Berliner Kollegen

Vor etwa 15 Jahren ging ein entfernter Bekannter von mir nach der Schule zur Polizei, und schnell hatte er seine Berufung gefunden: Er trat in die Bereitschaftspolizei ein und gehörte fortan zu jener bedauernswerten Gruppe innerhalb unserer Staatsmacht, die mit ihrer eigenen Gesundheit für den Schutz von friedlichen Demonstranten und Zuschauern einstehen.

Jens, so hieß dieser Bekannte, war nie ein großer Freund gewalttätiger Aktionen; er hatte bei der Polizei gelernt, wie man sich andere “vom Leib hält” oder ihre Gewalt beendet, aber er war immer froh, wenn ein Einsatz ohne Gewalt zuende ging. Ich habe mich dann mehrfach auf Partys mit ihm über seinen Job unterhalten, auch im Vorfeld von Einsätzen - und ich weiß heute noch, dass er jedes Mal sehr besorgt war, wenn er wusste, dass die Berliner Bereitschaftspolizei anwesend sein würde. Oder gar ein “Berliner Kollege” die Einsatzleitung hatte. Denn unter den “BePos” war allgemein bekannt, dass die Berliner nicht sehr viel von Deeskalation halten, dass ihre Führungsebene vor allem schnelle Lösungen für Konflikte sucht und viele der einfachen Polizisten nicht viel weniger gewaltbereit sind als die Gegner auf Seiten radikaler Demonstranten.

Diese Informationen habe ich mir über die Jahre hinweg immer einmal wieder von Polizisten bestätigen lassen, die ich bei verschiedenen Anlässen kennen gelernt habe. Der Tenor war immer gleich: Die Berliner Polizei hat ihre ganz eigene Geschichte und ihre ganz eigene Situation in einer Stadt, in der schon kleine Demos fast immer zu gewalttätigen Ausschreitungen führen. Und entsprechend handeln sie auch; eine Demonstration ist für sie kein Schutzeinsatz, sondern ein Gefecht.

Diese Informationen lassen mich folgendes Zitat (und die Antwort des Autors) aus “Zettels Raum” etwas anders sehen:

Die Berliner Polizeieinheit 31139/Einsatzhundertschaft 25 wurde laut RAV dabei beobachtet, wie sie Festgenommene in Einsatzfahrzeugen knebelte und fesselte, um jegliche Kontaktaufnahme nach Außen zu verhindern.

Ich habe die Berichterstattung im britischen Sender “Sky News” verfolgt, die von britischer Gelassenheit und Objektivität gekennzeichnet war. Alle an dieser Sendung beteiligten Reporter haben gesagt, daß die Polizei sich stundenlang um äußerste Zurückhaltung bemüht hatte.

Es ist nämlich so, dass der bayrische Einsatzleiter, der sich und seine Einsatzkräfte stundenlang auf “äußerste Zurückhaltung” eingeschworen hatte, mitten im Einsatz ausgetauscht und durch einen Berliner Kollegen ersetzt wurde. Insofern ist also sehr gut vorstellbar, dass sowohl Sky News als auch die von Zettel zitierte “Junge Welt” richtige Darstellungen liefern; von dem Moment an, als der Einsatzleiter ein Berliner war, änderte die Polizei ihre Strategie vermutlich nicht nur ein wenig, sondern vollständig: Von Zurückhaltung hin zum offenen Gefecht, bei dem man keine Rücksicht auf Verluste nahm.

Es war sicherlich ein Fehler, angesichts einer bekannt großen Gruppe von gewaltbereiten Demonstranten aus dem In- und Ausland nur mit minimaler Polizeipräsenz zu beginnen - denn das setzte nur die bedauernswerten Beamten, die von Anfang an in der Nähe des “Schwarzen Blocks” eingesetzt waren, einer großen Gefahr aus. Doch der Strategiewechsel mitten im Einsatz, hin zu einer Strategie des offenen Gefechts, dürfte die bereits vorhandene Gewalt sicher erheblich ausgedehnt haben.

Wobei man allerdings sagen muss, dass dies eine immer noch akzeptable Reaktion der Einsatzkräfte war, die sich natürlich gegen die Angriffe aus den Reihen der Demonstranten verteidigen mussten. Sogar Peter Wahl von ATTAC musste zugeben, dass die Aggressionen und die Provokationen eben nicht aus den Reihen der Polizei, sondern vielmehr aus der Mitte der Demonstration heraus kamen. Ob es allerdings eine unvermeidbare Entwicklung war, darüber werden die Experten aus den Innenministerien und Polizeibehörden noch zu diskutieren haben.

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22 Kommentare zu “Berliner Kollegen”

  1. 3.06.2007 | 22:24

    Lieber Karsten,

    eben hat auch rbb über diesen Austausch des Einsatzleiters berichtet. Er sei deshalb erfolgt, weil der Berliner mehr Erfahrung mit gewalttätigen Demonstrationen gehabt habe als der Bayer.

    Aus meiner Sicht war dieser Tag ein Lehrstück.

    Erstens: Die Polizei ist sozusagen bis zum Äußersten gegangen, was Zurückhaltung und De-Eskalation angeht, und sie hat dabei die Gesundheit der Polizisten aufs Spiel gesetzt. (Wer das angeordnet hat, weiß ich nicht; es ist aber eine interessante Frage).

    Zweitens: Die Veranstalter haben weder im Vorfeld noch während der Vorfälle erkannbare Versuche gemacht, Gewalttäter auszuschließen und an kriminellen Handlungen zu hindern.

    Aus meiner Sicht sind die Folgerungen:

    Erstens, wie es immer schon bei Demos der NPD ist, sollten Demonstrationen verboten werden, wenn mit einem gewalttätigen Ablauf gerechnet werden muß. Das ist angesichts des völligen Versagens der Anmelder der Rostocker Demonstration auch für Heiligenhafen zu erwarten.

    Zweitens hat meines Erachtens die Polizei jetzt genügend ihren Buckel hingehalten. Es sollte also von Anfang an bei Demonstrationen, sofern sie nicht verboten werden, mit aller rechtsstaatlich erlaubten Härte gegen die Kriminellen eingeschritten werden.

    Ich weiß, lieber Karsten, daß das nicht sehr liberal klingt. ;-) Aber es ist halt meine Überzeugung, daß es mit der Freiheit nichts mehr ist, wenn man die Feinde der Freiheit gewähren läßt.

    Herzlich, Zettel

  2. Wuki
    4.06.2007 | 1:29

    Doch der Strategiewechsel mitten im Einsatz, hin zu einer Strategie des offenen Gefechts, dürfte die bereits vorhandene Gewalt sicher erheblich ausgedehnt haben.

    Ich wäre da nicht so sicher. Dies würde zur Deeskalation bereite Demonstanten voraussetzen. Bei einer Gruppe, die rohe Gewalt zur Provokation einsetzt, scheint dies aber gerade nicht der Fall zu sein.

  3. 4.06.2007 | 1:56

    @Wuki:

    Schon möglich…

  4. Stephan
    4.06.2007 | 2:05

    Die Auswechslung des Einsatzleiters ist ohne Insiderwissen schwer zu beurteilen. Nicht gewisse Berliner Polizisten sehen jede Demo als Gelegenheit zum Straßenkampf, sondern auch gewisse Bayern. ;)
    Hinzu kommt, das bayerische Demobegleitung traditionell mehr von Kessel und Knüppel hält, als von Deeskalation.
    Ich glaube, daß die Berliner auf jeden Fall mitgezündelt haben, sobald sie eine Möglichkeit hatten. Die schlagen einfach gerne rein, egal auf wen. Notfalls auch auf Kinder.
    Aber in dem Moment, in dem die ersten Autonomen auf Bullen losgegangen sind, war die Straßenschlacht sowieso unvermeidbar.
    Im schwarzen Block gibt es zu viele Leute, die nur auf Straßenschlacht aus sind, um da noch eine begonnene Eskalation zu stoppen.
    Man muss das Ritual verstehen.
    Erste Steine oder Feuerwerkskörper spielen eine wichtige Rolle.
    Sie sind das “Aufwärmsignal” für die Harten.
    Das Aufwärmen geht dann weiter von ersten Tumulten über brennende Autos und Läden bis zum rituellen Abbruch der Demo.
    Und dann… Hell breaks lose.

  5. Stephan
    4.06.2007 | 2:06

    Korrektur: “Nicht gewisse Berliner Polizisten ” sollte heißen: “Nicht nur gewisse Berliner Polizisten”

  6. 4.06.2007 | 2:14

    Wirklich erschreckend finde ich, dass anderswo sogar noch gemutmaßt wird, dass die Autonomen ferngesteuert seien. Von Schäuble vermutlich, um “die linke Protestbewegung zu diskreditieren”. Na klar. Vielleicht sollten sich die Leute da am ganz linken Rand auch mal mit der Frage beschäftigen, inwieweit eine Rhetorik, die ganz präzise bestimmte Personen und Personenkreise für Elend, Armut und den Tod von Kindern verantwortlich macht, eben auch Haß produziert, der zu Gewalt führt. “Das hat mit uns nichts zu tun” finde ich da doch etwas einfach.

  7. 4.06.2007 | 8:40

    Ferngesteuert waren die Autonomen insofern, als sie sich zu Krawallen in einem extrem linken Bundesland hinreißen ließen. Jetzt hat Frau Merkel in Mecklenburg bald wieder eine Hausmacht, weil die Mecklenburger sich natürlich lieber mit der Kanzlerin als mit den Chaoten identifizieren.
    Die Linken sind manchmal so schön berechenbar.

  8. der gute don
    4.06.2007 | 9:49

    @stephan:
    Ich glaube, daß die Berliner auf jeden Fall mitgezündelt haben, sobald sie eine Möglichkeit hatten. Die schlagen einfach gerne rein, egal auf wen. Notfalls auch auf Kinder.

    Ich glaube, das Autonome Steinwerfer wegen versuchten Mord angeklagt gehören (Vorsatz, Einsatz lebensgefährlicher Waffen, niedere Beweggründe) und die Polizei mit aller Härte gegen diese Verbrecher vorgehen sollten. Das ist einfach nur lächerlich, daß Polizisten gerne auf alles einschlagen, auch auf Kinder falls es sonst nichts zu schlagen gibt. Genauso schlimm wie die Straftäter sind in meinen Augen die Abwiegler, Schönredner, Entschuldiger und verständnisvollen Zuredner.

    Es steht im jeden Fall Demonstrationsorganisatoren frei, sich ausdrücklich von solchen Verbrechern und Kriminellen zu distanzieren und sie von Ihrer Demo auszuschließen. Auch mit Hilfe der Polizei.

  9. R.A.
    4.06.2007 | 10:28

    Vielleicht hätte man von Anfang an einem erfahrenen Berliner das Kommando geben sollen, das Konzept der “Deeskalation” ist ja nun oft genug gescheitert.
    Ich habe wirklich kein Verständnis dafür, daß der schwarze Block ungehindert sich ausrüsten, anreisen und Aufstellung nehmen kann, um dann wie geplant zu randalieren.

    “Friedlich und ohne Waffen” heißt es im GG zum Demonstrationsrecht, wer vermummt oder mit Mollies auftaucht, sollte sofort als Straftäter festgenommen werden.
    Und dito die “friedlichen” Demonstranten, die solchen Gewalttätern gegen die Festnahme helfen.

  10. Max
    4.06.2007 | 13:19

    Man hätte theoretisch die Demonstration in dem Moment beenden sollen, in dem Sachschaden entsteht, denn das beschädigen von Privateigentum hat mit demonstrieren nichts mehr zu tun. Und wenn es die Veranstalter nicht hinbekommen ihre Reihen sauber zu halten, dann wird halt einfach der ganze Haufen aufgelöst.

    Andererseits können jetzt ja wieder die alten Wirtschaftsweisen kommen und sagen, dass soviel Zerstörung die Wirtschaft ankurbelt.. man sage das den Besitzern der Autos…

  11. 4.06.2007 | 13:34

    Welche Art Wirtschaftsweiser behauptet denn auch sowas?

  12. Stephan
    4.06.2007 | 13:49

    Don, es gibt sehr wohl diese Polizisten. Ich habe sie bei der Arbeit gesehen - mit Stiefeln und Knüppeln auf ein 12-Jähriges Mädchen. Diesen Typen passiert höchstens mal was, wenn sie sich an einem Journalisten vergreifen und dabei gefilmt werden. Und das war kein Versuch, den schwarzen Block zu entschuldigen. Also wisch Dir mal den Geifer vom Mund, ok?

  13. der gute don
    4.06.2007 | 14:13

    Don, es gibt sehr wohl diese Polizisten. Ich habe sie bei der Arbeit gesehen - mit Stiefeln und Knüppeln auf ein 12-Jähriges Mädchen.

    Kann ich nicht glauben. Ich nehme an Du hast sofort Anzeige erstattet?

    Diesen Typen passiert höchstens mal was, wenn sie sich an einem Journalisten vergreifen und dabei gefilmt werden.

    Offensichtlich hast Du keine Ahnung wovon Du redest. Die Polizei geht mit solchen Anzeigen peinlichst genau und korrekt um. Zu suggerieren das wäre nicht der Fall und damit zu versuchen eine Erklärungsbasis für das kriminelle Verhalten des schwarzen Blocks UND Anderer aufzubauen und deren Agressionen und Gewalttätigkeiten herrunterzuspielen finde ich ziemlich widerwärtig.

  14. Wuki
    4.06.2007 | 14:17

    Richtig Guter Don und R.A.. Das Recht auf Meinungsäußerung und auch das Recht zur friedlichen Demonstration muß geachtet werden. Aber wenn Demonstranten Gewalt anwenden müssen sie die ganze Macht der Demokratie zu spüren bekommen.
    Denn nur so kann die Demokratie geschützt werden. Anderenfalls bliebe nur die Beschneidung der Rechte der friedlichen und somit gesetzeskonformen Demonstranten.

    Auch das Argument, die Polizei hätte provoziert greift zu kurz. Weder räumt unser Rechtssystem einem Individuum das Recht auf Unrecht ein, falls ihm Unrecht widerfährt. Noch glaube ich wirklich, daß es sich die Polizei wirklich erlauben kann, sich zu einem ersten Schritt hinreißen zu lassen. Mit all der Medienpräsens und vor allem all den Kameras die Szeneangehörige mit sich rumschleppen ist die Gefahr viel zu groß. Wenn die Polizei wirklich ungerechtfertigte Gewalt anwenden würde, bliebe die wohl kaum ein Geheimnis.

  15. Schmock
    4.06.2007 | 17:50

    “Erstens, wie es immer schon bei Demos der NPD ist, sollten Demonstrationen verboten werden, wenn mit einem gewalttätigen Ablauf gerechnet werden muß. Das ist angesichts des völligen Versagens der Anmelder der Rostocker Demonstration auch für Heiligenhafen zu erwarten.”

    Schwierig, wenn nicht sogar verfassungswidrig:

    ” Schutz der Versammlungsfreiheit friedfertiger Teilnehmer Die Versammlungsfreiheit friedfertiger Demonstrationsteilnehmer bleibe auch dann erhalten, wenn mit Ausschreitungen Einzelner oder einer Minderheit zu rechnen ist. Ein Verbot käme erst dann in Betracht, wenn eine Demonstration im Ganzen einen unfriedlichen Verlauf nimmt oder der Veranstalter einen solchen Verlauf anstrebt oder billigt; auch hier seien jedoch seitens der Behörden zunächst alle Mittel auszuschöpfen, die den friedlichen Demonstranten eine Grundrechtsverwirklichung ermöglichen.”

    Brokdorf-Beschluss

    MfG

  16. T. Albert
    4.06.2007 | 19:02

    @stephan et alii
    #also nochmal, kleines beispiel aus anderen zusammenhängen; ich bin fussgänger und bahnfahrer, da kann man was erleben.
    T. Albert
    1.06.2007 | 22:05

    schon mal auf dem heimweg vom arbeitsplatz reingeraten in diese art des polizeischutzes, wie ich im ws 03/04 in berlin, als studenten, auch meine damaligen von der tu, um den alexanderplatz gejagt wurden, strassen, z.b. rosenthaler str., gleichzeitig durch polizeipräsenz mit mannschaftsbussen verstopft wurden, weil studenten “den verkehr behindern würden”, was autofahrer zu irrationalen umwegen zwang, ständige aufforderungen an passanten ergingen sich zu entfernen, weil sie sonst festgenommen würden, und zwischendurch einfach mal ein bisschen rumgeprügelt wurde, obwohl kein autonomer weit und breit zu sehen war, harmlose mädels sich gegen studiengebühren zu äussern versuchten, ohne überhaupt ein böses gesicht zu machen? war interessant. waren die regime-gegner? und am morgen hatte ich mich über die dämlichen methoden der studenten aufgeregt, die uns nicht in unser institut lassen wollten, weil sie mal ein bisschen praktische macht des diskursiven spüren wollten.
    so lief ich am späten nachmittag vom regen in die - scheisse. mit streit mit einem polizeiuffz, oder wie sie heissen. seitdem bin ich auch gegen studiengebühren, was ich zuvor nicht war, ganz nebenbei, wenn man mit staatsgeld dafür verprügelt werden kann, dass man dagegen ist als unser kind. ich kann mir gut vorstellen, dass manche unserer kinder sowas nicht einfach vergessen. vielleicht führen wir die prügelstrafe auch im klassenzimmer wieder ein, dann kommt sowas nicht mehr vor.

  17. Stephan
    4.06.2007 | 21:52

    Don, wenn man als Feindbild die Polizei hat, geht man doch nicht zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.
    Zumal man uns damals sowieso nicht geglaubt hätte. (Und ich die Polizisten in dem Chaos auch gar nicht auseinanderhalten konnte.) Heute wäre meine Zeugenaussage sowieso nichts mehr wert. Erinnerungen haben eine Halbwertszeit.

    Und was den Schmarrn mit der Erklärungsbasis betrifft: Du weißt selbst, daß das Quatsch ist.
    Also lass diese dummen Attacken.

    Das mit den Journalisten und Kameras ist BTW ein realer Fall, der erst nach sehr langer Zeit und großen Druck durch die ARD Konsequenzen für die durchgeknallten Beamten hatte.
    Stell Dich nicht blind.

    Es ist natürlich richtig, daß es in Polizei und Justiz sehr viele aufrichtige und gute Leute gibt. Aber die Ausnahmen existieren halt auch und ein Persilschein für alle ist ein Verbrechen an denen, die einfach korrekt und engagiert ihre Pflicht tun.
    Siehe als aktuelles Beispiel auch Sachsen, wo man im Moment nicht weiß, welchen Polizisten, Richtern und Staatsanwälten man überhaupt noch trauen darf. Shit happens.
    Und das hat mit autonomen Idioten zunächst einmal gar nichts zu tun.

  18. der gute don
    4.06.2007 | 22:54

    Don, wenn man als Feindbild die Polizei hat, geht man doch nicht zur Polizei, um Anzeige zu erstatten.

    Dann hast Du das falsche Feindbild. Die Aufgabe der Polizei ist es Deine Rechte ebenso wie die der anderen zu schützen. Und wenn unser wichtigstes Exekutivorgan kleine Kinder verprügeln sollte, gehören die Verantwortlichen dafür vor ein Gericht gestellt und verurteilt.

    Zumal man uns damals sowieso nicht geglaubt hätte.

    Vielleicht hast Du recht, vielleicht war das aber auch der Fehler. Denn wo kein Kläger da kein Richter. Sorry, aber Gerechtigkeit verlangt Mitarbeit, in alle Richtungen.


    (Und ich die Polizisten in dem Chaos auch gar nicht auseinanderhalten konnte.)

    Ich weiß nicht von welchem Ereignis Du sprichst, aber die Einsatzkräfte haben i.d.R. Einsatznummern kenntlich angebracht. Ausnahmen gibt es nur für Geheimdienste, Verfassungsschutz und SEKs.

    Aber die Ausnahmen existieren halt auch und ein Persilschein für alle ist ein Verbrechen an denen, die einfach korrekt und engagiert ihre Pflicht tun.

    Ja, und wenn jemand ein Verbrechen sieht -und sollten es auch Einsatzkräfte sein- dann hat er die Pflicht und nicht nur die Option das zu melden. Ohne Mitarbeit keine Gerechtigkeit.

    Siehe als aktuelles Beispiel auch Sachsen, wo man im Moment nicht weiß, welchen Polizisten, Richtern und Staatsanwälten man überhaupt noch trauen darf.

    UNd das Schöne daran ist: Ich habe keine Zweifel daran, daß der Sumpf früher oder später ausgehoben wird. Gemeldet wurden die Vorkomnisse übrigens von Organen des Innenministeriums. Irgendwie scheint das bei uns im Land doch zu funktionieren.

  19. Stephan
    4.06.2007 | 23:31

    Damals hatte ich dieses Feindbild. Heute hab ich nur noch Aversionen. Wenn ich Polizeiuniformen sehe, werde ich halt mißtrauisch. Damit bin ich in der DDR aufgewachsen, nach der Wende wurden die Aversionen bestätigt, heute erinnere ich mich halt selbst immer wieder daran, daß da auch bloß normale Menschen in den Klamotten stecken.
    Achja, Einsatznummern habe ich natürlich keine sehen können. Wenn ein paar knüppelschwingende Leute auf Dich zugestürmt kämen, könntest Du auch keine Einsatznummern sehen.
    So abgebrüht (bzw. selbstzerstörerisch), da nicht auf die Gefahr sondern auf Uniformdetails zu achten, sind nur sehr wenige Menschen.
    Wie gesagt, Anzeige habe ich damals als sinnlos betrachtet. Sehe ich auch heute noch so.
    Vielleicht würde ich heute eher auf aussagerelevante Details (wie man so schön sagt) achten, aber ich gehe sowieso nicht mehr auf Demos (was aber nichts mit der Polizei sondern mit meinen geänderten politischen Ansichten zu tun hat).

  20. 5.06.2007 | 9:03

    @Don

    Ich glaube, das Autonome Steinwerfer wegen versuchten Mord angeklagt gehören (Vorsatz, Einsatz lebensgefährlicher Waffen, niedere Beweggründe)

    Nun das passiert auch, allerdings werden die nicht wegen versuchten Mordes, sondern wegen versuchten Totschlags angeklagt …

    @Diskussion von Don & Stephan
    Das ist doch immer eine Gratwanderung zwischen Vertrauen in den Staat (das auch blind werden kann) und Skepsis gegen den Staat (die ebenfalls blind werden kann). Wenn die Polizei der “Gegner” sein sollte, ist es tatsächlich schwierig, dem Vorschlag, doch zur Polizei zu gehen, zu folgen. Gerade, wenn man sich einmal wieder vergegenwärtigt, was 2001 in Genua abgelaufen ist. (Für diejenigen, die die Sendung des WDR dazu noch nicht kennen, hier der Link) - Auch Demokratien (und mit ihnen ihre Exekutive) sind von ganz krassen Verfehlungen nicht per se geschützt …

  21. der gute don
    5.06.2007 | 16:57

    sondern wegen versuchten Totschlags

    bin ja kein Jurist, aber würde man dann nicht den “Vorsatz” streichen können? Lese übrigens gerade, der erste Steinewerfer wurde heute im Schnellverfahren zu 10 Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt.

    Auch Demokratien (und mit ihnen ihre Exekutive) sind von ganz krassen Verfehlungen nicht per se geschützt …

    Kann mir jetzt nicht das Video ansehen, werde aber heute oder morgen abend reinsehen. Vermute mal man sieht prügelnde italienische Polizisten. Italienische, wohlgemerkt, die machen ja auch Kriminelle zu Ihren Staatsoverhäuptern … natürlich ist keine Demokratie vor Verfehlungen geschützt, ein Grund mehr aktiv mitzuarbeiten und Verstösse auf allen Seiten anzuzeigen und publik zu machen

  22. Stephan
    6.06.2007 | 0:41

    Hmm, also nach den Fällen, die ich in meiner stürmischen Zeit mitbekommen habe, beinhaltet Totschlag durchaus “vorsätzliche Inkaufnahme des Todes” bis direkten Vorsatz zum Töten, sonst wäre es “gefährliche Körperverletzung mit Todesfolge”.
    Der Unterschied zum Mord ist eine Sache für Strafrechtler, schwer zu verstehen und wird wohl auch ständig diskutiert.
    Es gibt z.B. Messerstechereien, die in Kneipenschlägereien entstanden sind, und als Totschlag gewertet werden.
    In meinem naiven Versuch, das irgendwie zu definieren, würde ich den Totschlagsstrafbestand so sehen, daß es ein juristisches Eingeständnis an die simple Erkenntnis ist, daß Menschen in manchen Situationen schlicht “in den Kampfmodus” wechseln.
    Mord setzt dementsprechend eine gewisse kaltblütige Überlegenheit durch Heimtücke, und vor allem die Wehrlosigkeit des Opfers, etc. voraus.

    Hätte der Verurteilte mit einer scharfen Pistole auf die Beamten geschossen, wäre er klar wegen Mordversuchs verurteilt worden - aber später, nicht im Schnellgericht.

    So aber war er Teil einer ritualisierten Auseinandersetzung mit Gegnern, die ihn ebenfalls hätten übel zurichten können. Also versuchter Totschlag.

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