25. Mai 2007
Geschwätz am Morgen
Heute morgen im Deutschlandfunk: Es wurde über ein Buch des kürzlich verstorbenen Soziologen Karl Otto Hondrich gesprochen. Eingeladen zum Thema war Christa Müller, Linksparteisprecherin im Saarland und Ehefrau des SED-Steigbügelhalters Lafontaine.
Während ich das Interview hörte (hier kann man es nachlesen), fragte ich mich, was die Frau eigentlich qualifiziert, eingeladen zu werden.
Sie hatte offensichtlich das Buch nicht gelesen (was ich übrigens auch nicht habe, aber mich hat man ja nicht eingeladen). Denn die unter Umständen als erstaunlich (oder absurd oder interessant …) zu bezeichnende These Hondrichs, dass “die Gesellschaft” als Quasi-Organismus handeln und von den Individuen ggf. nicht wahrgenommene Ziele verfolgen könnte, verstand die Frau gar nicht.
Stattdessen brachte Lafontaines Gattin Plattheiten, die an jedem Stammtisch als Weltenlenkerpose durchgehen (“Das heißt, so gesehen [wegen der global wachsenden Bevölkerung; Anm.d.V.] müsste eigentlich die Bevölkerung in Deutschland abnehmen. Es wäre zumindest nicht schlecht. Es wäre ein schöner Beitrag zur Reduzierung der Bevölkerung weltweit.”) , simple Zahlenspielereien (“…ich denke, ein moderater Rückgang der Bevölkerung wäre sinnvoll, aber das würde aus meiner Sicht eine Geburtenrate von 1,9 bis 2 bedeuten und nicht von 1,3, wie wir es heute haben.”) und erlaubte gelegentlich ungewollt erhellende Einblicke in ihr illiberales Denken:
“… solange die Leute hier in Deutschland Kinder wünschen, hat der Staat aus meiner Sicht auch die Verpflichtung, ihnen das zu ermöglichen natürlich in einem Rahmen, der auch gesellschaftspolitisch erwünscht ist.”
Und wenn es über den gesellschaftspolitisch erwünschten Rahmen hinausgeht, hat der Staat das Ermöglichen einzustellen?
Mal ehrlich: Dieses Interview besteht in meinen Augen aus nichts als dummen Floskeln, die jeder von uns auch hätte von sich geben können. Da lohnt es sich nicht einmal, inhaltlich auf das einzugehen, was Frau Müller gesagt hat. (Zum Beispiel könnte man den simplizistischen Glauben - mehr ist es ja nicht - in Frage stellen, dass Kinderkriegen direkt und vorrangig etwas mit finanzieller Ausstattung zu tun hat.)
Verfasst von Boche um 11:57 Uhr in der Kategorie Politik, Presse / SPON- und taz-Blog, Sprache (Trackback)