19. Juni 2007
Man stelle sich vor…
Bei Zettel kommentierte Thomas Wolf ein Zitat von Gregor Gysi (”"Wer hätte denn das 1989/90 gedacht, dass wir Bestandteil einer gesamtdeutschen Linkspartei werden, und morgen ist es soweit.”) wie folgt:
Der Mann hat recht. Keiner hätte das gedacht. Warum das jetzt in der Öffentlichkeit so wenig problematisiert wird, will mir einfach nicht in den Kopf.
Man stelle sich vor, die NSDAP wäre 1945 nicht verboten worden, sondern hätte sich nur umbenannt in, sagen wir, “Partei des Demokratischen Nationalsozialismus” (PDNS).
Man stelle sich vor, es gäbe von Vertretern dieser Partei Rechtfertigungen der folgenden Art zu hören: “Wir distanzieren uns klar und deutlich von unserer Vergangenheit. Wir glauben immer noch an den Sieg des Nationalsozialismus, aber nicht in seiner autoritären Form. Wir vertreten jetzt einen demokratischen Nationalsozialismus. Ganz klar, in der Vergangenheit ist viel passiert, was nicht in Ordung war. Der Krieg, und die KZs, und das mit den Juden und so, das war ganz klar nicht in Ordung. Das sagen wir auch ganz deutlich. Aber die Grundidee halten wir immer noch für richtig. Also Schwamm drüber. Wir versuchen’s einfach nochmal.”
Man stelle sich weiter vor, Karl Dönitz, mittlerweile auch als Berliner Wirtschaftssenator gescheitert, hätte sich gut fünfzehn Jahre später hingestellt und gesagt: “Wer hätte denn das 1945 gedacht, dass wir Bestandteil einer gesamtdeutschen Rechtspartei werden, und morgen ist es soweit.”
Man stelle sich vor….aber man kann es sich halt nicht vorstellen. Das ist es ja.
Ich versuche jetzt schon ein paar Minuten, an dieser Analogie etwas grundlegend Falsches zu finden. Aber es gelingt mir einfach nicht.
Verfasst von Rayson um 19:08 Uhr in der Kategorie Politik (Trackback)