Federal Minimum Wage

In der letzten Diskussion über Mindestlöhne hier bei B.L.O.G. merkte ich an, dass es auch in den USA Mindestlöhne gäbe. Ich wurde daraufhin von einem wirtschaftspolitisch und US-politisch offenbar erfahreneren Kommentator darauf hingewiesen, dass es sich in den USA nur um einen “unechten Mindestlohn” handele, der einen Mißbrauch des Kombilohnes vermeiden solle und allein schon größenordnungsmäßig nicht mit den hier angepeilten rund 7,15€ zu vergleichen sei.

Das sieht allerdings in diesem CNN-Bericht durchaus etwas anders aus. Denn nicht nur steigt der Mindestlohn von 5,15 US$ auf nunmehr 7,25 US$ (was ihn durchaus in die Nähe der in Deutschland geforderten Marke rückt), CNN ist auch der Meinung, dass das die Emfänger des Mindestlohnes direkt betreffen würde (was es ja nicht täte, wenn er nur einen Missbrauch des Kombilohnes verhindern sollte). Mal ganz zu schweigen davon, dass 56% der amerikanischen Bundesstaaten einen höheren Mindestlohn festgelegt haben - und einige davon den Mindestlohn sogar an die Inflation geknüpft haben.

Nun gut, diese neue Erhöhung ist offenbar Bestandteil eines Deals zwischen dem Demokraten und Präsident Bush, sie scheint aber in den USA nicht als eine unmittelbare Katastrophe gesehen zu werden (oder gar als den Absturz in den Sozialismus). Was mich ein weiteres Mal an der Hysterie zweifeln lässt, mit der mancher Mindestlohn-Gegner hier argumentiert.

Meiner Auffassung nach wäre es sinnvoller, die Einführung eines Mindestlohnes im Gesetzgebungsverfahren mit der Einführung des Kombilohnes zu verbinden und gleichzeitig die Höhe des Mindestlohnes zu begrenzen, bevor nach der nächsten Wahl eine Rotfront-Regierung (Danke Zettel!) noch einen Mindestlohn von 8,50 € oder gar 9,50 € einführt. Also eher eine Orientierung an politischen Gegebenheiten als eine Fundamentalposition.

(Hat tip to USA Erklärt)

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34 Kommentare zu “Federal Minimum Wage”

  1. 30.05.2007 | 15:05

    VIelleicht sollte man es einfach mal versuchen und gucken was passiert? Beim ALGII wurde es doch auch nicht anders gemacht. Zeitlich befristetes Gesetz, das nach vier Jahren ausläuft. Oder nach acht, dann ist garantiert ein konjunkturelles auf und ab mit dabei.

  2. Andreas
    30.05.2007 | 15:06

    Ich bin jetzt nicht der große USA-kenner, aber spannend wäre auch die Frage, wo denn bei den niedrig qualifizierten Jobs in den USA in etwa die durchschnittlich tatsächlich gezahlten Löhne liegen.

    Ist das (annähernd) exakt das Niveau des jeweils verbindlichen gesetzlichen Mindestlohns oder ist das tendenziell ‘nen Tacken drüber?

    Wenn letzteres der Fall ist, dann sind die Marktlöhne höher als der Mindestlohn und dieser ist ökonomisch ohne Bedeutung.

  3. 30.05.2007 | 16:15

    @Andreas:

    A minimum wage hike would directly affect 5.6 million workers currently earning less than $7.25 an hour, according to the labor-backed Economic Policy Institute.

    The hike also could increase the wages of another 7.4 million workers who earn just above the current federal minimum, the group said.

    Klingt nicht so, als wäre dieser Mindestlohn ökonomisch ohne Bedeutung, sondern eher so, als wäre eine Entlohnung knapp über seinem Niveau die Regel.

  4. R.A.
    30.05.2007 | 16:31

    @Marc:
    > VIelleicht sollte
    > man es einfach mal
    > versuchen und gucken
    > was passiert?
    Da muß ich leider zynisch werden:
    Das wäre in der Tat der typische deutsche Politikstil.
    Erst handeln, dann über die Folgen erschrecken, und dann immer noch nicht denken.

    Was soll denn passieren?
    Ist der Mindestlohn zu niedrig angesetzt, ist er für die Praxis völlig belanglos.
    Dann gilt halt: “Wenn es nicht nötig ist, ein Gesetz zu erlassen, ist es nötig, es nicht zu erlassen”.

    Oder aber der Mindestlohn liegt über den heute üblichen Löhnen - dann freuen sich einige Leute über mehr Geld und andere Leute werden arbeitslos.

  5. R.A.
    30.05.2007 | 16:36

    @Karsten:
    > bevor nach der
    > nächsten Wahl eine
    > Rotfront-Regierung
    > (Danke Zettel!) noch
    > einen Mindestlohn
    > von 8,50 € oder gar
    > 9,50 € einführt.
    Das ist jetzt aber taktisch falsch.

    Wenn die Rotfront kommt, dann ist die Anhebung eines bereits eingeführten Mindestlohns recht einfach.

    Es wäre deutlich schwieriger für die, diesen erst komplett neu zu beschließen.

  6. 30.05.2007 | 17:09

    @R.A.:

    Das ist jetzt aber taktisch falsch.

    Nö, nicht, wenn man die “Rotfront” auf die Art und Weise vielleicht verhindern kann. Den Mindestlohn durchzusetzen, wird auf jeden Fall recht einfach werden, da eine breite Mehrheit in der Bevölkerung in haben will. Das sagen eigentlich alle Umfragen (und auch meine persönliche Erfahrung). Die Linkspartei hingegen sieht man hier im Westen nicht allzu positiv - würde sie aber vielleicht wählen, wenn sie die einzige ist, die allgemein erhobene Forderungen artikuliert.

  7. 30.05.2007 | 17:10

    Nochmal @R.A.:

    Da muß ich leider zynisch werden:
    Das wäre in der Tat der typische deutsche Politikstil.
    Erst handeln, dann über die Folgen erschrecken, und dann immer noch nicht denken.

    Na, da muss man sich aber doch mal entscheiden, was denn nun der “typisch deutsche Politikstil” ist. Ich habe ihn eigentlich eher im Stile von “Augen zu und bloß nix tun” erlebt, während das von Dir beschriebene Motto zwar augenblicklich en vogue ist aber eher nicht typisch deutsch.

  8. Llarian
    30.05.2007 | 17:10

    Zwei Dinge sind schon so ne Sache:

    - Zum einen ist in den USA vollkommen unklar, wieviel der durchschnittliche Illegale im einzelnen verdient, denn im Vergleich zu Deutschland ist in den USA die illegale Einwanderung etwas stärker ausgeprägt. Wieviel Arbeit von den Latinos verrichtet wird ist vollkommen offen.

    - Zum zweiten frage ich mich schon nach der wirtschaftlichen Bedeutung eines Mindestlohns, der sich noch unter dem eines Dosenstaplers bei Aldi bewegt.

    Dazu kommt, dass in Amiland eine viel freiere Wirtschaft existiert als in Deutschland. Selbst wenn der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet sind immernoch ne Menge da. Die haben nicht das Problem von 10% Arbeitslosigkeit.
    In den USA gibts auch Vermögenssteuern. Das alleine ruiniert es auch nicht. Es sind alles Mosaiksteine und während die in Amiland eben andere Steine haben als wir, haben wir einen ganzen Teppich und die nur einen Sack voll. Klar können wir all das, was die machen, hier noch zusätzlich machen. Und vielleicht würde es auch funktionieren, wenn wir die ganzen anderen Steine, die die nicht haben, abschaffen. Nur davon redet ja keiner, nicht wahr ?

  9. Llarian
    30.05.2007 | 17:14

    @Karsten:
    Nimms mir nicht krumm, aber irgendwie lese ich deine Argumentation als: Die Forderungen der Extremisten durchsetzen, damit sie nicht an die Macht kommen.
    Und wenn Du jetzt sagst, Du willst es nur im Kleinen durchsetzen, dann frage ich: Warum sollten die Leute dann nicht gleich das Original wählen ?

  10. 30.05.2007 | 17:24

    @Llarian:

    Wenn Du dich ein wenig mit den Menschen beschäftigen würdest, die tatsächlich die schlecht bezahlte Arbeit verrichten, dann würdest Du feststellen, dass die Entlohnung bei Aldi vergleichsweise gut ist und viele froh wären, so zu verdienen, wie die Aldi-Angestellten. Das Problem dort ist vielmehr, dass man sich dort darüber bewusst ist, dass man noch ganz gut bezahlt, und der Umgang mit den Menschen, der in der Aldi-Organisationsstruktur vorherrscht, dazu geeignet ist, einen normal empfindlichen Mitarbeiter relativ schnell psychisch kaputt zu machen. Das ist wohl der einzige Grund, warum Aldi nicht von potenziellen Mitarbeitern überrannt wird; die Bezahlung ist es nicht.

    Der klassische Fall eines Arbeitnehmers, der einen Mindestlohn spüren würde, ist nicht der Dosenstapler bei Aldi, sondern vielmehr die Hilfskräfte in der Gastronomie, private Wachleute und zahlreiche andere Dienstleistungskräfte.

    Dass ich die Höhe niedriger ansetzen möchte, liegt an der Kombination mit dem Kombilohnmodell, das die Linken und Linksradikalen eben so nicht haben wollen.

    Und vielleicht solltest Du versuchen meine Argumentation eher so zu lesen:

    Die Forderungen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung zumindest bedenken und versuchen, sie möglichst mit geringem Schaden umzusetzen, damit sie nicht die Extremisten wählen, die noch ganz andere Überlegungen in Petto haben.

  11. 30.05.2007 | 17:30

    @Karsten

    Ich weiß nicht, was du unter Hysterie verstehst. Ich sehe das ganz entspannt: Von mir aus soll man einen Mindestlohn einführen - mich wird er nie betreffen. Betroffen werden nur weniger gut ausgebildete bzw. leistungsfähige Arbeitnehmer, die zu diesen Löhnen nicht mehr beschäftigt werden und aus irgendwelchen Gründen dem Schwarzmarkt nicht zur Verfügung stehen. Die dürfen sich dann in die fürsorglichen Arme unseres Sozialstaats begeben und von Bürokraten ihr Leben gestalten lassen.

    Aber ich kann das Drehbuch schon schreiben: Man wird irgendwann, spätestens mit einem SED-SPD-Bündnis, Mindestlöhne einführen. An der dann sich noch mehr verfestigenden Arbeitslosigkeit Geringqualifizierter sind dann aber je nach Geschmack entweder die bösen Unternehmer (SPD-Variante) oder der Kapitalismus schlechthin (SED-Variante) schuld. Das ist doch super, wenn man die Unfähigkeit eines Prinzips dadurch belegen kann, dass man sich nicht daran hält.

    Wenn du mich aber fragen solltest, ob es für die Arbeitnehmer bei uns nicht sinnvoller wäre, einen Arbeitsmarkt à la USA mit Mindestlohn einzuführen als unseren beuzubehalten, dann würde ich dir sogar zustimmen, weil die Vorteile wahrscheinlich die Nachteile überwiegen werden. Vielleicht sollten wir zusätzlich noch die Meldepflicht abschaffen und unsere Sozialgesetze anpassen. Das Paket wäre dann o.k.

  12. 30.05.2007 | 17:30

    @Llarian:

    Im Übrigen ist das “Original” in diesem Falle nicht die Linkspartei, sondern die SPD. Oder vielmehr Neuseeland, gefolgt von Australien.

    Und natürlich glaube auch ich nicht an die faszinierenden Heilsversprechungen von 450.000 neuen Jobs, die Ver.di macht - meine Gedanken sind da mehr bei Menschen, die täglich 10 Stunden arbeiten und immer noch kaum genug haben, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, und dem sozialen Sprengstoff, den das erzeugt.

  13. 30.05.2007 | 17:35

    @Karsten

    Und was die “das Schlimmste verhüten”-Argumentation angeht. Ist der Mindestlohn einmal als solcher eingeführt, werden sich bei uns zu Wahlkampfzeiten gleich mehrere Parteien eine Art Bieterwettkampf liefern, wer mehr aufschlägt. Das wird, den herrschenden wirtschaftlichen Unverstand und die strukturelle linke Mehrheit in Deutschland berücksichtigend, auch immer wunderbar klappen, weil an den negativen Folgen ja die profitgeilen Kapitalisten schuld sein werden, die dreisterweise niemanden beschäftigen, wenn sich das für sie nicht lohnt.

  14. 30.05.2007 | 17:38

    @Rayson:

    Ich meine doch nicht Dich. Da gibt es ganz andere, die direkt den völligen Untergang unseres Wirtschaftssystems herbeireden, von dem ich nicht so überzeugt bin.

    Und wenn die Bevölkerungsmehrheit nun mal unbedingt einen Mindestlohn haben will, wäre es vielleicht für unsere gemeinsame Partei auch an der Zeit, sich mal gegenüber möglichen späteren Koalitionspartnern über deinen letzten Absatz zu unterhalten, finde ich.

  15. 30.05.2007 | 17:42

    @Rayson:

    Okay, wenn also die strukturelle linke Mehrheit in Deutschland ohnehin zur Einführung eines Mindestlohnes führen wird, dann kann man sich ja auch an seiner Einführung beteiligen und im Gegenzug ein selbst erwünschtes Reformvorhaben am Arbeitsmarkt durchzusetzen. Gleichzeitig wirkt man für die strukturelle Mehrheit auch nicht mehr wie der Teufel in Person…

  16. 30.05.2007 | 17:46

    Da ich damals der Kommentator war zum unechten Mindestlohn, melde ich mich noch einmal.

    Eine Erhöhung auf 7.25$ wär bei aktuellem Dollarkurs noch lange nicht bei 7,25€+.

    Weiterhin müssen von diesen 7.25$ wesentlich mehr bezahlt werden als in Deutschland, siehe Altersvorsorge, Gesundheit (sehr teuer!!!), Pflegeversicherung, möglicherweise noch Kindergarten etc. etc.
    So liegt die Armutsgrenze glaube ich bei knapp 19.000$ für eine Vierköpfige Famile. Das heißt bei 40 Stunden pro Woche ohne Urlaub müsste eine vierköpfige Familie 1 1/2 Stellen haben und dann noch gegebenenfalls zusätzliche Arbeit für die Abdeckung von Kindergartenkosten annehmen. Rechnet man nun noch Urlaub herein, dann kommt man kaum noch in den Nicht-Armut Bereich.

    Insofern ist und bleibt ein Vergleich mit dem deutschen Vorschlag gefährlich, der von einer ganz anderen Grundversorgung ausgeht.

  17. 30.05.2007 | 17:48

    @Rayson zum Dritten:

    Ist der Mindestlohn einmal als solcher eingeführt, werden sich bei uns zu Wahlkampfzeiten gleich mehrere Parteien eine Art Bieterwettkampf liefern, wer mehr aufschlägt.

    Wie ich im Beitrag schon angedeutet habe, bin ich eher ein Anhänger des Indexmodells der Mindestlohnerhöhung, wie es auch in vielen US-Bundesstaaten zu finden ist.

  18. 30.05.2007 | 17:49

    @hauptstadtstudent:

    Der Dollarkurs war schon einkalkuliert, ich sprach ja auch davon, dass sich die Höhe nun allmählich in Richtung dessen bewegt, was in Deutschland diskutiert wird.

    Deine anderen Punkte akzeptiere ich aber als etwas, über das ich mir wohl noch Gedanken machen muss.

  19. 30.05.2007 | 18:00

    @Karsten

    Ich erlaube mir die Freiheit, keine parteitaktischen Erwägungen anzustellen, sondern nur zu sagen, was meiner Meinung nach die Folgen sein werden.

    Und gerade weil es diese strukturelle Mehrheit gibt, kann man das gar nicht laut genug tun. Der Teufel in Person ist man sowieso, sobald man behauptet, es seien auch alle andere Ressourcen endlich und nicht nur Mineralöl und Uran, wo die Knappheit witzigerweise wieder ins politische Konzept passt. An irgendwelche Kompromisse kann ich da nicht glauben. Ich erinnere mich an manche Diskussion mit Linken, wo ich vorschlug, doch mal das “Flexicurity”-System auszuprobieren und dann als Antwort bekam, darauf könne man sich einigen. Man müsse das vorher nur etwas verbessern, indem man aufs “Flexi” verzichtet.

    Dabei ist es ja nicht so, dass die Folgen von zu hohen Mindestpreisen unbekannt wären. Stichwort “Butterberg”.

  20. micha42
    30.05.2007 | 18:15

    “Dazu kommt, dass in Amiland eine viel freiere Wirtschaft existiert als in Deutschland. Selbst wenn der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet sind immernoch ne Menge da.”

    Und genau das sehe ich als sinnvollen Ansatz: Mindestlohn ist also u.U. gar nicht per sè des Teufels, sondern die negativen Effekte lassen sich womöglich durch positive (einigermaßen) ausgleichen.

    Erinnert mich an Christiansen neulich, als Oettinger “Weg mit dem Kündigungsschutz!” und Bsirske “Her mit dem Mindestlohn!” rief, und ich dachte mir so: wieso eigentlich nicht beides?

  21. 30.05.2007 | 19:05

    @Rayson:

    Fühl’ dich frei… ;)

    Und ebenso nehme ich mir eben die Freiheit, taktische Erwägungen anzustellen, die meiner Ansicht nach auch über das Wohl der Partei hinausgehen.

    Flexicurity, und das auch @micha42, der ja über ähnliches schreibt, halte ich im Übrigen immer noch für ein sehr sinnvolles Konzept.

  22. 30.05.2007 | 19:30

    Erinnert mich an Christiansen neulich, als Oettinger “Weg mit dem Kündigungsschutz!” und Bsirske “Her mit dem Mindestlohn!” rief, und ich dachte mir so: wieso eigentlich nicht beides?

    Gut, ohne den Kündigungsschutz stellt sich das Marktgleichgewicht nach der Erhöhung des Mindestlohnes um so prompter ein, vielleicht merken ein paar Leute dann mal was. ;)

  23. micha42
    31.05.2007 | 12:22

    @RobRoy: “Ein paar Leute” merken jetzt schon was. Z.B., dass es in der Praxis durchaus recht gut funktioniert, allen Standardargumenten und Theorien zum Trotz. Auch in europäischen Ländern, wie z.B. GB. Und Frankreich, da das als Gegenbeispiel vermutlich sowieso gleich kommen würde, als Muster für ein Land, in dem es schlecht (oder besser gesagt: nicht) funktioniert, hat einen Arbeitsmarkt, gegen den (afaik) im Vergleich sogar der deutsche recht flexibel daherkommt.

    (Wenn ich böse wäre, würde ich kurz darauf hinweisen, das Theorien lediglich de- und nicht präskriptiven Charakter haben - und das dies schon ganz andere einsehen mussten. *veg*)

  24. R.A.
    31.05.2007 | 13:28

    @micha42:
    > dass es in der
    > Praxis durchaus
    > recht gut
    > funktioniert
    Woran merkt man eigentlich, daß ein Mindestlohn “gut funktioniert”?

  25. micha42
    31.05.2007 | 14:03

    R.A.: Daran, dass die Effekte, vor denen vor seiner Einführung gewarnt wurde, nicht eintreten.

  26. 31.05.2007 | 14:50

    Wenn vor steigender Arbeitslosigkeit von Niedrigqualifizierten bei der Einführung eines Mindestlohnes (der hoch genug ist um überhaupt irgendeinen Effekt zu erzielen) gewarnt wird, gilt das natürlich immer für die Annahme ansonsten gleicher Bedingungen. Das heißt nicht, dass mit der Einführung eines Mindestlohnes automatisch die Arbeitslosigkeit steigt, schließlich wirken noch ganz andere Faktoren auf die Beschäftigung. Unbestreitbar ist aber IMO, dass in jeder gegebenen Situation in der ein Mindestlohn über dem Gleichgewichtslohn besteht, die Arbeitslosigkeit unter Niedrigqualifizierten höher ist, als sie es ohne Mindestlohn wäre (dafür verdienen diejenigen, die einen Job haben besser als es ohne Mindestlohnregelung der Fall wäre). Das ergibt sich denke ich zwingend aus logischem Nachdenken.

  27. Llarian
    31.05.2007 | 14:50

    @micha42:
    Dann stelle ich mal die Königsfrage. Wenn wir den Mindestlohn einführen und gleichzeitig den Kündigungsschutz in die Tonne kloppen und es gibt mehr Arbeitslose: Welche von beiden Maßnahmen wird wohl dafür veantwortlich gemacht ? Und wenn es weniger gibt, welche Maßnahme wird man dann loben ?
    Deine Idee finde ich gut, mache mir aber keine Illusionen, dass im Sinne dessen, einer breiten Masse den ökonoomischen Hintergrund klar zu machen, dass ein gellender Schuss in den Ofen würde.

  28. R.A.
    31.05.2007 | 14:55

    @micha42:
    > Daran, dass die
    > Effekte, vor denen
    > vor seiner
    > Einführung gewarnt
    > wurde, nicht
    > eintreten.
    Das heißt, ein Gesetz ist für Dich schon dann gut, wenn es keine schlimmen Effekte auslöst?

    Dann sollte man es doch lieber weglassen.

  29. micha42
    31.05.2007 | 15:43

    Llarian:
    “Dann stelle ich mal die Königsfrage. Wenn wir den Mindestlohn einführen und gleichzeitig den Kündigungsschutz in die Tonne kloppen und es gibt mehr Arbeitslose: Welche von beiden Maßnahmen wird wohl dafür veantwortlich gemacht ? Und wenn es weniger gibt, welche Maßnahme wird man dann loben ?”

    Da wird (natürlich) das Übliche passieren: jeder zeigt auf den andern. Im ersten Fall antworten Gewerkschaften, Linkspartei & Co. mit “Kündigungsschutz”; Arbeitgeber, Wiwis & Anhang mit “Mindestlohn”. Im zweiten Fall: vice-versa.

    Der Haken (und jetzt sprech ich wieder für mich) ist nur, dass es zwischen verschiedenen Faktoren immer Wechselwirkungen gibt. Die können sich gegenseitig aufheben/abschwächen, sie können sich aber auch gegenseitig verstärken. Aber die werden halt gerne ausgeblendet.

    “Deine Idee finde ich gut, mache mir aber keine Illusionen, dass im Sinne dessen, einer breiten Masse den ökonoomischen Hintergrund klar zu machen, dass ein gellender Schuss in den Ofen würde.”

    Nun, Illusionist bin ich auch nicht gerade, schon gar nicht hierzulande, ich hab aber auch noch nicht völlig resigniert. Es wäre immerhin ein Anfang (und interessant, die Reaktionen aller Seiten zu beobachten, insbesondere die nach dem Sich-Legen des ersten zu erwartenden Reflex-Geschreis), die Verknüpfung der beiden Themen überhaupt erstmal einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Das dies nicht geschieht, obwohl die Praxis offensichtlich zeigt, wie wichtig die Kombination ist, finde ich zum Heulen. Und vor allem auch unverständlich, weil: besonders abwegig kommt mir der Gedanke nicht vor.

    Bei einer Einführung von Mindestlöhnen ohne gleichzeitige Marktflexibilisierungsmaßnahmen seh ich auch schwarz, und ich seh auch, das es nicht unbedingt sehr unwahrscheinlich ist, das es dazu kommen könnte.

    So und jetzt geh ich erstmal was essen, bevor mich der Frust übermannt. ;)

  30. micha42
    31.05.2007 | 17:02

    R.A.
    “Das heißt, ein Gesetz ist für Dich schon dann gut, wenn es keine schlimmen Effekte auslöst?”

    Nein. Der Punkt ist: der Effekt steht nicht für sich allein. Ich dachte,ich hätte das bereits hinreichend klar gemacht.

    Für dich nochmal: es ging mir darum, dass der negative Effekt A einen anderen, im Gegensatz zum ersteren beabsichtigten, positiven Effekt B mehr als zunichtemachen kann. Wenn sich A verhindern/minimieren lässt, um B erreichen zu können, dann finde ich das gut, ja.

  31. R.A.
    31.05.2007 | 17:24

    @micha42:
    OK, die Logik ist jetzt klar.

    Dann bleibt das alte Dilemma: Ist der Mindestlohn niedrig angesetzt, ist er überflüssig, weil er überhaupt keinen Effekt hat.

    Ist er hoch angesetzt, vernichtet er Arbeitsplätze - und dazu muß man nicht abwarten und beobachten, das ist sichere Folge.

    Es ist also müßig zu erwarten, man könne ohne Arbeitsplatzverlust irgendwelche positiven Effekte erreichen.

    Sondern man muß sich einfach politisch entscheiden, ob man Leute in die Arbeitslosigkeit schicken möchte, weil einem der positive Effekt das wert ist.

    Da der positive Effekt ausschließlich in einer minimalen Entlastung der Sozialkassen liegt (die ergänzende Hilfe fällt weg), und die dann wieder die Arbeitslosen zahlen müssen - ist meine Entscheidung klar.

  32. micha42
    1.06.2007 | 5:59

    “Sondern man muß sich einfach politisch entscheiden, ob man Leute in die Arbeitslosigkeit schicken möchte, weil einem der positive Effekt das wert ist.”

    Nö. Genau dieses “Leute in die Arbeitslosigkeit schicken” ist der zu vermeidende negative Effekt. Da du das offenkundig nicht verstanden hast, würde mich mal interessieren, was du für den negativen Effekt gehalten hast.

  33. micha42
    1.06.2007 | 6:14

    Sehe gerade: auch den beabsichtigten positiven Effekt hast du schön verdreht. Wie du das geschafft hast (durch Rücken der Geringverdiener aus, und der Sozialkassen in den Mittelpunkt des Blickfelds), davor habe ich richtig Respekt. Genial.

    my last 2 cents

  34. R.A.
    1.06.2007 | 12:39

    @micha42:
    > Genau dieses “Leute
    > in die
    > Arbeitslosigkeit
    > schicken” ist der
    > zu vermeidende
    > negative Effekt.
    Genau das schreibe ich doch.
    Und diesen Effekt kann man eben nicht vermeiden, wenn der Mindestlohn eine nennenswerte Höhe haben soll.

    Und beim positiven Effekt täuschst Du Dich: Es profitieren NICHT die Geringverdiener - es sei denn der Mindestlohn wäre wirklich sehr hoch.

    Denn die Geringverdiener bekommen ja heute ergänzende Sozialhilfe.

    Im Geldbeutel hätten sie nach Mindestlohn nicht mehr, nur das Sozialamt hat etwas gespart.

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