Zum Wahlergebnis im überflüssigen Zwergstaat

Im überflüssigen Zwergstaat Bremen (mit Bremerhaven) hat sich heute jeder zweite Wahlberechtigte zur Wahl geschleppt. Und das Ergebnis ist eine ziemliche Katastrophe, insbesondere für die SPD. Das interessiert Euch wahrscheinlich nur maximal peripher, aber ich armer Neoliberaler werde es jetzt noch stärker erleben müssen, wie sinnvolle Diskussionen durch Gefasel von der “strategischen linken Mehrheit” verstopft werden. Witzigerweise hat ja ausgerechnet heute Kurt Beck schon wieder über ein sozialliberales Bündnis auf Bundesebene schwadroniert - um nur wenige Stunden später der Bremer SPD zum Wahlsieg zu gratulieren und zu behaupten, die SPD “habe ihre Ziele erreicht”. Ich habe schon vor geraumer Zeit meine Bundesabgeordnete gefragt, welche Drogen Beck und die anderen aus dem Bundesvorstand eigentlich nehmen.

Wie muss man drauf sein, um 37% als Wahlsieg zu feiern? Aber der CDU-Clown Pofalla wirft offenbar auch irgendwelche Pilze ein, bevor er Statements abgibt wie das, dass das Wahlergebnis gezeigt habe, dass die Bürger eine Fortsetzung der großen Koalition wollten. Nee, is’ klar: 60% Wahlbeteiligung und Verluste von ungefähr 9% für beide Koalitionsparteien, die zusammen noch nicht einmal auf 2/3 der abgegebenen Stimmen kommen - alles eindeutige Indizien, dass die Bürger von der GroKo begeistert sind.

Wie erwähnt, interessiert Euch das wahrscheinlich alles nicht so sehr. Aber andererseits muss die FDP ja auch mit irgendwem koalieren.

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61 Kommentare zu “Zum Wahlergebnis im überflüssigen Zwergstaat”

  1. googlehupf
    13.05.2007 | 19:19

    Überflüssig? Da kriegt man als gebürtiger Bremer ja fast einen Herzinfarkt wenn man sowas liest.

    Zur Wahl direkt: Die Große Koalition in Bremen ist schon wirklich eine Zumutung - was insbesondere an der Union liegt die in Bremen schwache Arbeit leistet. Die Verfilzung ist so weit fortgeschritten, dass ich jede andere Regierung (Linksparteibeteiligung ausgenommen) als bessere Alternative sehen würde.
    Dass es die Bremer Bürgerschaft sein würde in die die PDS als erstes im Westen einzieht ist allerdings auch nicht wirklich überraschend - sowenig wie das starke Ergebnis der Grünen.
    Bleibt zu hoffen, dass die FDP in Fraktionsstärke einzieht.

  2. 13.05.2007 | 19:22

    Aber andererseits muss die FDP ja auch mit irgendwem koalieren.

    Das interessiert mich auch nicht so sehr ;-)

  3. 13.05.2007 | 19:26

    Kein Staat ist überflüssig, und Größenvorteile beim Regieren werden gemeinhin überschätzt, zumindest in Zeiten, in denen man keine großen Armeen ausheben muß, um sich sicher zu fühlen.

    Ich kann bei solchen Gelegenheiten immer nicht anders als auf die beiden Appenzells hinzuweisen, oder auf Uri, Obwalden und Nidwalden — vergleichen mit diesen Kantonen ist Bremen ein Riesenland, und trotzdem machen die eine an deutschen Maßstäben gemessen höchstsolide Finanzpolitik. Wenn Bremen stinkt, dann liegt das nicht an seiner Größe, sondern an Jahrzehnten unsäglicher Finanzpolitik dort oben.

  4. 13.05.2007 | 19:34

    googlehupf,

    ich habe ja nicht geschrieben, dass Bremen als Stadt überflüssig ist ;-).

    Aber typisch: kaum sage ich mal was gegen Stadtstaaten, kommen gleich zwei Liberale und mosern. Pffft.

    statler,

    von allen Ländervergleichen finde ich die mit der Schweiz am unpassendsten. Die Schweiz ist eine Demokratie. Und Föderalismus haben die da auch. Punktuelle Gemeinsamkeiten mit dem großen Kanton sind doch wohl eher zufällig ;-).

  5. 13.05.2007 | 19:36

    @statler:

    Marian hat nicht gesagt, dass Bremen überflüssig ist, weil es ein Zwergstaat ist. Es ist ein Zwergstaat, und es kommt einem öfter einmal ziemlich überflüssig vor…

    Schön ist übrigens, wie Herr Pofalla überall bestreitet, dass es sich überhaupt um eine Landtagswahl gehandelt habe - es sei ja eigentlich nur eine Kommunalwahl gewesen…

  6. der gute don
    13.05.2007 | 22:01

    Viel schlimmer, die SED zieht erstmals in einen westdeutschen Landtag ein. Ein dickes Danke an die SPD, die die SED wieder salonfähig gemacht hat. Supi, weiter so!

  7. 13.05.2007 | 23:51

    Ja, ich habe den Verdacht, dass Beck und Genossen reichlich von dem gleichnamigen bremischen Bier genossen haben. Dafür standen sie aber noch ziemlich gerade ;)

    Ist das Land Bremen überflüssig? So, wie die Bundesrepublik Deutschland konstruiert ist: leider ja.
    “Unser” Föderalismusmodell funktioniert am besten mit in etwa wirtschaftlich gleich starken Bundesländern mit in etwa gleich großer Bevölkerung. In der stark basisdemokratischen Schweiz ist dan anders (schon ihre geringe Größe zwing die Kantönlis dazu, nicht ständig, a la z. B. Bayern, “Nation” zu spielen).
    Auch die USA kommen besser mit “ungleich starken” Staaten zurecht, denn die Regierungen der einzelnen Staaten haben sehr viel Macht in eigenen Angelegenheiten, aber praktisch keinen direkten Einfluß auf die Bundespolitik. Die Senatoren, die die einzelnen Staaten im der “zweiten Kammer” des Kongresses vertreten, werden unabhängig von der jeweiligen Staatregierung gewählt und nicht etwa von ihr entsandt, wie im Bundesrat.

    Also, entweder wir ändern unsere Verfassung etwa nach dem Vorbild der USA - oder wir sorgen für etwa “gleich starke” Bundesländer. Letzteres ist ist einfacher, weil die “Landesfürsten” nicht gern auf Macht verzichten.

  8. 14.05.2007 | 8:18

    Naja, nach zwölf Jahren großer Koalition mit einem CDU-Finanzsenator, der inzwischen per internationalem Haftbefehl gejagt wird (Nölle) und noch so mancherlei konservativen Schweinereien (Space Park, Klinikskandal, Musical-Pleite usw.) ist es klar, dass die Menschen zu mehr als 60 Prozent ‘linke’ Parteien gewählt haben (was immer das ist). ‘Neoliberal’ kannten sie ja nun lange genug. Die schweren Jungs, die immer von Privatisierung faseln, die saßen hier 12 Jahre lang auf allen Geldtöpfchen. Kam aber nichts bei rum …

  9. der gute don
    14.05.2007 | 8:24

    ‘Neoliberal’ kannten sie ja nun lange genug.

    keine Ahnung was die CDU-Etaisten mit ‘neoliberal’ zu tun haben sollten.

  10. 14.05.2007 | 10:16

    @don

    Es geht Chat doch nicht um Inhalte sondern um Etiketten.

  11. 14.05.2007 | 10:36

    Nun - die CDU in Bremen ist nun mal nicht ‘etatistisch’. Die wollten hier alles privatisieren, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Und sie haben - von der E-Wirtschaft über die Wohnungswirtschaft und Hafenwirtschaft bis hin zur Entsorgungswirtschaft - zu Zeiten des konzilianten Bürgermeisters Kuschel-Henning auch vieles erreicht, manches dagegen nur teilweise, immer aber waren sie auf Linie der reinen Lehre.

    Weil nämlich aus der FDP in Bremen notorisch nichts wird, sammeln sich alle aufstrebenden Neoliberalen seit Jahren bei den Swatten. Dass das der CDU das nicht bekommt, sieht man am Wahlergebnis, wo die CDU erwartungsgemäß immer mehr in Richtung eines klassischen FDP-Wahlergebnisses abdriftet, weil die Leute ja sehen, dass diese Liberalen offensichtlich nicht mit Geld umgehen können.

    Man muss aber schon Bremer sein, um diese Zusammenhänge zu kapieren …

  12. 14.05.2007 | 11:39

    Sollte die Bremer CDU tatsächlich die letzte Bastion der wirtschaftspolitischen Vernunft in der Union sein?
    Kann ein Bremer hier bestätigen, was unser antineoliberaler Gast da vermeldet?

  13. 14.05.2007 | 11:43

    Das mit der ‘wirtschaftspolitischen Vernunft’ in Zusammenhang mit ‘neoliberal’ - das nimmst du bitte zurück.

    ;-)

  14. 14.05.2007 | 11:52

    Die “wirtschaftspolitischen Vernunft” stand in dem einen Satz.
    Das “neoliberal” in dem anderen Satz, der dich betraf.

  15. R.A.
    14.05.2007 | 11:55

    Fakt ist doch, daß Bremen seit vielen Jahren das mit Abstand am schlechtesten regierte Bundesland ist.
    Es gibt wohl kein nennenswertes Ranking, bei dem es nicht ganz hinten steht.

    Und da durchgehend die SPD die führende Partei war, wird man die Schuld am Desaster wohl nicht komplett auf die CDU abladen können (obwohl die es wohl auch nicht besser gemacht hat).

    Anzuraten wäre hier ein Stop der Bundeszuschüsse und ein Ende der Bundeshaftung.
    D.h. wenn Bremen pleite geht, sollte der Bund nicht mehr die Garantie übernehmen.

    Dann gibt es halt mal einen ordentlichen Bankrott - und die völlig spinnerte linke Wählerschaft in Bremen muß auch mal die Folgen ihrer Entscheidungen tragen.

  16. 14.05.2007 | 11:58

    Hinsichtlich Bremen: Ja, Chat! Typisch für die “bremischen Pleiten” war und ist ein akuter Realitätsverlust, egal, ob sozialdemokratischer, konservativer oder wirtschaftsliberaler Fasson. Wunschdenken anstatt des viel beschworenen hanseatischen Pragmatismus. Wobei: diese Form des Wunschdenkens gibt es nicht nur in der “freien Hansestadt”, sondern auch in der “freien und Hansestadt”. Wenn ich mir zuerst die Finanzskandle der SPD-Regierungen ansehe, und anschließend die Privatisierungsorgien und die glitzernden “Leuchturmprojekte” unseres Spaßbürgermeisters Ole, dann läuft in Hamburg das zeitlich nacheinander ab, was in Bremen parallel läuft …

  17. googlehupf
    14.05.2007 | 12:14

    Die Bremer CDU ist vieles - aber nicht die letzte Bastion wirtschaftspolitischer Vernunft in Bremen.

    Das die Union irgendwie der “reinen neoliberalen Lehre” gefolgt sei kann ich persönlich auch nicht erkennen. Den Privatisierungsgesuchen (nicht automatisch liberal - handwerkliche schlechte Privatisierungen ersetzen meistens Mißstände durch andere Mißstände) stehen solche Dinge wie Space Park, Überseestadt, Technologiepark, Überschuldung, “Kanzlerbrief” entgegen.

    Wobei ich auch für die Bremer FDP nicht unbedingt meine Hand ins Feuer legen würde. Dass Parteipolitik von FDP und Union nicht immer gleich liberal sind weiß sowieso jeder der hier mal ab und an liest.

    Naja, ich denke mal es wird Rot-Grün geben da kann die Union noch so viel zetern. Und wie in meinem ersten Beitrag geschrieben - es ist mir sogar Recht.

  18. 14.05.2007 | 13:14

    Naja, Bremen hat immer noch die höchste ‘Reichendichte’ der Bundesrepublik, noch vor München oder Sylt. Und auch hohe Steuererträge, allerdings nur ‘je Arbeitsplatz’. Gezahlt werden Steuern aber am Wohnort, weswegen hier eine arme, obwohl von der Wertschöpfung her prosperierende Stadt in einem unverdient reichen Speckgürtel liegt. Das ist der Grund, weshalb ich GEGEN eine weitere Selbständigkeit Bremens bin. Weil Bremen nur dann seine Umlandgemeinden ‘fressen’ darf, wie das im Falle anderer Großstädte (Hannover, Frankfurt) längst zum Segen dieser Städte passiert ist.

  19. R.A.
    14.05.2007 | 14:17

    Jetzt kommt wieder das Märchen vom Speckgürtel.
    Das Lied singen im übrigen ALLE Städte, das hat nichts mit einem Sonderstatus von Bremen zu tun.

    Wenn eine Stadt aber ihren Bürgern keine vernünftigen Wohnangebote vor Ort macht, ziehen die natürlich ins Umland.

    Eine Abstimmung mit den Füßen, und übrig bleiben die Leute, die mehrheitlich von Staatsknete leben. Und dann rot wählen.

  20. der ziemlich gute don
    14.05.2007 | 14:23

    was spricht eigentlich außer “das war schon immer so” gegen eine Eingemeindung des Bundeslands Bremens in Niedersachsen?

  21. R.A.
    14.05.2007 | 14:54

    > was spricht
    > eigentlich … gegen
    > eine Eingemeindung
    Vielleicht das völlige Fehlen von irgendwelchen vernünftigen Argumenten?

  22. 14.05.2007 | 14:57

    So lange der deutsche Föderalismus nicht auf wirklich föderalen Grundlagen beruht, ist doch die Frage ob Eingemeindung oder Nicht-Eingemeindung ohne echten Belang, oder?

  23. 14.05.2007 | 15:06

    @R.A.

    Das kann es nicht sein.

    Für die aktuelle Gliederung der Bundesländer spricht mindestens ebensowenig wie für eine Neugliederung. Das Hauptargument für die Beibehaltung ist tatsächlich der berühmte Dreiklang:

    Da war schon immer so. Wo kämen wie denn da hin? Da könnte ja jeder kommen!

  24. 14.05.2007 | 15:07

    wie = wir

  25. R.A.
    14.05.2007 | 15:31

    @Rayson:
    Grundsätzlich gilt - wer eine Änderung will (die ja immer Aufwand bedeutet), muß gute Gründe dafür liefern.

    Diesen Begründungszwang kann man nicht mit “Spricht etwas gegen die Änderung” auf den Kopf stellen.

    Im konkreten Fall Bremen ist offensichtlich, daß diese Stadt eine komplett andere Struktur, andere Probleme und andere Gewohnheiten hat als das ländliche Umland.

    Das wäre wie eine Autofabrik und eine Metzgerei zu fusionieren, nur weil sie nebeneinander liegen.

  26. 14.05.2007 | 15:50

    Dann wird es ja Zeit, endlich das Ruhrgebiet zu einem eigenen Bundesland zu machen. Schließlich hat es ganz andere Probleme als das ländliche Sauerland. Und wenn ich an Nord- und Südhessen denke…

    Grundsätzlich gilt - wer eine Änderung will (die ja immer Aufwand bedeutet), muß gute Gründe dafür liefern.
    Diesen Begründungszwang kann man nicht mit “Spricht etwas gegen die Änderung” auf den Kopf stellen.

    Warum nicht? Das Ergebnis müsste in beiden Fällen dasselbe sein. Gedanklich ist dieser Schritt sogar zu empfehlen, um sich mal von der “normativen Kraft des Faktischen” etwas zu lösen.

    Aber wir hatten diese Diskussion schon mal. In der Regel argumentieren diejenigen, die nichts an der aktuellen Struktur ändern wollen, mit Idealzuständen, deren Umsetzung selbst umfangreiche Änderungen voraussetzten, so ganz wie der Volkswirt auf der einsamen Insel das Problem des fehlenden Dosenöffners löst: “Angenommen, wir hätten ein föderales System mit viel schärfer abgegrenten Verantwortlichkeiten…”

  27. der ziemlich gute don
    14.05.2007 | 16:17

    Grundsätzlich gilt - wer eine Änderung will (die ja immer Aufwand bedeutet), muß gute Gründe dafür liefern.

    Also auf dem ersten Blick erscheint mir das Bundesland Bremen mit 660.000 Einwohnern doch sehr klein um dafür extra die sehr teuren demokratischen Strukturen dort zu finanzieren. Auch erscheint mir das Stimmgewicht für so wenige Menschen im vergleich zu anderen Bundesländern als sehr hoch. Um mal 2 der Gründe zu nennen.

  28. der gute don
    14.05.2007 | 16:19

    hmm, suche Grammatikkurs … und Tastaturunterricht.

  29. R.A.
    14.05.2007 | 16:33

    @Rayson:
    > Dann wird es ja
    > Zeit, endlich das
    > Ruhrgebiet zu
    > einem eigenen
    > Bundesland zu
    > machen.
    Ganz im Ernst: Das hielte ich für eine gute Idee.

    NRW ist viel zu groß, um effizient als Land verwaltet zu werden, um das Ruhrgebiet wäre ein naheliegender Kandidat für eines der Nachfolgeländer.

    > Und wenn ich an
    > Nord- und Südhessen
    > denke…
    Ist es schon nicht mehr SO nahe liegend, weil der Strukturunterschied gar nicht so groß ist.

    > Gedanklich ist
    > dieser Schritt
    > sogar zu empfehlen,
    > um sich mal von
    > der “normativen
    > Kraft des
    > Faktischen” etwas
    > zu lösen.
    Da stimme ich zu.

    Auch wenn man die Bundesländer mal völlig frisch am grünen Tisch zuschneiden würde (in der Tat eine sinnvolle Vergleichsübung) wäre natürlich “das war schon immer so” ein Faktor (unter eben mehreren), denn das steht für historische Kontinuität und Identifikation.

    Aber andere Faktoren würden eben auch einfließen, und in vielen Punkten schwerer wiegen.

    > diejenigen, die
    > nichts an der
    > aktuellen Struktur
    > ändern wollen,
    Da fühle ich mich nicht angesprochen.

    Mir geht es nur diese Mode auf den Geist, bei jedem zweiten politischen Strukturproblem in Deutschland einfach mal ein paar Länder fusionieren zu wollen.

  30. googlehupf
    14.05.2007 | 16:35

    Ist richtig, der Speckgürtel kann nicht als einziges Argument angeführt werden - müssen andere auch mit umgehen. Besonders in der Koschnik-Zeit wurde anscheinend sehr viel falsch gemacht. 1970 hatte Bremen noch eine Schuldenstand der in etwa gleichauf mit dem der anderen Bundesländer war. 1985 mit Koschnicks Abtritt sah das doch schon erheblich anders aus.

    Ich bin gegen eine Fusionierung weil ich das bisschen Föderalismus was wir in Deutschland haben gerne weitergenutzt sehen würde und ich denke, dass die Probleme des Zweistädtestaates eher schlimmer als besser würden.

    Und Hannover als Hauptstadt für einen Bremer? Das geht natürlich gar nicht. ;)

  31. R.A.
    14.05.2007 | 16:42

    @diverser don:
    > erscheint mir das
    > Bundesland Bremen
    > mit 660.000
    > Einwohnern doch
    > sehr klein …
    Mir erscheint es groß - das ist eben eine beliebige Bauchgefühls- Perspektive.

    In anderen föderalen Staaten gibt es krassere Größenunterschiede - und es funktioniert.

    > um dafür extra
    > die sehr teuren
    > demokratischen
    > Strukturen dort
    > zu finanzieren.
    Die Kosten für den Bremer Magistrat etc. sind vernachlässigbar. Eine Verwaltung von Hannover aus würde bestimmt nicht billiger.

    Das Bremer Finanzdebakel kommt nicht daher, daß die demokratischen Strukturen zu viel kosten.
    Sondern daher, daß diese Strukturen so viele Sachen beschlossen haben, die Kosten verursachen.

  32. der gute don
    14.05.2007 | 17:19

    > Mir erscheint es groß - das ist eben eine beliebige Bauchgefühls-
    > Perspektive.

    klar, warum führen wir nicht 120 Bundesländer ein. Ich denke wir erhalten das Positive unserer förderalen Strukturen auch bei einer größeren Zusammenfassung.

    > In anderen föderalen Staaten gibt es krassere Größenunterschiede-
    > und es funktioniert.

    Mein Fahrrad hat auch funktioniert, trotzdem wollte ich irgendwann ein Auto.

    Es geht mir auch nicht darum Bremen als Bundesland auf Teufel komm raus zu verdammen, ich fragte nur nach Argumenten die gegen eine Auflösung sprechen. Und dem “das war schon immer so” füge ich jetzt ein “das geht anderswo doch auch so” hinzu.

  33. 14.05.2007 | 20:27

    Andersherum gefragt - würde Niedersachsen uns denn nehmen? Bei den Schulden?

  34. 14.05.2007 | 21:49

    Wenn es dafür Bundesratssitze zu gewinnen gäbe, ja. Sonst wohl nicht.

  35. 14.05.2007 | 22:21

    Okay, okay, okay. Ich sehe ein, dass ich den Titel dieses Eintrags ganz anders hätte formulieren müssen. “Überflüssig” ist nicht das richtige Wort. “Unangemessen” trifft es eher:

    Es ist unangemessen, dass Bremen drei Stimmen im Bundesrat hat. (zum Vergleich: NRW und Bayern haben gerade mal doppelt so viele - und Düsseldorf bei fast gleicher Einwohnerzahl keine einzige)

    Und es ist unangemessen, dass dieser Wahl in zwei Kleinstädten so eine bundespolitische Bedeutung beigemessen wird. Allein das Überfliegen der einschlägigen Schlagzeilen von heute übertrifft meine gestrigen Befürchtungen noch um einiges. Weil 23.000 Bürgerinnen und Bürger die Kommunisten gewählt haben, wird jetzt landauf, landab von Zeitenwende gefaselt und dass die PDS im Westen angekommen sei usw. Dieses Gerede ist einfach überflüssig.

    Ich gebe zu, dass in dem Titel auch die Hoffnung mitspielt, durch eine Länderneugliederung könnte man den bundesdeutschen Föderalismus retten. Das dem so sein könnte, halte ich schon seit längerem für unmöglich.

    Im übrigen wird selbstverständlich an einer Separation von Rheinländern und Westfalen kein Weg vorbei führen, wenn sich die Pöbeleien von Anhängern niederrheinischer Absteiger-Vereine gegen Sauerländer fortsetzen. Ich fürchte nur, dass wir vorher von einer Bürgerkriegsflüchtingswelle des badisch-schwäbischen Krieges überrollt werden…

  36. 14.05.2007 | 22:31

    “Ich fürchte nur, dass wir vorher von einer Bürgerkriegsflüchtingswelle des badisch-schwäbischen Krieges überrollt werden…”

    Nee, das dauert noch. Ich glaube, man hat die Badener hier ganz gut im Griff. (Man beachte jedoch, daß ich aus Angst auf den Ausdruck “Badenser” verzichtete.)

  37. 14.05.2007 | 22:51

    Ich fürchte nur, dass wir vorher von einer Bürgerkriegsflüchtingswelle des badisch-schwäbischen Krieges überrollt werden…

    Der durch eingeschleuste niedersächsische agents provocateurs angeheizt wird…

    Man beachte jedoch, daß ich aus Angst auf den Ausdruck “Badenser” verzichtete.

    Den ich wiederum skrupellos gebrauche, weil meine badische Liebste nichts Schlimmes daran finden kann.

  38. 14.05.2007 | 22:57

    Respekt! Sie frei von Provokationsanfälligkeit, Du frei von Angst.

  39. 14.05.2007 | 22:58

    Nur in dem Fall ;-)

  40. 14.05.2007 | 23:00

    Was? Angst oder Provokation?

  41. 14.05.2007 | 23:03

    Beides natürlich.

  42. 14.05.2007 | 23:36

    Vier Bundesländer wären genug: 1. Vattenfall, 2. e.on, 3. EnBW, 4. RWE

  43. 14.05.2007 | 23:40

    Genial! Daß ich da nicht drauf gekommen bin…

  44. 14.05.2007 | 23:43

    Oder zwei. Aldi Nord und Aldi Süd.

  45. 14.05.2007 | 23:45

    Marian, Du hast die BLOG-Ehre gerettet. Danke dafür.

  46. googlehupf
    15.05.2007 | 0:52

    Metro?

  47. 15.05.2007 | 0:56

    Nur für Gewerbetreibende.

  48. 15.05.2007 | 9:53
  49. 15.05.2007 | 11:47

    @Chat

    War diese merkwürdige Verlinkung so gewollt?

  50. 15.05.2007 | 13:02

    Ich habe den Chat-Atkins-Link jetzt wunschgemäß geändert, aber ich glaube, dass Boche mit “merkwürdige Verlinkung” etwas anderes als das so Korrigierte gemeint hat…

  51. 15.05.2007 | 13:12

    Beides. ;-)

  52. Wiki der Weise
    6.06.2007 | 21:28

    Ich möchte hier nur einmal ein paar Fakten feststellen.

    (1) Bremen in ein 2-Städte-Staatstaat, d.h. es wird eine Bürgerschaft gewählt. Die Bürgerschaft ist eine Zusammenfassung des kommunalen Staates (der beiden Städte Bremen und Bremerhaven) und der ein Landes. Es gibt KEIN extra Landesparlament - das gleiche Personal übernimmt 2 Aufgaben. Bremen muss man also grundsätzlich eher mit Hamburg oder Berlin verglichen werden.

    (2) Es gibt sehr viele erfolgreiche Städte (weil man Ihnen das Geld lässt) - die Stadtstaaten sind, z.B. New York oder Shanghai - Der Stadtstaat ist kein veraltetes Konzept - aber Stadte mussen halt auch wachsen können. New York konnte auch nur durch Eingemeidungen wachsen - der Status eines Stadtstaates durfte es aber behalten. Geht das auch in Deutschland ?

    (3) Bremen geht es seit den 70er Jahren so schlecht, weil die Flächenländer im Bundesrat die Mehrheit haben und beschlossen haben die Einkommenssteuer anders zu verteilen. Seit dem geht es den meisten Städten in Deutschland schlecht. (Hannover, Frankfurt, München usw. - alle sind pleite). Das System scheint falsch zu sein.

    (4) Profiteur ist das Land Niedersachsen - was mit oder ohne Bremen sowieso pleite ist. Hannover hat nicht gerade eine gute Einstellung zu Bremen. Die Autobahnausfahrten nach Bremen sind schlecht beschildert - die Fussball WM haben sie Bremen auch weggenommen. Von Niedersachsen kann Bremen nichts erwarten.

  53. 6.06.2007 | 23:10

    New York ist doch gar kein Stadtstaat.

  54. 6.06.2007 | 23:21

    @David:

    Und der Rest seiner Äußerungen ist auch… schräg (von der ersten mal abgesehen). Ob Wiki wirklich weise ist, darf bezweifelt werden.

  55. 6.06.2007 | 23:32

    Nun, bei (3) kann ich es schlecht beurteilen, erinnere mich aber noch gut an die Politik-Illustration mit den drei Pleitegeiern, die vor vielen Jahren mal irgendwo im Fernsehen kam. Der große Pleitegeier (Bund) hackt auf den mittleren Pleitegeier (Länder) und die wiederum auf den kleinen Pleitegeier (Kommunen). Ich bin mit der Materie nicht vertraut, aber schwer vorstellbar finde ich es zumindest nicht. Aber, naja: Ob die Hannoveraner wirklich so hart, herzlos und bösartig anit-Bremen sind, daß sie Autofahrern sogar verheimlichen wollen, wie man hinkommt und sich um WM-Spiele nur aus Mißgunst gegen die Bremer bewerben, das fragen wir vielleicht besser Rayson, der kennt sich da (vermute ich) am besten von uns aus.

  56. 7.06.2007 | 20:26

    Soweit ich weiß, ist den Hannoverschen Bremen eher egal. Niemand hätte in Hannover etwas dagegen, dass jemand, der da unbedingt hin will, das auch schafft. Und was die WM angeht, sollte man vielleicht besser einen gewissen Ex-Kanzler fragen.

  57. der gute don
    7.06.2007 | 22:24

    (2) Es gibt sehr viele erfolgreiche Städte (weil man Ihnen das Geld lässt) - die Stadtstaaten sind, z.B. New York oder Shanghai

    sachlich falsch. Habe mal ein paar Monate in New York City und Connecticut gearbeitet. New York City gehört zu New York State und ist kein Stadtstaat.

  58. 8.06.2007 | 5:04

    @Rayson: Sagt man “die Hannoverschen” um sie von den Pferden zu unterscheiden?

  59. 8.06.2007 | 9:55

    @David

    Man sagt schon immer “Hannoversche” und “hannoversch”. Zum Glück hatte der, der die Gäule benamste, keine Ahnung, so dass es da jetzt wenigstens einen Unterschied gibt, im Gegensatz zu Holsteinern oder Arabern z.B….

  60. 8.06.2007 | 16:36

    Wikipedia behauptet zumindest, “Hannoveraner” sei auch eine Bezeichnung für die Einwohner Hannovers. Ich hielt das bis jetzt auch für normal. Ist dann aber wohl höchstens marginal.

  61. 8.06.2007 | 18:10

    Was Wikipedia behauptet, zählt nicht. Allerdings dürfte mittlerweile auch ein Großteil der Einwohnerschaft von Hannover nicht mehr wissen, wie man sie richtig als solche bezeichnet.

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