In der Gedenkstättenrumpelkammer. Für Frieden, Recht und Freiheit.

Ich halte die Entscheidung des Bundeskabinetts, dem Bundesverteidigungsminister die Einrichtung eines “Ehrenmals” zu überlassen, für falsch. Und ich halte die Entscheidung des Bundesverteidigungsministers, ein solches “Ehrenmal” ausgerechnet im Bendler-Block installieren zu wollen, für eine geschichtsvergessene Peinlichkeit.

Die richtige Entscheidung für einen Erinnerungsort an die Bundeswehrangehörigen, die im Dienst ihr Leben verloren haben, ist eine Sache. Diese unter falscher Zuständigkeit am falschen Ort errichten zu lassen, ist eine andere Sache. Die Bundeswehr ist nämlich keine Bundesverteidungsministerarmee, sondern, oft zum Verdruß unserer Verbündeten, eine Parlamentsarmee (mehrere FDP-Politiker und -Politikerinnen haben darauf hingewiesen; aus anderen Parteien habe ich das nicht vernommen).

Zudem befindet sich im Bendler-Block bereits die Gedenkstätte Deutscher Widerstand, und zwar aus gutem Grund. Durch eine zweite Gedenkstätte (aus weit weniger gutem Grund) wird der Bendler-Block zu einer Gedenkstättenrumpelkammer. So werden letztlich beide Gedenkanlässe beeinträchtigt.

Über die Inschrift (“Den Toten unserer Bundeswehr – Für Frieden, Recht und Freiheit.”) sollte man vielleicht auch nochmal nachdenken.

Nein, der Gedenkort für die im Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrangehörigen gehört vor den Reichstag - und nur dort hin, nicht vielleicht irgendwann eventuell zusätzlich auch noch.

Dass man sich dem Thema auch auf richtig peinliche Art und Weise widmen kann, beweist Malte mit seiner unheimlich mutigen, ehrlichen, erfrischenden Bundeswehrkraftzersetzung.

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9 Kommentare zu “In der Gedenkstättenrumpelkammer. Für Frieden, Recht und Freiheit.”

  1. 14.06.2007 | 22:59

    Nein, der Gedenkort für die im Dienst ums Leben gekommenen Bundeswehrangehörigen gehört vor den Reichstag

    Wunderbar! Aber meine Hoffnung, dass sich Parlamentarier davon zu produktiver Nachdenklichkeit anregen lassen, ist nur sehr gering.

  2. 14.06.2007 | 23:07

    Hoffnung, dass sich Parlamentarier davon zu produktiver Nachdenklichkeit anregen lassen

    Parlamentarier in den Zustand produktiver Nachdenklichkeit zu versetzen, dürfte generell schwierig sein. Aber in den Bendler-Block wird sich kein Parlamentarier verirren.

    [Abschweifung] Der Leiter der Stasi-Gedenkstätte in Hohenschönhausen war neulich ziemlich überrascht, als die parlamentarische Staatssekretärin Karin Kortmann nicht nur eine ihrer Besuchergruppen in die Gedenkstätte schickte, sondern selbst mitkam: “Also, die Gedenkstätte steht ja bei vielen MdB auf dem Besucherprogramm - aber dass die selber mitkommen…ist…sehr selten.”[/Abschweifung]

  3. 15.06.2007 | 0:35

    Naja, wirklich *übel* sind dafür die Kommentare bei Malte. Irgendwo zwischen gedankenlos und frech, die meisten davon.

    Ich war nicht bei der Bundeswehr - das hatte drei Gründe. Erstens kann ich solch straffe Befehlsstrukturen nicht akzeptieren (ein egoistischer Grund). Zweitens könnte ich niemals auf Menschen schießen, weil mir jemand anders sagt, dass das jetzt gerade notwendig ist (ein echter Grund). Und drittens fehlt mir die körperliche Strapazenfähigkeit (ein Grund, der meine Kameraden genervt hätte, hätte ich nicht verweigert).

    Trotzdem aber habe ich einen großen Respekt vor denjenigen, die in den Krisenregionen der Welt einen gefährlichen und opferreichen Dienst leisten. Ein Respekt, der auch auf ihrer Natur als einer Parlamentsarmee beruht - was für mich soviel bedeutet wie “echte Volksarmee”. Insofern: Ja, der Reichstag wäre sicher der richtige Ort für so ein Denkmal.

  4. 15.06.2007 | 0:42

    @Karsten

    Ich war da, und ich kann dir sagen: Keiner der drei Gründe hat damals wirklich zugetroffen. Die Befehlsstrukturen hatten höchstens in der Grundausbildung eine Bedeutung, aber das bucht man ab. Auf Menschen schießen musste ich nie. Und körperlich besonders strapazierfähig war ich auch nicht, habe das aber jenseits der Grundausbildung auch nicht mehr als Nachteil empfunden.

    Wenn du meine Antwort auf deinen zweiten Punkt als zu oberflächlich empfinden solltest: Sie ist so nicht gemeint, sondern schon noch das Ergebnis von ein paar mehr Volten.

    Aber andersrum geht es mir wie dir: Ich respektiere alle, die aus Gewissensgründen keinen Wehrdienst leisten können. Ganz abgesehen von dem Gesichtspunkt, dass ich Wehrdienst generell für fragwürdig halte.

  5. 15.06.2007 | 0:58

    Gegen den Wehrdienst bin ich ebenfalls… aber ich habe derzeit sehr engen persönlichen Kontakt mit einem belgischen Feldwebel, der schon in den meisten Krisenregionen der Welt Dienst getan hat (inklusive meinem Punkt zwei und drei). Und die Gespräche mit ihm haben meinen Respekt schon noch deutlich befördert.

    Wobei Zivildienst meiner Ansicht nach *mindestens* so hoch zu bewerten ist wie Wehrdienst. Wer sich zwölf Monate lang um Demenz- und Alzheimerkranke kümmert, war wohl ebenso tapfer wie der, der neun Monate lang… Langeweile ertragen hat, weil die wirklich gefährlichen und entbehrungsreichen Sachen eh nur die Zeit- und Berufssoldaten machen dürfen.

  6. 15.06.2007 | 1:09

    Im Zivildienst habe ich jedenfalls wesentlich mehr Tote gesehen, als beim Wehrdienst zu erwarten gewesen wären.

  7. R.A.
    15.06.2007 | 10:16

    Da die Bundesregierung incl. Verteidigungsministerium generell dem Parlament gegenüber rechenschaftspflichtig ist, sehe ich das Prinzip “Parlamentsarmee” in keiner Weise beeinträchtigt, wenn dieses Ministerium nicht nur die Armee selber, sondern auch so ein Mahnmal zu organisieren hat.

    Oder umgekehrt: Würde das Parlament dem Ministierum nicht einmal die Verantwortung für ein Mahnmal zutrauen, sollte es diesem erst recht die Verantwortung für die Bundeswehr selber entziehen.

    Und ich sehe auch kein Problem mit dem Bendlerblock - das ist nun einmal die Zentrale, und da kann man auch der verschiedenen Anlässe gedenken.

  8. 15.06.2007 | 20:11

    Ja, R.A. als zentrale Kranzabwurfstelle bzw. “Rumpelkammer”. Irgendwie riecht mir die ganze Aktion nach Pflichtübung: “Ach ja, und für die toten Soldaten brauchen wir ja auch noch was.” Ich will nicht zu den heroisierenden “Kriegerdenkmälern” vergangener Zeiten zurückehren, und für monumentale Kriegsopfer-Mahnmale wird es bei uns hoffentlich nie wieder Bedarf geben - aber ein ästhetisch ansprechendes Denkmal in der Nähe des Reichstagsgebäudes - warum nicht? Vielleicht zusammen mit eine anderen Denkmal, für jene, die z. B. als Feuerwehrleute, THW-Helfer usw. bei Katastropheneinsätze ihr Leben ließen - beim Versuch, anderen Menschen das Leben zu retten.
    Kurz und gut: ich finde, wir brauchen eine Gedenk-Kultur, die sich nicht in Pflichtterminen und langweiligen Kranzabwürfstätten erschöpft.

  9. R.A.
    15.06.2007 | 22:16

    @MartinM:
    Das sind Aspekte, die ich durchaus unterstützen kann.
    Ich wollte nur sagen, daß ich weder die Verantwortlichkeit beim Ministerium noch den Standort Bendlerblock problematisch finde.
    Das heißt überhaupt nicht, daß ich andere Standorte ablehnen würde.

    Wobei ich übrigens generell eher skeptisch bin, ob uns das mit einem vernünftigen Gedenken gelingen wird - ob nun Pflicht oder Pathos oder Peinlichkeit, man kann da so viel falsch machen.

    Eine Einbeziehung auch noch aller möglichen anderen Gruppen à la THW finde ich da eher hinderlich, das wäre dann erst recht die flächendeckende Pflichtübung.

    Wenn überhaupt, dann gelingt Gedenken nur innerhalb von Gemeinschaften mit Zusammengehörigkeitsgefühl.
    Eben als Bundeswehr - oder getrennt beim THW.

    Wer allen und jedem gleichzeitig gedenken will, gedenkt eigentlich niemandem mehr.

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