In der Deutschschweiz purzeln die Buchpreise

Das seit Jahrzehnten in der deutschsprachigen Buchbranche kursierende Schreckensszenario frei kalkulierter Buchpreise ist seit Mittwoch vergangener Woche im Teilmarkt der Deutschschweiz Realität. Während die vermuteten Strukturveränderungen in der Verlagsszene und vor allem im Handel erst längerfristig erkennbar sein werden, hat sich die erste und naheliegende Prognose sinkender Preise bereits erfüllt…

Profilierung mit dem Rotstift, buchreport.express Nr. 19, 10. Mai 2007 (pdf)

Dazu nur zwei Anmerkungen:

1.) Nach meinen Beobachtungen ist die Preisbindung in Deutschland mittlerweile eine Farce, weil immer mehr Verlage dazu übergehen, gleich für das Moderne Antiquariat zu produzieren. Eigentlich könnten sie das “Mängelexemplar” gleich aufs Buch draufdrucken, statt es umständlich später drauf zu stempeln.

2.) Wie soll die Buchpreisbindung in Deutschland auch nur mittelfristig Bestand haben, wenn es sie in der Deutschschweiz nicht mehr gibt? Ich kann mir nicht vorstellen, wie das funktionieren soll.

Ähnliche Beiträge


22 Kommentare zu “In der Deutschschweiz purzeln die Buchpreise”

  1. R.A.
    14.05.2007 | 11:22

    Was, die Buchpreise sinken?
    Das wäre natürlich eine Katastrophe für den Bildungsstandort Deutschland.
    Am Ende fangen noch einige Leute mit Lesen an, die bisher brav vor dem Fernseher verblödeten, wollte sagen, die zwangsfinanzierte Grundversorgung genossen.

  2. R.A.
    14.05.2007 | 11:24

    > Wie soll die
    > Buchpreisbindung
    > in Deutschland auch
    > nur mittelfristig
    > Bestand haben, wenn
    > es sie in der
    > Deutschschweiz
    > nicht mehr gibt?
    Das hängt davon ab, ob Amazon Schweiz (und ähnliche Versender) nach Deutschland verkaufen dürfen.

    Ist ja keine EU, da ist mir die Rechtslage nicht klar.

  3. 14.05.2007 | 11:27

    Die F.A.Z. schrieb, wegen des generell höheren Preisniveaus in der Schweiz seien die Auswirkungen gering. Da wäre es doch mal interessant zu wissen, wie es bisher die viel kleinere Schweiz geschafft hat, der Flut von Büchern aus Deutschland entgegenzutreten. Lag es nur am “ß”?

  4. 14.05.2007 | 11:28

    Na ja, dass es die Buchpreise wären, die “bildungsferne” Mitmenschen vom Lesen abhielten, wage ich doch zu bezweifeln.
    Ein Grund oder eine Entschuldigung, als Staat in die Preisgestaltung einzugreifen, ist das natürlich trotzdem nicht.

  5. googlehupf
    14.05.2007 | 12:21

    War das Argument für die Buchpreisbindung nicht immer, dass die Verlage dann ihre unpopuläreren Bücher quersubventionieren könnten? Oder was ist die Motivation des Gesetzgebers?

  6. R.A.
    14.05.2007 | 12:32

    @Boche:
    > dass es die
    > Buchpreise wären,
    > die “bildungsferne”
    > Mitmenschen vom
    > Lesen abhielten,
    > wage ich doch zu
    > bezweifeln.
    Hätte ich doch den Satire-Tag setzen sollen?

    Da gewisse Dummschwafler in Berlin derzeit behaupten, man könne durch einige Cent Steuer die Leute zum gesunden Essen bringen, müßte die Umerziehung doch auch mit dem Thema Lesen möglich sein.

  7. 14.05.2007 | 12:58

    @R.A.

    Ah, ich beginne die Woche viel zu ernsthaft…
    ;-)

  8. 14.05.2007 | 15:44

    sinkende Buchpreise wären großartig! es liegt ja generell im Interesse der Autoren, dass ihre Bücher von so vielen Menschen wie möglich gelesen werden, und wenn mehr Menschen mehr Bücher lesen, kann das ja auch nur Vorteile für Kultur und Bildung haben, oder?

    …für Verleger und Händler würde es sicherlich zu Verwerfungen kommen, aber die überschätzen ihre Bedeutung sowieso bei weitem. letztendlich sind sie doch nur Dienstleister für die Schreibenden.

    @Boche
    zu deinem Kommentar sage ich nur: mein Bücherregal wäre dreimal so umfangreich, wenn ich es mir leisten könnte! Bücher sind verdammt teuer. …also erzähl mir nicht, dass die Preise keine Auswirkungen hätten.

  9. R.A.
    14.05.2007 | 15:46

    Wo ich gerade noch mal über dieser Frage nachdenke: Wie bindend ist die Buchpreisbindung eigentlich?
    Und wen bindet sie?

    Um das Amazon-Beispiel aufzugreifen:
    Dürfte ein Versender aus irgendeinem EU-Land ohne Buchpreisbindung deutsche Bücher nach Deutschland verkaufen?

  10. 14.05.2007 | 15:55

    @marc

    Bei mir besteht die Beschränkung des Bücherregals eher in der Zeitfrage. Aber das hat vermutlich damit zu tun, dass die Kosten nicht die ganz so entscheidende Rolle spielen. ;-)

  11. 14.05.2007 | 17:18

    Yes, für einmal gehen wir dem deutschen Sprachraum voraus.
    Na ja, wir werden sehen, was aus dem Buchmarkt Schweiz wird. Ich werde es hautnah erleben.
    Man könnte ganz einfach auch sagen: Ein Kartell mehr gefallen.

  12. 14.05.2007 | 21:47

    R.A.,

    Das hängt davon ab, ob Amazon Schweiz (und ähnliche Versender) nach Deutschland verkaufen dürfen.

    Hm. Nach der bisher in Deutschland geltenden Buchpreisbindung gilt diese nicht für Bücher aus Ländern, in denen es keine gibt. Das bedeutet, dass die Bücher aus Schweizer Verlagen nicht mehr preisgebunden sind.

    Aber ansonsten sind alle Verkäufer weiter an die Preisbindung deutscher Bücher gebunden. Ich halte das trotzdem für nicht praktikabel.

    Wie bindend ist die Buchpreisbindung eigentlich? Und wen bindet sie?

    Der Wikipedia-Eintrag über die Buchpreisbindung ist recht übersichtlich ;-).

    Kurz gesagt: Die BPB gilt für alle Verkäufer, die neue Bücher (und buchähnliche Produkte *g*) an Endabnehmer verkaufen und betrifft alle Bücher aus D und A (Ausnahmen: Subskription, Mängelexemplare, Räumungsverkauf). Das OLG Frankfurt hat laut Wikipedia zudem festgestellt, dass geschäftsmäßig bereits derjenige handelt, der Bücher in einem für Privatleute unüblichen Umfang verkauft.

    Also, so wie ich mir das gedacht habe, wird es also nicht gehen. Ein weiterer Anreitz für einen Schweiz-Besuch ist jedenfalls gegeben.

    Dürfte ein Versender aus irgendeinem EU-Land ohne Buchpreisbindung deutsche Bücher nach Deutschland verkaufen?

    Nö. Das Besondere ist halt, dass es jetzt ein deutschsprachiges Land ohne BPB gibt. Aber in D gilt die BPB für deutsche und österreichische Bücher weiter.

    Rayson,

    das habe ich auch in der FAZ gelesen. Aber bei den Bestsellern dürften die Rabatte immer noch über dem Preisgefälle liegen.

  13. 16.05.2007 | 1:12

    @Marian, ich unterstütze deine These, dass das deutsche Buchpreisbindungsgesetz von mehrere Seiten so unter Druck ist, dass es in nächster Zeti geändert, geschwächt oder wirklich eine Farce wird. Dafür spricht auch, dass der Börsenverein des dt. Buchhandels sehr viel Zeit, Geld und Manpower investiert hat, um den Fall der Buchpreisbingungsregelung (=Sammelrevers) in der Schweiz zu verhindern.

    Im Moment sieht es nicht danach aus, als würde die Schweiz das Billigbuchland, das Deutschland ja jahrelang für uns war. Allerdings macht der Fachbuchhandel sehr günstige Angebote und auch an der Harry-Potter-Front, sprich Bestseller, könnte es interessant werden, in der Schweiz zu kaufen - online problemlos möglich.

    Was sonst die Buchhandelsbranche in Deutschland betreffen könnte, ist, dass die Schweiz nun ihre Bibliothekskunden zurückholt, die wegen tieferer Preise (Euro-Franken) und weniger Steuer (keine MwSt. im Ausland) nach D abgewandert sind. Ein paar Milliönchen Umsatz sind das durchaus.

    Gut für uns. Die Agglomerations- und Landbuchhandlungen werden schliessen, dafür gibt’s hoffentlich wieder mehr Arbeit mit Grosskunden und im Fachbuchhandel.

    Was Buchproduktion und Quersubvention angeht, ist ein Urteil über die Folgen der Liberalisierung der Buchpreise erst möglich, wenn die Buchpreisbindung im ganzen deutschsprachigen Raum gefallen (oder eine Farce) ist.

  14. 16.05.2007 | 6:45

    Tanja,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Das mit dem “online problemlos möglich” habe ich zwar immer noch nicht verstanden, aber ich gebe nicht auf, es verstehen zu wollen…

  15. 16.05.2007 | 9:28

    Marian, du kannst deine Bücher bei books.ch oder buch.ch oder huberlang.ch oder wem auch immer bestellen.

    Welche Angebote (portofrei, Fakturierung in CHF, Abzug der MwSt.) diese Anbieter in nächster Zukunft promoten werden, kann ich noch nicht sagen, es ist ja erst 2 Wochen her.

    Aber ein Schweizer Anbieter darf seine Bücher zu seinem Preis anbieten und ein deutscher Endkunde kann Bücher kaufen, wo er will.

    Deshalb fürchtet Deutschland (zu Recht) schweizerische Reimporte. (Dass die ökologischer Schwachsinn sind, ist ja klar und dem Onlinekunden egal - warum das immer so ist ausser beim Gemüse, wo alle nach Region schreine, wäre auch mal einen Blogbeitrag wert).

    Es nützt nichts, wenn der deutsche Verlag einen Preis festsetzt und der deutsche Distributor und Retailer sicherstellen muss, dass der eingehalten wird und der Endkunde dann trotzdem zu einem anderen Preis (also in der Schweiz) kaufen kann.

  16. R.A.
    16.05.2007 | 10:46

    Ich verstehe die Rechtslage nicht.

    Wieso soll ein Versender aus einem BPB-freien EU-Land nicht ein deutsches Buch an einen deutschen Kunden liefern dürfen - aber ein Schweizer Versender dürfte das jetzt?

    Welche Sprache im Land des Versenders gesprochen wird ist doch völlig irrelevant, entscheidend ist offenbar, wo das Buch verlegt wurde.

  17. 16.05.2007 | 10:52

    R.A.,

    ich meinte, es verstanden zu haben. Mittlerweile verstehe ich es aber auch nicht mehr. Wenn ein Versand aus der Schweiz problemlos möglich ist - warum gibt es dann nicht schon längst den Umweg über andere (EU-)Länder?

    Es dürfte doch kein Problem sein, in Dänemark einen Versand aufzumachen, der mit deutschen Verlagen Rabatte von 70% aushandelt (was um über 20 Prozentpunkte über den üblichen Rabatten liegt) - und die dann den deutschen Kunden unter weitgehender Weitergabe des Rabatts anzubieten.

  18. 16.05.2007 | 12:15

    @R.A., Marian

    Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung. Und Google ist dein Freund. Da mir jetzt die Allgemeinplätze auszugehen drohen, dann eben doch mal ein Link (nicht sehr komfortables PDF-Dokument). Bereits Artikel 1 beantwortet wohl Marians Frage.

    @Tanja

    Dass die ökologischer Schwachsinn sind…

    Nur unter der Bedingung, dass jedes Buch in einem extra Sattelschlepper ausgeliefert wird.

    ausser beim Gemüse, wo alle nach Region schreine

    Buchinhalte verderben nicht so schnell (oder sind von Anfang an verdorben…).

  19. R.A.
    16.05.2007 | 13:09

    @Rayson:
    > Ein Blick ins
    > Gesetz
    > erleichtert die
    > Rechtsfindung.
    Nur begrenzt.

    Erstens ist nicht klar, wieso sich ein Online-Händler in einem anderen EU-Land um diese deutsche Gesetzesänderung kümmern müßte.

    Und zweitens gab und gibt es außer der Schweiz noch andere Länder, die nicht in der EU sind.

    Es bleibt unklar, warum es bisher keine billigen Versand-Import-Bücher gab, und die nun aus der Schweiz “drohen”.

  20. 16.05.2007 | 13:41

    Rayson,

    Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.

    Naja, wenn man schon ins Gesetz schaut, dann sollte es auch das richtige Gesetz sein. Ich kontere mit einem sehr komfortablen Link zu § 4 des Gesetzes zur Preisbindung von Büchern.

    Aus Abs. 1 des § 4 ergibt sich (im Umkehrschluss), dass die Preisbindung auch außerhalb der EU, also auch in der Schweiz gilt. Daran ändert auch das Ausscheiden der Schweiz aus der BPB nichts.

    Abs. 2 hingegen beantwortet meine Dänemark-Frage.

    Deshalb ist es zwar richtig, dass ich bei einem Schweizer Versandhandel problemlos ein deutsches Buch bestellen kann - aber der Schweizer Versender wird es nicht unter dem deutschen Preis abgeben dürfen, bzw. ein deutscher Verlag wird nicht an einem Schweizer Versender liefern dürfen, von dem er weiß, dass dieser sich nicht an die deutsche BPB hält. Wenn diese meine Meinung falsch sein sollte, dann wäre für mich § 4 sinnlos.

  21. 17.05.2007 | 10:52

    Marian, du hast recht, dass der deutsche Versender nicht an einen Schweizer Zwischenbuchhändler liefern dürfte, von dem er weiss, dass er an Buchhandlungen liefert, die eventuell einem deutschen Kunden liefern. Ich habe mal ausgerechnet, auf wie viele Stellenprozente man käme, wenn man das kontrollieren wollte… Es ist eine Posse.

    Es dürfte doch kein Problem sein, in Dänemark einen Versand aufzumachen, der mit deutschen Verlagen Rabatte von 70% aushandelt

    Ich kann nur empfehlen, es mal zu versuchen. (Irgendwie fasziniert es mich immer wieder, zu sehen, dass eine Mehrheit glaubt, bei Büchern liege viel Kalkulationsspielraum drin.)

  22. 17.05.2007 | 11:14

    (Entschuldige, Marian, habe den Kommentar leicht verärgert und zu früh abgeschickt.)

    Eine einzige Versandstelle in Dänemark ginge nur, wenn die die deutschsprachigen Bücher in der Schweiz bestellen würden und die deutschen Lieferanten nicht wüssten, dass die Schweizer nach Dänemark weiter liefern. Aber niemand würde hier 70% Rabatt gewähren, weil sich das keiner leisten könnte. (Amazon wollte vom Schweizer Verlag Diogenes 55% und Diogenes ist -so mein letzter Stand - ausgestiegen.)

    Aber dänische Buchhandlungen hätten seit jeher deutsche Bücher billiger an deutsche Kunden verkaufen können, weil das eben für den Liefernden nicht kontrollierbar war/ist. Aber es wäre niemals rentabel gewesen.

    Das ist übrigens und paradoxerweise mein Hauptargument gegen das deutsche Buchpreisbindungsgesetz: Es ist nicht durchsetzbar.

Bad Behavior has blocked 1585 access attempts in the last 7 days.