22. Juni 2007
Hundertsechsprozentig
Über einen Beitrag von Dominik Hennig stieß ich auf die Website “Neue Nachricht“, nach eigenen Worten “eine Recherche-Datenbank für Journalisten und andere Informationssuchende.” Neugierig klickte ich auf die erste Nachricht, die mir interessant erschien: “Akademikerkinder immer noch deutlich im Vorteil – ‘Staat muss in Bildung investieren’”. Und fand dort folgende goldene Worte (Hervorhebung von mir):
83 Prozent gegen 23 Prozent. So deutlich liest sich das Ergebnis der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes http://www.studentenwerke.de, wenn es um die Sozialauswahl des deutschen Hochschulsystems geht. Demnach sind 83 von 100 Studienanfängern Kindern von Akademikern, lediglich 23 kommen aus einem Arbeiterhaushalt. „Bei solchen Zahlen kann man nicht mehr von gerechten Bildungschancen sprechen“, mahnt Tobias Janßen, Geschäftsführer der Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com in Düsseldorf und Mitglied im Executive Board American Chamber of Commerce http://www.amcham.de. Janßen sieht den Staat am Zug: „Bildung sichert unsere Zukunft. Die Investitionen in diesen Bereich müssen deshalb hochgefahren werden.“
Anlass zum Nachdenken: Gibt es vielleicht eine akademische Arbeiterschaft? Oder gar arbeitende Akademiker? Oder sind die Zahlen vielleicht selbstkritisch zu lesen: Viele studieren, aber nur wenige lernen auch was dabei? Schwer zu sagen, ob der gute Herr Janßen noch mal den Mathe-Stoff der Unterstufe wiederholen sollte oder der Verfasser der Mitteilung. Das Deutsche Studentenwerk hingegen kann durchaus rechnen. Denn die Aussage war auch eine andere:
83 von 100 Akademiker-Kindern studierenden(sic!), aber nur 23 von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition.
Aber seit wann muss man denn das, worüber man schreibt oder spricht, auch verstehen.
Verfasst von Rayson um 19:07 Uhr in der Kategorie Presse / SPON- und taz-Blog (Trackback)