Die Linken und das Gipfelgeld

Nach einer Meldung aus der morgigen Ausgabe des Nachrichtenmagazins »DER SPIEGEL« haben die Organisatoren der Anti-G8-Proteste in wenigen Tagen einen Schuldenberg von 70.000 Euro aufgehäuft. Diese Meldung würde man normalerweise in die Kategorie »Hund beißt Mann« einordnen, denn Linke können bekanntlich nur in äußerst seltenen Fällen mit Geld umgehen.

Interessant ist aber, wie dieses Defizit zustandekam: Allein die Küchen machten nach der Meldung einen Verlust von 15.000 Euro, weil dort jedem ein Essen für einen »freiwilligen Betrag« ausgegeben wurde. Dafür kann es eigentlich nur zwei Erklärungen geben:

Entweder die Teilnehmer haben ihre eigenen Organisatoren auf 15.000 Euro sitzen lassen, weil sie nicht den Anstand besaßen, einen kostendeckenden Beitrag für das Essen hinzulegen. Oder die Organisatoren waren nicht in der Lage, einen kostendeckenden Richtwert für die Verpflegung festzulegen und auch einzutreiben.

Im ersten Fall stellt sich die Frage, warum sie für die große Moral demonstrieren, wenn sie nicht mal in den kleinsten und einfachsten Dingen Moral zeigen können. Wer sich einfach sein Essen abholt, ohne dafür einen anständigen Beitrag abzuliefern, bei dem würde ich einen moral hazard im Anfangsstadium diagnostizieren. Und im zweiten Fall stellt sich die Frage, was ihre Berechnungen zur Welt-Ökonomie wert sind, wenn sie nicht einmal das Essen für ein paar tausend Gipfelgegner richtig kalkulieren können.

Aber es kommt noch besser: Die Organisatoren behaupten, dass sie »wegen der Ausschreitungen auf der Demo« nicht genügend Spenden einsammeln konnten. Tja: Wer sich mit solchen Ausschreitenden gemein macht und sich nur sehr vage von ihnen abgrenzt, der sollte nicht zur gleichen Zeit vom friedlichen Spendensammeln träumen …


Quelle: »DER SPIEGEL«, 25/2007, 18.06.2007, Seite 22

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26 Kommentare zu “Die Linken und das Gipfelgeld”

  1. 17.06.2007 | 20:31

    Fehlt zum abgerundeten Bild eigentlich nur noch die Forderung, andere mögen die Schulden begleichen. Am besten der Steuerzahler, damit es sozial gerecht zugeht.

  2. c.
    17.06.2007 | 20:41

    Warum schicken sie die Rechnung nicht an “Die Linke”? Die Zahlen das doch bestimmt gerne.

  3. stefanolix
    17.06.2007 | 20:45

    Gut, das wollte ich nachreichen: Sie starten jetzt eine Spendenkampagne und wollen gezielt an Leute wie Bono und Grönemeyer herantreten. Die Stars werden sich jetzt schon freuen: erst dürfen sie kostenlos auftreten und dann sollen sie noch das Essen der Zuhörer bezahlen ;-)

    Und in der Fußgängerzone hört sich das dann so an: He, haste mal ‘nen Euro für eine abgebrannte Gipfelkasse?

  4. stefanolix
    17.06.2007 | 20:46

    @c: Die LinksPartei hält dem Vernehmen nach ihr altes SED-Erbe gut zusammen. Ich fürchte, da werden sie auf Granit beißen.

  5. der gute don
    17.06.2007 | 22:51

    Wer sich einfach sein Essen abholt, ohne dafür einen anständigen Beitrag abzuliefern, bei dem würde ich einen moral hazard im Anfangsstadium diagnostizieren.

    klassisches realitätsnahes Verhalten in sozialistischen Organisationen. Die Moral kommt nach dem Fressen.


    Und im zweiten Fall stellt sich die Frage, was ihre Berechnungen zur Welt-Ökonomie wert sind, wenn sie nicht einmal das Essen für ein paar tausend Gipfelgegner richtig kalkulieren können.

    Das z.B. attac bereits weltfremde globalökonomische Berechnungen durchgeführt hat, hat schon den ein oder anderen Lacher gebracht. Viel interessanter ist doch, wie den Organisatoren die individuelle Nutzenoptimierung Ihrer Anbeter vorgeführt bekommen. Erst optimieren Sie das Wohlbefinden ihrer Bäuche, dann ihr Gewissen bei der anschließenden Demo. Da ist es nur gerecht, daß der Steuerzahler die enstanden Flurschäden rund um Heiligendamm bezahlen muß, die Organisatoren haben jetzt wirklich genug für die demokratischen Rechte ausgegeben!

  6. 17.06.2007 | 22:57

    haha, sehr schön! Der Artikel hat mir den Abend verschönert, vielen Dank! Am besten finde ich, dass jetzt Bono oder Grönemeyer zahlen sollen, selbst schuld wenn man sich mit diesen Leuten einlässt.

  7. R.A.
    18.06.2007 | 10:17

    Ich wäre ja sowieso dafür, den Demo-Organisatoren die von ihnen verursachten Kosten voll in Rechnung zu stellen (alleine der Polizeieinsatz über 100 Millionen, dazu die Sachschäden durch die Randalierer).
    Dann wäre eine Weile mal Ruhe …

  8. stefanolix
    18.06.2007 | 10:32

    Der Polizei-Einsatz kann sicher nicht in Rechnung gestellt werden, aber zumindest die direkt verursachten Schäden sollten sie ausgleichen. Die Demonstranten waren ja hinterher ganz stolz auf ihre Taktik (als sie durch die Felder marschiert sind).

    Etwas weniger laut sprachen sie davon, mit den Bauern in Kontakt treten zu wollen, um den Schaden zu ersetzen. Das dürfte sich ja nach dem Schuldenstand aus der oben zitierten Meldung auch erledigt haben, jedenfalls hat man nie wieder etwas davon gehört. Wo sind die investigativen Journalisten, die nach dem Schadensausgleich für die Bauern fragen?

  9. 18.06.2007 | 23:52

    wo hier schon von kosten geredet wird. wer bezahlt eigentlich die mindestens 90 millionen euro für den g8-gipfel? doch nicht etwa der steuerzahler?

  10. 18.06.2007 | 23:54

    Doch, wer sonst? Warum?

  11. 18.06.2007 | 23:59

    war eine rhetorische frage..

    ich persönlich würde wohl 10 mal lieber zur tilgung der 70.000 euro schulden beitragen, als zur finanzierung eines 100 millionen euro schweren kaffeekränzchens unserer staatslenker/innen, aber das nur am rande.

  12. 19.06.2007 | 0:02

    Eigentlich richtig. Es wird aber kaum klappen, Bono und Herbie zu Zahlung der 100 Mio zu bringen und selbst nur die 70.000 zu zahlen. Und wir haben ja auch irgendwann mal alle demokratisch entschieden, daß wir das Kaffeekränzchen brauchen. Muß so sein. Vielleicht wird ja auch irgendwann noch entschieden, wofür.

  13. 19.06.2007 | 0:05

    Ich würde zu beidem nicht gern beitragen, aber in der Frage der Schulden der G8-Gegner kann ich es mir ja zum Glück aussuchen. Nein, ernsthaft: wir haben hier im Blog genug über Unpolitik geschrieben. In meinen Augen war der Gipfel ein Musterbeispiel für Unpolitik.

    Trotzdem konnte ich nicht widerstehen, über die Naivität der Organisatoren und die Fragwürdigkeit des Verhaltens mancher Teilnehmer zu bloggen ;-)

  14. 19.06.2007 | 0:22

    Was ich von der G8-Inszenierung halte, habe ich schon gesagt. War halt der Wille des Volkes *hüstel*

    Aber zu den Kosten muss man schon noch sagen, dass sie fast ausschließlich deswegen entstanden sind, weil in diesem Land gewisse politische Gruppen die wiederholte Verletzung geltenden Rechts als Mittel für sich beanspruchen. Natürlich: Man kann auch vor der Gewalt weichen…

    Übrigens ist wohl ca. ein Drittel der kolportierten 92 Mio Euro lediglich eine Aktion “linke Tasche - rechte Tasche”, wo der Bund den Ländern die Kosten der abgestellten Polizeibeamten erstattet. Aber 60 Mio Euro sind auch eine Stange Geld. Immerhin fast 20% des Jahreseinkommens von Herrn Schwarzman.

  15. 19.06.2007 | 0:45

    wir haben demokratisch entschieden, daß wir das Kaffeekränzchen brauchen? hab’ ich da was verpasst?

  16. 19.06.2007 | 0:48

    Das Volk ist der Souverän, und der muß das entschieden haben. Wie es seine Art ist, demokratisch.

  17. 19.06.2007 | 0:53

    das ist logik.. aber keine realität.

  18. 19.06.2007 | 0:55

    pssst!

  19. 19.06.2007 | 1:02

    “Das” Volk kann prinzipiell sowieso nichts entscheiden. Höchstens eine Mehrheit des Volkes mit anschließender Zwangsverpflichtung der Minderheit.

  20. 19.06.2007 | 1:04

    Dann müßte man den Souverän ja für handlungsunfähig erklären?

  21. 19.06.2007 | 1:09

    Nein, für despotisch. Soll bei Souveränen ja öfters vorkommen.

  22. 19.06.2007 | 8:36

    Die Kosten sind aber auch durch eine idiotische Wahl des Tagungsortes [das hat noch die Schröder-Regierung zu verantworten!] auf eine so astronomische Höhe getrieben worden. Wenn ohnehin nahezu kein Kontakt zu den Menschen geplant war, hätte man eine wesentlich kostengünstigere Lösung finden können und finden müssen.

  23. R.A.
    19.06.2007 | 10:13

    Der G8-Gipfel selber kostet nicht so viel - und die paar Spesen kann man sich auch trotz der dürftigen Ergebnisse leisten. Das sind keine Summen, über die sich eine Diskussion lohnt.

    Der Hauptteil der Kosten ist nur entstanden, weil die Globalisierungsgegner sich nicht an Gesetze halten und nicht zu einer friedlichen politischen Demonstration bereit waren.

    Und deswegen wäre es moralisch durchaus gerechtfertigt, denen die Rechnung über die 100 Millionen zu schicken (über die juristischen und praktischen Hindernisse bei der Eintreibung dieser Summe bin ich mir im Klaren …).

    Ich sehe jedenfalls nicht, daß Heiligendamm nun ein besonders ungeeigneter Veranstaltungsort gewesen wäre.
    Und ich sehe es grundsätzlich nicht ein, daß irgendwelche Leute (und seien es auch Spitzenpolitiker) ihre Reisepläne nach den Vorstellungen irgendwelcher Randalierer ausrichten müssen.

  24. 19.06.2007 | 10:47

    Die Sicherheitslage war aber nun mal so. Die Politiker müssen mit dem Steuergeld angemessen umgehen und wenn man für zehn Millionen den Petersberg in Bonn sichern kann, muss man das Geld doch nicht in Heiligendamm aus dem Fenster werfen.

  25. R.A.
    19.06.2007 | 11:56

    @stefanolix:
    > Die Sicherheitslage
    > war aber nun mal so.
    Und das muß sich ändern!

    Ich bin ja ansonsten völlig für Sparsamkeit. Aber hier geht es um Grundsätzliches - es kann nicht sein, daß sich die Chaoten in Deutschland als Veto-Macht etablieren.

  26. 19.06.2007 | 12:13

    Nach meiner Vorstellung wäre Heiligendamm überhaupt nie öffentlich erwähnt worden, also hätte es auch keine Kapitulation vor den Chaoten gegeben. Nachdem Schröder/Schily/Fischer nun aber öffentlich dorthin eingeladen hatten, musste man in den sauren Apfel beißen.

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