafft es der Staat nicht, ohne neue Schulden auszukommen? Wann, wenn nicht jetzt, zum Donnerdrummel?
Aber die Schlagzeile der WELT online hat mich dann beruhigt:

Deutschland bald ohne neue Schulden

Die Meldung unter dieser Schlagzeile ist im wesentlichen identisch mit der SpOn-Meldung. In ihr werden noch nichtmal Indizien dafür genannt, dass die WELT online-Schlagzeile zutreffen könnte.
Also geht diesmal die goldene Zitrone für die dumme Überschrift nicht an den SpOn.

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4 Kommentare zu “Deutsches Staatsdefizit: Ein Überschriftenvergleich und ein Wutschnauben”

  1. 7.05.2007 | 20:36

    Die SPON-Schlagzeile ist deshalb falsch gewählt, weil die Bezugsgröße fehlt: Die Neuverschuldung sinkt auf 0.6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die WELT-Schlagzeile legt nahe, dass die Redakteure nicht wissen, wie man 0.6 Prozent des BIP in Euro ausdrückt …

  2. 8.05.2007 | 17:49

    Eine “Bill Clinton” Einstellung fehlt Frau Merkel leider noch. Aber beruhigend ist doch, dass SPDler Steinbrück sich sehr tapfer und wirkungsvoll in der Verteidigung seiner Mehreinnahmen übt.

  3. riccardo
    8.05.2007 | 23:08

    @ Marian

    Selbst jetzt schafft es der Staat nicht, ohne neue Schulden auszukommen

    J.M. Keynes Theorie des Deficit Spending, ein weiteres Mal ad absurdum geführt. Wie konnte er nur diesen Denkfehler begehen. Zu glauben, daß ein Politiker das Geld nicht lieber ausgibt, als alte Schulden zu bezahlen. Dabei war er nichtmal ein Elfenbeinturmbewohner.

  4. AM
    10.05.2007 | 17:01

    Natürlich sinkt die Staatsverschuldung, wenn die Wirtschaft um z.B. 2.7% wächst und die Neuverschuldung 0.6% beträgt. Die Staatsverschuldung relativ zum BIP sinkt dann um ca. 2%.

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