9. Juni 2007
Soziale Mindeststandards weltweit
Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nachdrücklich für weltweite soziale und umweltpolitische Mindeststandards ausgesprochen. Nur so könne Globalisierung gelingen, sagte sie auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln. (tagesschau.de)
Weil das alles viel zu lange dauert, bis die Politik das geregelt bekommt, hat die IG Metall schonmal losgelegt, wie die Welt am Sonntag in einem langen Beitrag über die Zusammenarbeit zwischen der IGM und Faber Castell schildert: Wie die IG Metall in China Sozialstandards prüft. Von Flora Wisdorff, Welt am Sonntag.
Die Rahmenvereinbarung (pdf) zwischen der IGM und Faber-Castell aus dem Jahr 1999 ist gerade mal eine Din A 4 - Seite lang - um so interessanter ist deshalb, wie die Einhaltung der Sozialstandards in der Image-Broschüre (pdf) von Faber-Castell dargestellt wird - und wie Anton Wolfgang von Faber-Castell es im Interview darstellt.
In dem WamS-Artikel kann sich jeder die Stellen raussuchen, die seiner Argumentation am meisten entgegen kommen. Ich nehme diese Passage:
(…)
Die junge Frau ist aus extremer Armut aus der Provinz nach Kanton gekommen. Jeden Monat schickt Yan-Juan die Hälfte ihrer 120 Euro nach Hause. Ihre Eltern verdienen 100 Euro im Jahr.
Die Lebensbedingungen der jungen Frau würde ein deutscher Arbeiter völlig inakzeptabel finden. Yan-Juan lebt neben der Fabrik. Abends geht sie durch das Sicherheitstor, biegt einmal links und wieder rechts ab und steht vor dem Hochhaus, das ihr Zuhause ist. Im siebten Stock teilt sie sich mit fünf Kolleginnen zwei Zimmer mit Durchgang.
Chinesische Arbeiter haben kaum Privatsphäre
Die Privatsphäre beschränkt sich auf die untere Hälfte eines Doppelbetts. Die hat sie mit Tüchern zugehängt. Die Wände sind kahl, der Schreibtisch steht schief. Deos und Snacks bewahren sie und ihre Mitbewohner auf den oberen Etagen der Betten auf. Es gibt ein Bad mit Stehklo, aber keine Küche. Im Vergleich zu ihrem Zuhause in der Provinz Guangxi ist ihre Etagenbetthälfte in Kanton aber eine Verbesserung. In dem Haus ihrer Eltern, gut 300 Kilometer von Kanton entfernt, gibt es nur zwei Zimmer für die ganze Familie, zu der noch zwei Brüder gehören. Aber kein modernes Bad, kein heißes Wasser und vor allem keine Unabhängigkeit.
Yan-Juan hat deshalb vor allem ein Ziel. Sie möchte zunächst noch ein Stück weiter nach oben auf der Wohlstandsleiter. Dafür kann die deutsche Sozialcharta ein Hindernis sein. Die Begrenzung der Überstunden, die mit den neuen Rechten aus Deutschland kam, begrüßt Yang deshalb nicht. Yang und ihre Kollegen würden gerne sieben Tage die Woche arbeiten, damit sie mehr Geld nach Hause schicken können.(…)
Von den hier geschilderten Gemeinschaftsunterkünften habe ich in Guangxi einige gesehen. Beileibe nicht nur Fabrikarbeiter leben in China so, sondern auch Lehrer und Lehrerinnen am Anfang ihrer Berufslaufbahn, Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten usw.
Das ist zunächst auf den ersten, zweiten und dritten Blick schwer auszuhalten, aber zum einen war es bei uns vor 100 Jahren auch nicht so viel anders, und zum anderen verbessert sich die Lage deutlich.
Verfasst von Marian Wirth um 22:09 Uhr in der Kategorie Grundsatzfragen, International, Politik, Wirtschaft (Trackback)