3. Juni 2007
Antiglobalisierungshorror
Das Anti-Globalisierungstheater in seiner vereinfachten, für die Medien gerade noch vermittelbaren Form kennt vier Protagonisten: die Armen, die Bösen, die Guten und die Dummen. Der Handlungsrahmen besteht darin, dass die Guten (Attac & Co.) die Armen (Afrikaner) dadurch retten, dass sie gegen die Dummen (Politiker) demonstrieren, damit diese etwas gegen die Bösen (Finanzkapitalisten) tun.Die Medien wissen nicht so recht, wie sie die Guten nennen sollen - Globalisierungsgegner? Globalisierungskritiker? Anti-Globalisierungsbewegung?
Nun hat Spiegel Online die Guten (Attac & Co.) gefragt, “wogegen sie konkret protestieren - und wie sie die Welt verändern wollen” (PROTEST GEGEN GLOBALISIERUNG: Wie die G-8-Kritiker die Welt umbauen wollen. Von Susanne Amann, Spiegel Online, 02. Juni 2007)
Für mich ist die Wortwahl bezüglich der Guten (Attac & Co.) klar. Ich nenne sie Globalisierungsfeinde. Dabei lege ich zwei gängige Definitionen von Globalisierung zugrunde, nach denen Globalisierung “die Integration von Märkten” und “internationale Arbeitsteilung” ist.
Die Antworten der befragten Organisationen sind sich so ähnlich, dass der Umstand, dass es mehr als eine globalisierungsfeindliche Organisation gibt, nur auf den Narzissmus von einzelnen Gründerpersönlichkeiten zurückzuführen sein dürfte.
Die Maßnahmen zur Weltrettung sind die folgenden:
1.) Schaffung einer “demokratisch legitimierten” UNO-Weltregierung
2.) Einschränkung der Kapitalfreiheit durch (weitere) Steuern, Abgaben und Gebühren
3.) Einschränkung der Warenfreiheit durch Abschottung nationaler Märkte
Am gruseligsten ist für mich die Vorstellung einer “demokratisch legitimierten” Weltregierung unter UNO-Mandat. “Demokratisch legitimiert” setze ich deshalb in Anführungszeichen, weil sich zum einen “die Welt” niemals auf für alle verbindliche demokratische Grundsätze einigen und es keine freie, geheime und gleiche Wahl weltweit geben wird und zum anderen eine demokratische Legitimation einer nach den Vorstellungen der Globalisierungsfeinde gebildeten UNO-Weltregierung ins Leere läuft, da eine solche Weltregierung dermaßen durch internationale Abkommen gefesselt wäre, dass es für sie und damit auch für das Weltwahlvolk nichts mehr zu entscheiden gäbe.
Einmal davon abgesehen, dass die Vorstellung einer UNO-Weltregierung völlig illusorisch und utopisch ist, wäre die UNO so ziemlich die letzte Organisation, in deren Hände ich die Weltregierung übertragen wissen wollte (zugegeben, eine Weltregierung unter FIFA-Mandat wäre noch schlimmer). Und nach der Vorstellung der Globalisierungsfeinde soll es ja auch nur ein Teil der UNO sein, dessen Grundsätze übernommen werden sollen, nämlich der “gute” ILO-Teil, während der “böse” WTO-Teil abgeschafft gehört.
Bezüglich der Einschränkung der Kapital- und Warenfreiheit verstehe ich eines nicht: Wenn man sowohl für neue Steuern und Abgaben ist, als auch für die Abschottung von Märkten - warum protestiert man dann ausgerechnet gegen die G8?
Verfasst von Marian Wirth um 08:09 Uhr in der Kategorie International, Politik (Trackback)