Soziale Mindeststandards weltweit

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich nachdrücklich für weltweite soziale und umweltpolitische Mindeststandards ausgesprochen. Nur so könne Globalisierung gelingen, sagte sie auf dem Evangelischen Kirchentag in Köln. (tagesschau.de)

Weil das alles viel zu lange dauert, bis die Politik das geregelt bekommt, hat die IG Metall schonmal losgelegt, wie die Welt am Sonntag in einem langen Beitrag über die Zusammenarbeit zwischen der IGM und Faber Castell schildert: Wie die IG Metall in China Sozialstandards prüft. Von Flora Wisdorff, Welt am Sonntag.

Die Rahmenvereinbarung (pdf) zwischen der IGM und Faber-Castell aus dem Jahr 1999 ist gerade mal eine Din A 4 - Seite lang - um so interessanter ist deshalb, wie die Einhaltung der Sozialstandards in der Image-Broschüre (pdf) von Faber-Castell dargestellt wird - und wie Anton Wolfgang von Faber-Castell es im Interview darstellt.
In dem WamS-Artikel kann sich jeder die Stellen raussuchen, die seiner Argumentation am meisten entgegen kommen. Ich nehme diese Passage:

(…)

Die junge Frau ist aus extremer Armut aus der Provinz nach Kanton gekommen. Jeden Monat schickt Yan-Juan die Hälfte ihrer 120 Euro nach Hause. Ihre Eltern verdienen 100 Euro im Jahr.
Die Lebensbedingungen der jungen Frau würde ein deutscher Arbeiter völlig inakzeptabel finden. Yan-Juan lebt neben der Fabrik. Abends geht sie durch das Sicherheitstor, biegt einmal links und wieder rechts ab und steht vor dem Hochhaus, das ihr Zuhause ist. Im siebten Stock teilt sie sich mit fünf Kolleginnen zwei Zimmer mit Durchgang.
Chinesische Arbeiter haben kaum Privatsphäre

Die Privatsphäre beschränkt sich auf die untere Hälfte eines Doppelbetts. Die hat sie mit Tüchern zugehängt. Die Wände sind kahl, der Schreibtisch steht schief. Deos und Snacks bewahren sie und ihre Mitbewohner auf den oberen Etagen der Betten auf. Es gibt ein Bad mit Stehklo, aber keine Küche. Im Vergleich zu ihrem Zuhause in der Provinz Guangxi ist ihre Etagenbetthälfte in Kanton aber eine Verbesserung. In dem Haus ihrer Eltern, gut 300 Kilometer von Kanton entfernt, gibt es nur zwei Zimmer für die ganze Familie, zu der noch zwei Brüder gehören. Aber kein modernes Bad, kein heißes Wasser und vor allem keine Unabhängigkeit.
Yan-Juan hat deshalb vor allem ein Ziel. Sie möchte zunächst noch ein Stück weiter nach oben auf der Wohlstandsleiter. Dafür kann die deutsche Sozialcharta ein Hindernis sein. Die Begrenzung der Überstunden, die mit den neuen Rechten aus Deutschland kam, begrüßt Yang deshalb nicht. Yang und ihre Kollegen würden gerne sieben Tage die Woche arbeiten, damit sie mehr Geld nach Hause schicken können.

(…)

Von den hier geschilderten Gemeinschaftsunterkünften habe ich in Guangxi einige gesehen. Beileibe nicht nur Fabrikarbeiter leben in China so, sondern auch Lehrer und Lehrerinnen am Anfang ihrer Berufslaufbahn, Schülerinnen und Schüler sowie Studentinnen und Studenten usw.

Das ist zunächst auf den ersten, zweiten und dritten Blick schwer auszuhalten, aber zum einen war es bei uns vor 100 Jahren auch nicht so viel anders, und zum anderen verbessert sich die Lage deutlich.

Ähnliche Beiträge


3 Kommentare zu “Soziale Mindeststandards weltweit”

  1. T. Albert
    10.06.2007 | 14:22

    “Das ist zunächst auf den ersten, zweiten und dritten Blick schwer auszuhalten, aber zum einen war es bei uns vor 100 Jahren auch nicht so viel anders, und zum anderen verbessert sich die Lage deutlich.”
    … und so soll es wieder werden?
    Würdest Du das für Dich auch akzeptieren? Abgesehen davon, dass wir sowas in Europa längst wieder haben. Afrikanische Arbeitr in der italienischen Landwirtschaft bspw. müssen noch beschissenere Verhältnisse ertragen.

    Dass sich hier die Lage deutlich verbesserte, hat eben mit gewerkschaftlicher Arbeit zu tun. Auch Menschen, die dagegen eingestellt sind haben davon profitiert, auch deren Lage hat sich dadurch verbessert. Und jetzt fordern die die Proletarisierung anderer Leute?

  2. 10.06.2007 | 16:42

    T. Albert,

    ich weiß zwar nicht, was Dich dazu berechtigt, in diesem charmanten Ton gleich wieder die unheilige Gewerkschaftsinquisition einzuberufen, aber einmal werde ich Dir antworten.

    … und so soll es wieder werden?

    Wenn ich das Hilfsverb durch den Konjunktiv ersetzen darf: Ja, so könnte es wieder werden. Nicht, weil ich mir das wünsche. Nicht, weil ich darauf hinarbeite. Sondern, weil mir der Fortschrittsglaube fehlt, anzunehmen, dass der Kuchen, den es zu verteilen gilt, so viel größer werden wird, dass alle Menschen so leben können, wie es die Deutschen jetzt tun. Für Zehntausende von Jahren war es so, dass die Menschen (und ihre biologischen Vorfahren) a) auf engem Raum und zusammen gelebt und b) so lange gearbeitet haben, bis sie gestorben sind. Im 20. Jahrhundert war es auf einem kleinen Teil der Erde nicht so. Jetzt dieses Zeitfenster und diesen kleinen Teil der Erde zum Maß aller Dinge zu erheben, halte ich für falsch.

    Würdest Du das für Dich auch akzeptieren?

    Ja, selbstverständlich.

    Und jetzt fordern die die Proletarisierung anderer Leute?

    Nein. Eine solche Forderung habe ich noch nie gehört. Es sei denn, Sie wurde “denen” von anderen Leuten in den Mund gelegt. Sowas soll vorkommen.

  3. T. Albert
    10.06.2007 | 21:29

    wann hätte ich denn schon mal die unheilige Gewerkschaftsinquisition einberufen? Dass mein Ton nicht so charmant ist bitte ich zu entschuldigen, sollte aber andererseits denjenigen nicht verwundern, der mich für den Präfekten einer Glaubenskongregation hält.

    -Dein Fortschrittsunglaube ist aber wieder ein anderes Thema; darüber zu diskutieren wäre interessanter.

Bad Behavior has blocked 1210 access attempts in the last 7 days.