5. Juni 2007
Clown’s Army für Spiegel sowohl friedlich als auch gewalttätig
Ich weiß nicht, warum ich eigentlich immer noch spiegel.de lese. Ein bekanntlich häufig gelesener Satz in diesem Blog.
Aber fällt der Redaktion nicht der kleine Widerspruch zwischen diesem Video und der Mitteilung im Ticker von 11:42 auf.
In dem Video wird die Clown’s Army überaus positiv kommentiert. Es heisst im Kommentar
Ihre Waffe ist das Lachen, der schrille Auftritt ihr Markenzeichen.
Der abschließende Kommentar des Videos ist:
Maximale Provokation getarnt hinter super guter Laune: Die etwas andere Art zu protestieren
In dem Tickermitteilung heisst es:
Bei der Anti-G-8-Demonstration gestern in Rostock sollen militante Demonstranten chemische Flüssigkeiten gegen Polizisten versprüht haben - das behauptet die Polizei. “Acht Polizisten mussten zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden”, sagte Sprecher Axel Falkenberg. Dies sei ein in Deutschland bislang unbekanntes Vorgehen der militanten Szene. Verursacher seien Mitglieder einer Gruppe namens “Clown’s Army”, die aus Spritzpistolen die bisher unbekannte Flüssigkeit versprühten. Schon am Samstag mussten mehrere Polizisten mit schmerzhaften Hautreizungen medizinisch behandelt werden.
Vielleicht doch keine so nette Gruppe. Die verspühen vielleicht einiges, aber kaum gute Laune. Zumindest nicht bei den Polizisten im Krankenhaus.
Dieser Artikel des ddp erhebt sogar noch stärkere Vorwürfe gegen die Gruppe:
Die «Clown Army» gehört zu den radikalen G8-Gegnern, äußert ihren Protest auch gewaltsam und kostümiert sich dafür als vermeintlich harmlos.[...]
Einige der Globalisierungskritiker [von Clown's Army] trügen beispielsweise Schaumstoff unter ihrer Kleidung oder verbänden sich die Hände, um kräftiger zuschlagen. «Andere haben Messer dabei», erklärt Polizeisprecher Manfred Lütjann am Dienstag in Rostock. Am Wochenende waren mehrere Beamte direkt mit Messern attackiert worden. Auch Rauchbomben würden von manchen Chaoten eingesetzt, so Lütjohann. Rund 50 Polizisten hatten dadurch am Montagabend Augenreizungen erlitten. Wieder andere kamen mit Hammer und Meißel im Rucksack nach Rostock, um dort kiloschwere Brocken aus dem Pflaster zu hacken, mit denen sie die Polizeibeamten bewarfen. Das sei schon eine «neue Qualität» in der Vorbereitung auf Auseinandersetzungen mit der Polizei, sagt Lütjann. Nach seinen Angaben fallen unter den Gewaltbereiten besonders zwei Gruppen auf: der so genannte, sattsam bekannte «Schwarze Block» und eben die «Clown Army». Deren Mitglieder kostümierten sich, um die «Gewalttaten anders aussehen» zu lassen.
Ich kann nicht sagen, welche Ansicht stimmt (ein Tipp habe ich da schon). Allerdings, der Kontrast sollte doch selbst einer Spiegelredaktion auffallen.
P:S. Heute habe ich das erste YouTube-Video innerhalb eines Spiegelartikels gesehen. Spiegel.de wird immer mehr zu einem Blog.
Verfasst von dirkmeister um 17:57 Uhr in der Kategorie Politik, Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)