Hundertsechsprozentig

Über einen Beitrag von Dominik Hennig stieß ich auf die Website “Neue Nachricht“, nach eigenen Worten “eine Recherche-Datenbank für Journalisten und andere Informationssuchende.” Neugierig klickte ich auf die erste Nachricht, die mir interessant erschien: “Akademikerkinder immer noch deutlich im Vorteil – ‘Staat muss in Bildung investieren’”. Und fand dort folgende goldene Worte (Hervorhebung von mir):

83 Prozent gegen 23 Prozent. So deutlich liest sich das Ergebnis der 18. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes http://www.studentenwerke.de, wenn es um die Sozialauswahl des deutschen Hochschulsystems geht. Demnach sind 83 von 100 Studienanfängern Kindern von Akademikern, lediglich 23 kommen aus einem Arbeiterhaushalt. „Bei solchen Zahlen kann man nicht mehr von gerechten Bildungschancen sprechen“, mahnt Tobias Janßen, Geschäftsführer der Goldfish Holdings http://www.goldfish-holdings.com in Düsseldorf und Mitglied im Executive Board American Chamber of Commerce http://www.amcham.de. Janßen sieht den Staat am Zug: „Bildung sichert unsere Zukunft. Die Investitionen in diesen Bereich müssen deshalb hochgefahren werden.“

Anlass zum Nachdenken: Gibt es vielleicht eine akademische Arbeiterschaft? Oder gar arbeitende Akademiker? Oder sind die Zahlen vielleicht selbstkritisch zu lesen: Viele studieren, aber nur wenige lernen auch was dabei? Schwer zu sagen, ob der gute Herr Janßen noch mal den Mathe-Stoff der Unterstufe wiederholen sollte oder der Verfasser der Mitteilung. Das Deutsche Studentenwerk hingegen kann durchaus rechnen. Denn die Aussage war auch eine andere:

83 von 100 Akademiker-Kindern studierenden(sic!), aber nur 23 von 100 Kindern aus Familien ohne akademische Tradition.

Aber seit wann muss man denn das, worüber man schreibt oder spricht, auch verstehen.

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9 Kommentare zu “Hundertsechsprozentig”

  1. 22.06.2007 | 19:41

    Also bitte zum Kern der Sache: Sind Arbeiterkinder wirklich so viel dümmer als Akademikerkinder?

  2. 22.06.2007 | 19:46

    Die Diskussion ist hier OT.

  3. 22.06.2007 | 19:55

    Aber nur über die mangelhaften Mathekenntnisse der Journalisten zu debattieren ist langweilig. Ok, ok, meine Meinung ist natürlich fast immer und fast überall OT.

  4. 22.06.2007 | 20:48

    Wenn es um die gute Sache geht muss man auch mal Fünfe grade sein lassen. Eiskalt, diese Liberalen - rechnen einfach nach. Unverschämtheit. ;-)

  5. Rondo
    23.06.2007 | 13:50

    Eine andere Frage: Warum müssen die (ärmeren) Arbeiter die Studien der (reicheren) Akedamiker finanzieren?

  6. FAB.
    23.06.2007 | 15:58

    Tun sie das denn? Dieses allzu beliebte Sentiment unterstellt, daß alle Bevölkerungsgruppen gleichermaßen zum Steueraufkommen beitragen. Vielleicht nochmal einen Blick auf die Verteilung der Steuereinnahmen auf die Einkommensgruppen werfen, dann relativiert sich die Wurstfachverkäuferin, die dem Arzttöchterchen “das Studium finanziert” doch ganz gewaltig.

    Genau genommen, dürfte doch eher andersherum ein Schuh draus werden: Wurstfachverkäuferin zahlt recht wenig Steuern, ihr Sohn bekommt zudem Bafög. Demgegenüber finanziert Arzttöchterchens Papa mit seinem erheblich höheren Steueraufkommen nicht nur die öffentliche Einrichtung Universität für beide Sprößlinge, sondern auch das Bafög für den Wurstfachverkäuferinnensohn. Den Lebensunterhalt für Arzttöchterchen während es Studiums ohnehin. Also, wer bezahlt wem das Studium?

  7. 23.06.2007 | 16:55

    FAB: das stimmt - und ist meiner Ansicht auch völlig in Ordnung. Die Frage: “Warum müssen die (ärmeren) Arbeiter die Studien der (reicheren) Akadamiker finanzieren?” resultiert meines Erachtens aus dem (verbreiteten) Missverständnis, dass “die Reichen” (zu denen ein Arzt normalerweise nicht gehört) “kaum Steuern zahlen”. Berechtiger wäre meiner Ansic.ht nach die Frage, warum “wir” (steuerzählende Arbeitnehmer - also sowohl Wurstverkäufer wie Chefarzt) zahlreiche volkswirtschaftlich unsinnige Subventionen bezahlen müssen. Wobei ich gegen staatliche “Investitionen in mehr Bildung” grundsätzlich gar nichts habe - weil gut möglichst viel gut ausgebildeter und gut gebildeter Nachwuchs für eine hochindustrialisierte Volkswirtschaft unverzichtbar ist. Und dazu reichen die Akademikerkinder, die “sowieso” studieren tatsächlich nicht aus - und auch auf der Facharbeiterebene braucht man Menschen, die gut rechnen können. (Gerade auf der Facharbeitebene braucht man die dringend - und die Mathe-Kenntnisse der meisten Schulabgänger sind erbärmlich.) Also: die Bildung dürfen wir “uns” ruhig etwas kosten lassen. Dann bitte schön aber auch in ein Schulsystem, in dem Begabtenförderung gegenüber frühzeitiger Auslese leider sehr im Hintertreffen ist.

  8. 23.06.2007 | 21:38

    @Marc

    An mangelnde Mathematik habe ich mich gewöhnt. Was mich viel mehr stört, ist die Verfälschung der Aussage.

  9. 23.06.2007 | 21:40

    @MartinM

    Es gibt einen einfachen und sehr liberalen Weg zu mehr Bildung: Bildungsgutscheine und freie Trägerschaft. Interessanterweise am meisten verwirklicht in Schweden.

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