Zwei Studien über die Chancen des Klimawandels

In diesem B.L.O.G. erscheinen m.E. viel zu viele Artikel über den Klimawandel. Aber ich kann mich dem Gruppendruck einfach nicht entziehen. Deshalb hier mal ein erstaunlicher Kommentar aus der taz über die Chancen des Klimawandels:

Die Ökologie als Markt. Von Ulrike Hermann, die tageszeitung vom 5.6.2007

Wer verliert, wer gewinnt? Ob beim Fußball, beim Fernsehquiz oder bei Schlagerhitparaden - das interessiert immer. Diesen Mechanismus menschlicher Neugier hat nun auch die Deutsche Bank genutzt: In einer Studie hat sie ermittelt, welche deutschen Wirtschaftsbranchen am meisten vom Klimawandel profitieren werden.

Die Studie findet sich als pdf jenseits des folgenden Links: Klimawandel und Branchen - Manche mögen’s heiß! Deutsche Bank Research, 4. Juni 2007. Sie ist selbstverständlich in der gebotenen Oberflächlichkeit durch die Gazetten gereicht worden, aber die taz kann es noch oberflächlicher:

Um es kurz zu machen: Wer erneuerbare Energien produziert, gehört zu den Gewinnern. Bei den Verlierern reihen sich die Hersteller schwerer Luxusautos ein.

Jetzt kommt der investigative Teil des Kommentars:

Einen Gewinner hat die Deutsche Bank allerdings vergessen: sich selbst. Denn es ist kaum zu übersehen, dass ihre Studie Werbezwecken dient. Sie soll die Bank als Vordenkerin profilieren, die ihre Kunden sicher in die Zukunft geleiten kann.

Ja. Und?

Immerhin war die Expertise für den Staat kostenlos. Für eine ähnliche Studie der Unternehmensberatung Roland Berger, publiziert im Mai, hat das Bundesumweltministerium noch zahlen müssen.

Naja, für den Staat waren beide Studien kostenlos. Nur für die Staatsbürger halt nicht. Das Beste ist: Die Studie von der Deutschen Bank, die ich nicht bestellt habe, kann ich kostenlos herunterladen, siehe oben. Die Studie der Unternehmensberatung Roland Berger hingegen, die ich auch nicht bestellt, wohl aber mitbezahlt habe, suche ich im Netz vergeblich. Falls mir da jemand weiterhelfen könnte, wäre ich sehr dankbar.

Der Rest des taz-Kommentars beschäftigt sich übrigens noch mit der Ökosteuer und weist darauf hin, dass am Ende immer “die Unternehmen” gewinnen. Was für eine Überraschung.

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6 Kommentare zu “Zwei Studien über die Chancen des Klimawandels”

  1. R.A.
    6.06.2007 | 9:47

    Eine weitere überflüssige Studie die letztlich nur zeigt, daß Subventionen abzugreifen eine gute Geschäftsidee ist - solange die Politik blöde genug ist, diese zu zahlen.

    Mit echter Zukunftsfähigkeit hat das nichts zu tun.

  2. 6.06.2007 | 9:51

    R.A.,

    wenn ich für etwas Überflüssiges, das ich nicht bestellt habe, nichts bezahlen muss, dann ist mir das meistens egal.

  3. 6.06.2007 | 9:52

    Die taz bemüht sich offensichtlich um SPON-Niveau.

    Abgesehen davon ist der Artikel auch noch deshalb dämlich, weil er das Thema überhaupt nicht behandelt, was er zu behandeln meint.
    Denn (schlecht) beantwortet wird nicht die Frage “Wer profitiert vom Klimawandel?”.
    Sondern: “Wer profitiert von Staatsinterventionen, die mit ‘dem Klimawandel’ begründet werden?”

  4. 6.06.2007 | 11:33

    Die “Deutsche Bank”-Studie ist interessant. Dass die Studie der Unternehmensberatung Roland Berger nicht frei heruntergeladen werden kann, ist mal wieder typisch “deutsches Staatsverständnis”: der dumme Bürger braucht kein Hintergrundwissen.
    Im Übrigen: wenn schon Subventionen, dann in Technologie mit Zukunft - statt, wie üblich, in die Vergangenheit (was hätte man mit den Steuermitteln, die in die Steinkohlschächte geworfen wurden, sinnvolles machen können … )
    Es ist IMO nur eine Frage der Zeit, bis erneuerbare Energieträger (die tendenziell immer billiger werden) gegen fossilen Energieträgern (die tendenziell immer teurer werden) auch ohne Subventionen am Markt bestehen können. Gezielte (!) Industrieförderung kann aber sinnvoll sein, um die Entwicklung leistungsfähiger nicht-fossiler Energieanlagen zu beschleunigen.

  5. 6.06.2007 | 11:44

    ist mal wieder typisch “deutsches Staatsverständnis”: der dumme Bürger braucht kein Hintergrundwissen

    In der Regel kann man von Bundesbehördenseiten eine ganze Menge herunterladen. In diesem Fall tendiere ich allerdings eher zu einem verschwörungstheoretischen Ansatz: Dass der Klimawandel mit irgendetwas Positivem zusammengebracht wird, passt der Hausherrn selbstredend nicht in den Kram.

    Gezielte (!) Industrieförderung kann aber sinnvoll sein

    Hehe. Das sagen die Geförderten alle. Von sich selbst.

  6. der gute don
    6.06.2007 | 11:46

    Die taz bemüht sich offensichtlich um SPON-Niveau.

    Die Lametta-Kanone des sozialen Jorunalismus? ;-)

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